{"id":20484,"date":"2024-12-03T05:02:07","date_gmt":"2024-12-03T04:02:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20484"},"modified":"2024-12-02T16:01:53","modified_gmt":"2024-12-02T15:01:53","slug":"jesaja-353-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-353-10\/","title":{"rendered":"Jesaja 35,3\u201310"},"content":{"rendered":"<h3>Seid getrost! | 2. Advent | 8. Dez. 2024 | Jes 35,3\u201310 | Eberhard Busch |<\/h3>\n<p><em>St\u00e4rkt die schlaffen H\u00e4nde und festigt die wankenden Kniee! Sagt zu denen, die verzagten Herzens sind: Seid getrost, f\u00fcrchtet euch nicht! Siehe da euer Gott! Rache zu \u00fcben kommt er; es kommt die Vergeltung Gottes; er selbst kommt und hilft euch. Alsdann werden die Augen der Blinden aufgeschlossen, und die Ohren der Tauben werden aufgetan. Alsdann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen wird jauchzen; denn in der W\u00fcster brechen Wasser hervor und B\u00e4che in der Steppe und der gl\u00fchende Sand wird zum Teiche und das durstige Land zu Wasserquellen. An der Wohnstatt, wo Schakale lagerten, ist eine St\u00e4tte mit Rohr und Schilf und dort wird eine reine Stra\u00dfe sein und \u201eHeilige Wege\u201c wird man sie nennen. Kein Unreiner wird sie betreten \u2013 sie geh\u00f6rt seinem Volk, wenn es einher zieht, und die Toren werden nicht auf ihr irregehen. Dort wird kein L\u00f6we sein und kein rei\u00dfendes Tier wird hinansteigen, keins ist dort zu treffen; sondern Erl\u00f6ste werden darauf gehen und Befreite des Herrn werden heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, ewige Freude \u00fcber ihren H\u00e4uptern, Freude und Wonne wird bei ihnen einkehren und Leid und Seufzen werden fliehen.<\/em><\/p>\n<p>H\u00f6ren wir in diesem Bibeltext vor allem die freundliche Einladung an uns: Seid getrost! F\u00fcrchtet euch nicht! Ach, es gibt vieles, was einen trostlos anblickt und was uns mit Mutlosigkeit anstecken m\u00f6chte, mit grimmiger Faust oder mit feinen Nadelstichen. Da ist manches, was kr\u00e4ftezehrend f\u00fcr uns ist, was uns nachts den Schlaf raubt, was wir verdr\u00e4ngen wollen und nicht verdr\u00e4ngen k\u00f6nnen, \u2013 wer kennt das nicht? Bitte, lassen wir uns jetzt nicht davon kopfscheu machen! Denn es gibt einen guten Grund, der Wucht der Eindr\u00fccke nicht nachzugeben. Denn hier ist Einer, der uns kennt und der uns besser kennt als wir uns selbst. Der wei\u00df, was wir brauchen. Der spricht uns gut zu: Seid getrost! Und sagt es so, dass er schafft, was er sagt, so dass unsere \u201eschlaffen H\u00e4nde\u201c r\u00fcstig und unsere \u201ewankenden Kniee\u201c tragf\u00e4hig werden.<\/p>\n<p>Der Basler Theologe Karl Barth telefonierte am letzten Tag seines Lebens mit seinem Freund Eduard Thurneysen und sie sprachen \u00fcber die schon damals bedrohliche Weltlage. Aber dann sagte er zuletzt die Worte, die wie eine Auslegung von dem Zuspruch klingen: \u201eSeid getrost\u201c \u2013 n\u00e4mlich: \u201eNur nicht die Ohren h\u00e4ngen lassen! Es wird regiert.