{"id":20513,"date":"2020-12-04T16:54:47","date_gmt":"2020-12-04T15:54:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20513"},"modified":"2024-12-04T16:54:56","modified_gmt":"2024-12-04T15:54:56","slug":"josua-35-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/josua-35-11\/","title":{"rendered":"Josua 3:5-11"},"content":{"rendered":"<h1>Erster Sonntag nach Epiphanias, 13.01.2019<\/h1>\n<h3>Jetzt fahrn wir \u00fcber&#8217;n See<br \/>\nPredigt zu Josua 3:5-11, verfasst von Udo Schmitt<\/h3>\n<p><em>Jetzt fahrn wir \u00fcber&#8217;n See, \u00fcber&#8217;n See<br \/>\njetzt fahrn wir \u00fcber&#8217;n \u2013 See<br \/>\nmit einer h\u00f6lzern Wurzel,<br \/>\nWurzel, Wurzel, Wurzel,<br \/>\nmit einer h\u00f6lzern Wurzel,<br \/>\nkein Ruder war nicht \u2013 \u2026 <\/em><\/p>\n<p>Da stand er also: Jehoschua ben Nun &#8211; Josua der Sohn des Nun &#8211; mitten im Jordan. Nach dem Tod des Mose hatte dieser junge K\u00e4mpfer aus dem Stamm Ephraim die Rolle des Anf\u00fchrers \u00fcbernommen. Er hatte gegen Amalek, die Erzfeinde Israels erfolgreich gek\u00e4mpft. Er hatte Mose auf den Gottes-Berg begleitet, als dessen Diener. Er war von Mose als Kundschafter ausgeschickt worden, Kanaan zu erkunden. Nun sollte er als dessen Nachfolger das tun d\u00fcrfen, was jenem verwehrt geblieben war: Das Volk Israel in das Heilige Land zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>War er dazu in der Lage? War er der Mann, der das kann? Das Land, das sie betreten sollten, das Land, das Joseph und Jakob einst verlassen hatten, es war ja nicht leer: Kanaaniter lebten da, Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter \u2013 und wei\u00df Gott, wer noch! Und gegen die alle galt es sich zu behaupten, sich durchzusetzen. War Josua nicht eine Nummer zu klein daf\u00fcr? \u201eHeute will ich anfangen, dich gro\u00df zu machen vor ganz Israel\u201c, spricht Gott: \u201edamit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein.\u201c<\/p>\n<p>Sollte es eine Legitimationskrise gegeben haben, hatte die sich erledigt, sp\u00e4testens in dem Moment, als die Wasser des Jordan standen wie eine Wand. Das, was die Generation zuvor am Nil erlebt hatte, bei der Flucht aus \u00c4gypten. Das geschieht 40 Jahre sp\u00e4ter hier am Jordan nun wieder. Mit Josua, dem Sohn des Nun. Sein Vater war eher unbekannt, wir kennen seinen Namen nur. Sonst nichts. Und von Josua wissen wir, dass er eigentlich Hosea hie\u00df von Hause aus. Aber Mose hatte ihn umbenannt: Jehoschua soll jetzt dein Name sein. Das hei\u00dft: Gott hilft. Und so ist es. Mit Gottes Hilfe kann das Unm\u00f6gliche gelingen. Die Lade steht im Fluss und die Wasser stehen still. Wie eine Wand. Und das Volk kann trockenen Fu\u00dfes das Heilige Land betreten. M\u00f6gen da noch so viele Feinde sein, noch so viele Gefahren lauern: Gott hilft. Der Name ist Programm.<\/p>\n<p><em>Und als wir dr\u00fcben warn, dr\u00fcben warn,<br \/>\nund als wir dr\u00fcben \u2013 warn,<br \/>\nda sangen alle V\u00f6glein,<br \/>\nV\u00f6glein, V\u00f6glein, V\u00f6glein,<br \/>\nda sangen alle V\u00f6glein,<br \/>\nder helle Tag brach \u2013 &#8230; <\/em><\/p>\n<p><em>Das neue Jahr hat kaum begonnen, da sind die alten Fragen und Sorgen wieder da. Die Weihnachtstage, die Auszeit und das Luftholen \u2013 waren wieder mal viel zu schnell vorbei. Die Zeit zwischen den Jahren oder