{"id":20620,"date":"2024-12-26T18:24:29","date_gmt":"2024-12-26T17:24:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20620"},"modified":"2024-12-26T18:24:29","modified_gmt":"2024-12-26T17:24:29","slug":"lukas-221-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-221-5\/","title":{"rendered":"Lukas 2,21"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gott hilft | Neujahrstag | 01.01.2025 | Lk 2,21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong>Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Das ist die erste Zeile in dem, was auch deine und meine Geschichte wurde. Immer wenn Gott etwas schafft, kann er sehen, dass es gut ist. Gott kann noch immer das Gute sehen, auch wenn wir dasitzen und uns verkriechen und nicht den Mut finden, dem Neuen Jahr entgegenzusehen. Denn Anf\u00e4nge sind gut, alles ist auf dem Weg, aber wo geht der Weg hin? Vor einiger Zeit blickte ich in den Himmel und sah einen Vogel. Ich hatte den noch nie gesehen, er glich einer Taube \u2013 mit langen Schwanzfedern. Und wie Adam hatte ich auch Lust, ihm einen Namen zu geben. Als ich googelte, war er fortgeflogen, aber ich fand einen Namen: Wandertaube.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Evangelium gibt in derselben Weise dem neuen Jahr einen Namen, n\u00e4mlich Jesus. Nicht viele Zeilen, aber dennoch genug, um das Jahr beginnen zu lassen, denn das bedeutet, dass Gott hilft. Viele von uns w\u00fcrden vielleicht lieber beim Alten und Wohlbekannten bleiben, aber wie mit all dem anderen, was unter dem Himmel geschieht, haben wir keine Wahl. Die Welt bewegt sich, und wir m\u00fcssen folgen. Unter dem Himmel Gottes waren die Menschen immer wie Abraham unterwegs, der losgeschickt wurde in ein neues Land mit einer Verhei\u00dfung von Gott, dass dies zu einem Segen werden sollte. Wir sind auch auf dem Weg in das Neue und Unbekannte, jeder f\u00fcr sich bringen wir etwas mit aus dem alten Jahr. Letztes Jahr zu dieser Zeit ahnten wir nicht, dass wir das Leid, die Schande, die Furcht zu tragen hatten, aber das war der Fall. Wir hoffen darauf, dass die Worte heute ein Licht auf unserem Weg in der Finsternis sind, so dass wir den Mut bekommen, dem neuen Jahr entgegenzugehen und wirklich das tragen k\u00f6nnen, was zu tragen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie sieht denn das neue Jahr wohl aus? Fragen wir die Tageszeitungen, sieht es nach noch einem annus horribilis aus, es gelingt uns vielleicht im Kleinen, alles zu bew\u00e4ltigen, aber im Gro\u00dfen und Ganzen sieht es nach Unwetter aus. Brennpunkte und Sorgen gibt es genug, und dann gibt es drei Wege, auf denen wir weiterkommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie ruft Gott uns aus der Finsternis, die uns irgendwie \u00fcber die Welt zu kommen scheint? Das Evangelium lenkt unseren Blick auf eine kleine Familie und ein Kind, das nicht war wie alle wir anderen. Jesus soll nach dem mosaischen Gesetz beschnitten werden, ein ganz gew\u00f6hnliches Ereignis, aber auch eine Weise, daran festzuhalten, dass es in der Tat eine Absprache zwischen Gott und den Menschen gibt, eine Absprache dar\u00fcber, dass die Finsternis nicht uns alle \u00fcberw\u00e4ltigen darf. Denn Gott hat Abraham und seinen Nachkommen verhei\u00dfen, dass sie gesegnet sein sollen. Jesus entstammt einem Volk, das stets auf einem scharfen Grad zwischen Heil und Verdammnis wandelte. Oft war es fast schief gegangen, die Leute konnten keine Kinder bekommen, oder Krieg und Flucht bedrohten ihr Leben. Die Finsternis war bedrohlich nahe, aber irgendwie kam das Licht immer wieder zur\u00fcck, und alles wurde wieder gut. Gott hielt seine Verhei\u00dfung, und vielleicht deshalb waren sie nicht ganz ohne Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Hoffnung ist zwar keine Strategie, denn eine Strategie ist eine langfristige Planung, die zu einem Ziel f\u00fchrt. Die Hoffnung ist aber eine Art und Weise, zwischen Himmel und Erde in einem Glauben daran zu existieren, dass das Ende so gut ist wie der Anfang.