{"id":20640,"date":"2024-12-24T19:03:38","date_gmt":"2024-12-24T18:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20640"},"modified":"2024-12-26T19:05:55","modified_gmt":"2024-12-26T18:05:55","slug":"matthaeus-2-13-23-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2-13-23-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 2, 13-23"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Das Jesuskind musste Heimat finden \u2013 in jedem Leben! | 1.S.n. Christfest | 29.12.24 | Mt 2, 13-23 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>13<\/sub><\/em><em>Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach \u00c4gypten und bleib dort, bis ich dir\u2019s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. <sub>14<\/sub>Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach \u00c4gypten <sub>15<\/sub>und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erf\u00fcllt w\u00fcrde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht Hos 11,1: \u00bbAus \u00c4gypten habe ich meinen Sohn gerufen.\u00ab <sub>16<\/sub>Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und lie\u00df alle Knaben in Bethlehem t\u00f6ten und in der ganzen Gegend, die zweij\u00e4hrig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. <sub>17<\/sub>Da wurde erf\u00fcllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht Jer 31,15: <sub>18<\/sub>\u00bbIn Rama hat man ein Geschrei geh\u00f6rt, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht tr\u00f6sten lassen, denn es war aus mit ihnen.\u00ab <sub>19<\/sub>Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in \u00c4gypten <sub>20<\/sub>und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. <sub>21<\/sub>Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. <sub>22<\/sub>Als er aber h\u00f6rte, dass Archelaus in Jud\u00e4a K\u00f6nig war anstatt seines Vaters Herodes, f\u00fcrchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er einen Befehl und zog ins galil\u00e4ische Land <sub>23<\/sub>und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, auf dass erf\u00fcllt w\u00fcrde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazor\u00e4er hei\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Jesuskind musste Heimat finden &#8211; Kindsmorddrohung, Vertreibung, R\u00fcckkehr &#8211; das kommt als Textthema h\u00e4ufig in alten Schriften am \u00f6stlichen Mittelmeer und \u00f6stlich davon vor. Schon Mose wurde als S\u00e4ugling mit dem Tod bedroht, dann von seiner Familie in seine kleine pers\u00f6nliche Arche Noah gesetzt. Um quasi von dem aus dem Wasser gerettet zu werden, der befohlen hatte, alle m\u00e4nnlichen Babys der Israelis umzubringen \u2013 das war der Pharao &#8211; und Frauen aus seiner Familie machten dessen Vorhaben zunichte, ohne es zu ahnen: Sie hatten den Kleinen aus dem Wasser gefischt. Sie n\u00e4hrten und zogen damit einen gro\u00dfen Gegner der Herrscher \u00c4gyptens heran. Bekannt ist die zehn Folgen Debatte zwischen Mose und dem Pharao, bei der zehn Plagen die Punkte der j\u00fcdischen Seite eindrucksvoll st\u00fctzten. Den Schlussstrich zog ein t\u00f6dliches Vollbad im Roten Meer, das das Heer des Pharaos \u00fcber sich ergehen lassen musste. N\u00f6rdlich von \u00c4gypten gleich \u00fcbers Mittelmeer in Griechenland eine \u00e4hnliche Geschichte: Kindsmorddrohung, Vertreibung, R\u00fcckkehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der K\u00f6nig von Theben und seine Frau blieben lange