Rauhn\u00e4chte, so hat man sie fr\u00fcher genannt, die 12 Tage zwischen Weihnachten und Epiphanias. \u201eZwischen den Jahren\u201c deshalb, weil der Mondkalender nur 354 Tage hat, im Gegensatz zum Sonnenjahr mit 365 Tagen. Das eine Jahr war also schon zu Ende, da hatte das andere noch nicht begonnen. Eine Zwischenzeit, in der die Zeit nicht z\u00e4hlte. Das m\u00fcsste es auch heute noch geben. Eine Zeit zwischen den Zeiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Oder besser noch: Eine Stille und Ruhe \u2013 in mir. Auf dass die Welt sich weiterdreht und sich weiter um sich selber dreht. Und ich mittendrin, wie das Auge des Sturms, wie die Angel der Welt. Wie in so einem Film, wo eine Person auf einer sehr belebten Stra\u00dfe steht. Und stille steht. Und Menschen hasten vorbei. Sind schon wieder unterwegs zu ganz wichtigen Gesch\u00e4ften. Wollen nichts verpassen, keinen Spa\u00df und kein Spiel. Lassen sich jagen und hetzen. Denn es ist alles zuviel. Und dann ein Mensch \u2013 mittendrin \u2013 und doch entr\u00fcckt, enthoben und ganz leicht. Wie ein Fels im Strom. Wie eine Insel \u2013 und drumherum flie\u00dft es. So m\u00fcsste man sein im kommenden Jahr: Dass all das, was an einem zerrt und zieht, einen doch nicht aus der Ruhe bringen kann. Dass der Friede, dem wir nachjagen sollen, wie es uns die Jahreslosung mitgibt, schon da ist. Nicht ein Ziel, dem wir nachjagen, wie ein J\u00e4ger dem Wild. Wie ein L\u00e4ufer gegen die Uhr und gegen die anderen. Sondern \u2013 in mir. Frieden. Wenn ich ihn finden will, dann nur hier. Und nicht da. Nur nun \u2013 und nicht dann. Frieden. Zwischen den Zeiten. <\/em><\/p>\n<p>Der J\u00e4ger blies ins Horn, blies ins Horn,<br \/>\nder J\u00e4ger blies ins \u2013 Horn.<br \/>\nDa bliesen alle J\u00e4ger,<br \/>\nJ\u00e4ger, J\u00e4ger, J\u00e4ger,<br \/>\nda bliesen alle J\u00e4ger,<br \/>\nein jeder in sein \u2013&#8230;<\/p>\n<p>Da stand er also: Jehoschua ben Joseph. Jesus, der Sohn des Joseph aus Nazareth. Johannes der T\u00e4ufer hatte gerufen. Hatte es verk\u00fcnden lassen in ganz Israel: Kommt zum Jordan, in die W\u00fcste, auf die andere Seite des Flusses und fangt noch einmal ganz von vorne an. Dort wo alles begann, die Liebesbeziehung zwischen Gott und Volk. Als Israel noch jung war und kein Blut an seinen H\u00e4nden hatte. Keine G\u00f6tzen geehrt und keine Gebote gebrochen. Der T\u00e4ufersagt: Kommt heraus aus dem Heiligen Land, kommt heraus aus dem Herrschaftsbereich des Alltags, kommt heraus aus den Machtverh\u00e4ltnissen, die euch den Blick verstellen f\u00fcr das, was wichtig ist und h\u00f6rt wieder auf den, der wirklich das Sagen hat. Gott ist nahe, der Heiland ist im Kommen. Steht nicht einfach so rum, sondern bereitet euch vor, steht ihm nicht im Weg, indem ihr immer nur das eure seht, steht ihm nicht im Weg, indem ihr nur euren Gel\u00fcsten und Gesch\u00e4ften nachgeht, sondern kommt raus und geht ihm entgegen, kommt raus aus dem Land kommt zur Besinnung und fangt noch einmal ganz von vorne an.<\/p>\n<p>Da stand er also: Jesus. Und lie\u00df sich taufen von Johannes. Ein Neuanfang. Hatte er das n\u00f6tig? Johannes meint: Nein. Aber Jesus meint: Doch. Lass es geschehen! Sie alle sollen es sehen.\u00a0 Da stand Jesus, mitten im Jordan, und Gott spricht: Heute will ich anfangen, dich gro\u00df zu machen vor der ganzen Welt. Seht: Das ist mein lieber Sohn.