{"id":20300,"date":"2024-11-13T11:29:13","date_gmt":"2024-11-13T10:29:13","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20300"},"modified":"2024-11-13T11:29:40","modified_gmt":"2024-11-13T10:29:40","slug":"roemer-147-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-147-13\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 14,7-13"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u00abGenau umgekehrt\u00bb | Predigt zu R\u00f6m 14, 7-13 | am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres | am 17. 11. 2024 | D\u00f6rte Gebhard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00abGenau umgekehrt\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gnade sei mit euch von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wir m\u00fcssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. (2. Kor 5, 10a)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bis dahin aber, so empfiehlt Paulus, sollten wir selbst viel weniger Richterst\u00fchle zimmern, als wir es gewohnt sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ren Sie dazu aus dem R\u00f6merbrief im 14. Kapitel:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sup>7<\/sup><\/em> <em>Keiner von uns lebt f\u00fcr sich selbst, und keiner stirbt f\u00fcr sich selbst.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sup>8<\/sup><\/em> <em>Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir geh\u00f6ren dem Herrn. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sup>9<\/sup><\/em> <em>Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden: dass er Herr sei \u00fcber Tote und Lebende.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sup>10<\/sup><\/em> <em>Du aber, was richtest du deinen Bruder? Und du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes treten m\u00fcssen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sup>11<\/sup><\/em> <em>Denn es steht geschrieben:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u2018So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich beugen jedes Knie,\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und jede Zunge wird sich zu Gott bekennen.\u2019<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sup>12<\/sup><\/em> <em>Es wird also jeder von uns f\u00fcr sich selbst Rechenschaft ablegen m\u00fcssen vor Gott.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sup>13 <\/sup><\/em><em>Wir wollen einander also nicht mehr richten! Achtet vielmehr darauf, dem Bruder keinen Anstoss zu geben und ihn nicht zu verf\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist es nicht genau umgekehrt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von wegen: <em>Keiner von uns lebt f\u00fcr sich selbst &#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeder will doch<em> leben f\u00fcr sich selbst! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir schreiben die Individualit\u00e4t m\u00f6glichst gross und ber\u00fccksichtigen sie meist vor allem anderen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeder darf doch nach eigenen Massst\u00e4ben entscheiden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jede bestimmt doch, wie es im eigenen Leben zugehen soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Autonom handeln k\u00f6nnen gilt als hoher Wert \u2013 obwohl es absurd ist, daran zu glauben, weil es totale Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fcr Menschen gar nicht geben <em>kann<\/em>. Niemand hat sich z.B. selbstbestimmt zur Welt gebracht, niemand von uns hat vorg\u00e4ngig \u00fcber die \u00e4usseren Umst\u00e4nde des Lebens entschieden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotzdem:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selbstst\u00e4ndigkeit geh\u00f6rt zu den h\u00f6chsten Werten in unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer sie noch nicht hat, muss in die Schule,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wer sie nicht mehr hat, tut sich oft schwer, es zu akzeptieren,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wer sie nie hatte, wird meistens stark bedauert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeder Mensch soll doch nach seiner eigenen Fa\u00e7on selig werden, lautet die Parole.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von ihr versprechen sich viele grosse Freiheit &#8230; und erleben grosse Einsamkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist das, was ein Mensch will, immer das, was ein Mensch braucht?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist es nicht genau umgekehrt, inzwischen auch im Sterben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Will nicht so mancher<em> sterben f\u00fcr sich selbst?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt unterdessen den sogenannten \u00abSarco\u00bb<a href=\"applewebdata:\/\/57F08930-FD49-4488-B3A2-92090880C17D#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, eine Suizidkapsel, einen chic gl\u00e4nzenden Sarkophag, in den man sich \u2013 ganz f\u00fcr sich selbst \u2013 legen soll, um \u00abmedikamentenfrei\u00bb, um freiwillig, und friedlich zu sterben. Selbstredend selbstbestimmt, sogar abgeschnitten von der Aussenwelt. Stylisch-stromlinienf\u00f6rmig designt, wird er mit dem verf\u00fchrerischen Versprechen beworben, dass das <em>Sterben f\u00fcr sich selbst<\/em> ganz besonders sch\u00f6n und absolut simpel sei. Das vorgesehene Ersticken an akutem Sauerstoffmangel durch Einleiten von Stickstoff in die Kapsel soll \u00fcberdies \u00e4usserst billig sein. Die Sterbensqual stelle ich mir brutal vor.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Noch einmal:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist das, was ein Mensch will, immer das, was ein Mensch braucht?