{"id":20655,"date":"2025-01-01T18:01:24","date_gmt":"2025-01-01T17:01:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20655"},"modified":"2025-01-02T18:35:44","modified_gmt":"2025-01-02T17:35:44","slug":"20655-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/20655-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<h3>2.Sonntag nach dem Christfest | 05.01.25 | Matth\u00e4us 2,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung)<a href=\"applewebdata:\/\/A11E2886-F5DE-4ADE-B799-584C4282C657#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1] | <\/a>Von Marianne Christiansen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Weg der Weisen \u2013 und unser Weg<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es waren nicht drei, sie waren auch nicht heilig, es waren keine K\u00f6nige.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das steht jedenfalls nirgends. Wir h\u00f6ren die Erz\u00e4hlung aus dem Matth\u00e4usevangelium von den Weisen aus dem Morgenland, sie traten \u201eflugs die Reise an\u201c, wie es in dem Lied von Grundtvig zu diesem Tag hei\u00dft<a href=\"applewebdata:\/\/A11E2886-F5DE-4ADE-B799-584C4282C657#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, dem Tag, den die Tradition der Kirche den Tag der heiligen drei K\u00f6nige nennt. Aber von den heiligen drei K\u00f6nigen steht nichts im Text.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn Christentum ist nicht das, was dort steht, sondern was geht.\u00a0 Was auf den Wegen in der Welt geht wie die ganz gew\u00f6hnlichen Wege der drei vier, f\u00fcnf Millionen, Milliarden K\u00f6nige, K\u00f6niginnen, Schuster, Zeltmacher, Hutmacher, Spa\u00dfmacher \u2013 Menschen, die das Licht in Christus suchen und mit diesem Licht hinaus zu anderen Menschen gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Tag der heiligen drei K\u00f6nige ist der Tag f\u00fcr mindestens zwei Erkenntnisse. Teils die, dass das Christentum voller Poesie und Bewegung ist, und teils die, dass wir selbst an der Erz\u00e4hlung des Evangeliums teilhaben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das erste \u2013 dass das Christentum voll von Poesie ist \u2013 daf\u00fcr braucht man sich nicht zu sch\u00e4men, indem man es verbirgt, als sei Poesie weniger fein oder wirklich als faktuale Informationen. Poesie ist Dichtung. Poesie bedeutet eigentlich Sch\u00f6pfung \u2013 Worte, die geschaffen sind und neue zusammenh\u00e4ngende Bilder schaffen, ja in gewisser Weise schaffen sie das, wovon sie reden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist Poesie in den Worten der Bibel, die neue Zusammenh\u00e4nge und Einsichten schaffen \u2013 nicht blo\u00df Information, Reportagen, Gesetzestexte, so dass man sagen kann: \u201eJa, das steht da, so ist es, fertig!\u201c Nein, Poesie, Erz\u00e4hlung, so dass wir sagen k\u00f6nnen: \u201eSo <em>geht<\/em> es, so klingt es, fang an und erz\u00e4hle weiter!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie aber k\u00f6nnen wir dann wissen, was wirklich geschah, was das Christentum wirklich ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christentum ist in Wirklichkeit das Wort, das Ger\u00fccht, die Erz\u00e4hlung, dass Gott in die Welt gekommen ist als ein verletzlicher Mensch, der sein Leben unter den Kranken, und Elenden, den Ausgelieferten und Ausgesto\u00dfenen lebte und den Menschen neue Hoffnung, Leben und Vergebung brachte. Ein Mensch, der zusammen mit Verbrechern starb und auferstand und den Menschen Mut gab und der noch immer Leben und Gauben in Menschen weckt, so dass sie\/wir an die Liebe und G\u00fcte Gottes glauben und leiben werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Christentum ist die Hoffnung und der Glaube an das Unm\u00f6gliche. Dass der Gr\u00f6\u00dfte im Kleinsten ist und das das Kleinste, was Gott geschaffen hat, das Gr\u00f6\u00dfte ist. Dass die St\u00e4rke Gottes in den Schwachen ist und dass die Liebe Gottes den Verlorenen gilt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo dieser Glaube lebt, da ist Christentum. Es steht nicht, es geht. Es wandert auf den Wegen der Welt und macht Menschen froh. Wenn nicht, ist es kein Christentum.