{"id":20690,"date":"2025-01-14T10:25:03","date_gmt":"2025-01-14T09:25:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20690"},"modified":"2025-01-14T10:25:03","modified_gmt":"2025-01-14T09:25:03","slug":"roemer-129-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-129-16\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 12,9\u201316"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Schneeflocken-Symphonie | 2. Sonntag nach Epiphanias | 19.01.2025 | R\u00f6m 12,9\u201316 | Ralf Reuter |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie Schneeflocken geflogen kommen die guten Worte aus dem Himmel. Botschaften der Liebe sind sie, in zarten, zu Kristallen gefrorenen Wassertropfen. Die Liebe sei ohne Falsch, so wei\u00df und sch\u00f6n fallen sie auf die Erde. Lange schauen wir ihnen zu. \u00dcber Wald und Feld tanzen sie, bev\u00f6lkern St\u00e4dte, bedecken D\u00f6rfer, k\u00fcssen B\u00e4ume und H\u00e4user.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einzelne Flocken sind zu sehen, hasst das B\u00f6se, h\u00e4ngt dem Guten an. S\u00e4tze, Anregungen, Impulse aus der Liebe, sie setzen sich auf die Spitzen der Kircht\u00fcrme, auf Gemeindeh\u00e4user wie auf Unternehmen und Betriebe. Mahnen uns, untereinander herzlich zu sein. Gar Respekt fordern sie uns ab. Wundersch\u00f6n bedecken sie die Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht beginnt alle Moral, alles Handeln mit dem Blick auf g\u00f6ttliche Worte. Gutes tun f\u00e4ngt mit dem Staunen an, ist erst einmal nur ein flirrendes Schneegest\u00f6ber der Liebe aus dem Himmel. Das sich ausbreitet auf unsere nicht in den Griff zu bekommende Welt, auf Kriege, Katastrophen, menschliche Abgr\u00fcnde, auf harte, gefrorene Herzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Filmemacher Simon Verhoeven sagt: \u201eWenn wir uns alle ein bisschen mehr als verwirrte, oft verlorene Wesen sehen w\u00fcrden, hier auf diesem kleinen Planeten im Nirgendwo des Alls versuchen, das Richtige zu tun und gleichzeitig irgendwie \u00fcber die Runden zu kommen, h\u00e4tten wir sicher einen z\u00e4rtlicheren Blick auf uns alle.\u201c (Interview mit Anke Schipp)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das richtige Tun, Moral, Ethik, Verhalten, lange habe ich nachgedacht \u00fcber die Worte des Paulus an die Gemeinde in Rom. Er hat das \u00f6fter so gemacht, hat Ratschl\u00e4ge und Ermahnungen in den Schlussteil seiner Briefe gepackt. Doch wie k\u00f6nnen sie heute noch verstanden werden? Wer h\u00f6rt denn da noch hin? Zu verwirrend, zu belehrend kommen sie daher.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Wintereinbruch hat mich gerettet. Die tanzenden Schneeflocken, zuerst verwirrten sie mich wie Hans Castorp im Zauberberg. Getr\u00e4umt, aufgewacht, elementarer, z\u00e4rtlicher wurde der Blick. Leben auf Zeit, im Rhythmus der Jahreszeiten, das Richtige tun, \u00fcber die Runden kommen, die Worte der Bibel, sie k\u00f6nnen helfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freut euch mit den Fr\u00f6hlichen, weint mit den Weinenden, uns anderen hingeben, mit Empathie, mit Takt, nie \u00fcbergriffig, sondern zuh\u00f6rend, Anteil nehmend, so beginnt doch alles Miteinander auf der Erde. So muss es immer wieder einge\u00fcbt werden, an und in uns selber, leiblich, geistlich. So strahlt es dann aus auf Gemeinde, auf die Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Liebe als Hingabe, als lebendiger Gottesdienst im Alltag, wo sind die Beispiele? Die wichtigen 90 Sekunden Small Talk an der Kasse des Supermarktes, der Handdruck beim Rausgehen aus der Kirche, das Abholen von Senioren zum Kaffee im Gemeindehaus. Noch mehr, die Stufen der Entwicklung von Kindern, von Partnern sp\u00fcren, miterleben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weich werden und klar, und von niemandem und nichts sich irritieren lassen, vielleicht kann ich es so sagen. Das meint dann ein Bleiben in der Liebe Gottes, im Auftrag der Nachfolge dieses Jesus von Nazareth, der einst zu Fu\u00df \u00fcber diese Erde ging, in Galil\u00e4a. So geerdet, so runterkommen und ganz unten gehen, haltet euch zu den niedrigen Dingen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sich selber nicht f\u00fcr klug halten bedeutet hier, sich einfangen lassen vom Geist Gottes. Der immer wieder wie ein Schneegest\u00f6ber vom Himmel kommt und alle Selbstbezogenheit verwirrt. Der uns trifft und auftaut, erw\u00e4rmt, von der Tr\u00e4gheit des Sichgen\u00fcgens befreit. Reden, diskutieren, beteiligen wir, machen uns mit anderen auf den Weg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Klar, fr\u00f6hlich in Hoffnung, geduldig in Tr\u00fcbsal, beharrlich im Gebet, dieser alte Tauf- und Konfirmationsspruch, er ist Kompass f\u00fcr gute und schlimme Tage. Wo nichts mehr