{"id":20329,"date":"2024-11-19T09:48:16","date_gmt":"2024-11-19T08:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20329"},"modified":"2024-11-19T09:48:16","modified_gmt":"2024-11-19T08:48:16","slug":"matthaeus-1125-30-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1125-30-4\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11,25-30"},"content":{"rendered":"<h3>Wenn die Hoffnung gr\u00f6\u00dfer ist als der Glaube\u2026 | Ewigkeitssonntag | 24.11.2024 | Mt 11,25-30 (Micha 4,1-3; 1Kor 3,10-17) \u2013 d\u00e4nische Perikopenordnung | Anne-Marie Nybo Mehlsen |<\/h3>\n<p>Der Herr des Himmels und der Erde hat es offenbart f\u00fcr die Unm\u00fcndigen \u2013 und es den Weisen und Verst\u00e4ndigen verborgen, sagt Jesus.<\/p>\n<p>Bedeutet das nun, dass wir unsere gesunde Vernunft nicht gebrauchen d\u00fcrfen? Dass wir uns nicht besinnen d\u00fcrfen, sondern uns unterwerfen sollen als w\u00e4ren wir Sklaven?<\/p>\n<p>Ende November und bei diesem Zustand der Welt f\u00fchlt man sich leicht entm\u00fcndigt von gr\u00f6\u00dferen M\u00e4chten; ganz verzagt in der Finsternis und gedem\u00fctigt von der unerbittlichen Forderung, Ungl\u00fccke, Krieg und Konflikte wahrzunehmen. Sich als kleiner Mensch zu f\u00fchlen angesichts der Finsternis, das kann einen \u00fcberw\u00e4ltigen. Wo sind alle die Weisen und Vern\u00fcnftigen? Alle die, die Macht und Mittel haben, etwas zu unternehmen? Wo ist Gott?<\/p>\n<p>\u201eKommt zu mir\u201c, sagt Jesus\u2026 und wir kommen. Wir sind auf dem Wege, und wir hoffen\u2026<\/p>\n<p>Vielleicht ist die Hoffnung gr\u00f6\u00dfer als der Glaube? Jetzt im November.<\/p>\n<p>In diese Hoffnung spricht Jesus zu uns an den letzten Tagen des alten Jahres. An Tagen, wo die Finsternis scheinbar die Macht \u00fcbernommen hat, kann es schwer sein, daran zu glauben, dass alles schon gut gehen wird.<\/p>\n<p>Was machen wir mit der gr\u00f6\u00dferen Hoffnung und dem kleineren Glauben? Jesus sagt, wir sollen nur kommen, wie wir sind. Auch m\u00fcde und beschwert, gebeugt von der Belastung.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die Bilder und die Schrecken des Krieges nicht begreifen, wir k\u00f6nnen nicht genug Sands\u00e4cke f\u00fcllen um das Meer fernzuhalten, wenn es kommt. Wir k\u00f6nnen den Regenwald nicht retten\u2026 Wir k\u00f6nnen nur in der Welt sein und unseren kleinen Beitrag im Alltag leisten. Denn es gibt noch immer Arbeit, nur nicht f\u00fcr alles auf einmal. Es muss mit dem gearbeitet werden, was wir haben, mit dem, was gerade an der Hand liegt. Und auch wenn alles nur hei\u00dfe Luft ist!<\/p>\n<p>Unsere Arbeit soll erprobt werden, sagt Paulus. Feuerprobe! Wir werden schon alles schaffen, wir werden gerettet, schreibt er im selben Atemzug, aber das k\u00f6nnen wir kaum h\u00f6ren aus lauter Angst vor dem Knistern und Br\u00fcllen des Feuers. In der Praxis sieht es so aus, als h\u00e4tten wir das Feuer auf den Fersen. Seht nur alle die Forderungen nach Erfolg, Gl\u00fcck, Arbeit, Status, Zug\u00e4nglichkeit, die wir erf\u00fcllen wollen. Seht auf die, die ruhen, die nicht mehr mitmachen wollen oder k\u00f6nnen. Seht wie sie schnell beiseitegeschoben werden, stehengelassen werden von den anderen, die immer weiterwollen. Worum geht es eigentlich? Was ist das f\u00fcr ein Gericht, dem wir uns unterworfen haben? Wem und was haben wir uns schon unterworfen als unm\u00fcndige Sklaven?