{"id":20203,"date":"2024-08-15T07:58:12","date_gmt":"2024-08-15T05:58:12","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20203"},"modified":"2024-08-15T09:05:28","modified_gmt":"2024-08-15T07:05:28","slug":"jona-2-matthaeus-1231-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jona-2-matthaeus-1231-42\/","title":{"rendered":"Jona 2, Matth\u00e4us 12,31-42"},"content":{"rendered":"<h3>12.Sonntag nach Trinitatis | 18.08.24 | Jona 2, Mt 12,31-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<h2 style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong>Wenn wir andere verl\u00e4stern, verl\u00e4stern wir uns selbst<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben. Mit diesen Worten beginnt das Evangelium dieses Sonntags. Keine Vorbehalte. Hier wird nicht mit engem Ma\u00df gemessen, hier wird nicht gespart, Jesus ist vielmehr gro\u00dfz\u00fcgig, geradezu verschwenderisch. Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben. Das ist nicht nur ein kleiner Tropfen, sondern eine Dusche, ein Wasserfall. Die Liebe Gottes ist ein Wasserfall, der uns k\u00fchlt und reinigt. So wie der Himmel sich \u00f6ffnet und der Regen herabf\u00e4llt, ist da kein Unterschied zwischen reich und arm, schwarz und wei\u00df, Frau und Mann, Erwachsen und Kind. Die Regentropfen fallen auf uns alle, und durchn\u00e4ssen Hemd und Kleid, Haar und Hut, Schleier. Die Reicht\u00fcmer Gottes kommen jedem zugute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erinnert ihr euch an das Pfingstereignis? Jesus ist gekreuzigt, gestorben und auferstanden und aufgefahren zum Himmel, aber dann kommt er pl\u00f6tzlich wieder und ist bei allen Leuten. Das wird mit dem herrlichen Bild beschrieben, dass der Heilige Geist sich als eine Flamme auf die K\u00f6pfe der Leute setzt. Das ist ein Bild daf\u00fcr, dass, dass wir alle den Geist Gottes erhalten. Wie damals, als Gott seinen Geist in Adam und Eva blies, und damals, als Jesus in einem neuen geistigen Leib aus dem Grabe auferstand. Gro\u00dfz\u00fcgig verbindet sich Gott mit allen Menschen und macht uns lebendig mit je unserem Geist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn Jesus nun sagt, dass alles vergeben werden kann, nicht aber die L\u00e4sterung gegen den Heiligen Geist, was bedeutet das nun? Warum ausgerechnet der Heilige Geist? Wenn es nicht eben der Heilige Geist ist, der im Menschen eingezogen ist. Du kannst mit anderen Worten Gott und Jesus Christus l\u00e4stern soviel du willst, aber nicht den Menschen, in dem der Heilige Geist ist. In wunderbarer Weise ist dies die Erz\u00e4hlung dar\u00fcber, dass jeder Mensch unverletzlich ist. Jeder Mensch hat hier ein Schutzrecht. Christlich w\u00fcrden wir mit Paulus sagen, dass jeder Mensch geheiligt ist. Das ist eine Herausforderung an unser Denken, weil wir gerne m\u00f6chten, dass wir uns selbst um diese Gabe verdient machen. Aber hier ist es hier umgekehrt das Sch\u00f6ne, dass der Glaube nicht eine Medaille ist, die du dir besonders verdient hast, sondern die du als Geschenk bekommen hast. So wie wenn wir das Abendmahl empfangen \u2013 da haben wir alle teil an der Freude des Segens. Hier in der Kirche ist die Gabe nicht den Wenigen vorbehalten, sondern sie wird allen geschenkt. Das kommt im Gottesdienst darin zum Ausdruck: Auch wenn du trotzdem alles missverstanden hast und vielleicht bei den Liedern nicht mitgesungen hast und am Abendmahl nicht teilgenommen hast \u2013 vielleicht weil du sch\u00fcchtern bist, oder weil du nicht richtig verstanden hast, dass der Gesang auch ein Danklied ist und dass diese kleine aber s\u00e4ttigende Mahlzeit Gemeinschaft bedeutet und gleiche Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr uns alle \u2013 so dass der Gottesdienst damit schlie\u00dft, dass Gott uns alle segnet. Denn wir sind alle Kinder Gottes, und sein Geist brennt in uns allen, ob wir es wollen oder nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von hier aus k\u00f6nnen wir vielleicht verstehen, dass die g\u00fctigen und lieben Worte Jesu in entsprechend harte Worte \u00fcbergehen. L\u00e4sterung des Geistes wird nicht vergeben. Der Geist hat sich mit dem Menschen verbunden. Gott kann offenbar sehr wohl damit leben, dass wir ihn verspotten als Himmelsk\u00f6nig und als ein Menschensohn, aber wenn wir seine Kinder verl\u00e4stern, dann wir der Spott ein Gericht \u00fcber uns