kinderlos. Als sie endlich einen Sohn bekommen hatten, befahlen sie einem Diener, das Baby mit gefesselten Fesseln im Gebirge auszusetzen. Denn ein Orakel hatte dem K\u00f6nigspaar gesagt: Einmal erwachsen werde der Junge den Vater erschlagen und die Mutter heiraten. Der Diener bekam jedoch Mitleid und \u00fcbergab ihn einem Hirten, der dort Schafe und Ziegen weidete. Dieser wiederum zog weiter, gab darauf den S\u00e4ugling an den K\u00f6nig von Korinth, der den Kleinen adoptierte und aufzog. Als junger Mann h\u00f6rte er zuf\u00e4llig einen H\u00f6fling von der dunklen Herkunft des K\u00f6nigssohns reden, wurde neugierig, befragte ebenfalls das Orakel und bekam desgleichen zu h\u00f6ren: Du wirst Vater erschlagen und die Mutter heiraten. So verlie\u00df er Korinth und machte sich gleich aus dem Staub, nur um sich tiefer rein zu reiten. An einer Kreuzung gab es \u00c4rger mit einem reichen Alten und seinem Fahrer wegen der Vorfahrt, die die ihm nicht gew\u00e4hren wollten. Also nahm er sie sich und r\u00e4umte die Gegner f\u00fcr immer aus dem Weg. Er setzte seinen Weg fort in Richtung der Stadt Theben, die gerade \u00e4u\u00dferst von einer Naturkatastrophe namens Sphinx bedr\u00e4ngt wurde. Die stellte den zu oder aus der Stadt Kommenden schwierige Quizfragen. Und t\u00f6tete sie, falls die Antwort falsch war, was quasi immer geschah. \u00d6dipus war sehr schlau, beantwortete alles richtig, so dass die Sphinx das Rumpelstilzchen machte. Zur Belohnung durfte \u00d6dipus die K\u00f6nigin von Theben ehelichen, die j\u00fcngst Witwe geworden war. Die Stadt erholte sich von der Naturkatastrophe und bl\u00fchte auf, einige Jahre lang. Bis zur n\u00e4chsten Naturkatastrophe, einer Seuche. Als K\u00f6nig wollte er wie einst bei der Sphinx die Sache aus der Welt schaffen, mit seiner Schl\u00e4ue. Er wollte herausfinden, welcher Umstand die Seuche verursachte, um den dann aus der Welt zu schaffen. Ein klassisches Prinzip der Vorbeugung, \u00fcbrigens, aber es hilft nichts. Denn die Handlung verlagert sich immer mehr vom K\u00f6rperlichen ins Seelische. \u00d6dipus recherchiert Daten mit Hilfe von vielen Informanten, darunter einen Seher, einen Fahrbegleiter, einen Hirten und einen Diener. Und nach vielem Hin und Her mit Gespr\u00e4chen und Einbestellung wird ihm klar, was Sache ist: Bei den Korinthern war er adoptiert worden, an der Kreuzung hatte er seinen leiblichen Vater get\u00f6tet und in Theben seine Mutter geheiratet. Er war ja schon sehr schlau, siehe Sphinx, aber dass ihm das passiert sein k\u00f6nnte, darauf w\u00e4re er von alleine niemals gekommen. Um diese seine Einsicht zu zeigen, blendete er sich und ging in die Verbannung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jaja, was da so alles mitspielt. Wenn das Leben es will, dann kann ein geplanter Kindermord ein Leben des Erwachsenen und dessen schlimmes Ende nicht verhindern. Und dessen Schlauheit und gute Recherche helfen da auch kaum dagegen. Immerhin, der geblendete \u00d6dipus, statt sofort und auf der Stelle get\u00f6tet zu werden, stirbt sp\u00e4ter in der Verbannung, Umst\u00e4nde unbekannt. Und bei Mose gilt: Wenn das Leben es will, dann kann ein geplanter Kindermord ein gutes Ende des Betroffenen nicht verhindern. Selbst Angst oder Faulheit beim Reden, bei Debatten Gewalt androhen und austeilen und auch ein Totschlag halten da nichts auf. Die Israeliten entfliehen den \u00c4gyptern und finden gutes Land f\u00fcr sich. Allerdings