{"id":20417,"date":"2024-11-28T10:56:48","date_gmt":"2024-11-28T09:56:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20417"},"modified":"2024-11-28T10:56:48","modified_gmt":"2024-11-28T09:56:48","slug":"matthaeus-211-11-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-211-11-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 21,1-11"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">1.Advent | 01.12.24 | Mt 21,1-11 | Dr. Christoph Meyns |<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt zum 1. Advent 2024 <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00fcber Mt 21,1\u201311<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1 Als sie nun in die N\u00e4he von Jerusalem kamen, nach Betfage an den \u00d6lberg, sandte Jesus zwei J\u00fcnger voraus 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein F\u00fcllen bei ihr; bindet sie los und f\u00fchrt sie zu mir! 3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch \u00fcberlassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">4 Das geschah aber, auf dass erf\u00fcllt w\u00fcrde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: 5 \u00bbSagt der Tochter Zion: Siehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir sanftm\u00fctig und reitet auf einem Esel und [zwar auf] einem F\u00fcllen, dem Jungen eines Lasttiers.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">6\u00a0Die J\u00fcnger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7 und brachten [die Eselin und] das F\u00fcllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">8 Aber eine sehr gro\u00dfe Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den B\u00e4umen und streuten sie auf den Weg. 9 Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach:\u00a0Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der H\u00f6he!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der? 11 Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galil\u00e4a.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mt 21,1\u201311<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diesen Moment werden einige der Bewohner des Badeortes Denmark an der Westk\u00fcste Australiens wohl nicht vergessen: Anfang November stieg pl\u00f6tzlich ein Kaiserpinguin aus dem Wasser und watschelte an den Strand. Er zeigte zur Freude der Badeg\u00e4ste keinerlei Scheu und mischte sich mitten unter sie. Kaiserpinguine gibt es eigentlich nur in der Antarktis. Das Tier war vermutlich von einer Meeresstr\u00f6mung tausende von Kilometern nach Norden getrieben worden, ein \u00e4u\u00dferst seltener Besucher und ein begl\u00fcckendes Erlebnis f\u00fcr diejenigen, die dabei waren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u2014<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein begl\u00fcckendes Ereignis anderer Art erleben die Menschen, die in den Tagen vor dem Passahfest um eines der Stadttore von Jerusalem herum die Pilger beobachten, die in die Stadt str\u00f6men. Das Land ist von den R\u00f6mern besetzt. Immer wieder kommt es zu politisch motivierten Gewalttaten, gerade im Vorfeld der gro\u00dfen Feste. Pontius Pilatus hat seine Truppen in h\u00f6chste Alarmbereitschaft versetzt. Die Lage ist angespannt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten in dieser Anspannung reitet Jesus ein, nicht auf einem Schlachtross oder einem Streitwagen wie die M\u00e4chtigen seiner Zeit, sondern auf einem Esel, dem uralten Symbol f\u00fcr Freundlichkeit, Milde und Sanftmut. Jesus zeigt sich als K\u00f6nig, aber einer, der ganz anders ist: ein K\u00f6nig wie ein guter Freund, ein liebevoller Vater oder ein aufmerksamer Arzt \u2013 freundlich, wohlwollend, hilfsbereit. F\u00fcr die, die das erleben, ist es ein ergreifendes, ein hoffnungsfrohes Zeichen. Eine alte Prophezeiung wird wahr, sie jubeln. Einige ziehen aus Begeisterung sogar ihr Kleidung aus wie Fu\u00dfballspieler ihr Sport-Trikot nach einem wichtigen Tor und legen sie auf die Stra\u00dfe. Andere benutzen daf\u00fcr Zweige von den umliegenden B\u00e4umen. Ein Moment h\u00f6chster Begl\u00fcckung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir h\u00f6ren die Erz\u00e4hlung vom Einzug Jesu in Jerusalem zu Beginn einer Adventszeit, die selten so angespannt war wie in diesem Jahr. Die Regierung ist zerbrochen, die Wirtschaft angeschlagen. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine geht ins dritte Jahr, die europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur liegt in Tr\u00fcmmern. Der Verteidigungsminister mahnt, Deutschland m\u00fcsse kriegst\u00fcchtig werden. Hinter den Kulissen werden Notfallpl\u00e4ne f\u00fcr den Ernstfall erarbeitet. Dazu der Krieg im Nahen Osten und die Aussicht auf eine zweite Pr\u00e4sidentschaft von Donald Trump. Hass und Zerst\u00f6rungswut sind auf dem Vormarsch \u2013\u00a0\u201eWinter is coming\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diese Zeit hinein kommt Jesus Christus zu uns am Beginn der Adventszeit als sanftm\u00fctiger Friedensk\u00f6nig. In ihm begegnet uns der neue, gro\u00dfe Frieden mit Gott und ein neues Leben in Gottvertrauen, Zuversicht und Liebe. F\u00fcr mich ist es in dieser Advents- und Weihnachtszeit wichtiger denn je, dass ich einkehre in diesen Frieden und in das Gl\u00fccksgef\u00fchl, damit einhergeht, damit ich mich von der Dunkelheit dieser Tage nicht in den Bann ziehen und \u00e4ngstigen lasse; damit ich guten Mut behalte und die Hoffnung nicht aufgebe, dass sich die Dinge zum Guten wenden k\u00f6nnen; damit ich meinen Teil dazu beitrage und nicht den Kopf in den Sand stecke.