{"id":20593,"date":"2024-12-18T11:40:59","date_gmt":"2024-12-18T10:40:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20593"},"modified":"2024-12-20T09:10:44","modified_gmt":"2024-12-20T08:10:44","slug":"lukas-21-20-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-20-7\/","title":{"rendered":"Lukas 2,1\u201320"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Christvesper | 24.12.2024 | Lk 2,1\u201320 | Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wir feiern Weihnachten, alle Jahre wieder. Wir feiern. Ein Weihnachtsfest gleicht bei uns dem anderen. Wir feiern wie im letzten Jahr, im vorletzten, im Jahr davor. Wir schm\u00fccken unsere Wohnungen und Stra\u00dfen. Wir haben unsere Traditionen und Requisiten. Der Baum geh\u00f6rt zum Fest, ein gutes Essen, Kerzen, Lichterketten, weihnachtliche Musik, der Gl\u00fchwein und vieles andere mehr. Weihnachten ist ja doch mehr als die gelegentliche Gl\u00fchweinparty, mag diese auch auf dem Weihnachtsmarkt vor der Kirche stattfinden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich lese wie an jedem Heiligen Abend die Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums, Lukas 2,1\u201320:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>1\u00a0Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt gesch\u00e4tzt w\u00fcrde. 2\u00a0Und diese Sch\u00e4tzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3\u00a0Und jedermann ging, dass er sich sch\u00e4tzen lie\u00dfe, ein jeglicher in seine Stadt. 4\u00a0Da machte sich auf auch Josef aus Galil\u00e4a, aus der Stadt Nazareth, in das jud\u00e4ische Land zur Stadt Davids, die da hei\u00dft Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5\u00a0auf dass er sich sch\u00e4tzen lie\u00dfe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6\u00a0Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie geb\u00e4ren sollte. 7\u00a0Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>8\u00a0Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den H\u00fcrden, die h\u00fcteten des Nachts ihre Herde. 9\u00a0Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie f\u00fcrchteten sich sehr. 10\u00a0Und der Engel sprach zu ihnen: F\u00fcrchtet euch nicht! Siehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11\u00a0denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12\u00a0Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13\u00a0Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14\u00a0Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>15\u00a0Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16\u00a0Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17\u00a0Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18\u00a0Und alle, vor die es kam, wunderten sich \u00fcber die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19\u00a0Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20\u00a0Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott f\u00fcr alles, was sie geh\u00f6rt und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.\u201c Wir haben die Worte der Engel, wie eben gelesen, wohl noch im Ohr. Im Kopf haben wir sie mit Sicherheit eher gesungen, nach welcher Melodie auch immer. Weihnachten erschallt das \u201eEhre sei Gott in der H\u00f6he\u201c, <em>Gloria in excelsis Deo<\/em><em>!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u2013 sei es vom Oratorienchor aufgef\u00fchrt wie in der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, der hier f\u00fcr das Gloria auf eine zuvor komponierte Weihnachtskantate zur\u00fcckgriff (BWV 191). Oder schlichter, hinrei\u00dfend mitrei\u00dfend, popul\u00e4r, wie im Refrain des Weihnachtsliedes \u201eH\u00f6rt der Engel helle Lieder\u201c (EG 54). Es entstand im 18. Jahrhundert in Frankreich und wurde inzwischen in viele Sprachen \u00fcbersetzt. Immer, wenn ich es h\u00f6re, habe ich sogleich ein kleines M\u00e4dchen vor Augen, das ich einmal in einem Weihnachtsgottesdienst singen sah. Es sang begeistert, ja es schmetterte aus voller Kehle: \u201eGloria! In excelsis Deo!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum dieser Jubel? Die Antwort ist einfach. Sie lautet: Jesus kam <em>zur<\/em>, er kam <em>in<\/em> die Welt. Paulus sagt es so: Als es an der Zeit war, als die Zeit reif war, w\u00f6rtlich: \u201eals die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau\u201c (Gal. 4,4). Von einer Frau geboren, ganz so wie jeder andere Mensch auch. Und doch, Gottes Sohn. (Im Glaubensbekenntnis nennen wir ihn \u201eGottes eingeborenen Sohn\u201c. In ihm eine Art Halbgott, ein Idol, zu sehen, k\u00e4me wohl niemandem in den Sinn.)