{"id":20149,"date":"2024-07-30T08:25:36","date_gmt":"2024-07-30T06:25:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20149"},"modified":"2024-07-30T08:25:36","modified_gmt":"2024-07-30T06:25:36","slug":"matthaeus-1116-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1116-24\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11,16-24"},"content":{"rendered":"<h3>Vom Recht der Freude und dem Recht der Trauer | 10. Sonntag nach Trinitatis | Mt 11,16-24 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe eine Woche zugebracht mit meinen drei Enkelkindern und ihren Eltern. Das sind ganz phantastische Kinder. Ich liebe das phantasievolle Universum, in dem sie leben. Jeder Tag scheint f\u00fcr sie frisch zu sein und neugeschaffen. Aber ich muss gestehen, dass sowohl die Eltern als auch ich selber sie behandeln wie K\u00f6nige und K\u00f6niginnen. Wenn das dreij\u00e4hrige M\u00e4dchen eine schusselige Zeichnung gemacht hat, wird es hoch gelobt, auch wenn alle denken, dass es sich mehr M\u00fche gemacht haben k\u00f6nnte. Wenn das j\u00fcngste Kind auf dem Topf war, h\u00fcpfen die Eltern vor Begeisterung, als w\u00e4re ein Wunder geschehen. Die Kinder haben heute die Macht. Jesus hat gesagt: Lasst die Kinder zu mir kommen. Er sagt nicht: Lasst die Kinder die Macht bekommen. Alles dreht sich um sie, und immer wieder werden sie gefragt: Wozu habt ihr Lust? Und so bleibt es vermutlich, bis sie von zuhause ausziehen. Man hat die Konfirmationspredigten von vor Jahren mit denen von heute verglichen. Fr\u00fcher predigten die Pastoren von den vielen kommenden Pflichten der Konfirmanden und ihrer Verantwortung als Christen und B\u00fcrger in der Gesellschaft. Heute geht es in den Predigten darum, dass die Konfirmanden einzigartig sind und phantastisch und dass sie nur an sich selbst und ihre vielen F\u00e4higkeiten und Talente glauben m\u00fcssen. Aber ich habe mir gedacht, dass ich am n\u00e4chsten Sonntag, wo ich die neuen Konfirmanden begr\u00fc\u00dfen werde, auf ihre Pflichten verweise. In der Konfirmation geht es nicht nur darum, dass Jesus Christus noch einmal ja sagt zu ihnen wie bei der Taufe. Die Konfirmation handelt auch von dem Ja, das die Konfirmanden dazu sagen, dass sie im christlichen Glauben konfirmiert werden. Ein Christ, auch ein Teenager-Christ, hat in hohem Ma\u00dfe Pflichten und Verantwortung. Und da die Meinungsfreiheit zurzeit in vieler Hinsicht bedroht ist, werde ich n\u00e4chsten Sonntag, bei der Begr\u00fc\u00dfung der Konfirmanden, an die Pflicht der kommenden Konfirmanden appellieren, f\u00fcr die Meinungsfreiheit zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im heutigen Evangelium steht: \u201eWir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint\u201c. Diese Worte sollten Alten wie Jungen zu Herzen gehen. Warum tanzen wir nicht mehr in Begeisterung f\u00fcr die Meinungsfreiheit und das Recht, an Jesus Christus als unserem Erl\u00f6ser zu glauben? Warum klagen wir nicht mehr, wenn die Meinungsfreiheit verletzt wird, wie dies geschah, als der Schriftsteller Salman Rushdie 2022 \u00fcberfallen wurde, weil er einige ironische Worte \u00fcber den Islam geschrieben hatte? Als ich vor Jahren einen im Radio \u00fcbertragenen Gottesdienst hielt, hatte ich in meiner Predigt festgestellt, dass Mohammed der erste Islamist war. Er f\u00fchrte den Islam in den arabischen L\u00e4ndern ein mit Gewalt und Terror im Gegensatz zu Jesus, der nie Gewalt anwandte und daran appellierte, dass wir Gott und einander lieben sollten. Aber als ich auf der Kanzel stand, wagte ich nicht, das zu sagen, was in meinem Manuskript stand. Ich f\u00fcrchtete die