<\/p>\n<p>Ein Neuanfang. Und was f\u00fcr einer! Damit sie wissen. Damit sie wissen, wie ich mit ihm gewesen bin, werde ich auch mit euch sein. Jehoschua, Gott hilft. Der Name ist Programm. F\u00fcr uns, deren Namen aufgeschrieben sind. F\u00fcr uns, deren Namen nicht vergessen sein werden. Die wir aus der Taufe und dem Glauben heraus leben. Aus der Taufe heraus leben, das hei\u00dft Frieden finden \u2013 auch in dem gr\u00f6\u00dften Trubel. Durchatmen \u2013 auch wenn der Sturm tobt. Stille werden. Auch wenn es mir die Sprache verschl\u00e4gt. Und ich es nicht erkl\u00e4ren kann. Und sich vor mir die Berge auft\u00fcrmen. Und ich kein Land mehr sehe. Und zum Herrn flehe mit einem einzigen stummen Blick. Dann doch zu wissen. Zu wissen: Er ist da. Er sieht mich. Er hilft. Jehoschua. Jesus. Der zwischen den Zeiten steht und die Wellen der Fluten bannt, die \u00fcber mir zusammenbrechen wollen. Er segne und bewahre uns und begleite uns auch in diesem Jahr.<\/p>\n<p><em>Das Liedlein, das ist aus, das ist aus,<br \/>\ndas Liedlein, das ist \u2013 aus.<br \/>\nUnd wer das Lied nicht singen kann,<br \/>\nsingen, singen, singen kann,<br \/>\nund wer das Lied nicht singen kann,<br \/>\nder f\u00e4ngt von vorne \u2013 an.<\/em><\/p>\n<p>Anmerkung:<\/p>\n<p>\u201eJetzt fahr\u2019n wir \u00fcbern See\u201c, auch Hopfenpfl\u00fcckerlied genannt. Melodie und Text: Autor unbekannt. Angeblich aus Plan in B\u00f6hmen, 1884, \u201eWurzel\u201c ist \u00fcbrigens eine Weid-Zille (woidz\u00fclln), ein Jagd-Kahn.<\/p>\n<p>____________<\/p>\n<p><em>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-<\/em><em>2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Domprobst Udo Schmitt<br \/>\nW\u00fclfrath (D\u00fcssel), Nordrhein-Westfalen, Deutschland<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:udo.schmitt@ekir.de\">udo.schmitt@ekir.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erster Sonntag nach Epiphanias, 13.01.2019 Jetzt fahrn wir \u00fcber&#8217;n See Predigt zu Josua 3:5-11, verfasst von Udo Schmitt Jetzt fahrn wir \u00fcber&#8217;n See, \u00fcber&#8217;n See jetzt fahrn wir \u00fcber&#8217;n \u2013 See mit einer h\u00f6lzern Wurzel, Wurzel, Wurzel, Wurzel, mit einer h\u00f6lzern Wurzel, kein Ruder war nicht \u2013 \u2026 Da stand er also: Jehoschua ben Nun [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,1,114,1526,166],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20513","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-josua","category-aktuelle","category-deut","category-kapitel-03-chapter-03-2","category-udo-schmitt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20513","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20513"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20513\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20514,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20513\/revisions\/20514"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20513"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20513"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20513"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20513"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20513"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20513"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20513"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}