stirbt Mose vor der Ankunft eines nat\u00fcrlichen Todes und darf es erschauen von Ferne, kurz bevor er stirbt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine ernste Morddrohung zu \u00fcberstehen, das haben die S\u00e4uglinge Mose, \u00d6dipus und Jesus gemeinsam. Im Leben danach taucht einiges auf, was jeweils verschieden ist. Mose und Jesus haben zwar gemeinsam, dass beide viel mit einer Gruppe reisen, Wunder tun und wissen, was sie bestimmt. Aber Jesus war weder zu bequem oder zu \u00e4ngstlich zum Reden, noch drohte er bei Debatten mit Gewalt und zog diese dann durch. Geschweige denn, dass er einen Menschen erschlagen hat. Bei der Reinigung des Tempels gabs nur Gewalt gegen M\u00f6bel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00d6dipus reiste wie Jesus, aber solo. Beide waren schlau, redeten gerne und haben Debatten gewonnen, weil sie mit ihren Antworten \u00fcberzeugten. \u00d6dipus hat zum Ende sein Leben ausf\u00fchrlich recherchiert und bedacht, von Jesus kennt man das bei Johannes: Der schrieb dessen Reden zum Abschied auf und gab sie weiter. Im Gegensatz zu Jesus war \u00d6dipus trotz aller Reflexion blind gewesen, f\u00fcr das, was ihn letztlich bestimmt hat. Und er hat auch einen Menschen erschlagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mose und \u00d6dipus starben eines nat\u00fcrlichen Todes, Jesus gewaltsam und durch Unrecht. Das ist ein Unterschied. Mose und Jesus haben gemeinsam, dass es bei Ihnen bildreiche Szenen von Tod und Sterben gibt. \u00d6dipus und Jesus haben gemeinsam, dass da einige Details anhand der Texte unbekannt oder fragw\u00fcrdig sind. Bei Jesus z.B. der Fels vor dem Grab und wie er weggerollt worden sein soll. Alle drei haben gemeinsam, dass sie nach ihrem Tod fortleben, indem \u00fcber sie erz\u00e4hlt wird, insbesondere bei Jesus dessen eigene Worte. Ob die Menschheit so lange von \u00d6dipus redet, wie sie besteht? Wer wei\u00df? Diese Annahme ist das mindeste, was die Anh\u00e4nger Jesu zu dem Thema sagen. Manche sagen sogar, dass die Erz\u00e4hlung Jesu noch dar\u00fcber hinaus bestehen werden, in alle Ewigkeit. Und was ist da \u00fcber Mose zu sagen? Jetzt wird es schwierig, das lasse ich mal so als Frage stehen. Mose und Jesus haben jedenfalls gemeinsam, dass von ihnen Rituale und Feste angesto\u00dfen worden sind. Bei Jesus und \u00d6dipus kann man da Gespr\u00e4che zwecks Seelsorge nennen. Oder auch Gespr\u00e4che, um verzwickte rechtliche Probleme zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So viel zu \u00c4hnlichkeit und Unterschied der drei, deren Leben zu Beginn mit Mord bedroht wird, dem sie per Flucht entrinnen. Die R\u00fcckkehr und ihre Folgen sind dann recht unterschiedlich. Insgesamt l\u00e4sst sich sagen, dass sich Jesus im Vergleich mit Mose und \u00d6dipus als ganz eigene Person und Figur gestaltet. Er unterlie\u00df Gewalt gegen Mitmenschen und starb gewaltsam als Justizopfer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch die Geschichte mit Kindesmord samt Flucht und R\u00fcckkehr bleibt aktuell. Ich rede hier vor allem von einem Text statt von der Wirklichkeit. Es stimmt \u2013 leider. Immer noch sterben weltweit unz\u00e4hlige Kinder an Hunger, Krankheit oder Krieg, sei es als k\u00e4mpfende Soldaten oder als deren Opfer. Noch mehr befinden sich wegen Hunger, Krankheit oder Krieg auf der Flucht. Die Sache, die ich meine, die h\u00e4ngt mit einem Buch zusammen, und das tr\u00e4gt den Titel: Das