Gewalt, wenn irgendwelche radikalisierten Muslime h\u00f6rten, was ich sagte. So weit ist es gekommen. Es beginnt damit, dass die Kinder in der Schule einige Dinge nicht zu sagen wagen, weil man wegen seiner Meinungen gemobbt werden kann. Das f\u00fchrt dann weiter dazu, dass man es als Erwachsener nicht wagt, sich frei zu \u00e4u\u00dfern aus Furcht, politisch unkorrekt genannt zu werden, und das endet dann damit, dass da pl\u00f6tzlich viele Dinge sind, \u00fcber die man nicht reden darf, weil man bedroht ist von \u00dcberf\u00e4llen, Oppression, Verurteilung, im schlimmsten Fall Verletzung und Tod. Vor wenigen Jahren wurden 41 Kirchg\u00e4nger in \u00c4gypten w\u00e4hrend des Gottesdienstes lebendig verbrannt. Hunderte wurden verletzt. Der Brand war an der T\u00fcr entstanden. Die \u00e4gyptischen Beh\u00f6rden sprachen von elektrischen Kurzschl\u00fcssen. Aber tats\u00e4chlich werden Christen in vielen L\u00e4ndern verfolgt. Unter anderem in \u00c4gypten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun k\u00f6nnte man einwenden, wenn man die Worte aus dem Evangelium dieses Sonntags beim Worte nimmt, dass Jesus auch ziemlich fanatisch klingt. \u201eWehe dir, Chorazin!\u201c ruft er, \u201ewehe dir, Betsaida!\u201c, \u201eWehe dir, Kapernaum\u201c \u2013 es wird euch schlimm ergehen am Tag des Gerichts. Ja, Jesus schilt uns. Aber er sagt nicht, dass er ein Heer zu den drei St\u00e4dten schickt, um die Einwohner zu erschlagen, weil sie sich nicht zu seiner christlichen Botschaft bekehrt haben. Er \u00fcberl\u00e4sst Gott das Gericht. Es liegt im Wesen des Christentums, dass der Glaube an Jesus ganz freiwillig ist, so wie es freiwillig ist, sich konfirmieren zu lassen und seine Kinder taufen zu lassen. Es ist nicht verboten, gescholten zu werden, wenn da etwas ist, was man vergisst oder \u00fcbersieht. Die Jungen erfahren viel Lob. Und das sollen sie auch haben. Aber es tut ihnen auch gut, gescholten zu werden, dass ihnen widersprochen wird, wenn sie zum Beispiel nicht vor Freude springen dar\u00fcber, sich frei \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen, und wenn sie nicht dar\u00fcber trauern, dass Salman Rushdie verletzt wurde, weil er das schreibt, was er will. Die Jungen d\u00fcrfen gerne gescholten werden, wenn sie es nicht beklagen, dass Christen lebend verbrannt werden, weil man in gewissen L\u00e4ndern weder Atheist noch Christ sein darf. Dasselbe gilt f\u00fcr alle uns Erwachsene. Wir m\u00fcssen die Meinungsfreiheit und die Glaubensfreiheit tief ernst nehmen. Sie sind angefochten. Lasst uns also tanzen vor Freude \u00fcber das, an dem man sich gerade nun freuen kann, und trauern \u00fcber das, was gerade zu betrauern ist. Wir haben im Christentum eine pr\u00e4chtige Religion, wo wir sehr wohl akzeptieren k\u00f6nnen, dass andere das verlachen, woran wir glauben. Wir rechnen damit, dass Jesus Sinn f\u00fcr Humor hatte, und als Gl\u00e4ubige tut es uns gut, nicht zu selbstherrlich zu sein. Lasst uns tanzen, weil Gott gn\u00e4dig ist, das Christentum sch\u00f6n ist, D\u00e4nemark ein Land mit Meinungsfreiheit und Glaubensfreiheit. Und lasst uns trauern und klagen und protestieren gegen all das, was unsere Freiheit begrenzt, zu glauben, zu denken und zu sagen, was wir wollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Recht der Freude und dem Recht der Trauer | 10. Sonntag nach Trinitatis | Mt 11,16-24 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Poul Joachim Stender | Ich habe eine Woche zugebracht mit meinen drei Enkelkindern und ihren Eltern. Das sind ganz phantastische Kinder. 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