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wenn von Gott erz\u00e4hlt werden soll, der das Unm\u00f6gliche schafft, von Jesus, der das Unm\u00f6gliche lebt, vom Heiligen Geist, der das Unm\u00f6gliche in uns bewirkt \u2013 dann wird es zu Poesie, Erz\u00e4hlungen, die Bilder schaffen und Bewegung in uns bewirken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Fest der heiligen drei K\u00f6nige ist der ganz richtige Tag, der uns daran erinnert. Hier h\u00f6ren wir die kurzgefasste Erz\u00e4hlung, die uns Matth\u00e4us bringt, von einigen weisen Leuten aus dem Morgenland, die den neuen Herrscher finden wollen und auf Umwegen vorbei an Herodes und den Zinnen der Macht das kleine Kind in Bethlehem finden. Und von dort kehren sie auf neuen Wegen zur\u00fcck in ihr eigenes Land.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist eine Erz\u00e4hlung, sicher keine Reportage von der Wirklichkeit, die raportiert und beschrieben werden kann als Tatsache, sondern eine Erz\u00e4hlung dar\u00fcber, was Christentum ist, was Jesus bedeutet und was das f\u00fcr eine Geschichte von Licht ist, an der wir teilhaben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie stark die Poesie ist, das k\u00f6nnen wir in Liedern und Bilderkunst sehen und in den Legenden die \u00fcberall in der Welt leben. Die Weisen sind in der Erz\u00e4hltradition zu K\u00f6nigen geworden \u2013 inspiriert vom Propheten Jesaja im Kapitel 60, wo es hei\u00dft, dass \u201eK\u00f6nige zu dem Glanz ziehen, der \u00fcber dem Herrn aufgeht\u201c (Jes. 60,3), dass sie \u201eGold und Weihrauch bringen und des Herren Lob verk\u00fcndigen\u201c (Jes. 6,6,). Mit der Zeit wird die Erz\u00e4hlung des Matth\u00e4us zu einer langen Legende, die durch Europa wandert und den K\u00f6nigen Namen gibt, Kaspar und Melchior und Balthasar. Sie bekommen Gebeine, die in Mailand und in K\u00f6ln ruhen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei Matth\u00e4us hei\u00dft es in der Erz\u00e4hlung, dass einige Weise aus dem Morgenland aufbrechen, weil sie einen Stern aufgehen gesehen haben, der bedeutet, dass ein neuer K\u00f6nig der Juden geboren ist, und den wollen sie nun anbeten. Sie missverstehen, was sie in den alten B\u00fcchern gelesen haben, und suchen einen Machthaber dieser Welt auf in der Gestalt von K\u00f6nig Herodes. Aber von dem Stern werden sie dazu geleitet, das Licht in der Finsternis und Gottes St\u00e4rke in der Schwachheit zu suchen, und sie finden das Kind in der Krippe. Und sie werden froh \u2013 voll gro\u00dfer Freude steht da auf Griechisch \u2013 und geben Geschenke. Von da an meiden sie die Macht von K\u00f6nig Herodes und finden einen neuen Weg nach Hause.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Geschichte, die weitergegeben und ausgelegt wurde. Sie erz\u00e4hlt nicht von etwas, was einmal geschehen ist, sondern von etwas, was geschieht. Sie vermittelt ein helles Bild in der Welt gerade jetzt, zwischen Machthabern und Machtgier, in dem Drang, die Wahrheit bei denen zu suchen, die Macht haben. Sie leitet unseren Blick weg vom Zentrum der Macht, um Gott in Jesus zu finden, geboren in Bethlehem. Es ist nicht so weit von Jerusalem nach Bethlehem, selbst nicht zu Fu\u00df, aber nun ist der Weg versperrt von Mauern und Checkpoints und Umgehungsstra\u00dfen. Und dennoch \u2013 mitten im Streit und im Hass kam das Kind zur Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun sind wir es, wie Generationen vor uns und Generationen nach uns, die Weise sein sollen, K\u00f6nige, Boten, geleitet vom Licht Gottes in der Finsternis. Wir, die wir das unwahrscheinliche Gl\u00fcck haben, dass wir das Wort von Jesus geh\u00f6rt haben und den Glauben und die Liebe im Geist gefunden haben \u2013 wir sollen das Licht weitertragen zu anderen Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Wege finden wir \u2013 auch wenn sie wie f\u00fcr die ersten Weisen anders werden als wir glaubten, dass sie tats\u00e4chlich geplant waren. Und was wir tun und sagen sollen, zeigt sich auch auf dem Wege, Das steht nicht schon vorher in einem Manual \u2013 das entdecken wir auf dem Wege.