{"id":20675,"date":"2025-01-07T12:00:49","date_gmt":"2025-01-07T11:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20675"},"modified":"2025-01-07T12:04:31","modified_gmt":"2025-01-07T11:04:31","slug":"20675-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/20675-2\/","title":{"rendered":"Lukas 2,41-52"},"content":{"rendered":"<h3>1.Sonntag nach Epiphanias | 12.01.25 | Lukas 2,41-52 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Peter Skov-Jakobsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Maria als erster Apostel<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich muss es lieber zugeben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich junger Pastor war, gefiel es mir besonders, auf \u00e4ltere Pastoren \u00fcber diesen Text vom zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus im Tempel predigen zu h\u00f6ren, am allerliebsten solche, die Pr\u00f6pste oder Bisch\u00f6fe geworden waren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich sa\u00df nat\u00fcrlich und dachte daran, wie wohl die Artigen mit diesem Text zurechtkommen, der wohl einem Bild vom von Aufs\u00e4ssigkeit und Teenager-Prostest beim zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus am n\u00e4chsten kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Nun bin also ich an der Reihe, und ich kann es den Zuh\u00f6rern nicht verdenken, wenn sie dasitzen und mit derselben Frage lauern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Wenn ihr euch selbst fragt, was dieser Bericht eigentlich sagen will, verstehe ich das sehr wohl! Kein anderer Evangelist hat diese Geschichte aufgenommen. Zwei von ihnen wollen von den Geschichten aus der Kindheit Jesu gar nichts wissen. Sie konzentrieren sich auf den erwachsenen Mann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas hat sich vorgenommen genau zu sein. Er will gerne der sein, der die Geschichte korrekt erz\u00e4hlen will. Nicht korrekt und bezeugt, wie das die Historiker heutzutage tun w\u00fcrden, sondern so, dass man dem ganzen Leben vom Standpunkt des Glaubens her folgen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas wusste, dass die Kirche auf Wanderschaft ist, und mit auf der Wanderschaft ist jemand, den wir nicht immer erkennen k\u00f6nnen, der aber pl\u00f6tzlich eingreift, ein Wort sagt, eine Mahlzeit einnimmt, z\u00f6gert und uns dazu bringt, die Meinung zu \u00e4ndern. Er greift ein mir Barmherzigkeit und Mitgef\u00fchl, und die Leute merken, dass wir es mit einer anderen Welt zu tun haben \u2013 mit einer Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas kennt uns wirklich!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er wei\u00df, dass wir immer neugierig sind! Wenn ein Mensch etwas bedeutet, fragen wir nach der Vergangenheit des Betreffenden. Einigen Menschen wollen wir gerne durch ihr ganzes Leben verfolgen, entweder weil sie besonders schlimm waren, aber meistens, weil ihre Weise, Mensch zu sein, und fasziniert hat. Sehr oft ist diese Neugier von dem Wunsch getragen, einen roten Faden zu finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich wei\u00df ich nicht, warum man glauben soll, dass das Leben anderer Menschen einen Zusammenhang darstellt, wenn wir alle stets Br\u00fcche erleben, Widerspr\u00fcche, Vorl\u00e4ufigkeiten und Zuf\u00e4lle. Aber es ist als hielten wir den Mut aufrecht bei dem Gedanken daran, dass da Leute sind, deren Leben nach einem roten Faden verl\u00e4uft!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihr k\u00f6nnt ja h\u00f6ren, dass ich nicht glaube, dass man leicht einen roten Faden finden kann. Ich glaube nicht an den roten Faden, weil ich zutiefst davon \u00fcberzeugt bin, dass wir einander mehr beeinflussen als wir gew\u00f6hnlich glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Wir sprechen miteinander, leben zusammen, diskutieren miteinander, entwickeln Antipathien und Sympathien, und auch wenn wir uns bem\u00fchen und versuchen, unserem Leben eine bestimmte Richtung zu geben, sp\u00fcren wir oft, dass unser Leben in hohem Ma\u00dfe kompliziert wird \u2013 verwickelt mit dem Leben anderer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihr wisst auch aus den Medien: Was wir nicht wissen, das erfinden wir!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Marine habe ich oft geh\u00f6rt, wie die Leute zueinander sagen: \u201eWenn du eine L\u00fcge \u00fcber mich vorbringst, dann werde ich bestimmt eine Wahrheit \u00fcber dich sagen\u201c. Das kann einen nerv\u00f6s machen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas erz\u00e4hlt etwas von der Kindheit und Jugend Jesu, damit die Gemeinde sich dar\u00fcber Gedanken machen kann! Dann brauchen sie nicht mehr rote F\u00e4den zu finden.\u00a0 Sie brauchen nicht mehr der Phantasie<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">freien Lauf zu geben!