{"id":20482,"date":"2024-12-03T05:00:01","date_gmt":"2024-12-03T04:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20482"},"modified":"2024-12-02T16:02:13","modified_gmt":"2024-12-02T15:02:13","slug":"lukas-2125-36-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2125-36-6\/","title":{"rendered":"Lukas 21,25-36"},"content":{"rendered":"<h3>Die B\u00fcchse der Pandora und die christliche Hoffnung | 2. Advent | 08.12.2024 | Lk 21,25-36 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p>Es gibt zwei grundlegende Traditionen, die das abendl\u00e4ndische Denken gepr\u00e4gt haben \u2013 die alten Griechen und der christliche Glaube. Es gibt auch viele andere Str\u00f6mungen, aber diese beiden Einfl\u00fcsse tauchen immer wieder auf und haben ihre Spuren in unserem Denken hinterlassen.<\/p>\n<p>Das macht sich auch bemerkbar, wenn wir von der Hoffnung sprechen.<\/p>\n<p>Auf die christliche Hoffnung werde ich zur\u00fcckkommen \u2013 ich m\u00f6chte aber damit beginnen, von dem griechischen Mythos von der B\u00fcchse der Pandora zu erz\u00e4hlen \u2013 von der Ankunft der Hoffnung in der Welt der Menschen. Die Geschichte spielt sich zu einem Zeitpunkt ab, als die Menschen in der Welt ganz ohne Bosheit und Ungl\u00fcck lebten. Befreit von Arbeit und von Krankheit und Tod. Immer fr\u00f6hlich und nie voller Angst oder Streit. Bei den G\u00f6ttern sieht das anders aus, denn Prometheus hat das Feuer der G\u00f6tter gestohlen, um es den Menschen zu geben. Das ist ja so gesehen sch\u00f6n von ihm, aber das findet Zeus nicht. Er ist w\u00fctend und will deshalb sowohl Prometheus als auch die Menschheit bestrafen. Deshalb l\u00e4sst Zeus die sch\u00f6nste Frau erschaffen. Ihr Name ist Pandora, das bedeutet: \u201eDiejenige, die mit allen Gaben gesegnet ist\u201c \u2013 und sie tr\u00e4gt Z\u00fcge von allen G\u00f6ttern, so dass sie wirklich eine Gabe ist. Klug und t\u00fcchtig und listig und ganz unwiderstehlich f\u00fcr M\u00e4nner. Mit sich f\u00fchrt sie noch eine Gabe \u2013 eine B\u00fcchse, die B\u00fcchse der Pandora. Und mit dieser wird sie hinab zu den Menschen geschickt. Aber obwohl sie davor gewarnt wurde, die B\u00fcchse zu \u00f6ffnen, war die Neugier zu gro\u00df, und Pandora \u00f6ffnet die B\u00fcchse. Und was geschieht \u2013 es entwichen alle Plagen der Welt: Krankheit, Trauer, Armut, Verrat, Kriminalit\u00e4t usw., usw.<\/p>\n<p>Schnell schlie\u00dft sie die B\u00fcchse, rechtzeitig um nur eine Plage zur\u00fcckzuhalten, n\u00e4mlich die Hoffnung.<\/p>\n<p>Die Welt wurde darauf ein f\u00fcrchterlicher Ort, und die Menschheit litt und k\u00e4mpfte \u2013 bis zu dem Tage, als Pandora wieder die B\u00fcchse \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Und da kam die Hoffnung heraus. Aber die Erz\u00e4hlung sagt, dass es sich zeigte, dass dies die letzte und schlimmste Plage war, genauso unwiderstehlich wie alle die anderen Plagen, getragen von Selbstbetrug, einem verwirrten Gem\u00fctszustand, der den gesunden realistischen Menschenverstand schw\u00e4cht. Naives Wunschdenken, grenzend an gef\u00e4hrliches Blendwerk.<\/p>\n<p>Alles zerst\u00f6rend, weil sie stets mit der Zeit und schlie\u00dflich endg\u00fcltig entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von der B\u00fcchse der Pandora und der falschen entt\u00e4uschenden Hoffnung hat in vieler Hinsicht unser abendl\u00e4ndisches Denken gepr\u00e4gt. Dass dies noch immer gilt, zeigt sich ja stets, wo Menschen, statt auf die Zukunft zu hoffen, konsequent das Gegenteil tun: \u201eDas geht nie gut\u201c \u2013 \u201eDer Kampf um das Klima ist verloren\u201c \u2013 \u201eDie Wirtschaft bricht ein\u201c \u2013 \u201eDie Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine h\u00f6ren nie auf\u201c \u2013 \u201eDie kommende Regierung Trump zerst\u00f6rt das Gleichgewicht in der Welt\u201c \u2013 \u201eDie Massen\u00fcberwachung im Internet und auf der Stra\u00dfe bedroht die Freiheit von uns allen\u201c \u2013 und \u201ewenn wir etwas anderes glauben, graben wir unser eigenes Grab\u201c. So ist es mit der Plage der Hoffnung von Pandora.