selbst. Was Jesus danach sagt, \u00fcberrascht. Unsere Worte und unsere Sprache offenbaren, wer wir sind. Wenn wir etwas B\u00f6ses oder Abwertendes \u00fcber andere sagen, trifft das uns selbst. Wenn wir andere herabw\u00fcrdigen, dann offenbart das unsere eigene Niedertracht. Wenn wir den nicht ertragen k\u00f6nnen, der anders ist als wir, der eine andere Sexualit\u00e4t hat, eine andere Hautfarbe, eine andere Nationalit\u00e4t, eine andere Religion, dann offenbart das uns selbst als einen kleinen erb\u00e4rmlichen Menschen, der andere heruntermachen muss, um sich selbst gro\u00df zu finden. Jesus sagt, dass ein guter Baum gute Fr\u00fcchte tr\u00e4gt und ein schlechter Bauch schlechte Fr\u00fcchte. Jesus sagt auch, dass wir alle nach unseren Worten beurteilt werden. Weil Jesus wei\u00df, dass Worte das schaffen, was sie sagen. Wenn du herabw\u00fcrdigend \u00fcber einen anderen Menschen sprichst, dann verliert dieser Mensch etwas. Es bedeutet etwas, was wir sagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben in einer Zeit, in der das Wort frei ist in allen Medien. Ich denke nicht an so etwas wir Fl\u00fcche und Kraftausdr\u00fccke, sie k\u00f6nnen sogar angebracht sein, um unser Anliegen zu profilieren und zu unterst\u00fctzen, Ich denke vielmehr an die Worte und Formulierungen, die einzelne Menschen treffen mit herabw\u00fcrdigender Kraft. Formulierungen, die ganze Gruppen treffen und alle in der Gruppe herabw\u00fcrdigen, ohne daran zu denken, dass sie jeweils auch Individuen sind, oder wie wir hier in der Kirche sagen: In der Taufe sind wir alle Kinder Gottes geworden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sollen unsere Worte sorgsam w\u00e4gen. Denn die Macht des Wortes ist gro\u00df. Es las l\u00f6sen und befreien, es kann erfreuen und Liebe erweisen, es kann W\u00fcrde und Gl\u00fcck schaffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erz\u00e4hlung von Jona im Bauch des Wals sagt alles. Jona endet hier im Bauch des Wals, weil er gelogen hat und sich geweigert hat, eine ganze Stadt vor ihrem Untergang zu warnen, obwohl er sie mit seiner Warnung h\u00e4tte retten k\u00f6nnen. Jona meint n\u00e4mlich nicht, dass das Volk eine Warnung verdient hat, und er hat Angst vor ihm. Aber drinnen im Bauch des Wals geht er in sich, bittet Gott um Vergebung und verspricht, zum Volk in Ninive zu sprechen und ihm zu helfen. Und nach drei Tagen spuckt ihn der Wal aus, und Jona kommt und hilft Ninive.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die schlauen Leute haben sicher schon verstanden, dass die Geschichte ein Bild ist f\u00fcr Jesu Tod und Auferstehung. Auch Jesus war drei Tage im Reich der Toten, aber er \u00fcberwand die Finsternis des Todes, so dass seine frohe Botschaft des Evangeliums auch uns heute erreicht, so wie die Botschaft von Jona damals Ninive erreichte. Und damit wird das zu einer Botschaft an uns: Auch wenn wir zu vor nicht daran gedacht haben, wie herabw\u00fcrdigend wir andere mit unseren Worten und Taten treffen, so bekommen wir heute, ja jeden Tag, die Chance, es anders zu machen und einen w\u00fcrdigen und respektvollen Dialog mit und \u00fcber andere Menschen zu f\u00fchren. Das ist die ganze Pointe des Evangeliums: Dass es mit dir beginnt. Mit uns und jedem f\u00fcr sich. Das ist kein apokalyptisches Gericht \u00fcber die Menschheit, sondern ein Wort an uns alle, neu zu beginnen, eine Bekehrung. Weil wir Gottes Kinder sind und die Kraft des Heiligen Geistes in uns haben. Wir wissen alle, was gut ist und wahr, an dieser Wahrheit haben wir teil.\u00a0 Aber einen anderen Menschen oder sich selbst zerst\u00f6ren, das hei\u00dft Gott selbst verh\u00f6hnen. Lasst uns dar\u00fcber nachdenken: Wie k\u00f6nnen wir selbst diese umfassende Liebe verwirklichen, heute und morgen? Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sognepr\u00e6st Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00d8sterbrogade 59<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: <a href=\"mailto:RN@km.dk\">rn(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.Sonntag nach Trinitatis | 18.08.24 | Jona 2, Mt 12,31-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Rasmus N\u00f8jgaard | \u00a0Wenn wir andere verl\u00e4stern, verl\u00e4stern wir uns selbst Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben. 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