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich kann euch anvertrauen, dass die Intention des Lukas nicht Erfolg hatte. Es wurden viele Kindheitsevangelien \u00fcber Jesus verfasst, und man erz\u00e4hlte einander, dass er ein furchtbarer Kraftkerl war, die anderen Kinder sollten ihn nicht \u00e4rgern, denn schon als Kind soll er sie nur angeblasen haben, und sie fielen tot um, oder er war so stark, dass er eine ganze Deichsel heben konnte, und er ging wirklich seinem Vater zur Hand in der Werkstatt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas aber gibt uns diese Geschichte, und sie handelt von dem besonderen Verh\u00e4ltnis Jesu zu Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er war verschwunden in der Schar von tausenden, die zum Passafest in Jerusalem versammelt waren. Er hatte seine Eltern mit Schrecken zur\u00fcckgelassen, und die hatten sicher das Schlimmste bef\u00fcrchtet. W\u00fcrden sie ihn wiedersehen? War ihm etwas zugesto\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie fanden ihn im Tempel. Da hatte er gesessen und mit den Gelehrten geredet, und die hatten sich gewundert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Maria warf ihm vor, dass er sich so verhalten hatte \u2013 und ehrlich gesagt, sie wird mit etwas abgefertigt, das wie eine vorwitzige Antwort klingt: Das h\u00e4tte seine Mutter sich wohl selbst sagen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich dass er da sein musste, wo sein Vater war!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Zuh\u00f6rer wird von Anfang an im Evangelium in die Lage versetzt, dass hier etwas ganz Besonders vorliegt. Jesus ist ein besonderer Mensch, und diese Erz\u00e4hlung von seiner Besonderheit ist die Erz\u00e4hlung von der Befreiung der Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Es ist als wenn Lukas behauptet, dass wir uns jetzt auf ihn konzentrieren sollen, der Gott offenbaren wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Er ist wirklich nicht irgendwer \u2013 er ist das offenbare Bild Gottes. Wenn man ihn sieht und h\u00f6rt, dann merkt man, dass es hier um etwas ganz anderes geht \u2013 und doch kann er erkannt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Er will gern gesehen werden \u2013 er will geh\u00f6rt werden \u2013 gesp\u00fcrt werden! Er ist nicht wie die anderen Propheten! Er ist nicht abgehoben. Er will nicht, dass die Menschen den Blick senken. Vielmehr macht er geltend, dass der, der an die Liebe Gottes glaubt, auch sp\u00fcrt, man ist nicht an seine Irrt\u00fcmer gebunden, seine Kleinlichkeiten, seine Wut. Jetzt wird man befreit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 In irgendeiner sonderbaren Weise gelingt es ihm, die Menschen davon zu \u00fcberzeugen, dass die Liebe sie dazu bringen kann, das Dasein anders und neu zu sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Er bringt sie dazu zu sp\u00fcren, dass Mitgef\u00fchl da ist, wo gleichsam viele Gr\u00e4ben \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen und die Menschen einander wieder in die Augen sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Er hat keine Vorbehalte zu irgendeinem Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Bedenkt nur, wie oft wir Vorbehalte gegen einander haben. Bedenkt nur, wie wir uns absichern, um nicht entt\u00e4uscht zu werden, traurig oder \u00e4ngstlich!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Das tut er nie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schlie\u00dflich stehen da die sch\u00f6nen Worte \u00fcber Maria: \u201eUnd seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen\u201c. Sehr oft glaube ich, dass die fr\u00fche Gemeinde Maria als ersten Apostel sah. Sie hatte ihn geboren, ihn mit ihrem K\u00f6rper besch\u00fctzt, sie umfasste sein ganzes Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Was Maria getan hatte, sollten die Gl\u00e4ubigen k\u00fcnftig auch tun. Sie sollten sich erinnern an die Erz\u00e4hlungen vom Leben, die ihnen die innere \u00dcberzeugung vermittelte, dass Wut, Bosheit und L\u00fcge ihn zwar umgebracht hatten \u2013 aber die destruktiven M\u00e4chte \u00fcberw\u00e4ltigten ihn nie, denn das Leben, die Wahrheit, das Mitgef\u00fchl und die Freude hatten das letzte Wort, und die Menschen sahen einander, lebten zusammen und glaubten zusammen und bauten zusammen ein Haus, das wir Gemeinschaft nennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 M\u00f6gen wir wie Maria seine Worte bewahren in unseren Herzen, die Erz\u00e4hlungen \u00fcber ihn bewahren, wenn wir gemeinsam leben und Haus und Gemeinschaft aufbauen! Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Peter Skov-Jakobsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00f8rregade 11, DK-1165 K\u00f8benhavn K<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: pesj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.Sonntag nach Epiphanias | 12.01.25 | Lukas 2,41-52 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Peter Skov-Jakobsen | Maria als erster Apostel Ich muss es lieber zugeben: Als ich junger Pastor war, gefiel es mir besonders, auf \u00e4ltere Pastoren \u00fcber diesen Text vom zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus im Tempel predigen zu h\u00f6ren, am allerliebsten solche, die Pr\u00f6pste oder Bisch\u00f6fe geworden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20670,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,656,1,185,157,853,114,636,349,3,622,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20675","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-1-so-n-epiphanias","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-lukas","category-kasus","category-nt","category-peter-skov-jakobsen","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20675"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20677,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20675\/revisions\/20677"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20675"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20675"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20675"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20675"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}