{"id":20409,"date":"2024-11-28T09:49:21","date_gmt":"2024-11-28T08:49:21","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20409"},"modified":"2024-11-28T10:49:43","modified_gmt":"2024-11-28T09:49:43","slug":"20409-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/20409-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 21,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung)"},"content":{"rendered":"<p>1.Sonntag im Advent | 01.12.24 | Matth\u00e4us 21,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erlauben Sie mir heute, etwas anders zu beginnen, in der Welt der M\u00e4rchen, wo Hans Christian Andersen das M\u00e4rchen vom \u201eT\u00f6lpel-Hans\u201c erz\u00e4hlt.<a href=\"applewebdata:\/\/1D10C8A5-47F4-475B-A2EB-4EF748A73C3E#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele werden die Geschichte kennen von dem t\u00f6lpelhaften kleinen Bruder, der die klugen und wichtigen Leute \u00fcberlistet, die Weisen dieser Welt, die die Zeitung von vorne bis hinten lesen k\u00f6nnen. Und er gewinnt zudem die Prinzessin und das ganze K\u00f6nigreich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das tut er, indem er mit einer freim\u00fctigen Hoffnung hinaus in die Welt reitet. Da ist nichts, was ihn aus der Bahn werfen kann. Auch wenn die Prinzessin schlagfertig ist und alle Nebenbuhler abweist, bringt das T\u00f6lpel-Hans nicht zum Schweigen, er wird auch nicht zum Schweigen gebracht. Schlagfertig gibt er Antwort und kann die ganze Welt auf andere Gedanken bringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er reitet hinaus in die Welt auf seiner Ziege, und er reitet auf einer Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es besteht kein Zweifel daran, dass H.C. Andersen mit dem M\u00e4rchen vom T\u00f6lpel-Hans in seiner Weise das Evangelium vom Einzug in Jerusalem nacherz\u00e4hlen wollte, das wir gerade geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier reitet Jesus auch. Wenn auch nicht auf einer Ziege, sondern auf einem Esel. Aber die Verwandtschaft ist in jeder Hinsicht deutlich, und man kann dauernd wunderbare Parallelen zwischen dem M\u00e4rchen und dem Evangelium finden. H.C. Andersen erz\u00e4hlt es einfach neu in seiner Weise. Das M\u00e4rchen von T\u00f6lpel-Hans ist die Weise, wie er das heutige Evangelium erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Eine Erz\u00e4hlung von Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Andersen nimmt sich das Evangelium und macht daraus eine neue Geschichte. Die hat dieselbe Tendenz und will dasselbe sagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie will n\u00e4mlich davon erz\u00e4hlen, dass wir von der Hoffnung leben. Der lebendigen Hoffnung. Denn eine Hoffnung gr\u00fcndet n\u00e4mlich nicht so wie viele andere in der Vergangenheit. Sie ist in der Zukunft verankert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben so viel, was uns an die Vergangenheit bindet und was bewirkt, dass wir nicht von der Stelle kommen oder ordentlich leben k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen so viel im Gep\u00e4ck des Lebens mit uns tragen, dass die Verankerung in der Vergangenheit bewirkt, dass wir in der Gegenwart gefangen sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Verankerung in der Vergangenheit nennen wir Schuld. Den Anker der Zukunft nennen wir Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn Hoffnung ist ein Anker, den wir nach vorn werfen und der uns durch das Leben zieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist es, was T\u00f6lpel-Hans hat: eine Hoffnung. Unbefangenheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und davon hat er gelebt, und das ist auch Jesus: eine lebendige Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ohne Hoffnung ist die Vergangenheit stets lebendig und voller Schuld. Dann sind wir von der Vergangenheit bestimmt, die wahrlich gute und sch\u00f6ne Dinge enthalten kann, aber auch schwere und traurige Dinge. Und ohne die Hoffnung kann die Schuld nicht in Vergangenheit verwandelt werden, sie muss vielmehr stets in der Gegenwart anwesend sein, die die unsere ist und die uns deshalb beschwert, so dass wir nicht frei reiten k\u00f6nnen \u2013 sei es nun auf einem Esel oder einer Ziege \u2013 und es wagen, hinaus in die Welt zu gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Hoffnung ver\u00e4ndert Vergangenheit und Zukunft<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Hoffnung bewirkt, dass man etwas wagt. Das ist es, was T\u00f6lpel-Hans tut. Das ist es, was Jesus tut. Denn Jesus wei\u00df sehr wohl, wie das in Jerusalem enden wird, aber er reitet sanftm\u00fctig