\u201c Also: so wie ein wachsamer Hund die Ohren aufgerichtet hat, so d\u00fcrfen wir wachsam sein, dass wir in allem Trubel dies nicht \u00fcbersehen: Es wird regiert! Was auch immer geschieht, \u201eGott sitzt im Regimente \/ und f\u00fchret alles wohl.\u201c Gott ist nicht tot. Er lebt. Er hat nicht abgedankt. Und selbst, wenn wir blind und taub daf\u00fcr sind, er h\u00e4lt die Z\u00fcgel in seiner Hand.<\/p>\n<p>Gut, aber da steht nun mittendrin ein Wort, das uns blind und taub daf\u00fcr machen kann \u2013 das Wort \u201eRache\u201c. Vielleicht steckt in <em>uns<\/em> <em>selbst<\/em> offen oder verborgen ein Rachegel\u00fcste. Es gibt sogar Zeitungen, in denen das Wort \u201eRache\u201c oder \u201eHass\u201c regelm\u00e4\u00dfig vorkommt. \u00dcberrascht es uns da nicht, dass es in der Heiligen Schrift in der Regel im Mund von Menschen <em>nicht<\/em> erscheint, stattdessen im Munde <em>Gottes<\/em>?! So, wie in unsrem Predigttext: \u201eSiehe da euer <em>Gott<\/em>! Rache zu \u00fcben kommt er; es kommt die Vergeltung <em>Gottes<\/em>.\u201c Das hei\u00dft: Rache ist nicht unsere Sache. \u00dcberlassen wir das ganz und gar dem lieben Gott! Er ist allein daf\u00fcr zust\u00e4ndig. \u201eDie Rache ist <em>mein<\/em>\u201c, sagt Gott in unserer Bibel (Dtn 32,45), so als ob wir einen Diebstahl begehen, wenn wir Rache \u00fcben.<\/p>\n<p>Aber der <em>liebe<\/em> Gott? Er \u00fcbt <em>Rache<\/em>? Wie k\u00f6nnen wir das zusammenreimen? Verstehen wir es recht! Es geht nicht darum, dass wir Gott eine Drecksarbeit in die Schuhe schieben, w\u00e4hrend wir die H\u00e4nde in Unschuld waschen. Darum geht es, dass Gott ein anderes tut als das, was Menschen in Rache und Hass tun. Er tut es so, wie wir es beim Propheten Hosea (11,8) als Gottes Wort lesen: \u201eMein Herz kehrt sich um in mir, all mein Mitleid ist entbrannt: Ich will meinen gl\u00fchenden Zorn nicht vollstrecken. Denn Gott bin ich und nicht ein Mensch, heilig in deiner Mitte, doch nicht ein Vertilger.\u201c H\u00f6ren wir dazu den Apostel Paulus! Der zitiert das \u201emein ist die Rache\u201c, aber legt das so aus: \u201e\u00dcberwinde das B\u00f6se mit <em>Gutem<\/em>.\u201c (R\u00f6m 12,18f) Jedenfalls Gott vollbringt das \u2013 wie wir das jetzt im Advent singen: \u201eEr ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftm\u00fctigkeit ist sein Gef\u00e4hrt, &#8230; Sein Zepter ist Barmherzigkeit\u201c. Sein Zepter! \u2013 ja, \u201ees wird regiert\u201c, aber unter der Devise: Barmherzigkeit. Gott sagt auch Nein, aber in seiner G\u00fcte.\u2013 Er schaut nach dem Rechten, er eilt umher, ist \u00fcberall gleichzeitig, aber sein Gef\u00e4hrt, sein Wagen ist Sanftm\u00fctigkeit. Er ist gerecht, verurteilt das Verkehrte zum Verschwinden, auf Nimmer-Wiedersehen, und gerade so ist er hilfsbereit. In einem Adventslied von Jochen Klepper hei\u00dft es sogar: \u201eAls wollte er belohnen, so richtet er die Welt.