{"id":20575,"date":"2024-12-19T11:41:32","date_gmt":"2024-12-19T10:41:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20575"},"modified":"2024-12-18T11:44:24","modified_gmt":"2024-12-18T10:44:24","slug":"johannes-11-14-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-11-14-4\/","title":{"rendered":"Johannes 1,1-14"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Fallh\u00f6he des Wortes | Predigt \u00fcber Joh 1,1-14 | Christfest I\u00a0 | 25. Dezember 2024 | verfa\u00dft von Jochen Riepe |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0I<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Spiel und Ernst, Spiel und Schmerz ber\u00fchren einander. Leichtigkeit durchwirkt die Schwere \u2013 die Schwere tr\u00e4gt das Leichte. Ein Wort ist luftiger Hauch, eine Schneeflocke, und zugleich hat es Gewicht, manchmal ist es k\u00e4lter als Eis. Es kann rufen, vergeben und bitten, befehlen und erschrecken, l\u00fcgen, zerst\u00f6ren und \u201af\u00e4llen\u2018. \u201a<em>Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott\u2026\u2018<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 II<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch das geh\u00f6rt zur Weihnachtsphantasie: In der Heiligen Nacht wird das Spielzeug lebendig, \u00a0\u00a0Nu\u00dfknacker und M\u00e4usek\u00f6nig samt Soldaten treten auf, und die Tiere finden zur Sprache. Diese g\u00f6ttliche Gabe k\u00fc\u00dft und erweckt auch sie, und Mensch und Kreatur r\u00fccken nahe zusammen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach einer Legende aus Westfalen hat die Sache nur einen Haken \u2026 Der neugierige Bauer, der um Mitternacht seinen Ochsen im Stall zuh\u00f6rt, wird Zeuge einer Nachricht, die ihn erschreckt und\u00a0 zu Boden wirft. Der neugierige Lauscher wird augenblicklich bestraft. Die Tiere sprechen, aber was sagen sie da!? Die B\u00e4uerin werde im n\u00e4chsten Jahr den Knecht heiraten \u2026\u00a0 Spiel und Ernst, Spiel und Schmerz, Erwartung und Entt\u00e4uschung &#8211;\u00a0 im weihnachtlichen Sprachwunder liegt beides eng beieinander.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0III<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201a<em>Im<\/em> <em>Anfang war das Wort, \/ und das Wort war bei Gott, \/ und Gott war das Wort. \/ Dasselbe war im Anfang bei Gott. \/ Alle Dinge sind durch<\/em> <em>das Wort gemacht,<\/em> \/<em>und ohne dasselbe ist nichts gemacht.<\/em>\u2018<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Wer den Prolog des Johannesevangeliums laut rezitiert, der sp\u00fcrt es:\u00a0 Ein kunstvoll pulsierendes Sprachspiel, das Werk eines gleichsam selig-wortverliebten Autoren. Es f\u00fchrt uns in eine luftige und darin festliche H\u00f6he zu Gott und seinem Wort, dem Logos, der Jesus von Nazareth hei\u00dfen wird. Ein Fest hat immer etwas Zeitloses, wir vergessen die Stunden und Tage, und dieses \u201a\u00dcberzeitige\u2018, dieses \u201a<em>im<\/em> Anfang\u2018, will der Evangelist allem, was er zu sagen hat, voranstellen und ihm damit etwas Swingendes, ja, Vergn\u00fcgliches, geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Woraus und wozu ist alles gemacht? Was h\u00e4lt alles zusammen? fragt das Kind im Erwachsenen und die Wissenschaft antwortet erdenschwer und komplex, mit Urknall und \u201aBig Bang\u2018. Johannes aber, \u201adie Stimme des hochfliegenden Vogels\u2018 (Joh. Scotus), \u00a0l\u00e4\u00dft das Schwere durchwirkt\u00a0 sein vom rhythmischen, musikalischen Hauch des Wortes: \u201a<em>Und Gott sprach<\/em>\u2026\u2018 und fordert so alle Dinge und Wesen gleichsam heraus und bringt sie in Resonanz, Schwingung \u00a0und Austausch miteinander. Alles ist durch das Wort gerufen und gewinnt Gewicht. Alles hat aber auch etwas Leichtes. Alles hat teil an Gott. \u201aWerden durchs Wort hei\u00dft Werden mit lebendigem Glanz\u2018 (M. Karrer).