{"id":20698,"date":"2025-01-14T10:38:30","date_gmt":"2025-01-14T09:38:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20698"},"modified":"2025-01-14T10:38:30","modified_gmt":"2025-01-14T09:38:30","slug":"roemer-129-16-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-129-16-2\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 12,9\u201316"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Seid uncool! | 2. Sonntag nach Epiphanias | 19.1.2025 | R\u00f6m 12,9\u201316 | Udo Schmitt |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus spricht von der Liebe. Hier im Brief an die R\u00f6mer. Wir befinden uns im letzten Teil des Briefes, es geht um die Gemeinde und wie man sich verhalten soll. In atemlosen Stakkato reiht er Wort an Wort, Wunsch an Wunsch, es geht Schlag auf Schlag, bzw. Ratschlag auf Ratschlag, h\u00f6ren wir mal rein: TEXT (R\u00f6mer 12,9\u201316)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Liebe.<br \/>\nEin kleines Wort \u2013 und gro\u00dfe Wirkung.<br \/>\nEin kleines Wort\u00a0 \u2013 und doch:<br \/>\nWas doch f\u00fcr ein gro\u00dfer Schein, was f\u00fcr Glanz, der von ihm ausgeht!<br \/>\nSeit Jahrhunderten w\u00e4rmen sie sich zu Tausenden daran. Die Liebe.<br \/>\nAuch wenn sie sie nicht kennen, w\u00e4rmen sie sich<br \/>\n(immer wieder sonntags \u2013 und bei jeder sich bietenden Gelegenheit)<br \/>\nihre kalten Herzen und bibbernden Lippen daran.<br \/>\nSingen ihr ihre Lieder. Der Liebe. Singen sie richtig sch\u00f6n \u2013 oder ganz sch\u00f6n falsch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Liebe sei ohne falsch. Ohne Heuchelei. Sagt Paulus.<br \/>\nUnd Justus Gesenius hat diesen Gedanken so zum Lied verdichtet:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eLass mich an andern \u00fcben, was du an mir getan;<br \/>\nund meinen N\u00e4chsten lieben, gern dienen jedermann<br \/>\nohn Eigennutz und Heuchelschein und, wie du mir erwiesen,<br \/>\naus reiner Lieb allein.\u201c (EG 82,7)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe ist nicht nur ein Gef\u00fchl.<br \/>\nNicht nur \u201eHerzilein\u201c, und: \u201eDu musst nicht traurig sein.\u201c<br \/>\nLiebe ist nicht nur ein Wort, sondern Gedanken und Worte und Taten.<br \/>\nLieben kann ich nur ganz, ganzheitlich \u2013<br \/>\nmit Herz und Kopf und Hand.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe kann ich nicht allein.<br \/>\nNiemand kann sich selber k\u00fcssen<br \/>\noder sich selber tr\u00f6stend nehmen in den Arm.<br \/>\nNiemand kann Christ sein oder Christin \u2013 nur f\u00fcr sich und ganz allein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du kannst in den Wald gehen oder in die W\u00fcste,<br \/>\ndu kannst nach Gott suchen da<br \/>\nund ihn rufen Tag und Nacht. Viel Spa\u00df dabei!<br \/>\nAber er wird dich nicht h\u00f6ren \u2013 wird dir nicht antworten da.<br \/>\nErst wenn du Liebe sprichst und tust \u2013 mit anderen, an anderen,<br \/>\nwird er sich finden lassen \u2013 und sagen: das hast du mir getan.<br \/>\nDann wird er sagen: Danke \u2013 dir!<br \/>\nUnd du wirst sagen: Daf\u00fcr nicht.<br \/>\nDenn es ist ja so:<br \/>\nLiebe ist nicht das erste Wort. Das ich spreche. Nicht ich.<br \/>\nGott spricht es zu mir. Du bist. Sagt ER. Mein. Mein geliebtes Kind.<br \/>\nLiebe ist sein Wort, sein Werk, sein Geschenk an mich.<br \/>\nUnd alles, was ich sage und denke und tue. Ist Antwort nur \u2013<br \/>\nauf dieses erste Wort. Liebe ist die Antwort nur \u2013<br \/>\nsie kommt von Gott und kehrt zu ihm retour.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe ist Antwort &#8211; und Verantwortung<br \/>\n\u201eLiebe ist die Verantwortung eines Ich f\u00fcr ein Du\u201c (Martin Buber).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So auch bei Paulus hier.<br \/>\nEr legt sie uns ans Herz \u2013 die Gemeinde,<br \/>\ndie Br\u00fcder und Schwestern da,<br \/>\njeden Einzelnen und jede Einzelne darin.<br \/>\nHabt ein z\u00e4rtliches Gef\u00fchl<br \/>\nf\u00fcr jede Frau und jeden Mann<br \/>\nbei euch in der Gemeinde Jesu Christi.<br \/>\nIn der Gemeinde des gro\u00dfen Liebenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seid nicht tr\u00e4ge. Nicht lau und unentschlossen.<br \/>\nNicht k\u00fchl und reserviert.<br \/>\nSondern brennt. Brennt! Brennt im Geiste.<br \/>\nUnd kommt einander nah. N\u00e4her. Und zuvor.<br \/>\nKommt einander zuvor. Mit Ehrerbietung.<br \/>\nRespektbekundung. Mit Friedensangeboten, Aufmerksamkeiten. Liebe.<br \/>\nManchmal gen\u00fcgt ein kleines Wort.