{"id":2073,"date":"2020-03-06T08:21:11","date_gmt":"2020-03-06T07:21:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2073"},"modified":"2020-03-06T08:21:47","modified_gmt":"2020-03-06T07:21:47","slug":"bedraengnis-geduld-hoffnung-im-licht-der-gnade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/bedraengnis-geduld-hoffnung-im-licht-der-gnade\/","title":{"rendered":"Bedr\u00e4ngnis &#8211; Geduld&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Bedr\u00e4ngnis &#8211; Geduld &#8211; Hoffnung im Licht der Gnade | Predigt \u00fcber R\u00f6mer 5,1-5, verfasst von Johannes L\u00e4hnemann |<\/strong><\/h3>\n<p>1\u00a0Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. 2\u00a0Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und r\u00fchmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. 3\u00a0Nicht allein aber das, sondern wir r\u00fchmen uns auch der Bedr\u00e4ngnisse, weil wir wissen, dass Bedr\u00e4ngnis Geduld bringt, 4\u00a0Geduld aber Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung aber Hoffnung, 5\u00a0Hoffnung aber l\u00e4sst nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Beim H\u00f6ren merken wie sofort: Dies ist kein allt\u00e4glicher Text. Hier hat jeder Satz Gewicht: Von \u201eGlauben\u201c ist die Rede, vom \u201eFrieden mit Gott\u201c, von der \u201eGnade\u201c, von \u201eHoffnung\u201c, aber auch von \u201eBedr\u00e4ngnis\u201c und schlie\u00dflich von der \u201eLiebe Gottes\u201c und vom \u201eHeiligen Geist\u201c.\u00a0 In dem gro\u00dfen, inhaltlich so gewichtigen R\u00f6merbrief des Paulus ist dies einer der zentralen Abschnitte. Hier laufen die Gedanken des Paulus wie in einem Spektrum zusammen. Der Neutestamentler Ulrich Wilckens hat in seinem Kommentar zum R\u00f6merbrief diesen Text ein \u201ekleines Kompendium christlichen Lebens\u201c genannt (U.Wilckens: Der Brief an die R\u00f6mer, Teilband 1. Z\u00fcrich 1978, S. 300). Und das nicht zu Unrecht. Gleich der erste Vers enth\u00e4lt das Ergebnis dessen, was Paulus in den vorausgegangenen Kapiteln dargelegt hat: \u201eNun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus\u201c.<\/p>\n<p>In diesen Worten ist das ganze christliche Verst\u00e4ndnis von der Rechtfertigung eingeschlossen, dass wir n\u00e4mlich vor Gott stehen d\u00fcrfen und von ihm angenommen sind, ohne uns vor ihm durch unsere guten Werke und unsere Leistungen rechtfertigen zu m\u00fcssen. Hier finden wir die Erkenntnis zusammengefasst, die Martin Luther zur Reformation getrieben hat. Gesagt ist mit diesen Worten: Das, was die Menschen seit Urzeiten versucht haben und versuchen &#8211; n\u00e4mlich Gott oder das G\u00f6ttliche oder auch \u201eden Sinn des Lebens\u201c zu finden, ihm auf die Spur zu kommen, ihm das Leben zu weihen &#8211; das muss nicht mehr gesucht werden; es ist da, es ist im Glauben gegenw\u00e4rtig &#8211; geschenkt, umsonst, ohne alle menschlichen Vorleistungen -, und zwar durch Jesus Christus.<\/p>\n<p>Das ist die Gnade, die dem Wirken des Paulus die entscheidende Triebkraft gegeben hat; in ihr hat er einen festen Stand; in ihr ist er der endg\u00fcltigen, zuk\u00fcnftigen Herrlichkeit gewiss, die Gott schenken will. Und so ist sein ganzes Leben ein Widerschein dieser Gewissheit, dieser Hoffnung, dieser Erwartung. Deswegen der lobpreisartige Charakter dieser Verse, der einl\u00e4dt, mit einzustimmen in das R\u00fchmen des Paulus.