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 IV<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes w\u00fcrde das vielleicht sogar noch zuspitzen: Das geht gar nicht anders. Das kann gar nicht anders sein. Denn die Sch\u00f6pfung, die Kreaturen, Du und ich, wir sind doch aus dem freudigen Atem jenes Gottes, der in sich selbst schon immer, \u201a<em>von Ewigkeit zu Ewigkeit<\/em>\u2018, Gespr\u00e4ch, Anrede und Austausch ist: \u201a<em>Das Wort war bei Gott<\/em>\u2018. Gott ist nicht allein, er war niemals allein; auch in jener \u00fcberzeitlichen Ur-Geschichte, die vor aller Zeit und vor uns Menschen liegt, vor und \u00fcber der Erschaffung der Welt, ist bei ihm ein \u00a0Anderer, ein \u201aPlatzhalter\u2018(K. Barth) gleichsam f\u00fcr den Sohn, den er ruft und \u201a<em>sendet<\/em>\u2018 (20,21); ein Anderer, der doch (wie) er selbst ist: \u201a<em>Und Gott war das Wort<\/em>\u2018.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df, im Kopf dreht es sich jetzt etwas. Das \u00fcbersteigt unser Vorstellungsverm\u00f6gen, aber an Weihnachten mu\u00df man dar\u00fcber reden. Das Wunder, da\u00df wir miteinander sprechen k\u00f6nnen, da\u00df wir in aller Befremdung oder St\u00f6rung doch die seligmachende Chance haben, einander das Wort zu g\u00f6nnen, einander Antwort zu geben und Anerkennung, das hat seinen Grund in der innerg\u00f6ttlichen Resonanz oder Liebe: Der Vater ruft den Sohn, Jesus von Nazareth, und der Sohn antwortet dem Vater. Und so wie Gottes Wort \u201a<em>wie der Regen und Schnee vom Himmel f\u00e4llt und nicht dahin wieder zur\u00fcckkehrt, sondern feuchtet die<\/em> <em>Erde<\/em>\u2018 (Jes 55, 10), so soll auch menschliches Wort-Brot wachsen und n\u00e4hren. \u201aWenn einer spricht, wird es hell\u2018(S. Freud).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 V<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun aber, wir sind ja schon vorgewarnt. Alles spricht, alles spielt, Tschaikowsky l\u00e4dt zum Walzer \u2026 die \u00a0\u201aWeihnachtswunderphantasie\u2018\u00a0 wirkt in Gedicht, Legende und M\u00e4rchen \u2013 mit eben dem ostwestf\u00e4lischen Haken. Das Spielzeug wird lebendig. Der tapfere Nu\u00dfknacker und der grantige M\u00e4usek\u00f6nig streiten miteinander, so da\u00df die kleine Marie, \u201adieses fromme und vern\u00fcnftige Kind\u2018, \u00a0in der Heiligen Nacht zutiefst erschrickt und mit Wucht den K\u00f6nig mit ihrem\u00a0 \u201aPantoffel\u2018 bewirft. Weihnachten ein Krieg? Eine wahrlich \u201aharte Nu\u00df\u2018 im gutb\u00fcrgerlichen Hause. Das liebe Vieh beginnt zu prophezeien, aber dieses Sprechen wird dem lauschenden Bauern zur \u201a<em>krisis<\/em>\u2018 (12,31), zum Gericht. Er h\u00f6rt Dinge, die er nicht ertragen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Sprachspiel ist immer auch ein \u201aDenkspiel\u2018 (E. Gomringer). Welche Erfahrungen und Erinnerungen zeigen sich in solchen Geschichten? Da, wo vieles erwartet wird, kann auch vieles daneben gehen. Fallh\u00f6he des Wortes. Es ist, als w\u00fcrde das g\u00f6ttliche Wort, wenn es die Kreatur anspricht, in ihr Auflehnung \u00a0entbinden. Johannes w\u00fcrde wohl sagen: Das Wort\u2013 \u201a<em>richtet<\/em>\u2018 (12,48), es legt des Menschen L\u00fcge und seine b\u00f6sen Absichten (8,44) offen. Unser Bauer im Stall, der neugierig seinen Ochsen belauscht, h\u00f6rt eine Nachricht, die ihn sehr pers\u00f6nlich angeht und \u2013 f\u00e4llt vor Schreck zu Boden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sollte die g\u00f6ttliche Gabe der Sprache einen Schatten werfen, etwas \u201aDunkles\u2018 \u00a0und \u201aUnwirkliches\u2018 