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun m\u00f6gen einige sagen: \u201eWas kann die Erinnerung an Jesus Christus, den sanftm\u00fctigen Friedensk\u00f6nig, schon ausrichten gegen die Dunkelheiten, die im Moment aufziehen?\u201c Da ist etwas dran. Probleme verschwinden nicht einfach, das gilt auch f\u00fcr Jesus. Er wird kurze Zeit nach dem Einzug in die Stadt von einem seiner J\u00fcnger verraten. Er wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Eine andere Menge wird an anderer Stelle seine Kreuzigung fordern, anstatt ihm zuzujubeln. Jesus wird hingerichtet. Aber auch das ist nicht das Ende. Am Ostermorgen erw\u00e4chst daraus ein neuer Anfang. So wird die kommende Zeit auch f\u00fcr uns wohl beides bereithalten: H\u00f6hen und Tiefen. Aber der Friede in Jesus Christus lebt und wirkt in der Welt \u2013 in, mit und unter aller Dunkelheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu zwei Beispiele: Immanuel Kant beschrieb 1783 in seiner Schrift \u201eVom ewigen Frieden\u201c auf der Basis christlicher Wertvorstellungen politische Ma\u00dfnahmen, die dem Frieden dienen. Er forderte unter anderem die Abschaffung der Sklaverei und das Ende der Kolonisierung zugunsten eines gleichberechtigten, gastfreien Miteinanders. Er entwarf die Idee zwischenstaatlicher Beziehungen auf der Grundlage v\u00f6lkerrechtlicher Vertr\u00e4ge. Aufgrund der Napoleonischen Kriege geriet die Schrift in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert sind seine Ideen umgesetzt worden. Pr\u00e4sident Woodrow Wilson regte von Kant inspiriert die Gr\u00fcndung des V\u00f6lkerbundes nach dem Ersten Weltkrieg an. Ihr folgten nach dem Zweiten Weltkrieg die Gr\u00fcndung der UNO und die Verabschiedung der Charta der Menschenrechten, die Entlassung der Kolonien in die Selbstst\u00e4ndigkeit und die vertiefte Zusammenarbeit der europ\u00e4ischen Staaten. Ja, das alles reicht noch nicht aus. Und ja, es gibt auch R\u00fcckschritte. Aber ohne die im christlichen Glauben angelegte friedensstiftende Grundhaltung w\u00e4re das alles nicht geschehen. Und ich bin sicher, diese Grundhaltung wird auch in Zukunft Fr\u00fcchte tragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum anderen r\u00fcckt heute insbesondere die Aktion \u201eBrot f\u00fcr die Welt\u201c in den Blick. Sie setzt sich seit vielen Jahrzehnten ein f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Hunger, f\u00fcr Gesundheit und Bildung, f\u00fcr die Rechte von Frauen und die Bewahrung der Sch\u00f6pfung. \u201eWandel s\u00e4en\u201c, so hei\u00dft das Motto der diesj\u00e4hrigen 66. Aktion. In Burundi etwa ist jedes zweite Kind mangelern\u00e4hrt. Die Partnerorganisation Ripple Effect schult deshalb B\u00e4uerinnen und Bauern in nachhaltiger Landwirtschaft. Im h\u00fcgeligen Nordwesten Vietnams leben vor allem Angeh\u00f6rige ethnischer Minderheiten \u2013 viele von ihnen in gro\u00dfer Armut. Die Aktion \u201eBrot f\u00fcr die Welt\u201c unterst\u00fctzt eine Frauenorganisation, die das \u00e4ndern will durch den Anbau von Zimt. Beispiele f\u00fcr zahllose Projekte, die in den letzten 65 Jahren den Frieden Christi in die Welt getragen haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Adventszeit ist eine Zeit der Besinnung auf den Frieden, der uns in Jesus Christus geschenkt ist. Lasst euch anstecken von der Freude \u00fcber diesen Frieden. Denn daraus w\u00e4chst die Kraft, den Dunkelheiten unserer Zeit etwas entgegenzusetzen und nicht zu verzagen, sondern sich daf\u00fcr einzusetzen, dass weniger Krieg wird und mehr Frieden, weniger Hass und mehr Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u2014<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Kaiserpinguin in Australien war reichlich ersch\u00f6pft von der langen Reise. Derzeit wird er in einer Tierpflegeeinrichtung aufgep\u00e4ppelt, um ihn f\u00fcr die R\u00fcckreise fit zu machen. \u00a0Die Australier haben ihn auf den Namen Gus getauft nach Kaiser Augustus, eine sch\u00f6ne Verbindung zum Weihnachtsfest. Wir haben zuhause eine Krippe mit lauter aus Holz geschnitzten Tierfiguren. F\u00fcr diese Krippe gibt es tats\u00e4chlich auch einen Pinguin. Ich denke, ich werde ihn in diesem Jahr kaufen und ihn vor die Krippe stellen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Euch allen eine gesegnete Adventszeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.Advent | 01.12.24 | Mt 21,1-11 | Dr. Christoph Meyns | Predigt zum 1. Advent 2024 \u00fcber Mt 21,1\u201311 1 Als sie nun in die N\u00e4he von Jerusalem kamen, nach Betfage an den \u00d6lberg, sandte Jesus zwei J\u00fcnger voraus 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. 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