{"id":20673,"date":"2025-01-07T12:02:20","date_gmt":"2025-01-07T11:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20673"},"modified":"2025-01-07T12:02:44","modified_gmt":"2025-01-07T11:02:44","slug":"josua-35-11-17-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/josua-35-11-17-2\/","title":{"rendered":"Josua 3,5-11.17"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Over Jordan | 1. Sonntag nach Epiphanias | 12.1.2025 | Jos 3, 5-11.17 | Nadja Papis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da stehen wir mitten in den Bergen, vor uns ein reissender Bach \u2013 Schutth\u00fcgel, Steine, Baumst\u00e4mme kreuz und quer. Von der Br\u00fccke auf dem Wander-App ist nur noch ein einsamer Pfosten vorhanden. Und jetzt? Umkehren und den ganzen Weg zur\u00fcckgehen? Oder es wagen und einen Weg hin\u00fcber suchen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wagen es ein St\u00fcck weiter unten, wo grosse Felsbl\u00f6cke den Wasserstrom verlangsamen. Vorsichtig hangeln wir uns Schritt f\u00fcr Schritt, Sprung f\u00fcr Sprung \u00fcber das kaum mehr erkennbare Bachbett. Auf der anderen Seite angelangt, lassen wir uns in die Blumenwiese fallen und atmen durch. Die Anspannung l\u00f6st sich, die Erleichterung l\u00e4sst uns lachen. Von diesem Abenteuer werden wir im Ferienbericht sicher erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Volk Israel stand ebenfalls da \u2013 am Ufer des Jordans. Ein Zur\u00fcck gab\u00b4s f\u00fcr sie nicht, sie waren, anders als wir Wanderleute, nicht zum Vergn\u00fcgen unterwegs. Der beschwerliche Weg aus der Unterdr\u00fcckung in \u00c4gypten, die Jahre in der W\u00fcste und nun das verheissene Land in Sichtweite. Aber da ist noch dieser Fluss, der Jordan. Ein breiter, gef\u00e4hrlicher Fluss, ein Hindernis, ja, eigentlich eine klare Grenze. Scheitern sie auf dem letzten St\u00fcck?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nein, denn \u2013 so der Bibeltext \u2013 sie haben Gott auf ihrer Seite, symbolisiert in der Bundeslade, diesem Zeichen der g\u00f6ttlichen Pr\u00e4senz inmitten des Volkes. Eine sichere \u00dcberquerung gelingt dank dieser Pr\u00e4senz sogar trockenen Fusses.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich lese den Text in Josua 3, sp\u00fcre diesem Gef\u00fchl nach: sicher dr\u00fcben angekommen zu sein, ein un\u00fcberwindbares Hindernis zu \u00fcberleben. Solche Erfahrungen bewegen. Und sie st\u00e4rken. \u00abDas kannst du nicht, du bist noch zu klein\u00bb und dann habe ich es doch geschafft! \u00abDas geht nicht, schau doch\u00bb und dann ist es doch gegangen. \u00abVergiss es, das steht dir nicht zu\u00bb und dann habe ich es trotzdem genommen. Ja, da steckt Kraft drin, etwas Unbeugsames. Und Vertrauen. Ich habe keine Bundeslade mehr heute, aber die g\u00f6ttliche Pr\u00e4senz, die sp\u00fcre ich in meinem Leben. Die macht vieles m\u00f6glich, was unm\u00f6glich scheint. Daran glaube ich. Und du?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beim Lesen des Textes muss ich aber auch einiges ausblenden, zum Beispiel das Versprechen Gottes, die anderen V\u00f6lker aus dem Weg zu r\u00e4umen, mit denen sich das Volk Israel ums Land streiten muss. Das verheissene Land ist bereits bewohnt. In der aktuellen Situation verst\u00f6rt mich diese Zusage. Denn auch die Kanaan\u00e4er, die Hetiterinnen, all diese anderen V\u00f6lker sind Menschen, die hier zuhause sind, ihre Kinder grossziehen und ihre Verstorbenen begraben. Schwierig. Ist Gott auf der Seite der Sieger? Auch heute? Und wer gewinnt denn \u00fcberhaupt in einem Krieg? Mir scheint, es