{"id":20544,"date":"2024-12-17T13:42:53","date_gmt":"2024-12-17T12:42:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20544"},"modified":"2024-12-17T13:44:36","modified_gmt":"2024-12-17T12:44:36","slug":"johannes-119-28-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-119-28-2\/","title":{"rendered":"Johannes 1,19\u201328"},"content":{"rendered":"<div>\n<h3 align=\"left\"><span lang=\"DE\">Zwei Gestalten, zwei Schicksale | 4. Advent | 22.12.2024 | Johannes 1,19\u201328 | Jan Sievert Asmussen |<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Die uralten Embleme des Theaters sind zwei Masken, die eine vergr\u00e4mt und die andere froh lachend, die Trag\u00f6die und die Kom\u00f6die. Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit. Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit. Zu jeder Maske geh\u00f6rt eine Jahreszeit, und die Wintersonnenwende gestern gegen 10 Uhr ist der \u00dcbergang zwischen beiden Phasen. In wenigen Tagen ist der Unterschied merkbar, und in wenigen Monaten ist es wieder hell, fast rund um die Uhr. Der Tod des Sommers in den Herbst hinein und die Auferstehung im Fr\u00fchling sind durch Jahrtausende in unsere nordischen gequ\u00e4lten und erl\u00f6sten Seelen eingraviert. Wintersonnenwende, wie die Alten es auch immer erkennen konnten: Man wusste, es ereignete sich gerade jetzt, vor Weihnachten.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Die Zeit teilt sich in ein Halbjahr des <i>Abnehmens<\/i> und ein Halbjahr des <i>Zunehmens<\/i> von Licht. Auch nicht in der \u00c4ra des elektrischen Lichtes sind wir davon unber\u00fchrt. Das Dunkel des Novembers und Dezembers zeigt Verfall und Untergang, die Zeit der Trag\u00f6die. Das Licht von M\u00e4rz und April macht neue Hoffnung selbst f\u00fcr den \u00e4ltesten Kr\u00fcppel. Es ist die Zeit der Kom\u00f6die: So viel Dunkelheit und jetzt wieder ein starkes Licht.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Das Christentum hat den gro\u00dfen Gestalten Jesus und Johannes jedem sein eigenes Halbjahr zugeordnet. Jesus ist der Held einer Kom\u00f6die, denn in einer solchen geht es immer vom Dunkeln ins Licht, von Karfreitag in den Ostermorgen. Und was dunkel beginnt und hell endet, ruft das befreite Lachen hervor. Wir lachen dann zu Ostern zusammen mit dem Heiligen Geist, und die Welt wird von jeder Finsternis befreit.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Johannes ist jedoch sein Gegenpol. Die gro\u00dfe tragische Gestalt unter den Personen der Evangelien. Er kommt vom Licht und endet in der Finsternis. Johannes ist ein Verwandter Jesu, wie er durch die Hilfe eines Engels empfangen und wie Jesus als Kind von Engeln beh\u00fctet. Jesus wird immer gr\u00f6\u00dfer und am Ende so gro\u00df, dass die Kirche entsteht und sein Wort bis in diesen Sonntag reicht. Johannes verschwindet jedoch in seiner Finsternis. Wie er selber sagt: &#8222;Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen&#8220; (Joh. 3,30). Genau dieses macht ihn zu einer tragischen Gestalt.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Johannes taufte Menschen im Fluss Jordan. Leute kamen in Mengen, h\u00f6rten ihn zur Umkehr rufen und wurden in das Wasser getaucht. Johannes war nicht der Christus, nur ein Vorl\u00e4ufer, nicht wert, dass er seine Schuhriemen l\u00f6se. Seine Aufgabe war, den Weg zu bereiten und zu verk\u00fcnden: Bekehrt euch, dass Ihr den Heiland sehen k\u00f6nnt, wenn er kommt. Johannes stand in der Tradition des Alten Testamentes als der letzte Prophet. &#8222;Ebnet den Weg des Herrn&#8220;, sagte er \u00fcber sich selber. Das war seine Tat.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Auch Jesus kam und wurde von Johannes getauft. Und damit war die Aufgabe des Johannes getan. Nach ihm fingen die J\u00fcnger Jesu an zu taufen. Der Scheitelpunkt war \u00fcberschritten, und Johannes konnte sich zur\u00fcckziehen. Aus Vorbereitung war Erf\u00fcllung der alten Prophetien geworden. &#8222;Ebnet den Weg des Herrn!&#8220; \u2013 Jetzt war er da!<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Es ist ein Irrtum zu denken, Johannes und Jesus w\u00e4ren Konkurrenten. Im Gegenteil: Als der Weg der beiden sich kreuzte, Jesus nach oben und Johannes nach unten, war alles genau, wie es sein sollte. Johannes war wie eine H\u00fclle mit einem ganz besonderen Inhalt, n\u00e4mlich das Wort Gottes auf Erden. Als Jesus kam, musste Johannes schweigen. Deshalb sieht man ihn auf alten Altarbildern stehend unter dem Kreuz, auf Jesus zeigend: &#8222;Er muss wachsen, ich aber abnehmen&#8220;.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span>In der Gestalt des Johannes \u00e4u\u00dfert sich die gr\u00f6\u00dfte Hingabe, n\u00e4mlich die Freude, etwas Wertvolles weiterzureichen. Wie ein Sammler, der keine gr\u00f6\u00dfere Freude kennt als die Sammlung seinem Sohn zu \u00fcberlassen. Es gibt keinen falschen Ton, kein Misstrauen gegen Jesus, ob er es auch \u00fcbernehmen <i>kann.