in die Stadt hinein, denn er ist die lebendige Hoffnung, die alle Schuld mit seinem Leben uns seiner Vergebung tilgt. Das verwandelt Schuld in Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, dass wir vor allem in dieser Zeit von Hoffnung sprechen m\u00fcssen. Es ist wichtig, dass von Hoffnung gesprochen wird in dem Leben, das wir gemeinsam haben und das zur Zeit von vielen Seiten bedroht ist von Krisen und sogar Kriegen in unserer Nachbarschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sollen von der Hoffnung reden. Denn die Hoffnung verweist auf eine Zukunft, die es wert ist, dass wir in ihr sind und ihr begegnen. Die Hoffnung besteht ja darin, dass wir an einen Gott glauben, der alles neu macht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die F\u00fclle der Adventszeit, in die wir nun gemeinsam gehen: Eine Hoffnung, dass Gott alles neu macht, auch neu f\u00fcr uns, die wir im Finsteren und Schatten des Todes leben. Denn Advent ist das Wort davon, dass er kommt. Jesus Christus reitet wieder hinein zu uns mit seinem Wort von Hoffnung und F\u00fclle. Das ist Advent.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">T\u00f6lpel-Hans ritt in die Welt mit Freude und mit Hoffnung. Da ist bei T\u00f6lpel-Hans wohl auch eine Naivit\u00e4t, die wir nicht bei Jesus finden, wie ich meine. Jesus wei\u00df sehr wohl, wie das in Jerusalem endet, dass die jubelnden Scharen ihn kreuzigen werden. Das ist auch die Geschichte, die \u00fcber der Krippe zur Weihnacht steht und die Krippe und Kreuz zusammenstellt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber T\u00f6lpel-Hans spiegelt die Hoffnung wider, von der die Weihnacht voll ist, und wir waten darauf, dass sie uns in einige Wochen erneut verk\u00fcndigt wird: Dass uns ein Heiland geboren ist in der Stadt Davids. Er ist Christus, der Herr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er ist die Hoffnung, die all das, was uns beschwert, und all das, was uns \u00e4rgert, in reine Vergangenheit verwandelt, die du nicht mehr in der Gegenwart mit dir herumschleppst. Denn hier sollen wir von der Hoffnung leben, die er uns geschenkt hat. Die lebendige Hoffnung auf die Vergebung und Gnade Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist Advent. Das erste Licht im Adventskranz wird angez\u00fcndet. Das ist ein einzelnes Licht, das im Finsteren leuchtet. Ein Licht, das davon erz\u00e4hlt, dass die Hoffnung zwar gering und schwach sein kann, aber es kommen mehr Lichter. Es kommen mehr. Es kommen mehr Lichter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Hoffnung leuchtet. Der Herr kommt. Der Glaube harrt auf ihn. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thulebakken 1, DK-9000 Aalborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Tlf. +45 98188088, E-mail: <a href=\"mailto:kmaal@km.dk\">kmaal(at)km.dk<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1D10C8A5-47F4-475B-A2EB-4EF748A73C3E#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Das M\u00e4rchen von Andersen findet man im Internet unter <a href=\"https:\/\/www.andersenstories.com\/de\/andersen_maerchen\/tolpel_hans#google_vignette\">https:\/\/www.andersenstories.com\/de\/andersen_maerchen\/tolpel_hans#google_vignette<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.Sonntag im Advent | 01.12.24 | Matth\u00e4us 21,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Thomas Reinholdt Rasmussen | Erlauben Sie mir heute, etwas anders zu beginnen, in der Welt der M\u00e4rchen, wo Hans Christian Andersen das M\u00e4rchen vom \u201eT\u00f6lpel-Hans\u201c erz\u00e4hlt.[1] Viele werden die Geschichte kennen von dem t\u00f6lpelhaften kleinen Bruder, der die klugen und wichtigen Leute \u00fcberlistet, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20406,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,605,1,185,157,853,114,274,349,3,109,307],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20409","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-1-advent","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-21-chapter-21-matthaeus","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-thomas-reinholdt-rasmussen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20409"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20411,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20409\/revisions\/20411"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20409"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20409"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20409"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20409"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}