{"id":20618,"date":"2024-12-20T12:04:03","date_gmt":"2024-12-20T11:04:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20618"},"modified":"2024-12-24T11:37:35","modified_gmt":"2024-12-24T10:37:35","slug":"galater-44-7-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/galater-44-7-2\/","title":{"rendered":"Galater 4,4\u20137"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Erste Kunde von Jesu Geburt | Christfest II | 26.12.2024 | Gal 4,4\u20137 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Als die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wurde zuerst von der Geburt Jesu geredet. Die Briefe des Paulus sind ja die ersten schriftlichen Zeugnisse der Christenheit. Die Weihnachtsgeschichte, wie wir sie von Lukas kennen, ist erst zwei Generationen sp\u00e4ter geschrieben worden und zwar so, dass sich in dieser Geschichte schon spiegelt, was man erst vom erwachsenen Jesus erfahren hat, n\u00e4mlich dass er sozusagen den Himmel auf die Erde gebracht hat, weil Gott selbst in ihm zu erkennen war. Doch an sich ist er in diese Welt gekommen wie alle anderen auch, typisch menschlich, Und dieses typisch Menschliche, das wir auch an uns haben, dr\u00fcckt sich nach Paulus aus in zwei elementaren Merkmalen. Das eine Merkmal hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Geboren von einer Frau: <\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">entstanden im Mutterleib, also von Anfang an auf F\u00fcrsorge angewiesen und R\u00fccksicht. Das hat sich dem menschlichen Wesen zutiefst eingepr\u00e4gt wie nat\u00fcrlich auch das Drama der Geburt und andere be\u00e4ngstigenden fr\u00fchkindlicher Erlebnisse. Und deshalb sind und bleiben wir so verletzbar und so empf\u00e4nglich f\u00fcr \u00c4ngste und oft ganz unbegr\u00fcndete Sorgen und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Z\u00e4rtlichkeit, Best\u00e4tigung, Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von einer Frau geboren \u2013 damit teilt Gottes Sohn unser Leben, das sich immer schon in einem Leib vorfindet, den wir uns nicht aussuchen konnten, genauso wenig wie das Temperament und das Naturell, das uns mitgegeben ist. Dass ich mein \u00c4u\u00dferes manchmal gerne ganz anders h\u00e4tte und ich mich selbst bisweilen \u00fcberhaupt nicht leiden mag und doch nicht aus meiner Haut herauskomme, der Mensch, der ich gerne sein m\u00f6chte, nicht loskommt von dem Kerl, den ich mit mir herumschleppe: Jesus kannte das, hat das am eigenen Leib erfahren und kannte nat\u00fcrlich auch die Ambivalenzen im Verh\u00e4ltnis \u2013 gegen\u00fcber der Mutter: starke Anh\u00e4nglichkeit aber auch das Bed\u00fcrfnis, sich loszumachen, selbst\u00e4ndig und anders zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das zweite elementare Merkmal des typisch Menschlichen, das wir von Geburt an mit uns tragen, hei\u00dft;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Unter das Gesetz getan.<\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie jedes Menschenkind w\u00e4chst Jesus auf in einer Welt, die sich nicht nach seinem Willen und Geschmack richtet. Stattdessen ist sie von Ordnungen und Gesetzen bestimmt, die Anpassung und Unterordnung verlangen. So hatte auch er dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Zwar f\u00fchrte er ein Leben, das frei war von den Zw\u00e4ngen und Konventionen einer etablierten sozusagen b\u00fcrgerlichen Existenz. Einer geregelten Arbeit ging er als Wanderprediger ja nicht nach. Und so war er nicht abh\u00e4ngig von den Launen eines Chefs, den Erwartungen der Kunden und dem Druck der Konkurrenz. Und doch bekam auch er die Gesetze einer von Macht und Geld bestimmten Welt zu sp\u00fcren. Dass der Wert des Menschen vorwiegend davon bestimmt wird, was er hat und wie weit er es im Leben bringt, davon war auch er betroffen, konnte daran nichts \u00e4ndern und fiel denen, die ihre Macht durch ihn gef\u00e4hrdet sahen, zum Opfer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich h\u00e4tte man vom Sohn Gottes ja genau das Gegenteil erwarten sollen. N\u00e4mlich dass er kommt, nicht als Kind aus einem Mutterleib mit all der Abh\u00e4ngigkeit von den Launen der Natur\u2026sondern als Gott von Gott, Licht vom Licht, eindeutig erkennbar und beweisbar als \u00fcbermenschliches, als g\u00f6ttliches Wesen. Und nat\u00fcrlich nicht unter das Gesetz getan, sondern von oben \u00fcber das Gesetz dieser Welt kommend, es au\u00dfer Kraft setzend und die Verh\u00e4ltnisse so \u00e4ndernd, dass Kriege und Elend aufh\u00f6ren und \u00fcberall Friede und Gerechtigkeit einziehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch der Mensch bliebe ja, wie er ist: jenes Wesen, das .so liebenswert und zugleich so egoistisch und hartherzig sein kann. Und genau auf diesen Menschen, wie auch Sie und ich es sind, hat Gott es abgesehen und wird Mensch wie Sie und ich. Und nun weiter im Text von Paulus:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>damit er die, die unter dem Gesetz sind, erl\u00f6ste, damit wir die Kindschaft empfangen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsere Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind. Wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus \u2013 ein Mensch wie wir ganz und gar und zugleich noch mehr, weil er Gott zu uns Menschen gebracht hat. Uns davon befreit hat, in den Vorgaben von Geburt und gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen aufzugehen, als geh\u00f6rten wir ihnen wie Sklaven ihren Herren geh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit dem, was er sagte und tat, machte er deutlich:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nein, es sind nicht deine Erbanlagen, es ist nicht deine genetische Disposition, es ist nicht deine Pr\u00e4gung durch Herkunft und Erziehung, es ist auch nicht dein gesellschaftlicher Status, nicht das was du vorzuweisen hast an Leistungen und Erfolgen, auch nicht das, was du verpasst und verpatzt hast und das, wonach du dich aufgrund deines Alters oder gesundheitlicher Labilit\u00e4t richten musst. Gewiss, das alles geh\u00f6rt zu dir, aber du geh\u00f6rst dem nicht. Du geh\u00f6rst Gott, und du bist hier, weil Gott dich haben will und darauf wartet, dass du aufstehst gegen das, was Menschen klein und bedeutungslos machen will, wie gegen das, was sie in furchterregender Weise aufbl\u00e4st. Du bist hier, damit mit und unter den Gegebenheiten und Zw\u00e4ngen deines Lebens etwas sp\u00fcrbar wird von dem Gott. dessen Gnade und Barmherzigkeit jedes menschliche Leben kr\u00f6nen und zum Bl\u00fchen bringen will. Er, der Vater unser, will, dass wir uns bei allem, was uns besch\u00e4ftigt, in M\u00fcndigkeit und Freiheit nach seinem Willen richten und Zeichen setzen daf\u00fcr, dass Gottes Reich auf uns zukommt als das Erbe, das uns keiner nehmen kann. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Rudolf Rengstorf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erste Kunde von Jesu Geburt | Christfest II | 26.12.2024 | Gal 4,4\u20137 | Rudolf Rengstorf | Liebe Leserin, lieber Leser! Als die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan. So wurde zuerst von der Geburt Jesu geredet. 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