Kind in Dir muss Heimat finden. Darin geht es um Seelsorge. Wenn das Kind in einem Menschen Heimat erst finden muss, dann ist es wohl bedroht und vertrieben worden. So wie der kleine Jesus vom Stall nach \u00c4gypten. Ist dies innere Kind wie Jesus auch mit T\u00f6tung bedroht worden? Laut Buch nur in einem bildhaften Sinn. Gesagt wird, dass Kinder beim Aufwachsen ab dem Punkt Null Gutes erleben und, oh weh, Schlimmes. Also Verletzungen, ihm vor allem durch die \u00c4lteren angetan. Wenn man so will, wird durch solch Schlimmes verhindert, dass sich beim Aufwachsen das Nervenkleid eines Menschen in die beste Form und Richtung verkn\u00fcpft. Was geht da vor? Jedes Kind will das Schlimme aus seinem Leben und Erleben fortschaffen. Dazu entdeckt und nutzt es Man\u00f6ver, mit denen es seine eigenen Gef\u00fchle unterdr\u00fcckt und so \u00e4ndert, dass sie den \u00c4lteren passen. Oder es handelt so, dass es in Zwietracht mit seinen Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen ger\u00e4t, die \u00c4lteren im Ausgleich jedoch das Schlimme unterlassen. Sie gehen dann anders und weniger schlimm auf das Tun des Kleinen zu und ein. Was beim Aufwachsen helfen mag, das kann sich als Man\u00f6ver im sp\u00e4teren Leben schlimm auswirken. Wenn Mensch dabei die Gef\u00fchle anderer missversteht, weil er sie aus Gewohnheit gleichsetzt mit denen der \u00c4lteren aus seiner Kindheit. Oder seine wahren Gef\u00fchle ausblendet und anpasst, obwohl das jetzt unn\u00f6tig w\u00e4re &#8211; dann entstehen neue Verletzungen und neue Entwicklung bleibt aus. Heimat finden, das hei\u00dft, seine alten Trigger zu erkennen und zu kennen. Aber statt ihnen wie gewohnt zu folgen, bedeutet es mehr: Seine wahren Gef\u00fchle wahrzunehmen und die des Mitmenschen. Und dann der neu erkannten Wirklichkeit angemessen zu agieren, also meist anders als bisher. Das ist schwierig, viel Arbeit, denn dann stehen Konflikte an, die statt auf alte auf neue unbekannte Art gel\u00f6st werden sollen \u2013 worin Mensch bisher ja alles andere als ge\u00fcbt ist. Es fehlt das gewusst wie. Und forschen und er finden kostet jede Menge Zeit und Kraft. Ob sich das lohnt? Und wohin es f\u00fchrt? Di Seelsorge sagt ja. Trotz allem, dies hie\u00dfe ein Weg zur\u00fcck in eine Heimat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus hat seine Heimat gefunden, bei Gott. Und er hat dies auch unserem Leben in Aussicht gestellt und versprochen. Er hat dazu im Gem\u00fct eines jedem Menschen Heim gefunden. Und Mensch wird ihn dort in sich aufsp\u00fcren und entdecken, sich gefallen und arbeiten lassen. Denn dann schreckt einen weder das eigene l\u00f6chrige Nervenkleid, und die viele Arbeit, es gut zu vern\u00e4hen. Noch Blindheit f\u00fcr das eigene Leben noch eine Bedrohung durch andere, noch vielleicht sogar das Sterben. Weder Auswandern oder R\u00fcckkehren, das statt nur mit Freude auch mit Stress und Streit einhergehen kann. Mit Jesus hat Gott in jedem Leben Heimat gefunden. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Markus Kreis OStR<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kapellenstrasse 36<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">D-69469 Weinheim<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:markus_kreis@web.de\">markus_kreis@web.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jesuskind musste Heimat finden \u2013 in jedem Leben! | 1.S.n. 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