{"id":20554,"date":"2024-12-19T06:07:47","date_gmt":"2024-12-19T05:07:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20554"},"modified":"2024-12-18T10:44:49","modified_gmt":"2024-12-18T09:44:49","slug":"1-timotheus-316-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-timotheus-316-6\/","title":{"rendered":"1. Timotheus 3,16"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Das Geheimnis dieser Nacht | Christnacht | 24.12.2024 | 1Tim 3,16 | Udo Schmitt |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wege.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Welchen Weg haben Sie auf sich genommen, um heute hier zu sein? Wie weit war Ihr Weg, um hierher zu gelangen? Sind Sie, wie die Weisen, aus der Ferne gekommen, \u00fcber die Autobahn, vorbei an Staus, liegengebliebene Fahrzeuge, Baustellen, Kreuze, Abfahrten; aus den \u00fcbern\u00e4chsten Ortschaften, vereiste Stra\u00dfen, zu hohe Bordsteine, rumpelige Feldwege? Oder hatten Sie den Weg der Hirten zu bew\u00e4ltigen: Irgendwie mit dem Gef\u00fchl gekommen, nicht her zu passen, heute, jetzt, hier, weil zu wenig Zeit, weil eigentlich keine Lust, weil es nicht meine Welt ist, weil ich mich innerlich oder \u00e4u\u00dferlich nicht vorbereitet f\u00fchle, weil \u2013 ach, was tu ich hier eigentlich? Und doch haben Sie sich auf den Weg gemacht und haben die eine oder andere Unbill ertragen, H\u00fcrde \u00fcberwunden. Und doch sind Sie hier. Und doch sind wir hier. Ganz unterschiedliche Menschen, mehr als sonst, unterschiedlicher als sonst im Jahr. Warum bin ich hier?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unkaputtbar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kein Fest umgibt eine solche Ausstrahlung, kein Fest bringt mehr Menschen in Bewegung, kein Fest setzt mehr Geschichten frei, mit keinem Fest werden mehr Hoffnung, mehr Verzweiflung, mehr Sehnsucht, mehr Dr\u00e4ngen verbunden als mit Weihnachten. Woher hat die Weihnacht diese Kraft? Kein Fest ist kommerzialisierter, es taugt f\u00fcr mindestens vier Monate Vorausgesch\u00e4ft, es gibt fast keinen Musiker, der nicht eine Weihnachts- oder Christmas-CD herausbringt und wir werden verfolgt von Bing Crosby, Wham, Andre Rieu oder Bach \u2013 kein Fest wird mehr verramscht \u2013 und doch, wunderbarerweise, trotz allen Kitschfaktors: es ist, Gott sei Dank, unkaputtbar. Und w\u00fcrden wir alle Geschenke aufeinanderstapeln und uns noch draufstellen \u2013 Weihnachten ist mehr. Woher hat die Weihnacht diese Kraft? Weihnachten hat ein Geheimnis, ein unkaputtbares, ein trotz allem unverk\u00e4ufliches, weil unerreichbares, uneinholbares Geheimnis. Wir ahnen das, wenn wir das Geheimnis um Weihnachten in den verpackten, versteckten Geschenken nachahmen. Viele Gedichte sind wie Geschenke verpackt. In ihnen werden Worte gesucht, um das auszudr\u00fccken, was man nicht ausdr\u00fccken kann. Eines der \u00e4ltesten, ein Lied sogar, beginnt so: \u201eUnd gro\u00df ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er [Christus] ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geheimnis.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben in einer Welt, in der es von bewahrten und aufgedeckten Geheimnissen nur so wimmelt. T\u00e4glich entrei\u00dft die Wissenschaft der Welt mehr Geheimnisse und Fernsehen, Funk und Zeitung bem\u00fchen sich, uns t\u00e4glich mit der Aufdeckung peinlichster, privatester, geschmacklosester Geheimnisse zu f\u00fcttern. Aber Geheimnislosigkeit erm\u00fcdet. Nichts ist langweiliger als nackte Tatsachen. Und Menschen beginnen zu suchen. Es muss doch mehr geben als die fade Aufgedecktheit und Erkl\u00e4rtheit des Lebens. Und statt uns ein neues \u201eNichtgeheimnis\u201c ins Haus liefern zu lassen, machen wir uns auf den Weg, ein Geheimnis zu suchen und zu feiern. Es ist das Geheimnis dieser Nacht: Himmel und Erde ber\u00fchren sich. Gott kommt in einem S\u00e4ugling zur Welt, Gott und Mensch werden eins. Engel und V\u00f6lker kommen einander so nahe wie nie, Himmel und Erde ber\u00fchren sich, unsere Welt und Gottes Herrlichkeit lassen sich nicht mehr trennen. Ein St\u00fcck Himmel ist mitten unter uns. Der Himmel wird durchl\u00e4ssig, die Erde wird hell.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 41,1-2<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Himmel und Erde haben sich ber\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Himmel und Erde haben sich ber\u00fchrt. Wie ging das zu? \u2013 Ich wei\u00df es nicht. Wie konnte Gott in einem Kind zur Welt kommen? \u2013 Ich wei\u00df es nicht. Wie konnte eine Frau Gott zur Welt bringen? \u2013 Wieso hat Gott diesen Weg gew\u00e4hlt und keinen anderen? Ich wei\u00df es nicht. Ich kann das Geheimnis mit aller Gr\u00fcbelei und den schlauesten K\u00f6pfen dieser Welt erforschen, bedenken, zerreden. Aber nicht l\u00f6sen. Es ist das gr\u00f6\u00dfte Geheimnis dieser Welt. Es ist g\u00f6ttlich. Denn: Weihnachten ist f\u00fcr alle Zeit mehr. Und ehrlich \u2013 ich m\u00f6chte mir nicht vorstellen, wie einer der Hirten an der Krippe steht und Maria sachlich n\u00fcchtern angeht: \u201eBitte teilen Sie mir die Umst\u00e4nde und die Einzelheiten Ihrer Empf\u00e4ngnis, Schwangerschaft und Geburt detailliert mit und geben Sie sie mir in dreifacher Ausfertigung mit, Unterschrift bitte unten links. Datum und Ort nicht vergessen.