<\/p>\n<p>Kommt zu mir, sagt Jesus \u2013 ich will euch erquicken\u2026 Also runter mit dem Rucksack, mit den Lasten \u2013 einen Moment im gr\u00fcnen Gras mit dem R\u00fccken gelehnt an einen von der Sonne gew\u00e4rmten Stein, ein Schluck vom frischen Wasser, der Blick ruht auf dem Horizont.<\/p>\n<p>Lasst uns von der Hoffnung sprechen.<\/p>\n<p>Hoffnung, die so leicht verwechselt wird mit Bestellung, als w\u00e4re es ein Wunschzettel f\u00fcr Weihnachten. Dann ist Hoffnung nur die Erwartung, dass es uns so geht wie wir wollen, eine Art Wunschschloss.<\/p>\n<p>Die Hoffnung ist viel gr\u00f6\u00dfer als W\u00fcnsche und Erwartungen, denn die Hoffnung hat ihre Quelle in der M\u00f6glichkeit Gottes, die auch da ist, wo du und ich st\u00f6hnen m\u00fcssen, dass dies ja unm\u00f6glich ist! Unertr\u00e4glich! Die Hoffnung ist kein Werkzeug, das bewirkt, dass wir all das Schwere nur noch eine Weile aushalten k\u00f6nnen. Jesus spricht nicht von einem solchen Joch.<\/p>\n<p>Nimm dir also Zeit zur Ruhe mit dem R\u00fccken an einem sonnenwarmen Stein, sp\u00fcr wie sich W\u00e4rme ausbreitet, das weiche dicke Gras, nimm noch einen Schluck vom frischen Wasser, das guttut.<\/p>\n<p>Sie auf all das, was du mit dir herumschleppst \u2013 und wisse, dass du es nicht mit dir von hier wieder mitnehmen kannst. Siehe, nun tauscht Jesus deine Last mit seiner eigenen \u2013 die leicht ist, wie er sagt. Er nimmt sich deiner Lasten an, nimmt alles auf sich.<\/p>\n<p>Die Last, die du weitertragen sollst, sind die Lasten der Liebe. Die sind es, die wir f\u00fcr einander tragen, weil das Sinn macht, weil das Herz gerne will, und das macht es leicht, die Last zu tragen. Auch mit einem L\u00e4cheln und dem Willen, seine Kr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung zu stellen, seine Zeit zu opfern, so dass die anderen folgen k\u00f6nnen oder eine Weile ruhen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Liebe handeln, dienen und tragen wir f\u00fcreinander, und es ist eine gro\u00dfe Ehre, dass man das darf.<\/p>\n<p>Wir werden stark wie Ochsen durch die Liebe, froh wie fr\u00fchlingsmuntre F\u00fcllen \u2013 auch Eself\u00fcllen k\u00f6nnen ausgelassen vor Freude sein.<\/p>\n<p>Ja, auch die B\u00fcrden der Liebe k\u00f6nnen schwer und anstrengend sein\u2026 Die Last, die du von Jesus als Tausch bekamst, ist auch mit dem Kreuz verbunden. Wie kein anderer wei\u00df er, was das bedeutet, nicht anders zu k\u00f6nnen, keine Wahl zu haben, weil die Liebe uns zwingt, uns weiterzuschleppen f\u00fcr einen anderen, f\u00fcr die anderen\u2026<\/p>\n<p>Nun ist aber der Ort des Kreuzes verbunden mit der M\u00f6glichkeit der Auferstehung, mit all dem, was aus der Zukunft kommt, die wir nicht kennen. Die unbekannte Zukunft ist nun gef\u00fcllt mit der M\u00f6glichkeit Gottes. Auch an dem Tag, wo uns nichts gelingt und wo wir alles falsch machen. Dort, am Ort der Ohnmacht, wird uns klar, dass eine St\u00e4rke darin liegt, unm\u00fcndig zu sein und nicht alles zu k\u00f6nnen. Gott selbst greift ein und sorgt f\u00fcr die Vollendung der Liebe, auch in dem, was verloren ging, misslang, zerbrochen und gebrochen ist. Er hebt die Scherben auf und heilt \u2013 siehe, alles wird neu! Du und ich erkennen das Neue wieder, auch wenn es viel sch\u00f6ner und st\u00e4rker ist als das, was wir verloren haben. Auch das Neue ist verletzlich\u2026<\/p>\n<p>Verletzlich, wie wir es sind in unserer Menschlichkeit, aber Gott steht daf\u00fcr ein, dass es h\u00e4lt, dass es tr\u00e4gt. Das Joch ist stark!