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie teilt man das Evangelium mit anderen Menschen? Indem wir auf das Licht zeigen \u2013 und etwas tun und sagen, was Licht in das Leben anderer Menschen bringen kann, und indem wir die Gaben schenken, die wir nun mitgebracht haben. Die wenigsten von uns haben Gold, Weihrauch und Myrrhe dabei \u2013 aber dann haben wir viel anderes, etwas, was wir vielleicht nicht einmal selbst wertvoll finden, aber was anderen Trost und Aufmunterung bringen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erz\u00e4hlung von den heiligen drei K\u00f6nigen bzw. Weisen ist unser Neujahrsvorsatz \u2013 und diesmal hei\u00dft es Neujahrs<em>fortsatz.<\/em> Ein Neujahrsvorsatz, das ist vieles, was man sich vornimmt \u2013 \u201enun muss ich mich bessern\u201c \u2013 und das ist auch sch\u00f6n und gut. Aber nun ist es schon den 5. Januar, und die meisten Vors\u00e4tze sind sicher schon wieder vergessen. Aber der Tag der heiligen drei K\u00f6nige gibt und einen neuen Neujahrs<em>fortsatz<\/em>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Setze die Wanderung im Lichte Christi fort. Folge weiter dem Stern in der Finsternis, einem Streif vom Sonnenaufgang, unter der Sonn am hellichten Tage und einmal bis zum Sonnenuntergang. Bleib bei dem Fortsatz, geleitet vom Licht, auch wenn der Weg schwer und finster ist. Wenn Gott will, \u00f6ffnet sich ein anderer R\u00fcckweg, so wie f\u00fcr die Weisen, Amen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bisch\u00f6fin Marianne Christiansen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ribe Landevej 37<br \/>\nDK-6100 Haderslev<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email:(at)km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>&#8212;\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/A11E2886-F5DE-4ADE-B799-584C4282C657#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In D\u00e4nemark wird dieser Sonntag als Fest der Heiligen drei K\u00f6nige (Epiphanias) begangen.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/A11E2886-F5DE-4ADE-B799-584C4282C657#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Nr. 136 im d\u00e4nischen Gesangbuch, dt. 136 im Deutsch-D\u00e4nischen Gesangbuch: \u201eHerrlich ist der Himmel blau\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2.Sonntag nach dem Christfest | 05.01.25 | Matth\u00e4us 2,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung)[1] | Von Marianne Christiansen | Der Weg der Weisen \u2013 und unser Weg Es waren nicht drei, sie waren auch nicht heilig, es waren keine K\u00f6nige. Das steht jedenfalls nirgends. Wir h\u00f6ren die Erz\u00e4hlung aus dem Matth\u00e4usevangelium von den Weisen aus dem Morgenland, sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20645,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,548,1,185,157,853,114,648,349,611,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20655","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-2-so-n-christfest","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-matthaeus","category-kasus","category-marianne-christiansen","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20655","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20655"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20655\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20656,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20655\/revisions\/20656"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20645"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20655"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20655"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20655"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20655"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20655"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}