{"id":20573,"date":"2024-12-19T11:38:25","date_gmt":"2024-12-19T10:38:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20573"},"modified":"2024-12-18T11:41:28","modified_gmt":"2024-12-18T10:41:28","slug":"johannes-11-5-4-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-11-5-4-19\/","title":{"rendered":"Johannes 1,1-5\/4-19"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Christfest I | 25.12.24 | Joh 1,1-5\/4-19 | Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Joh 1,1-5\/4-19<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht it. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat\u2019s nicht ergriffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ES war ein Mensch, von Gott gesandt, der hie\u00df Johannes, der kam zum Zeugnis, um vom Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er erz\u00e4hlte vom Licht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er war in der Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum. Und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab der Macht, Gottes Kinder zu hei\u00dfen, denen, die an seinen Namen glaubten, die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen eines Menschen, sondern aus Gott geboren sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Ende von Jesu Erdenleben steht ein Kreuz. Das haben wir gelernt. Dieses Symbol kennt jeder, auch die, die ansonsten vom Christentum nichts wissen, und die den Weihnachtsmann f\u00fcr die eigentliche Hauptfigur des Weihnachtsfestes halten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass aber am Anfang auch eines steht, daran erinnert der Predigttext. Kein deutlich sichtbares Kreuz, eher ein Zeichen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Anfang war das Wort, so schreibt Johannes. Gottes Wort, das die Menschen leben l\u00e4sst. Am Anfang unseres christlichen Glaubens. Aber ja, wir Christen kennen auch den anderen Anfang, den zu Beginn unserer christlich j\u00fcdischen Bibel, des Alten Testamentes, dort lauten die allerersten Worte: \u201eAm Anfang schuf Gott Himmel und Erde.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viel Zeit ist vergangen seit dem. Viele hundert Jahre zwischen dem Zeitpunkt, als die j\u00fcdischen Theologen das aufschrieben und sich so die Entstehung des Erdenlebens erkl\u00e4rten: \u201eAm Anfang schuf Gott Himmel und Erde\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dem Zeitpunkt, als Johannes das in Worte fasst:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAm Anfang war das Wort\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine lange Chronologie, ein Zahlenstrahl voller Ereignisse. Voller Geschichte, voller menschlicher Leben, Generationen sind vergangen, eine nach der anderen. Und in diesen langen Zahlenstrahl bricht von oben ein Licht herein, durchschneidet die Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dadurch entsteht dieses Kreuz am Anfang von Jesu Erdenleben. Ein Kreuz, das nur die erkennen k\u00f6nnen, die selbst dieses ganz besondere Erlebnis hatten: Jesu Licht ist in mein Leben eingedrungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder die, denen man davon erz\u00e4hlt hat: Gottes Wort ist in meinem Leben lebendig geworden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich begegne beiden Menschen. Denen, die mit dem christlichen Glauben aufgewachsen sind, denen man ihn vorgelebt hat, denen man ihn in Worte gefasst hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und denen, die nie oder nur am Rande davon geh\u00f6rt hatten, f\u00fcr die der Glaube nie eine Rolle spielte. Und die dann v\u00f6llig \u00fcberraschend und \u00fcberw\u00e4ltigend davon getroffen wurden: Ein Einschnitt in ihre Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich erinnere mich gerne an eine Begebenheit vor vielen Jahren, als meine noch kleinen Kinder mit Freunden um den K\u00fcchentisch versammelt sa\u00dfen und Bilder malten, auf denen es um Weihnachten ging. Ein M\u00e4dchen malte mit akribischer Genauigkeit ein gefl\u00fcgeltes Wesen mit rosa Kleid und blonden Locken. Meine damals vierj\u00e4hrige Tochter fragte kritisch: \u201eWas ist das?\u201c Die Antwort: \u201eDas Christkind\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die entr\u00fcstete Reaktion: \u201eaber der ist doch ein Bub!