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Haucht es. Schreit es. Sagt es. Und tut es.<br \/>\nEs gibt nichts Gutes \u2013 au\u00dfer man\u2026<br \/>\nHabt dabei einen langen Atem.<br \/>\nSeid geduldig und beharrlich und fr\u00f6hlich, egal wie tr\u00fcb es aussieht,<br \/>\nbleibt beim Beten und haltet die Hoffnung hoch.<br \/>\nDas ist (mit) das Wichtigste, was wir f\u00fcreinander tun k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Uns miteinander Mut machen.<br \/>\nEinander einschlie\u00dfen in das Gebet.<br \/>\nEinander aufnehmen mit offenen Armen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freundlichkeit, F\u00fcrbitte und Gastfreundschaft.<br \/>\nDarin sollt ihr euch \u00fcben, t\u00e4glich.<br \/>\nDas soll typisch f\u00fcr euch sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seid nicht cool. Seid uncool!<br \/>\nWer wie ich in den 80ern Teenager gewesen, der mag sich erinnern:<br \/>\nDamals musste man immer cool bleiben. Immer.<br \/>\nUnd auch wenn man den gr\u00f6\u00dften Erfolg hatte, eine eins in Mathe oder so,<br \/>\ndann tat man gelangweilt und g\u00e4hnte und sagte nur: Ach so?<br \/>\nDenn lautes Jubeln galt \u2013 ebenso wie \u00f6ffentliches Weinen \u2013 als uncool und war streng verboten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr ein Bl\u00f6dsinn!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn es etwas zu Freuen gibt, dann freut euch. Sagt Paulus.<br \/>\nUnd wenn es etwas zu Weinen gibt, dann weint.<br \/>\nGeteiltes Leid ist halbes Leid sagt man<br \/>\nund geteilte Freude ist doppelte Freude. Also dann: Fangt an!<br \/>\nDas ist Liebe \u2013 dass man f\u00fcr einander da ist<br \/>\nin guten wie in schlechten Zeiten \u2013<br \/>\nund auch in all den anderen dazwischen.<br \/>\nNicht nur, wenn was ist, sondern auch, wenn nichts ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es sind nicht immer nur die gro\u00dfen Dinge, im Gegenteil,<br \/>\nes sind die kleinen Dinge, die wichtig sind.<br \/>\nDie kleinen, die geringen, die schwachen Dinge \u2013 und Menschen,<br \/>\ndenn ihnen gilt sein Herz. Haltet euch zu denen.<br \/>\nHalte dich nicht selbst f\u00fcr klug. Und nimm dich nicht so wichtig.<br \/>\nSelbstgerechtigkeit und Liebe passen nicht zusammen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seid nicht gro\u00dfspurig. Aber auch nicht kleinm\u00fctig.<br \/>\nSagt nicht aus falscher Bescheidenheit \u2013<br \/>\noder aus echt gef\u00fchlter Minderwertigkeit:<br \/>\nIch bin zu klein. Ich kann das nicht.<br \/>\nIch bin zu alt, zu doof.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Keiner ist zu klein. Keiner ist zu alt oder zu doof \u2013 f\u00fcr die Liebe.<br \/>\nSie macht Bettler zu K\u00f6nigen. Und K\u00f6nige zu Bettlern.<br \/>\nSie w\u00e4rmt die Erfrierenden und hebt die Elenden empor,<br \/>\nerrettet, die zu ertrinken drohen. In Einsamkeit.<br \/>\nSagt nicht, du gen\u00fcgtest nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eManchmal gen\u00fcgt ein kleines Licht,<br \/>\nund ich sehe die Sonne zur Mitternacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal gen\u00fcgt ein Regentropfen,<br \/>\nund ich sch\u00f6pfe Wasser aus loderndem Feuer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal gen\u00fcgt eine Tr\u00e4ne,<br \/>\nund das Meer flie\u00dft \u00fcber.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal gen\u00fcgt ein Wort,<br \/>\nund Mauern weichen zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal gen\u00fcgt das Schweigen,<br \/>\nund ich h\u00f6re die Stimme meines Herzens<br \/>\ndeutlich wie die eines Bruders.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal gen\u00fcgt eine Blume,<br \/>\nund ich begreife den Himmel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal gen\u00fcgt ein Augenblick, und ich wei\u00df,<br \/>\nda\u00df ich nicht f\u00fcr den Tod geschaffen bin.\u201c (Wolfgang Poeplau)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe ist nicht nur ein Wort (EG 665)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo Menschen sich vergessen (HuE 2)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gott lieben werden sein wie die Sonne (HuE 223)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wollen aufstehn, aufeinander zugehn (HuE 313)<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:udo.schmitt@ekir.de\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seid uncool! | 2. 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