\u201c<\/p>\n<p>Wenn das geschieht, l\u00f6st das eine phantastische Kettenreaktion aus. Das hat lauter Gutes im Gefolge \u2013 so gewiss, wie dem Fr\u00fchling der Sommer folgt. Das Gute setzt Gott ein, um das B\u00f6se auf die Seite zu setzen. Diese Kettenreaktion hat k\u00f6stliche Konsequenzen \u2013 f\u00fcr uns, f\u00fcr unsere Mitmenschen, ja., f\u00fcr unsere ganze Umgebung, ja, f\u00fcr alle Gesch\u00f6pfe. Wenn Gott seinen Segen gibt, dann werden Blinde zu weitsichtigen Blinden und werden Stocktaube zu hellh\u00f6rigen Geh\u00f6rlosen und werden Lahme zu flinken Gehbehinderten. Und nicht genug: der gesch\u00e4digte Wald zeigt lauter verschonte B\u00e4ume, die uns drohenden W\u00fcsten werden zu biologisch wertvollem Ackerland und der menschenfressende L\u00f6we wird ein vertr\u00e4glicher Geselle in der bunten Sch\u00f6pfungswelt; kein Schie\u00dfgewehr nimmt ihn mehr aufs Korn.<\/p>\n<p>Ist das alles ein blo\u00dfer Wunschtraum des Propheten, bei dem der Wunsch der Vater des Gedankens ist? Ein Traum, bei dem man im Erwachen feststellen muss, dass die Welt eine andere ist? Sind Tr\u00e4ume Sch\u00e4ume? Halt! Gehen wir nicht leichtfertig mit Tr\u00e4umen um! Was haben wir gegen Tr\u00e4ume? Sie enthalten zuweilen mehr Wahres als Fernsehnachrichten. Sie zeigen uns jetzt eine Welt, in der das getan wird, was uns schon in den Anf\u00e4ngen unserer Bibel aufgetragen wird: \u201eDu sollst den Fremden lieben wie dich selbst\u201c (3Mose 19,34). Und wie liebt man ihn am besten? So, dass man daf\u00fcr einsteht, dass er gut bei uns ankommt, dass er bei uns heimisch wird. Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat gedichtet: \u201eBald wird es schnei\u2018n \/ Wohl dem, der jetzt noch eine Heimat hat.\u201c Hier sind wir an einem Ort, an den wir hingeh\u00f6ren, ein Zuhause, in dem wir beh\u00fctet sind, ein Daheim, in dem wir singen, wie es in den Psalmen (126) hei\u00dft: \u201eAls der Herr wandte das Geschick Zions, da waren wir wie Tr\u00e4umende, da war unser Mund voll Lachens.\u201c<\/p>\n<p>Achten wir noch darauf, dass die Vision im alttestamentlichen Buch des Propheten Jesaja im Neuen Testament wieder aufgegriffen wird. Es ist Jesus, der mit dessen Worten sein Wirken beschreibt: \u201eBlinde werden sehend, und Lahme gehen, Auss\u00e4tzige werden rein und Taube h\u00f6ren, Tote werden auferweckt und Armen wird die frohe Botschaft verk\u00fcndet. Selig, wer an mir keinen Ansto\u00df nimmt.\u201c (Mt 11,3) Warum sollten wir seine so grundlegende Liebe absto\u00dfend finden? Ist sie nicht vielmehr attraktiv? Denn damit sagt er ja: \u201eDass unser Vater im Himmel daf\u00fcr sorgt, daf\u00fcr stehe ich gerade. Daf\u00fcr lege ich meine Hand ins Feuer. Daf\u00fcr gebe ich mich hin.\u201c Lasst uns daf\u00fcr danke sagen in unserem Denken und Tun!<\/p>\n<hr \/>\n<p>Eberhard Busch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seid getrost! | 2. Advent | 8. Dez. 2024 | Jes 35,3\u201310 | Eberhard Busch | St\u00e4rkt die schlaffen H\u00e4nde und festigt die wankenden Kniee! Sagt zu denen, die verzagten Herzens sind: Seid getrost, f\u00fcrchtet euch nicht! Siehe da euer Gott! 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