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">III<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist es nicht genau umgekehrt \u2013 im Gegensatz zu dem, was Paulus schreibt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ganz besonders, was das Erscheinen vor dem Richterstuhl Gottes angeht?!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus schreibt:<em> Es wird also jeder von uns f\u00fcr sich selbst Rechenschaft ablegen m\u00fcssen vor Gott.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da, so stelle ich mir vor, ist dann kaum jemand so sehr auf seine eigene Individualit\u00e4t bedacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da wird dann viel weniger Wert auf selbstbestimmte Entscheidungen gelegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da sind dann eher viele andere schuld:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Umst\u00e4nde \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die Kindheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die Partnerin.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder der Chef.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die \u00c4rzte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die (un-)sozialen Medien.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die Freunde von fr\u00fcher.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder das fehlende Geld.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die Gruppendynamik.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die Gesellschaft insgesamt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder nicht?!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott muss dieses Herumgeschiebe von Schuld elend langweilig finden. Wir kennen es auch schon l\u00e4nger als es sch\u00f6n ist, aus dem allerersten Garten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Adam wird <em>selbst<\/em> gefragt, aber er sagt: Es war aber Eva.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die wird <em>selbst<\/em> gefragt. Aber sie sagt: Es war doch die Schlange!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>F\u00fcr sich selbst<\/em> einstehen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Niemand sagt gern:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich war\u2019s. Ich habe in dieses Obst gebissen, obwohl ich frei war und grosse Auswahl hatte, etwas anderes zu kosten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich war\u2019s, ich habe zugegriffen, als es mir angeboten wurde, weil es so verlockend war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine solche Einsicht <em>f\u00fcr sich selbst<\/em> ist nicht das, was ein Mensch will, aber es ist das, was ein Mensch braucht!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">IV<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber es l\u00e4uft tendenziell und meistens verkehrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Richterstuhl wird am liebsten links liegengelassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vakant bleibt dieser Platz nicht f\u00fcr einen Augenblick.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Mensch macht sich selbst zum Richter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann \u00fcbernimmt er auch gleich noch die Rolle des strengen Ankl\u00e4gers und \u00fcbersieht dabei, dass er dann auch der hoffnungslos Angeklagte ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Glaubt ein Mensch, selbst richten zu m\u00fcssen, wird er damit zugleich selbst gerichtet. In der Philosophie hat es Odo Marquard die menschengemachte \u00ab\u00dcbertribunalisierung\u00bb des Lebens genannt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abMit welchem Recht gibt es dich \u00fcberhaupt und nicht vielmehr nicht, und mit welchem Recht bist du so, wie du bist, und nicht vielmehr anders?\u00bb<a href=\"applewebdata:\/\/57F08930-FD49-4488-B3A2-92090880C17D#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist nicht auszuhalten, weil es verkehrt ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Odo Marquard beschreibt etliche Fluchtversuche vor diesen zwar selbstgezimmerten, aber zutiefst unmenschlichen Richterst\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Er hat dabei eine recht grosse Portion Schalk im Nacken.)<\/p>\n<ul>\n<li>Die Leute zieht es z.B. raus in die Natur; dort ist man schlechter zu erreichen f\u00fcr Schuldzuschreibungen aller Art.<\/li>\n<li>Die Leute wollen, wenn sie denn daheim sind, lieber anonym wohnen.<\/li>\n<li>Die Leute gehen gern auf Reisen, am besten lange und weit \u2013 und wer nicht fliegen will, nimmt den l\u00e4ngsten Fussweg, der auf dem Planeten m\u00f6glich ist, von Kapstadt in den Osten Sibiriens, nach Magadan. Ungef\u00e4hr 22&#8217;000 km, wenn man sich nicht oft verl\u00e4uft. Das w\u00e4re etwas f\u00fcr Jona, den Gottesfl\u00fcchter gewesen &#8230;<\/li>\n<li>Oder die Leute werden krank \u2013 wer nicht zurechnungsf\u00e4hig ist, dem kann man keine Vorw\u00fcrfe machen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">V<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zuletzt aber wird es doch richtig, weil umgekehrt sein!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott ist Richter \u2013 und wir k\u00f6nnen uns allm\u00e4hlich abgew\u00f6hnen, selbst \u00fcber alle und damit auch \u00fcber uns selbst zu richten. Wir k\u00f6nnen umkehren und aufh\u00f6ren, zugleich als eingebildete Richterinnen, Ankl\u00e4gerinnen und Angeklagte zu amtieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abAber man wird ja wohl noch etwas sagen d\u00fcrfen?\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nat\u00fcrlich!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier ist niemand unter uns, der nicht schon beurteilt wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kaum k\u00f6nnen wir laufen, spielen wir Vater, Mutter, Kind und sind dabei manchmal ziemlich streng mit Teddys und Puppen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kaum k\u00f6nnen wir bis drei z\u00e4hlen, bekommen wir in der Schule Noten von Eins bis Sechs.