verlieren alle. Wenn ich an die vielen zivilen Opfer denke, an die von Bomben zerst\u00f6rten St\u00e4dte, an die \u00fcberquellenden Fl\u00fcchtlingslager\u2026 Meine Fragezeichen werden lauter und lauter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zur\u00fcck zum Fluss. Der Jordan \u2013 das ist nicht nur ein Fluss, sondern auch ein Symbol. In vielen Spirituals und Gospelsongs kommt der Jordan als Symbol der Hoffnung vor. Wer den Jordan \u00fcberquert, \u00fcberschreitet eine Grenze. Die, welche es wagt, dieses Hindernis zu \u00fcberwinden, wird belohnt mit dem, was uns verheissen ist. Sklaven und Sklavinnen lebten und leben auch heute noch in der schlimmstm\u00f6glichen Unterdr\u00fcckung. Wer versklavt ist, geh\u00f6rt sich nicht selber. Kein Recht auf den eigenen K\u00f6rper, kein Recht auf eine eigene Meinung, auf das Leben. Unvorstellbar und doch auch heute noch eine Realit\u00e4t. Der Tod \u2013 \u00fcber dem Jordan \u2013 verspricht Befreiung aus einem solch unfreien Leben. Im Tod gewinnen versklavte Menschen alles, was die Sklaverei ihnen genommen hat: Freiheit, Ganzheit, Heimat, Heil. Wer w\u00fcrde sich nicht sehnen nach dem, was \u00abover jordan\u00bb wartet?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Jordan wurde aber auch zur verschl\u00fcsselten Botschaft f\u00fcr den Fluchtweg aus der Sklaverei hier auf Erden. Nach dem B\u00fcrgerkrieg wagten viele Sklaven und Sklavinnen die gef\u00e4hrliche \u00dcberquerung des Mississippi, um in den Norden zu fliehen, wo die Sklaverei bereits abgeschafft war. Ein Wagnis, das sie alles kosten konnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute sind es Fl\u00fcchtlinge, welche \u00fcbers Mittelmeer alles riskieren, um bei uns anzukommen. Sie wissen nicht, dass sie den meisten unerw\u00fcnscht sind, sie wissen nur, dass es hier besser ist, sicher, voller Wohlstand. Daf\u00fcr brechen sie auf, nehmen die ungewisse Flucht in Kauf, meist bezahlt von allem, was die Familie hergeben konnte, in der Hoffnung, neu anfangen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Jordan steht also f\u00fcr das Hindernis, das es zu \u00fcberwinden gibt, die Grenze, die von der Zusage trennt, von Freiheit, von Geborgenheit. Die Geschichte macht klar: Gott ist mit dir beim \u00dcberqueren des Jordans, auf dem Weg ins verheissene Land, in deinem Kampf f\u00fcr die Freiheit und f\u00fcr Gerechtigkeit. Kein Hindernis ist zu gef\u00e4hrlich, kein Fluss zu tief, wenn wir f\u00fcr Freiheit und Gerechtigkeit einstehen. F\u00fcr mich kann es heute nicht mehr um Landeroberungen und Krieg gehen, sondern um eine gerechtere Welt f\u00fcr alle Menschen. Und so hoffnungslos mir das mit dem Blick auf diese Welt manchmal scheint, h\u00f6re ich die Zusage: Over Jordan\u2026 Gesungen von all denen, die sich nach einer gerechteren Welt sehnen und daf\u00fcr k\u00e4mpfen, im Kleinen und im Grossen. \u00abOver jordan\u00bb &#8211; da wartet, was uns verheissen ist. Und das G\u00f6ttliche ist mit uns auf dem Weg dorthin.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfrn. Nadja Papis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Langnau am Albis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:nadja.papis@refsihltal.ch\">nadja.papis@refsihltal.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nadja Papis, geb. 1975, Pfarrerin in der ev.-reformierten Landeskirche des Kantons Z\u00fcrich\/Schweiz. Seit 2003 t\u00e4tig im Gemeindepfarramt der Kirchgemeinde Sihltal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Over Jordan | 1. 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