anzeigen , das \u2013 einmal aufgeschreckt- kaum ertr\u00e4glich ist und mit Gedr\u00f6hn, gar mit einem \u201aKnall\u2018, \u00a0unsere Festtagsruhe gef\u00e4hrdet? \u201a<em>Er<\/em><em>kam in das Seine und<\/em> <em>die Seinen nahmen ihn nicht auf<\/em>\u2026\u2018 Der Evangelist wird es in seinem Buch inszenieren: das \u201aWiderstreben und Sichverweigern\u2018 (J. Ringleben), die schmerzlichen Konflikte, die Unterstellungen, die Verurteilungen und schlie\u00dflich die Gewalt, die dem Logos Jesus angetan wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 VI<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201a<em>Das Licht scheint in die Finsternis, aber die Finsternis hat\u2019s nicht ergriffen<\/em>\u2018, schreibt Johannes\u00a0 in der Mitte seines Liedes. Finsternis. Wir wollten nicht aus dem fremden Wort Gottes leben und seine Stimme nicht h\u00f6ren. Oder: Wir haben uns wie R\u00e4uber und wie an der Wand Lauschende das Geheimnis des Sprechens aneignen wollen, die Gabe vom Geber getrennt, und so, einmal losgelassen, rennt sie los, stellt uns Fallen und wird zum Gef\u00e4hrt der S\u00fcnde. Jedes Gespr\u00e4ch tr\u00e4gt die Gefahr in sich, da\u00df seine Teilnehmer sprechend die Sprache entleeren oder verraten. Das Wort der Verhei\u00dfung und Vergebung wird zum Wort des Angriffs, der Bem\u00e4chtigung, der Bevormundung. Gr\u00f6\u00dfer als das Vertrauen ist schon immer das grantige Mi\u00dftrauen, der Verdacht oder die Unterstellung: \u201a<em>Sollte Gott etwa gesagt haben<\/em>\u2026\u2018(Gen3,1).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alles spricht, jubelten wir eben noch, \u201a<em>am Anfang war das Wort<\/em> \u2026\u2018 und umgibt uns mit seinem Glanz, ja, alles redet, schw\u00e4tzt, quatscht, tratscht, alles schmeichelt oder droht: \u201aAlles, was Sie jetzt sagen, kann gegen Sie verwendet werden\u2018, und die ganze Welt der Eitelkeit, Selbstdarstellung, oder des Verdachts und der Anklage stellt sich von selbst ein. So herrlich wir vom \u201aSprachstrom\u2018 und \u201aallseitiger Kommunikation\u2018 tr\u00e4umen, so schnell stellt sich das Pokerface und der Schatten der L\u00fcge ein: Verstellt er sich? T\u00e4uscht er mich? Das ist ja das Verr\u00fcckte an der Sprache und der heiligen Sprache zumal: Sie ist g\u00f6ttlich, Ruf, Anrede, Medium, in dem wir sind und wohnen k\u00f6nnen, und pl\u00f6tzlich ist sie Instrument, Gewalt, L\u00fcge: bitterkalte \u201a<em>Finsternis\u2018<\/em>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 VII<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber was haben wir nun, lieber Evangelist? Hochgef\u00fchl und Absturz, Himmelskommunikation und irdische Bedr\u00fcckung, ein swingendes Lied und die L\u00fcge, den sprechenden Weihnachtsochsen und den westf\u00e4lischen Bauern, der in Ohnmacht fiel \u2026\u00a0 Bei allem Ernst, liebe Gemeinde, wir d\u00fcrfen jetzt erst einmal durchatmen und in \u201a<em>anf\u00e4nglicher<\/em>\u2018 Erhebung sagen: Das ist doch die \u201a(r)echte Weihnachtsmischung\u2018 , oder: So kennen wir doch unsere Festlichkeit schon lange , jedes Krippenspiel inszeniert es: die Erwartung des Kindes und die Hemmnisse, die ihm einen Ort in seinem Eigentum verweigern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeder, der \u00fcber unsere Sprachspiele an diesen Tagen nachdenkt, lernt das Doppelte kennen: Den Graben zwischen uns und die Spannweite der Hoffnung, die uns alle umf\u00e4ngt. Erwartung und Phantasie, alles gr\u00fc\u00dft und w\u00fcnscht und k\u00fc\u00dft \u00a0\u2026 und die Entt\u00e4uschung, der Streit, schlechte Laune lauern schon. Frei nach Goethe: \u00a0\u201anichts ist schwerer zu ertragen\u2018, als eine Folge von Feiertagen. Die Kinder werfen das neue Spielzeug in die Ecke, und unser Hund, eben noch ein Gesch\u00f6pf Gottes , bekommt einen Tritt und jault auf. \u201a<em>Am Anfang war das Wort<\/em>\u2018\u00a0 &#8211; die Weihnachtskommunikation ist eine Fundgrube f\u00fcr Sp\u00f6tter, und der arme Bauer wird ausgelacht. Aber k\u00f6nnte er nicht auch aus seiner \u201a<em>Krise\u2018<\/em> etwas lernen? Und wir mit ihm?