{"id":20532,"date":"2024-12-11T10:40:28","date_gmt":"2024-12-11T09:40:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20532"},"modified":"2024-12-11T10:52:44","modified_gmt":"2024-12-11T09:52:44","slug":"matthaeus-112-10-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-112-10-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11,2-10"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Dritter Sonntag im Advent | 15.12.24 | Matth\u00e4us 11,2-10 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Marianne Frank Larsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>H\u00f6re, was er sagt, und siehe, was er tut!<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Hillevi an einem Wintermorgen 1916 in Buch der schwedischen Autorin Kerstin Ekman: \u201eGottes Barmherzigkeit\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/08930545-0C01-40D2-B590-4EF6AA54AEEB#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>mit Halvorson losfahren will, sieht sie, wie er das Gep\u00e4ck an dem kleinen Wagen festbindet. Und sie sieht, wie er das Pferd mitten in den Schneewehen anh\u00e4lt und sich aus der Fu\u00dfbedeckung windet und das Band am Bauch des Pferdes l\u00f6st, weil, es zu stramm sitzt, es noch einmal versucht, als er es festgezurrt hat, und erst in die Kutsche zur\u00fcckkehrt, als er zufrieden ist. Sie sieht, wie er das Pferd wieder anh\u00e4lt, als sie auf dem gefrorenen Schnee fahren, und noch einmal das Geschirr des Pferdes kontrolliert. Und als sie an einem Sommermorgen ein halbes Jahr sp\u00e4ter wieder losf\u00e4hrt, sieht sie, wie er das Gep\u00e4ck an Wagen festbindet. Sie sieht, wie er die Decke um ihre Schultern legt und um sie wickelt, eng und gut, ehe sie losfahren. Alles tut er bed\u00e4chtig und ordentlich. Sie h\u00f6rt, wie er von dem Pferd erz\u00e4hlt. Sie sieht die Freude in seinem Gesicht. Sie h\u00f6rt, wie er fragt, ob sie sich ausruhen m\u00f6chte. Und als er schlie\u00dflich die Haarnadeln aus ihren Haaren nimmt, sieht sie, wie er sie sorgf\u00e4ltig in seine Jackentasche steckt. Das schreibt Kirst in Ekman: \u201eEs ist klar, dass ein Mensch derselbe Mensch ist, was er auch tut. Halvorsen gleicht sich selbst, f\u00fcrsorglich und geduldig, ob er nun Waren auf einen Wagen spannt, das Geschirr am Pferd anlegt oder Fr\u00e4ulein Hillevi Klarin die Bekleidung abnimmt\u201c. Und so kommt es, dass Hillevi an Halvorsen glaubt. Indem sie h\u00f6rt, was er sagt, und sieht, was er tut. Aus dem, was sie ihn machen sieht, und dem, was sie ihn sagen h\u00f6rt, erw\u00e4chst ihr Vertrauen zu ihm. Sie sollte eigentlich einen langweiligen Pfarrer heiraten, aber sie glaubt nun so sehr an Holvorsen, dass sie ihn einige Monate sp\u00e4ter heiratet. So wie sie gesehen hat, wie er das Geschirr am Pferd angebracht hat und das Gep\u00e4ck am Wagen festgezurrt hat, ist sie sicher, dass er in ihrer Ehe F\u00fcrsorge und Aufmerksamkeit zeigen wird. Er ist einfach ein ordentlicher Mann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie Hillevi schlie\u00dflich an Halvorsen glaubt, so geht es ja auch zu, wenn wir zum Glauben an unseren Herrn finden. Das tun wir, indem wir auf das h\u00f6ren, was er sagt, und sehen, was er tut. Wenn wir die Erz\u00e4hlungen von ihm h\u00f6ren und die Lieder \u00fcber ihn singen, kann es geschehen, dass das Vertrauen in uns w\u00e4chst. Weil wir das h\u00f6ren, was er sagt, und sehen, dass er Dinge tut, die wir brauchen. Es kann nat\u00fcrlich auch sein, dass uns das nichts sagt. Dass wir nur in Zweifel geraten. Denn eines sind ja die Stimmen der Engel zur Weihnacht, die davon singen, dass er kommt mit Frieden zu den Menschen. Etwas anderes sind alle die anderen Stimmen, die wir auch h\u00f6ren k\u00f6nnen. Zornige Stimmen, klanglosen Stimmen, kalte Stimmen. Die sind da noch immer. Der Friede ist schwer zu sehen, wenn wir uns in der Welt und den Kreisen um uns umsehen. Was soll man da glauben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes der T\u00e4fer ist in Zweifel geraten. Deshalb fragt er im heutigen Evangelium so wie er fragt. Bist du der, der kommt, oder sollen wir auf einen anderen warten? Bis du er Erl\u00f6ser, auf den wir gewartet haben? Wenn man wie Johannes im Gef\u00e4ngnis sitzt hinter verschlossenen T\u00fcren, ohne Auswege, ohne Zukunft, liegt viel daran herauszufinden, wem man vertrauen kann. Mit seiner Frage formuliert Johannes die Zweifel, die wir auch kennen. Wenn andere Stimmen die Stimmen der Engel und die Stimme unseres Herren zu \u00fcbert\u00f6nen drohen und wir keinen Ausweg und keine Zukunft sehen, wie in aller Welt k\u00f6nnen wir dann daran glauben, dass Jesus wirklich der