{"id":20583,"date":"2024-12-20T11:58:35","date_gmt":"2024-12-20T10:58:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20583"},"modified":"2024-12-18T14:50:49","modified_gmt":"2024-12-18T13:50:49","slug":"liedpredigt-seht-und-hoert-ekg-367","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/liedpredigt-seht-und-hoert-ekg-367\/","title":{"rendered":"Liedpredigt &#8222;Seht und h\u00f6rt&#8220; (EKG 36,7)"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u201dSehet hier ist die T\u00fcr\u201d | Christfest II | 26.12.2024 | \u201eSeht und h\u00f6rt\u201c, eine Liedpredigt<a href=\"applewebdata:\/\/644817C1-F1AE-4021-835E-70684591A48A#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> | Tine Illum |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHier seht ihr ein Bild vom Gesang der Sterne\u201c, das erz\u00e4hlte ein Astronom \u2013 und zeigte uns ein farbenreiches Bild vom Weltraum. Und wir wurden ganz still. Man denke nur, dass man ein Lied, einen Klang sehen kann. So weit weg\u2026 ein Sternenlicht so alt, dass es vor uralten Sternen singt. Kl\u00e4nge aus dem Bereich des Universums, den die Forscher \u201eS\u00e4ulen der Sch\u00f6pfung\u201c nennen, die Geburtsst\u00e4tte der Sterne. Hier k\u00f6nnen die Forscher durch eine Technik, die sie \u201eAsteroseismologie\u201c nennen, h\u00f6ren, wie die Sterne von innen aussehen. Das Unsichtbare wird herausgesungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSehet hier ist die T\u00fcr!\u201c, so haben wir gesungen, als wir in die Kirche kamen (in der d\u00e4nischen \u00dcbersetzung des Liedes hei\u00dft es \u201eSeht<em> und h\u00f6rt<\/em>\u201c). Das Unsichtbare wird herausgesungen \u2013 eine \u00d6ffnung zur tiefsten Freude.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eFr\u00f6hlich soll mein Herze springen\u201c, hei\u00dft das Lied. Es handelt von der Weihnachtsfreude, verfasst von Paul Gerhardt vor fast 400 Jahren. Die Freude der Weihnacht war bestimmt nicht sichtbar f\u00fcr ihn oder die Menschen in Mittenwalde, wo er Pfarrer war. So wie sie oft auch nicht sichtbar und wirklich f\u00fcr uns ist. Wir kennen Sorgen und Frustration, Leid und Angst \u2013 und das zehrt an unserer Lebensfreude und frisst sich in unseren Glauben. Das kennen wir, und das wussten sie auch in Mittenwalde. Der Ort war im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg mehrmals gepl\u00fcndert worden. Er war heimgesucht von Pest und Feuer. Fr\u00fcher wohnten dort 240 Familien, jetzt waren es noch 24. Paul Gerhardt selbst verlor vier seiner f\u00fcnf Kinder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWie sollen wir den Glauben sehen mitten in dieser Welt, in der wir leben?\u201c \u2013 fragten ihn die Leute. Und das hat er sich sicher auch selbst gefragt. \u201eWie kann Gott Liebe sein, wenn er so furchtbare Dinge zul\u00e4sst?\u201c Gerhardt antwortet selbst: \u201eWenn Gott uns nicht lieben w\u00fcrde, h\u00e4tte er seinen Sohn nicht gesandt\u201c \u2013 und auf diesen Glauben hin schreibt er Lieder \u2013 positive Lieder f\u00fcr die, die \u201eim gro\u00dfen Leide schweben\u201c, wie wir gesungen haben: \u201eDie ihr schwebt in gro\u00dfem Leide, sehet, hier ist die T\u00fcr zu der wahren Freude. Fasst ihn wohl, er wird euch f\u00fchren an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird r\u00fchren\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lieder, die uns etwas <em>sehen<\/em> lassen, was unsichtbar ist. Dass unter allem und \u00fcber allem die Liebe Gottes ist. Von Anfang bis zum Ende. Die Finsternis in der Welt und die Finsternis in uns ist nur das Vor-Letzte. Denn Christus ist geboren. Seht und h\u00f6rt. Ganz gleich wie finster es ist, die Finsternis ist schon erhellt. Oft k\u00f6nnen wir es nicht sehen oder h\u00f6ren. Aber es ist da.