<\/p>\n<p>Aber zum Gl\u00fcck erhielt die griechische Hoffnung eine Antwort vor etwa 2000 Jahren mit der Erz\u00e4hlung, dass sich mitten in den Plagen der Welt, mitten in Bosheit, Krankheit, Finsternis eine Hoffnung einfand als das Licht des Lebens selbst. Mit der Erz\u00e4hlung von dem Kind in Bethlehem.<\/p>\n<p>\u201eWo Leben ist, ist Hoffnung\u201c \u2013 sagen wir, mit einem Sprichwort, das sowohl in einer Entbindungsabteilung als auch an einem Sterbebett angebracht ist. Nicht als Blendwerk oder naiver Selbstbetrug, sondern als eine Schutzmauer f\u00fcr das Leben. Und wenn die Furcht am gr\u00f6\u00dften ist, wenn alle anderen Plagen aus der B\u00fcchse der Pandora um uns herumwirbeln wie ein Tropensturm, wird das sogar bei uns so gewendet, dass deutlich wird: \u201eWo Hoffnung ist, da ist Leben\u201c.\u00a0 In der Hoffnung ist das Leben.<\/p>\n<p>Solange Hoffnung ist, zeigt sich die helle Flamme des Lebens, auch wenn sie noch so klein ist. Nicht als die schlimmste Plage der B\u00fcchse, sondern als das Beste.<\/p>\n<p>Die Geburt unseres Herrn ist ein lebensnotwendiges Gegenst\u00fcck zum Mythos der Griechen.<\/p>\n<p>Daran h\u00e4lt uns die Adventszeit fest. Sie ist Zeit der Hoffnung.<\/p>\n<p>Hier mitten im Nebel des Dezembers, mit beginnender K\u00e4lte und zunehmender Dunkelheit wird die Hoffnung langsam angefacht \u2013 Licht nach Licht, bis der ganze Kranz leuchtet. Um uns wieder entgegen zu leuchten, nicht f\u00fcr Pandoras leichtfertigen Umgang mit ihrer B\u00fcchse, sondern f\u00fcr die Erz\u00e4hlung von der Jungfrau Maria, die vor 2000 Jahren im Stall von Bethlehem einen Sohn zur Welt brachte.<\/p>\n<p>Eine Hoffnung, die hinter den Sorgen und Unsicherheiten leuchtet, hinter den Zuf\u00e4lligkeiten und Umst\u00e4nden. Hinter der Angst, den \u00f6konomischen Krisen, hinter Krieg und Terror, hinter Liebeskummer, Verlust und Tod \u2013 zur\u00fcck zur Hoffnung, die einmal in die Welt gekommen ist und Menschen noch immer Leben schenkt \u2013 und uns zeigt: Wo Hoffnung ist, ist Leben.<\/p>\n<p>Das ist es, was das heutige Evangelium verk\u00fcndigt \u2013 es gibt Hoffnung.<\/p>\n<p>Auch wenn die Krise da ist \u2013<\/p>\n<p>Und auch wenn Finsternis, Tod und Angst drohen, wird auf die Zeichen des Fr\u00fchlings verwiesen, der auf uns wartet \u2013 und uns daran erinnert: Wenn der Feigenbaum und alle die anderen B\u00e4ume ausspringen, ist der Sommer schon nahe, wie Jesus sagt.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass die N\u00f6te und der Schmerz nicht furchtbar genug sind, sondern das bedeutet, dass sie nicht das letzte Wort haben.<\/p>\n<p>Wenn Jesus uns heute erz\u00e4hlt: Wenn wir drau\u00dfen am Abgrund sind \u2013 oder \u00fcber den Abgrund hinaus \u2013 dann stehen wir in der Tat \u201evor dem Menschensohn\u201c. Als Bollwerk zwischen uns und dem Nichts. So dass weder die Plagen der Welt noch der bodenlose Schmerz der pers\u00f6nlichen allesumfassenden Krise im Nichts enden. Davor sch\u00fctzt uns das Wort Jesu, dass wir in ihm die lebendige Hoffnung finden.<\/p>\n<p>Der Kern der Evangelien der Adventszeit ist, dass Jesus zu uns kommt, ja er ist auf dem Weg. Die Hoffnung kommt uns entgegen, und sie \u00fcbergeht all das, was unertr\u00e4glich ist, all das, was zuerst aus der B\u00fcchse der Pandora kam, mit der Botschaft von dem Kind zu Bethlehem, die alles neu macht. In dem Glauben, den er uns schenkt und der in ihm gr\u00fcndet, orientieren wir uns an der Hoffnung und nicht an der Furcht. Und es gibt zwar Plagen und B\u00f6ses, Altes geht unter, und das schmerzt und bedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Aber Neues wird kommen.<\/p>\n<p>Lasst uns in diesem Glauben die Hoffnung des Advents annehmen. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die B\u00fcchse der Pandora und die christliche Hoffnung | 2. Advent | 08.12.2024 | Lk 21,25-36 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen | Es gibt zwei grundlegende Traditionen, die das abendl\u00e4ndische Denken gepr\u00e4gt haben \u2013 die alten Griechen und der christliche Glaube. 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