zu sehen ist, hilft das Gebet, dieses mit dem Himmel verbunden bleiben. Und im \u00dcberschwung der eigenen Erfolge h\u00e4lt einen dieses Band in der Balance von Ma\u00df und Mitte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dies, so glaube ich, brauchen wir dringend in unseren Kirchen mit ihren Abbr\u00fcchen von liebgewordenen Traditionen. Nach all dem Schimpfen und Klagen kommen uns neue Schneeflocken geflogen. Setzen sich auf ganz andere Projekte und Vorhaben eines neuen Gemeindelebens. Tauen sie auf, bringen das Feuer der Liebe zum Brennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unz\u00e4hlige Krippenspiele haben unsere Aktiven an Weihnachten ganz ohne Pfarramt auf die Beine gestellt. Haben die Kirchen im Priestertum aller Glaubenden gef\u00fcllt. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Kindergottesdienste und Jugendgruppen. Sich einfach in das Schneegest\u00f6ber stellen, einweichen lassen vom lebendigen Wort, aktiv werden, es gibt Chancen, \u00fcberall.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Geist, der vom Himmel kommt, er weitet sich aus wie eine g\u00f6ttliche Schneelandschaft \u00fcber die ganze Erde. Befeuchtet und befruchtet Menschen, Landschaften, Tiere, die ganze Vegetation. Im Wei\u00df der Schneeflocken entdecken wir die Botschaft des Friedens. Haltet Frieden, so weit es an euch liegt, habt mit allen Menschen ein Auskommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nat\u00fcrlich qu\u00e4len in diesen Tagen die weitergehenden Angriffe auf die Ukraine, dieses nie aufh\u00f6rende Leiden im Nahen Osten, und die Furcht vor autorit\u00e4ren Regimen. Doch die Rache ist mein, spricht Gott. Wie gut, wie hilfreich ist das! Es bremst einen vor der eigenen Gewalt, der Resignation, l\u00e4sst uns festhalten an der f\u00fcr alle geltenden Menschenw\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weltweit und zugleich vor Ort, selbst in die Gr\u00fcndung von Familien hinein wehen die himmlischen Schneeflocken. Welch eine wunderbare Geschichte von Jesus auf der Hochzeit zu Kana. Das Wandeln von Wasser zu Wein, ich deute sie als geistliche St\u00e4rkung, als Teilhabe des Lebens am g\u00f6ttlichen Himmel. Helft den Familien, bringt sie \u00fcber den Berg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob uns diese Worte und Geschichten heute wieder geglaubt werden? Ja, wenn wir von ihnen zeugen, ihnen selber vertrauen in unserer eigenen Existenz als Christenmenschen. Nie allein, immer mit der Wolke der Zeugen vergangener Generationen, und vor allem mit denen, die Gott uns auf Zeit an die Seite gestellt hat, die mit uns unterwegs sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu w\u00fcnsche ich mir, dass wir immer wieder einschneien, runterkommen, uns besinnen. Um zu sehen, zu erleben, dabei zu sein, wenn Worte aus der Bibel angeflogen kommen wie Schneeflocken. Mit ihnen werden wir verwandelt, in die Zukunft gesandt. Sie tanzen zu sehen ist wunderbar, ihre Botschaft zu h\u00f6ren, eine ganze Schneeflocken-Symphonie.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Ralf Reuter<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">G\u00f6ttingen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ralf Reuter, Pastor der Ev.-luth. Weststadt-Kirchengemeinde G\u00f6ttingen, in den Westd\u00f6rfern und der Region West, und gelegentlich auch als Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft im Kloster Loccum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Literatur:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jochen Cornelius-Bundschuh: Zu-Mutung, G\u00f6ttinger Predigtmeditationen 79, 2024<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Tom Kleffmann: Der R\u00f6merbrief des Paulus, 2022<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eduard Lohse: Der Brief an die R\u00f6mer, 2003<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thomas Mann: Der Zauberberg, 1924<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martin Scherer: Takt. \u00dcber N\u00e4he und Distanz im menschlichen Umgang, 2024<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anke Schipp: Ich habe knallhart erlebt, was es hei\u00dft zu scheitern. Interview mit Simon Verhoeven, Frankfurter Allgemeine, 8.1.2025<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Elif Shafak: Am Himmel die Fl\u00fcsse, 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schneeflocken-Symphonie | 2. Sonntag nach Epiphanias | 19.01.2025 | R\u00f6m 12,9\u201316 | Ralf Reuter | Wie Schneeflocken geflogen kommen die guten Worte aus dem Himmel. Botschaften der Liebe sind sie, in zarten, zu Kristallen gefrorenen Wassertropfen. Die Liebe sei ohne Falsch, so wei\u00df und sch\u00f6n fallen sie auf die Erde. Lange schauen wir ihnen zu. 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