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist auch eine Absprache zwischen Gott und uns in dem Namen verborgen, den wir heute h\u00f6ren: Jesus, das bedeutet \u201eGott hilft\u201c. Wie soll das zugehen, fragt Maria, als der Engel sie zum ersten Mal in die Pl\u00e4ne Gottes einweihte. Das konnte nicht geschehen, aber es geschah, Maria wurde schwanger und gebar ein Kind. Das war vor acht Tagen, als Gott Mensch wurde. Maria gibt Jesus den Namen, den ihm der Engel gegeben hatte. Der Herr hilft, eine Verhei\u00dfung: Ganz gleich wie finster der Himmel wird, das Licht wird wieder hervorbrechen. Im kommenden Jahr wird das Kind in unserer Kirche aufwachsen und von allen abgewiesen werden, schlie\u00dflich alles verlieren und erst am Ostermorgen das Heil erleben. Denn Jesus hielt daran fest, dass es an Gott war, ihn und damit auch uns andere zu erl\u00f6sen. In diesem Glauben konnte er sein Leben f\u00fchren, in einer finsteren Welt einhergehen, ohne zu verzweifeln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott hilft, k\u00fcrzer kann unser Glaube auch nicht formuliert werden, hier liegt die Essenz des Evangeliums. Wir haben seitdem die Zeit damit verbracht zu verstehen, was der Name Jesus f\u00fcr uns bedeutet, was f\u00fcr eine Hilfe f\u00fcr uns bereitsteht. Dar\u00fcber haben wir eigentlich zu lange und zu klein gedacht. Denn Jesus sollte uns ja nicht nur von der S\u00fcnde befreien, sondern die Welt erl\u00f6sen und sie wieder aufrichten, so dass das Licht die Finsternis verdr\u00e4ngen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Finsternis kann aber schleichend kommen. Ihr erinnert euch, ich habe eine merkw\u00fcrdige Taube gesehen, die ich bei Google als Wandertaube identifiziert hatte. Sie hatte einen Namen bekommen, aber die Erz\u00e4hlung von ihr las ich erst sp\u00e4ter. Da stand, dass die Wandertaube in Nordamerika lebte, und die Huron-Indianer glaubten daran, dass ihre toten Vorfahren in Wandertauben verwandelt wurden. Es gab zwischen drei und f\u00fcnf Milliarden von ihnen, und sie konnten den Himmel auch am helllichten Tag ganz schwarz werden lassen. Berichte von Neusiedlern erz\u00e4hlten von so gro\u00dfen Scharen, dass es mehrere Tage dauerte, ehe sie vorbeigeflogen waren. Sie sollten herrlich gut schmecken, und wenn man nur in die schwarze Sonne schoss, konnte man mehrere zugleich treffen. Sie waren die zahlreichsten V\u00f6gel der Welt und so verbreitet, dass man sie nicht beachtete. Nur eine von ihnen wurde ber\u00fchmt. Martha hie\u00df sie, denn als sie 1914 starb, war sie das letzte Exemplar in der Welt, und damit war die Art ausgestorben. Was ich sah, stimmte also nicht. Die Neusiedler hatten 100 Jahre gebraucht, so viel Wald zu roden und so viele Wandertauben zu schie\u00dfen, dass sie ausgerottet wurden. Das waren nicht besonders b\u00f6se oder s\u00fcndige Menschen, sie waren nur hungrig, so hungrig, dass schlie\u00dflich kein Vogel mehr im Himmel war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihre Geschichte k\u00f6nnte auch unsere Geschichte werden, und der Glaube, um den wir uns versammeln, ist deshalb nicht nur der, dass unsere Taten vergeben werden, sondern dass auch eine Wiederherstellung aller Dinge geschehen wird, auch von dem, was fehlt. Wie viele haben bis jetzt die Wandertaube vermisst? Ich nicht, aber wenn ich die Geschichte h\u00f6re, fehlt sie mir furchtbar, und ich w\u00fcnsche, dass es wirklich eine Wandertaube war, die ich in meinem Garten sah. Das ist ein Teil unserer Verhei\u00dfung, dass wir die Wandertaube sehen werden, denn in der Welt, die Gott ins Leben rief, waren ja Wandertauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus erl\u00f6st also nicht nur den S\u00fcnder, er ist der Heiland der Welt, der, von dem wir glauben, dass er ein Segen f\u00fcr alle V\u00f6lker wird und die Welt wiederherstellt. Wir brauchen den Erl\u00f6ser, wenn uns die Finsternis umgibt und wir glauben, dass die Welt dem Untergang entgegengeht. Gott hilft, mit dieser Hoffnung k\u00f6nnen wir n\u00e4mlich etwas Licht in die Finsternis bringen und uns darauf freuen, dass wir wieder Wandertauben sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">P\u00e5rup<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-5000 Odense<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: lrl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott hilft | Neujahrstag | 01.01.2025 | Lk 2,21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen | \u00a0Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Das ist die erste Zeile in dem, was auch deine und meine Geschichte wurde. Immer wenn Gott etwas schafft, kann er sehen, dass es gut ist. 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