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, Kindermund. Und dazu noch bei Pfarrers. Am Tisch entspannte sich eine lebhafte Diskussion, in die ich mich nicht eingemischt habe. Aber mit Interesse zugeh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das, was uns bewegt, das d\u00fcrfen wir weitergeben. Es m\u00fcssen nicht immer die Alten sein, die die Botschaft in Worte fassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal m\u00fcssen es aber gerade die Alten sein. Weil die Jungen keine Zeit haben. Die Rolle der Gro\u00dfeltern ist in diesem Zusammenhang nicht zu untersch\u00e4tzen, so sie denn in erreichbarer N\u00e4he wohnen. Nicht weil die Gro\u00dfeltern die sind, die f\u00fcr die M\u00e4rchen aus uralten Zeiten zust\u00e4ndig sind. Sondern weil sie vielleicht die sind, die im Getriebe eines Familienalltages eine besondere Rolle einnehmen k\u00f6nnen, die reden k\u00f6nnen von dem, was sie in einem langen Leben bewegt hat. Sie geschaffen hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich erlebe sie in meiner Gemeinde: Die Omas und Opas, die ihren Kindern Erholung verschaffen, indem sie mit den Enkelkindern spazieren gehen, ihnen vorlesen, ihnen Rede und Antwort stehen, sie auch einmal mit in den Gottesdienst nehmen. Weil sie die sind , die mit dem Besonderen, mit dem Anderen in Ber\u00fchrung bringen k\u00f6nnen. Denn es stimmt schon, um mit dem Einschnitt von oben, der durch unseren Alltag kreuzt, in Ber\u00fchrung zu kommen, muss man innehalten. Das war bei Paulus nicht anders, der sich drei Tage zur\u00fcckzog, nachdem er von Jesu Licht geblendet worden war. Das ist heute nicht anders, wir mir eine Frau berichtete, die nach einem solchen lebensver\u00e4ndernden Eindruck mit dem Auto auf den Seitenstreifen fuhr und erst einmal sehr lange stehen blieb, um zu begreifen, was ihr da widerfahren war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAm Anfang war das Wort\u201c. Wir brauchen Menschen, die davon reden. Die das Wort unter uns lebendig werden lassen. Und die damit auch uns die M\u00f6glichkeit geben, neu zu werden. \u201e Am Anfang war das Wort. \u2026In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen\u2026.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir h\u00f6ren von Jesus. Und es kann sein, dass das, was wir geh\u00f6rt haben, uns eines Tages dann trifft wie ein Licht von oben. Dieser besondere Moment, in dem wir das f\u00fcr uns begreifen, was wir als Wort bereits gekannt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weihnachten will f\u00fcr uns so einen Schnitt machen: Gott greift ein. Er durchkreuzt unser Leben. Nehmen wir uns die Zeit, diesem Erleben nachzusp\u00fcren. Mit dem Auto rechts ranzufahren und stehen zu bleiben. Das muss nicht heute sein. Manchmal kommt die Parkl\u00fccke erst sp\u00e4ter. Auch an den Tagen nach Weihnachten kann man noch innehalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht, dass die Welt jetzt eine andere w\u00e4re. Auch nach Weihnachten werden uns die Kriege in der Welt \u00e4ngstigen. Auch nach Weihnachten wird es Krankheiten geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch zu Jesu Lebzeiten war Israel von den R\u00f6mern besetzt, die die Welt in Atem hielten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber durch Weihnachten wird ein anderer Ma\u00dfstab gesetzt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sind unters Licht gestellt. Was hier auf Erden passiert, ist nur eine Achse des Kreuzes. Wir leben weiter, mit allen H\u00f6hen und Tiefen. Aber wir sehen alles in einem neuen Licht<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Anfang steht ein Kreuz. Und am Ende?\u00a0 Ist nicht auch dieses Kreuz, das wir auf unsere Gr\u00e4ber stellen, ein Anfang? Neues Leben \u00a0f\u00fcr die, die da von uns gegangen sind? Und f\u00fcr die das nun wirklich wahr wird: Gottes Wort wird lebendig. Und wir sehen seine Herrlichkeit. Das Kreuz ist immer ein Anfang. Es lohnt sich, davon zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christfest I | 25.12.24 | Joh 1,1-5\/4-19 | Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN Joh 1,1-5\/4-19 Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort. 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