ist, der mit Frieden und Erl\u00f6sung kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Antwort Jesu ist einfach und direkt. Seht und h\u00f6rt, sagt er zu den J\u00fcngern von Johannes und zu uns. Das ist es, woraus der Glaube entsteht. So wie der Glaube von Hillevi an Halvorsen aus dem kam, was sie h\u00f6rte und sag an einem Wintermorgen und einem Sommermorgen in den schwedischen W\u00e4ldern. Blinde sehen und Lahme gehen, Auss\u00e4tzige werden rein und Taube h\u00f6ren, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt. Das ist es, was die J\u00fcnger sehen k\u00f6nnen, wenn sie in der Stadt umhergehen, und das k\u00f6nnen wir <em>sehen<\/em>, wenn wir die Erz\u00e4hlungen h\u00f6ren: \u00dcberall, wo Jesus umhergeht, wird das Leben funkelnd neu und freudenreich f\u00fcr die, die vorher davon ausgeschlossen waren. Und das Evangelium wird Armen verk\u00fcndigt. Das ist es, was die J\u00fcnger und wir anderen <em>h\u00f6ren<\/em> k\u00f6nnen: \u00dcberall, wo Jesus zu Worte kommt, ist das eine frohe Botschaft, ein Evangelium, das verk\u00fcndigt wird. Eine frohe Botschaft von Vergebung und Hoffnung und Liebe \u2013 auch f\u00fcr uns heute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seht und h\u00f6rt. Mehr sagt er nicht, als Johannes fragt. Er h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen: Ja, ich bin der, der kommt, und du musst nur an mich glauben! Und er h\u00e4tte Johannes und uns anderen Zweiflern Beweise daf\u00fcr liefern k\u00f6nnen, dass er wirklich der ist, der mit Frieden und Heil kommt. So dass wir gen\u00f6tigt w\u00e4ren, uns ihm zu beugen. Aber das tut er nicht, Er begn\u00fcgt sich damit, auf das zu verweisen, was wir h\u00f6ren und sehen k\u00f6nnen. Zeichen und Worte. Denn daher kommt der Glaube. Und Glauben will er in uns wecken. Nicht Unterwerfung, sondern Vertrauen. Wie das Vertrauen von Hillevi zu Halvorsen. Wie unser Vertrauen zu denen, die uns Gutes tun. Vertrauen darauf, dass er der ist, der kommt, und dass er kommt mit Frieden und Freude.\u00a0 Das Risiko ist nat\u00fcrlich, dass wir in Zweifel geraten. Aber das Risko will er eingehen. Denn Glaube kann nur in Freiheit entstehen. Indem man h\u00f6rt und sieht und selbst denken und f\u00fchlen darf, dass der, der redet und handelt, der ist, der es gut mit mir meint. Das Einzige, was mich dazu zwingt zu glauben, ist also die Liebe in dem, was ich h\u00f6re und sehe \u2013 so wie nur die Liebe zwingen kann mit der wunderbaren Kraft, die sie hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus nennt Johannes mehr als einen Propheten. Das tut er, weil Johannes selbst die Erf\u00fcllung einer alten Prophezeiung von dem Engel ist, der dem Herrn den Weg bahnt, wenn er kommt. Deshalb h\u00f6ren wir am dritten Advent, was Johannes sagt. Weil er der Engel ist, der Sendbote, der den Weg bereitet f\u00fcr Ihn, der zu Weihnachten kommt. Und das ist Johannes, gerade weil er heute seine zweifelnde Frage stellt. Denn indem er fragt, wie er es tut, ob Jesus nun auch der ist, der kommt, oder ob wir auf einen anderen warten sollen, formuliert er unsere zweifelnden Fragen \u2013 und bereitet den Weg f\u00fcr die Antwort, die Jesus gibt. Die frohe Botschaft, dass Blinde sehen, Lahme gehen, Tote aufstehen und das Evangelium f\u00fcr die Armen verk\u00fcndigt wird. Es liegt also an uns, ob wir ihm glauben sollen oder nicht. Halvorsen war derselbe, ob er das Geschirr an das Pferd anlegte oder seiner Frau die Kleider abnahm. Wenn wir die Augen und Ohren \u00f6ffnen, werden wir h\u00f6ren und sehen, dass unser Herr auch derselbe ist in allem, was er sagt und tut. Schwer nicht daran zu glauben. Vielleicht k\u00f6nnen wir dann auch sehen, dass er der ist, der kommt. Wir sollen auf keinen anderen warten. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Marianne Frank Larsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 8000 Aarhus C<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mfl(at)km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/08930545-0C01-40D2-B590-4EF6AA54AEEB#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Deutsch <em>Am schwarzen Wasser<\/em>, 2000.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dritter Sonntag im Advent | 15.12.24 | Matth\u00e4us 11,2-10 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Marianne Frank Larsen | H\u00f6re, was er sagt, und siehe, was er tut! Als Hillevi an einem Wintermorgen 1916 in Buch der schwedischen Autorin Kerstin Ekman: \u201eGottes Barmherzigkeit\u201c[1]mit Halvorson losfahren will, sieht sie, wie er das Gep\u00e4ck an dem kleinen Wagen festbindet. 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