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Seht und h\u00f6rt!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben an den letzten Tagen das Weihnachtsevangelium geh\u00f6rt von den Hirten, die den Stall in Bethlehem besuchten. \u201eLasst uns gehen nach Bethlehem und das sehen, was Gott uns erz\u00e4hlt hat\u201c, sagen sie zueinander. Und <em>sie sehen<\/em>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wir h\u00f6ren<\/em> \u2013 den Gesang der Engel und der Sterne.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort von Gott, schreibt Johannes in seinem Brief, das was wir geh\u00f6rt und gesehen und ber\u00fchrt haben \u2013 das erz\u00e4hlen wir nun weiter an euch \u2013 damit wir uns gemeinsam freuen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort von Gott \u2013 ist ein Mensch aus Fleisch und Blut geworden. Er ist das Wort Gottes, das erklingt und leuchtet. Die Gottheit Gottes, die leuchtet. Und er gibt uns sich selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sehen es durch das, was wir h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bleibt stehen<a href=\"applewebdata:\/\/644817C1-F1AE-4021-835E-70684591A48A#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und h\u00f6rt, hier ist die T\u00fcr zu der wahren Freude \u2013 haben wir gerade gesungen. Warum stehen bleiben? Sollten wir nicht lieber die Freude im Vor\u00fcbergehen sehen k\u00f6nnen? Wenn die Freude f\u00fcr das ganze Volk ist, wie es die Engel gesungen haben, sollte sie wohl nicht leicht zu \u00fcbersehen sein?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor einigen Jahren untersuchte man, ob uns das Sch\u00f6ne ergreifen kann, wenn es uns an Stellen begegnet, wo wir es nicht erwarten. In diesem Zusammenhang erz\u00e4hlt man diese ergreifende und wahrhaftige Geschichte:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An einer Metrostation in Washington stand ein Mann an einem kalten Dezember-Morgen und spielte etwa 45 Minuten lang Geige. Im Laufe dieser Zeit gingen etwa 2000 Menschen vorbei. Einer blieb ein paar Sekunden stehen und warf einen einzelnen Dollar in seinen Hut und ging weiter. Mehrere Kinder gingen hin zu ihm, wurden aber sofort von ihren Eltern zur\u00fcckgeholt und gingen weiter. Nach etwa einer Stunde h\u00f6rte er auf zu spielen. Niemand bemerkte das. Keine klatschte, es war als h\u00e4tte es nie stattgefunden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der anonyme Geiger war Joshua Bell, einer der t\u00fcchtigsten Musiker, der an diesem Tag umsonst spielte. Er spielte auf einer Geige, die 2\u00bd Millionen Dollar wert war Zwei Wochen vorher hatten die Leute 100 Dollar f\u00fcr eine Eintrittskarte ausgegeben, um ihn in einem vollen Konzertsaal dieselben sch\u00f6nen St\u00fccke von Bach spielen zu h\u00f6ren. Die Leute, die das Experiment gemacht hatten, sagten: \u201eWenn wir nicht einen Augenblick stehen bleiben k\u00f6nnen, um einen der besten Musiker zu h\u00f6ren, der etwas von der sch\u00f6nsten Musik spielt, die je komponiert wurde, auf einem der wunderbarsten Instrumente, die je geschaffen wurden \u2013 wie viele andere Dinge vers\u00e4umen wir dann nicht, w\u00e4hrend wir durch das Leben jagen?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun ist es wohl so, dass der, der mit schweren Schritten geht \u2013 wer schwere Lasten tr\u00e4gt \u2013 der muss oft stehen bleiben. Vor einigen Jahren traf ich eine Frau, die oft stehen bleiben musste \u2013 und die Kirche war ja da, sie konnte genauso gut hineingehen und sich ausruhen. Ehe sie wieder hinausging, ging sie immer an einem kleinen Ostfenster vorbei, wo die W\u00e4nde damals sehr verschmutzt waren. \u201eKomm und siehe!