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kaum schreibe ich eine Predigt, wird sie beurteilt und kommentiert, ehe sie im Internet publiziert wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber dar\u00fcber hinaus gilt: <em>Wir wollen einander also nicht mehr richten!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus weiss, dass er sofort Vorschl\u00e4ge machen muss, wie die daraus entstehende Freizeit genutzt werden kann: <em>Achtet vielmehr darauf, dem Bruder <\/em><em>[<\/em><em>und der Schwester<\/em><em>]<\/em><em> keinen Anstoss zu geben und ihn nicht zu verf\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die anderen sind gar nicht an allem schuld!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Umst\u00e4nde? Die kann man \u00e4ndern, wenn man bei sich selbst beginnt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Kindheit? Ist, sogar, wenn sie gar nicht gut war, zum Gl\u00fcck vorbei!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Partner? Auf ihn kann ich R\u00fccksicht nehmen, ganz ohne Gesichtsverlust.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Chefin? Eigentlich ist sie ertr\u00e4glich. Sie wiederum leidet auch manchmal unter ihrem Chef.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die \u00c4rzte? Sie tun ihr Bestes, trotz 24-h-Schichten und Personalmangel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und in den sozialen Medien? Da kann ich gute Worte posten. Jede Menge! Vielleicht heute erst nach der Kirchgemeindeversammlung, nicht jetzt gleich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Freunde von fr\u00fcher? Kann ich nicht mit ihnen Kontakt aufnehmen? Sie sind sicher auch nicht mehr das, was sie fr\u00fcher mal waren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das fehlende Geld? Ich gebe es zu: Es hat mich auch vor mancher Dummheit bewahrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Gruppendynamik? Die liegt sehr oft auch an mir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und in der Gesellschaft insgesamt? Da kann ich meinen Teil beitragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zugegeben: Er ist klein, aber oho!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder nicht?!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wir m\u00fcssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. (2. Kor 5, 10a)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott wird richten und es wird darum gut ausgehen, weil unsere Richterspr\u00fcche \u00fcber die einen oder die anderen dann nichts mehr gelten. Weil Gott uns kennt und doch bei seinen, sehr anderen Massst\u00e4ben bleibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weil Gott uns kennt und dennoch liebt, haben wir am Anfang gesungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schon beim Propheten Jesaja heisst es von Gott:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Mir wird sich beugen jedes Knie,\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und jede Zunge wird sich zu mir bekennen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus schreibt das sicherheitshalber nochmal ab, falls die R\u00f6mer gerade keine Schriftrolle vom Propheten Jesaja zur Hand haben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u2018So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich beugen jedes Knie,\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und jede Zunge wird sich zu Gott bekennen.\u2019<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jedes.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jede.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber was machen wir jetzt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir werden Abendmahl feiern in aller Vorfreude auf Gottes Gericht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei der Kirchgemeindeversammlung im Anschluss werden wir \u00fcben, niemandem Anstoss zu geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beim Mittagessen probieren wir aus, nicht bloss <em>f\u00fcr sich selbst zu leben<\/em>, sondern vielleicht wieder einmal so zu beten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abJedes Tierlein hat sein Essen,<br \/>\njedes Bl\u00fcmlein trinkt von Dir,<br \/>\nhast auch unser nicht vergessen,<br \/>\nlieber Gott, wir danken Dir!\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beim Kaffeetrinken erholen wir uns und zimmern keine Richterst\u00fchle f\u00fcr uns selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und ab heute Nachmittag und f\u00fcr allezeit st\u00e4rke und bewahre uns der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als unsere Vernunft. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Amen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>&#8212;\u00a0<\/em><\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/57F08930-FD49-4488-B3A2-92090880C17D#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quelle: <a href=\"https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/\">https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/<\/a>, abgerufen am 10. 11. 2024.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/57F08930-FD49-4488-B3A2-92090880C17D#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Odo Marquard: Abschied vom Prinzipiellen, Stuttgart 1991, S. 50; vgl. dann S. 51-55.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abGenau umgekehrt\u00bb | Predigt zu R\u00f6m 14, 7-13 | am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres | am 17. 11. 2024 | D\u00f6rte Gebhard | \u00abGenau umgekehrt\u00bb Gnade sei mit euch von dem, der da ist, der da war und der da kommt. 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