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott erw\u00e4hlte Maria, ein unbedeutendes M\u00e4dchen aus dem belanglosen Nazareth in Galil\u00e4a, in der j\u00fcdischen Provinz. Sie legt ihren neugeborenen Sohn in eine Futterkrippe in einem Stall bei Bethlehem, einem damals kleinen Ort in Pal\u00e4stina. Gut 30 Jahre sp\u00e4ter stirbt dieser Sohn dann in Jerusalem am Kreuz, geschunden, kommentiert mit den Worten \u201eSieh da, der Mensch!\u201c, <em>Ecce homo<\/em> (Joh. 19,5). Aber er, dieser Mensch, ist Gottes Sohn, \u201eGottes Held\u201c, wie wir mit Paul Gerhardt bis heute singen: \u201eGottes Held, der die Welt \/ rei\u00dft aus allem Jammer. \/ <em>Gott wird Mensch \/ dir, Mensch, zugute\u2026\u201c<\/em> (EG\u00a036, 2) \u2013 das ist Weihnachten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die gelehrten Theologen der Alten Kirche haben lange darum gerungen, das Wesen dieses Gottessohnes zu erfassen und immer neue Bekenntnisformeln kreiert. Sie wirken kirchenpolitisch und kirchentrennend bis in unsere Zeit hinein, von Interesse f\u00fcr Historiker und Spezialisten. Im \u00dcbrigen scheinen sie vor allem zu belegen, dass Paulus es mit gutem Grund bei der Feststellung bel\u00e4sst: \u201eGott sandte seinen Sohn.\u201c Es geschah damals und dort, \u201eals die Zeit erf\u00fcllt war\u201c, so, wie Gott es f\u00fcr richtig befand. Ort, Zeit und Umst\u00e4nde der Geburt Christi bleiben uns ein R\u00e4tsel. Welcher Mensch h\u00e4tte dies alles f\u00fcr naheliegend gehalten und es Gott empfohlen? Wer w\u00e4re denn auch sein Ratgeber gewesen!?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Aussage machen k\u00f6nnen wir allerdings. Denn das Warum von Gottes Handeln k\u00f6nnen wir uns erkl\u00e4ren. Wir erkennen in ihm Gottes Liebe. Gott handelte aus Liebe zu uns. \u201eDenn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf das alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden (oder: verloren gehen), sondern das ewige Leben haben.\u201c So lesen wir es im Johannesevangelium (Joh.\u00a03,16).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Liebe ist, wissen wir recht gut. Unsere Eltern haben sich geliebt, sonst w\u00e4ren wir nicht geboren. Sprachlich etwas holprig erkl\u00e4rt die Wikipedia, Liebe sei \u201eeine Bezeichnung f\u00fcr st\u00e4rkste Zuneigung und Wertsch\u00e4tzung\u201c. Liebe ist Zugewandt-sein und Zuwendung ohne Kalk\u00fcl, m\u00f6chte ich konkretisieren. Liebe hat keinen sich wirtschaftlich oder in sonst irgendeiner Weise als n\u00fctzlich erweisenden Hintergrund. Liebe ist frei, ungebunden, aber verbindlich. Liebe ist sch\u00f6n. Liebe ist Bindung und Freiheit. Das gilt unter den Menschen. Nicht anders ist es auch bei Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben heute wie an jedem Heiligen Abend von seiner vor 2000 Jahren in die Welt gekommenen Liebesgeschichte geh\u00f6rt; wir h\u00f6ren sie immer wieder gern. Wir h\u00f6ren auf sie, besonders jetzt, in unseren oft als bedr\u00fcckend erlebten Tagen. Wir h\u00f6ren sie ohne Furcht vor der Welt. \u201eDie vollkommene Liebe treibt die Furcht aus\u201c (1\u00a0Joh. 4,18).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um mit den Engeln auf dem Feld vor Bethlehem das Lob Gottes anzustimmen, sind wir an diesem Abend in die Kirche gekommen. <em>Gloria in excelsis Deo!<\/em> Wir singen zum Schluss, wie es bei uns Brauch geworden ist, noch einmal das Lied Nr. 44:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eO du fr\u00f6hliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christvesper | 24.12.2024 | Lk 2,1\u201320 | Ulrich Nembach | Liebe Gemeinde, wir feiern Weihnachten, alle Jahre wieder. Wir feiern. Ein Weihnachtsfest gleicht bei uns dem anderen. Wir feiern wie im letzten Jahr, im vorletzten, im Jahr davor. Wir schm\u00fccken unsere Wohnungen und Stra\u00dfen. Wir haben unsere Traditionen und Requisiten. Der Baum geh\u00f6rt zum Fest, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20563,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,1,157,853,545,114,636,349,3,109,685],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20593","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-christvesper","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-lukas","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-ulrich-nembach"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20593"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20594,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20593\/revisions\/20594"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20563"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20593"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20593"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20593"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20593"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}