<\/p>\n<p>Vielleicht l\u00e4sst die Ruhe am sonnenwarmen Stein im Gras die Tr\u00e4nen noch etwas flie\u00dfen, wo du deine M\u00fcdigkeit und deine Sehnsucht sp\u00fcrst. Da war unterwegs so viel!<\/p>\n<p>Es ist angebracht zu klagen, innerlich und eindringlich zu Gott zu beten, alles vor Christus zu bringen, wie du es erfahren hast und was es mit dir gemacht hat.<\/p>\n<p>Die Klage h\u00e4ngt mit der Hoffnung zusammen! Die leidenschaftliche Klage ist ein Protest gegen die Finsternis. Damit ist die Klage ein Insistieren auf der M\u00f6glichkeit Gottes und den Sinn Gottes mit dem Leben, das uns gegeben ist! Die innerliche Klage im Leiden bahnt in ihrer Weise den Weg f\u00fcr das neue Leben, f\u00fcr die Neusch\u00f6pfung. Das Klagelied und das Gebet scheiden das Tote, den Ballast in den Lasten aus und legen es in die Hand Gottes.<\/p>\n<p>Erst dann k\u00f6nnen wir das Neue aus der Hand Gottes empfangen, die leichtere B\u00fcrde, das starke Joch, das das Gewicht erleichtert.<\/p>\n<p>Nun sind wir bereit, uns zu erheben und uns zu sammeln, um weiterzugehen. Steh langsam auf, strecke dich aus und empor, ehe du die Last auf dich nimmst. Deine neue B\u00fcrde, die dein Leben ist mit all der Liebe, die ihm Sinn gibt, und mit all der Sehnsucht, die es wert ist, weiter zu wandeln zur Hoffnung auf mehr, der Hoffnung, zu der Gott in seiner Verhei\u00dfung steht. Die Hoffnung voll von Zukunft und unbekannter M\u00f6glichkeit, wo du nur sicher sein kannst in einer Sache: Dass sie gut ist, ganz gleich wie sie ist und was sie bringt. Dein Leben, dein Beitrag bedeutet etwas, der morgige Tag hat Wert und macht einen Unterschied in Bezug auf den gro\u00dfen Horizont der vollkommenen Liebe, die uns umf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Du und ich k\u00f6nnen getrost weiterwandern in einem st\u00e4ndigen und bleibenden Einsatz f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung im Gro\u00dfen wie im Kleinen, im Wissen \u00fcber unsere Lage in der Natur als ein kleiner Teil des gro\u00dfen Horizonts. Wir k\u00f6nnen in Verbundenheit unseren Weg gehen.<\/p>\n<p>Diese Weisheit sollte unser Herz wohl dem\u00fctig machen, so dass wir als sanftm\u00fctige Diener den Dienst am gro\u00dfen Mysterium aufnehmen: Dass wir existieren! Dass Gott uns mitten in seine Liebe gestellt hat und will, dass wir in allem leben, was ist. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastorin Anne-Marie Nybo Mehlsen<\/p>\n<p>DK 4930 Maribo<\/p>\n<p>Email: amnm(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Hoffnung gr\u00f6\u00dfer ist als der Glaube\u2026 | Ewigkeitssonntag | 24.11.2024 | Mt 11,25-30 (Micha 4,1-3; 1Kor 3,10-17) \u2013 d\u00e4nische Perikopenordnung | Anne-Marie Nybo Mehlsen | Der Herr des Himmels und der Erde hat es offenbart f\u00fcr die Unm\u00fcndigen \u2013 und es den Weisen und Verst\u00e4ndigen verborgen, sagt Jesus. 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