<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Johannes der T\u00e4ufer wird aber nicht in dieser Zufriedenheit sterben. Als sich die Dunkelheit \u00fcber ihn senkt und kaum einer mehr zur Taufe im Fluss kommt, besuchen ihn die Geister des Zweifels. Alles gab ich dem Jesus \u2013 was wird daraus? Ich gab dir meine Sammlung \u2013 du hast sie wohl nicht verbrannt? Ich \u00fcberlie\u00df dir meine Arbeit \u2013 wurde mein Werk dadurch vergebens?<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Denn Jesus ist keinesfalls, wie ihn Johannes erwartet hat. Nicht der m\u00e4chtige Prophet, der die ganze Welt zur Umkehr und Taufe im Fluss in der W\u00fcste bringt. Nicht der starke K\u00f6nig, der in Israel herrschen sollte. Johannes hatte Jesus getauft in der Zuversicht, dass Jesus gr\u00f6\u00dfer sein w\u00fcrde als er selber. Wurde es wirklich so?<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Deshalb endet die Geschichte des Johannes damit, dass er aus seinem Gef\u00e4ngnis Boten schickt zu Jesus: &#8222;Bist du der, der da kommen soll oder sollen wir auf einen andern warten?&#8220; (Matt. 11,3). Diese Frage stellt ein Mensch als letzte vor seinem Tod, und an der Antwort h\u00e4ngt der Sinn seines Lebens. Eine Frage, kurz bevor er in der Finsternis verschwindet \u2013 mit seinem Haupt auf der Sch\u00fcssel der tanzenden Salome. Um einen Kopf gek\u00fcrzt, also noch kleiner zuletzt. Zu fast der gleichen Zeit, unweit von diesem Ort, stand Jesus auf von den Toten und setzte sich an die Seite des Allm\u00e4chtigen. Gr\u00f6\u00dfer ging es nicht!<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span>Johannes ist die tragische Gestalt des Neuen Testament. Er kommt aus dem Licht, tritt gehorsam zur Seite und wei\u00df zuletzt weder ein noch aus. Er hatte den Messias getroffen und ihn sogar getauft. Er hatte seine eigenen Ziele f\u00fcr ihn geopfert und endete doch im Dunkel des Zweifels: &#8222;Bist du der, der da kommen soll?&#8220;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">&#8222;Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich&#8220;, sagt Johannes seinen J\u00fcngern. Wenn der Messias kommt, wirkt Allmacht auf Erden. Der Messias reinigt die Erde, wirft die B\u00f6sen in die Tiefe und versammelt die Gerechten um sich. Und dann geht es im Galopp Richtung himmlisches Jerusalem. Wenn der Messias kommt, sagten die alten Propheten, &#8222;werden die Berge von ihrem Blut flie\u00dfen, und alles Heer des Himmels wird dahinschwinden, und der Himmel wird zusammengerollt werden wie eine Buchrolle&#8220; (Jess 34,3-4).<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Das Schicksal des Johannes ist, dass der Messias in dieser Weise nicht kommen wird. Johannes h\u00e4tte kaum verstanden, dass Gott seinen Sohn zur Erde sandte in der Gestalt eines Kindes. Er verstand kaum, dass Jesus kein R\u00e4cher der Ungerechtigkeit wurde. Johannes stand im Alten Bund, und dort ist es undenkbar, dass Gott seine Allmacht <i>preisgeben<\/i> k\u00f6nnte und sich so eng mit der Menschlichkeit verbinden sollte wie das Kind in Betlehem an Marias Brust. Preisgegeben wie der Mann, der den Schmerzen erliegt, als man ihm in die Seite sticht.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">&#8222;Er muss wachsen, ich aber abnehmen&#8220;. So endet die Geschichte des Johannes, des Vorl\u00e4ufers, der Stimme in der W\u00fcste. Seine Erwartung macht deutlich, wie wundersam die Geburt im Stall war. Wie eigent\u00fcmlich das Kommen des Lichts war. Wie es in einem Kinde wuchs, auf Golgatha flackerte und zuletzt lichterloh \u00fcber die K\u00f6pfe der J\u00fcnger am Pfingstmorgen brannte.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DE\">Das Theater hat zwei Masken. Sie sind gegenseitig bedingt wie Johannes und Jesus. <\/span><span lang=\"DA\">Wie Finsternis und Licht. Amen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DA\">\u00a0&#8212;<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DA\">Pastor Jan Sievert Asmussen<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DA\">DK-3520 Farum<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Brd\" align=\"left\"><span lang=\"DA\">Email: jsas(at)km.dk<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Gestalten, zwei Schicksale | 4. Advent | 22.12.2024 | Johannes 1,19\u201328 | Jan Sievert Asmussen | Die uralten Embleme des Theaters sind zwei Masken, die eine vergr\u00e4mt und die andere froh lachend, die Trag\u00f6die und die Kom\u00f6die. Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit. Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit. 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