\u201c sagte sie eines Tages. Und tats\u00e4chlich, an der am meisten verschmutzten Stelle stand nun: \u201eFriede Gottes\u201c. Diese Worte leuchteten. War hatte wohl seinen Finger in dem Schmutz schreiben lassen, so dass die wei\u00dfe Farbe des Kalks zum Vorschein kam? Alle die, die in den kommenden Wochen hineingingen und das sahen, wurden and\u00e4chtig, und niemand wusste, wer das geschrieben hatte. Eines Tages sagte jemand: \u201eDas muss ein Engel gewesen sein \u2013 denn nur ein Engel kann so sauber im Dreck schreiben!\u201c Und das wurde nun unsere Geschichte in der Kirche, dass ein Engel mit seiner Fl\u00fcgelspitze die Worte \u201eFriede Gottes\u201c geschrieben hatte, so dass dies uns leuchtend erz\u00e4hlte von dem, der kam mit dem Frieden Gottes und der Gottes Licht ist. Vielleicht benutzte der Engel die Hand eines Menschen, um seine Botschaft weiterzubringen. Das Wort wurde also lebendig, konnte gesehen und gesp\u00fcrt werden und den Gesang der Engel h\u00f6ren lassen. Wir h\u00e4tten vorbeigehen k\u00f6nnen, ohne dass die Worte an der Wand etwas bedeuteten. Aber es kam zu einem: \u201eBleib stehen und sieh\u201c f\u00fcr uns. Heute ist die Wand wei\u00df gekalkt \u2013 aber in meinem inneren Auge sehe ich noch immer die Worte \u201eFriede Gottes\u201c \u2013 leuchtend geschrieben im Schmutz \u2013 von dem Fl\u00fcgel eines Engels.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort leuchtete in der Finsternis \u2013 und wurde in diesem Jahr das st\u00e4rkste Weihnachtsevangelium. Und eben dies, was Paul Gerhardt veranlasste, mitten in der Finsternis sein Weihnachtslied zu dichten, dass Christus geboren ist. Dass die Liebe Gottes ein Licht ist in der Finsternis, ein Sternenlied, ein himmlisches Lied \u2013 das am besten von dem geh\u00f6rt wir, der die Finsternis kennt, am besten von dem geh\u00f6rt wir, der stehen bleibt, <em>Bleib stehen und h\u00f6re<\/em>!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDas Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat\u2018s nicht begriffen\u201c, haben wir geh\u00f6rt. Das ist auch der Trost f\u00fcr uns. Den gibt es. Es gibt Worte, die leuchten im Schmutz, in den Schrecken des Krieges, der bedrohten Welt \u2013 und in einem armen und traurigen Herzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Bleib stehen und h\u00f6re! <\/em>Hier beginnt es. Im Gesang der Engel. In dem Wort, das Fleisch und Blut wurde. In Christus, der Mensch wurde, Es ist mitten unter uns. <em>Bleib stehen und h\u00f6re!<\/em> Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Tine Illum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-6091 Bjert<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: ti(at)km.dk<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/644817C1-F1AE-4021-835E-70684591A48A#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> EKG 36,7, im D\u00e4nischen \u00fcbersetzt mit \u201dSeht und h\u00f6rt\u201c<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/644817C1-F1AE-4021-835E-70684591A48A#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Nach der d\u00e4nischen \u00dcbersetzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201dSehet hier ist die T\u00fcr\u201d | Christfest II | 26.12.2024 | \u201eSeht und h\u00f6rt\u201c, eine Liedpredigt[1] | Tine Illum | \u201eHier seht ihr ein Bild vom Gesang der Sterne\u201c, das erz\u00e4hlte ein Astronom \u2013 und zeigte uns ein farbenreiches Bild vom Weltraum. Und wir wurden ganz still. 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