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 VIII<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Spiel und Ernst. Spiel und Schmerz. Ein Wort ist ein luftiger Hauch und zugleich ein \u201aSchwergewicht\u2018. Johannes beschlie\u00dft seinen Hochgesang mit einem Vers, der die ganze Weihnachtsmischung gleichsam optimistisch einf\u00e4ngt und die wahre Fallh\u00f6he des Wortes anzeigt: \u201a<em>Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir<\/em> <em>sahen seine Herrlichkeit<\/em>\u2018.\u00a0 \u201a<em>Mitten\u2018<\/em> in der palavernden Menschheit steht der eine Mensch, Jesus von Nazareth, er, den Gott dieser Welt sandte als sein Wort und dessen Stimme uns beim Namen ruft. \u201a<em>Eins ist \u00a0not<\/em>\u2018: Er ist das Wunder schlechthin. \u201a<em>Ich bin<\/em>\u2018, sagt er -mitten unter uns, er, den wir \u201a<em>nicht kennen<\/em>\u2018(Joh 1,26), und doch \u201a<em>erkennen<\/em>\u2018 sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er wohnte unter uns, er lie\u00df sich auf uns sprachgest\u00f6rte Wesen ein. Er sprach \u201a<em>Worte des ewigen Lebens<\/em>\u2018(6,68). Ja, eins ist not: Gegen den Mi\u00dfbrauch hilft nur der Gebrauch: \u00a0\u201aLa\u00dft den singenden-klingenden Gespr\u00e4chsfaden nicht abrei\u00dfen. \u201a\u2026 der Flu\u00df lebendiger Rede ist das Zeichen lebendiger Christen\u2018(E. Rosenstock-Huessy).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201aAm Anfang war das Wort<\/em>\u2018 \u2013 eine frohe, sprechende, singende, eben selige Weihnachtszeit !<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Gebet nach der Predigt:)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u2018<em>Gelobet seist du, Jesu Christ, \/ da\u00df du Mensch geboren bist \/ von einer Jungfrau, das ist wahr; \/ des freuet sich der Engel Schar. \/ Kyrieleis\u2018.\u00a0 \u201aDen aller Welt Kreis nie beschlo\u00df, \/ der liegt in Marien Scho\u00df; \/ er ist ein Kindlein worden klein, \/ der alle Ding erh\u00e4lt allein.\/ Kyrieleis<\/em>.\u2018 (eg 23.1.3)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lieder: eg 4 Nun komm, der Heiden Heiland \/ eg 23 Gelobet seist du, Jesu Christ\u00a0 (Choralphantasie von D. Buxtehude: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ln2T27NtieA\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ln2T27NtieA<\/a>\u00a0 )\/\u00a0\u00a0 eg 31 O du fr\u00f6hliche\u00a0 \/ eg 37,1.2.9\u00a0 Ich steh an deiner Krippen hier<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___________________________________________________<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lit.: Joh. Scotus Eriugena, Die Stimme des Adlers. Homilie zum Prolog des Johannesevangeliums, 2006, S.21 \/\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 M. Karrer, Jesus Christus im Neuen Testament,1998 S.318 \/ J. Ringleben, Das philosophische Evangelium, 2014, S. 48 \/ E. Rosenstock-Huessy, Des Christen Zukunft, (1955) 1965(TB), S.20<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fallh\u00f6he des Wortes | Predigt \u00fcber Joh 1,1-14 | Christfest I\u00a0 | 25. Dezember 2024 | verfa\u00dft von Jochen Riepe | \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0I Spiel und Ernst, Spiel und Schmerz ber\u00fchren einander. Leichtigkeit durchwirkt die Schwere \u2013 die Schwere tr\u00e4gt das Leichte. 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