\u201c Gott wird Mensch \u2013 da soll ich zum B\u00fcrokraten werden? Nein, wer an der Krippe, am Futtertrog steht, will das nicht, kann das nicht. Daf\u00fcr ist nicht die Zeit. Denn es ist etwas Uneinholbares geschehen, das sich nicht fotografieren, nicht simsen, nicht protokollieren l\u00e4sst: Die Welt ist nicht mehr die alte. Die Welt ist nicht mehr dieselbe. Die Welt ist sich nicht mehr selbst \u00fcberlassen. Gott wurde Mensch, so dass Engel und Hirten dieses Kind anbeteten. Das ist das Geheimnis des Glaubens. Da ist kein Platz f\u00fcr Religionspaparazzi, aber da ist Platz f\u00fcr Menschen, die staunen, sich freuen, die singen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 41,3-4<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weihnachten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist letztlich das Geheimnis des Glaubens, das dieses Fest lebendig h\u00e4lt. Es ist das Wunder dieser Nacht, das meine Seele in Bewegung h\u00e4lt, mich sehnen l\u00e4sst nach dem Augenblick, in dem der Himmel \u00fcber mir und f\u00fcr alle aufrei\u00dft, durchl\u00e4ssig wird, dass ich Gottes \u201eangesichtig\u201c werde. In einem Psalm hei\u00dft es: meine Seele klebt an dir, Gott. Ich klebe an Weihnachten, weil mir Gott hier so nahe kam wie nie. Er hat andere Dinge getan, die vielleicht sogar eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung haben f\u00fcr mein Seelenheil, aber hier ist er mir nahe, ber\u00fchrt mich, verwundete mich, verwundete sich, machte sich verwundbar und ist darum bei mir. Und ich sp\u00fcre seine ganze Lebenslust an mir Mensch, wenn er sich hier so weit zu uns herunterbeugt und mir zufl\u00fcstert: Hier bin ich ganz und gar: Gott und Mensch. Suchst du den Grund des Lebens? Hier bin ich, ganz, mit den Menschen vereinigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schauen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein Wunsch nach Ganzheit und meine Sehnsucht nach Vereinigung \u2013 sie ist hier geworden. Wie viel mehr werde ich je von Gott zu sehen bekommen, erfahren? Mose, einer der Gr\u00f6\u00dften der Bibel, erbat sich einmal, Gott sehen zu d\u00fcrfen. Er hatte es wirklich verdient. Wenn er nicht, wer dann. Wow! Ist es das nicht? Gottes Glanz, Sch\u00f6nheit, Macht sehen? Das Einzige, was er schaffte, \u00fcberlebte, war von Gottes Hand gesch\u00fctzt hinter Gott herzusehen. Mehr ging nicht. Und wir, wir schauen in diesem Kind Gott direkt ins Gesicht. Engel singen, hochgestellte Weise und kluge Einfache fallen auf die Knie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcberwinden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Geheimnis dieser Nacht. Wir werden das \u201ewie\u201c nicht l\u00f6sen. Aber das \u201ewarum\u201c hat ER uns gel\u00f6st: Christus kam, weil Gott nicht mehr ertragen, erdulden konnte, dass Menschen so weit entfernt von ihm sind: Durch (1.) Unglaube, Schuld, \u00dcberheblichkeit, Selbstgerechtigkeit des Menschen und (2.) einer Lehre von Gott, die den Menschen gefangen nahm, Gehorsam erzwang, die das Gesetz \u00fcber die Menschlichkeit, das Recht \u00fcber die Liebe setzte. Gott machte sich auf den Weg, den Br\u00fcckenschlag zu leisten. Er kam zur Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 41,5-7<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum bist du hier? Ich wei\u00df es nicht, aber du bist hier, und du bist hier richtig und auf dem richtigen Weg, wenn du auf dem Weg zur Krippe bist \u2013 \u00fcber alle innerlichen und \u00e4u\u00dferlichen Hindernisse hinweg. Hier gibt es keine Sensationen, aber das himmlische Angebot zum Staunen. Hier wirst du dich nicht selbst finden, aber den Himmel offen und die Erde hell. Hier darf ich sehen, wie empfindlich Gott sich f\u00fcr mich, f\u00fcr uns machte. Und ich schaue auf das, was einmal werden soll im Reich der Himmel: Niemand wird mehr die Beute des anderen, und die K\u00f6nigsw\u00fcrde von jedem Geborenen wird offenbar werden. Das ist Weihnachten, das Geheimnis des Glaubens: ich schaue mehr, als die Gegenwart mir bietet. Denn: Weihnachten ist mehr. Viel mehr.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">udo.schmitt@ekir.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Geheimnis dieser Nacht | Christnacht | 24.12.2024 | 1Tim 3,16 | Udo Schmitt | Wege. Welchen Weg haben Sie auf sich genommen, um heute hier zu sein? Wie weit war Ihr Weg, um hierher zu gelangen? 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