<\/p>\n<p>Und doch: Hier halte ich ein. &#8211; Wo erfahre ich denn in meiner Umgebung, dass diese Hoffnung, diese Gewissheit des Paulus eine Wirklichkeit ist? Greifen nicht an vielen Stellen zerst\u00f6rte Hoffnungen, in Frage gestellte Gewissheiten nach unserem Leben &#8211; bei uns pers\u00f6nlich, aber auch im Zusammenleben in unserer Gesellschaft, in einer Zukunftsangst, die an vielen Stellen gesch\u00fcrt wird? &#8211; Noch deutlicher wird mir diese Frage, wenn ich im Lesen des Paulustextes fortfahre. Da hei\u00dft es (etwas frei wiedergegeben): Wir r\u00fchmen uns nicht nur der Hoffnung auf die zuk\u00fcnftige Herrlichkeit, sondern auch der Bedr\u00e4ngnisse.<\/p>\n<p>Bedr\u00e4ngnisse &#8211; wie kann man sich deren r\u00fchmen? Sind das nicht gerade die Erfahrungen, die der Hoffnung zuwiderlaufen? Genau hier nun setzt bei Paulus eine Gedankenkette ein, die mehr als merkw\u00fcrdig ist, eine Gedankenkette, die das scheinbar Unvereinbare &#8211; n\u00e4mlich Bedr\u00e4ngnisse und Hoffnung &#8211; zusammenbringt. Paulus schreibt: \u201e&#8230; wir r\u00fchmen uns auch der Bedr\u00e4ngnisse, weil wir wissen, dass Bedr\u00e4ngnis Geduld bringt, Geduld aber Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung aber Hoffnung; Hoffnung aber l\u00e4sst nicht zuschanden werden.\u201c<\/p>\n<p>Wir merken vielleicht: In dieser eigent\u00fcmlichen Gedankenkette, in dieser Argumentation, die von den Bedr\u00e4ngnissen zur Hoffnung f\u00fchrt, liegt die eigentliche Herausforderung unseres heutigen Predigttextes. Dieser Herausforderung m\u00f6chte ich mich jetzt einmal bewusst stellen, und zwar unter drei Fragen:<\/p>\n<p>1) Geduld &#8211; Bew\u00e4hrung &#8211; Hoffnung in allen Bedr\u00e4ngnissen: Wie passt das in unsere Zeit?<\/p>\n<p>2) Geduld &#8211; Bew\u00e4hrung &#8211; Hoffnung: Wie haben sie im Leben des Paulus Gestalt gewonnen?<\/p>\n<p>3) Geduld &#8211; Bew\u00e4hrung &#8211; Hoffnung: Inwiefern sind das Grundwerte f\u00fcr ein christliches Leben heute?<\/p>\n<ol>\n<li>Zun\u00e4chst zu der ersten Frage: Geduld &#8211; Bew\u00e4hrung &#8211; Hoffnung in allen Bedr\u00e4ngnissen &#8211; das scheinen merkw\u00fcrdig unmoderne Vokabeln zu sein. Man k\u00f6nnte ihnen direkte Gegenworte entgegenhalten, die zeigen, worauf heute viel eher Wert gelegt wird: \u201eSchnelligkeit\u201c statt Geduld &#8211; \u201eLeistung\u201c statt Bew\u00e4hrung &#8211; \u201eErfolg\u201c statt Hoffnung. Denken wir nur einmal an die strahlenden Gesichter, die uns von den Titelseiten der meisten Illustrierten entgegensehen. Sie spiegeln fast durchg\u00e4ngig diese Ideale: Schnelligkeit, Leistung, Erfolg. &#8211; Wann taucht hier schon einmal das gereifte Gesicht eines \u00e4lteren Menschen auf, wann die durcharbeiteten H\u00e4nde eines Familienvaters, der Tag f\u00fcr Tag f\u00fcr einen gro\u00dfen Familienkreis schaffen muss, wann die Gestalt einer Behinderten, wenn sie nicht auch irgendwelche besonderen Leistungen vollbracht hat? &#8211; Es wird der Mensch in den Mittelpunkt ger\u00fcckt, der gesund ist, der in der Mitte des Lebens steht, der voll leistungsf\u00e4hig ist &#8211; und wir alle sind mit diesem Ideal in irgendeiner Form verflochten. &#8211; Gleichzeitig aber werden die Schattenseiten dieses Ideals verdr\u00e4ngt: dass man st\u00e4ndig unter Leistungsdruck steht, dass die Zeit f\u00fcr die menschliche Begegnung zur\u00fccktreten muss, dass Krankheit und Leistungsausfall eigentlich nicht vorkommen d\u00fcrfen, &#8211; dass alles aufs Haben, aufs Besitzen dr\u00e4ngt, aber das wirkliche Leben &#8211; das Miteinander-Leben, das Teilen von Freude und Leid, auch die Freude an Natur und Sch\u00f6pfung &#8211; nur wenig Raum erh\u00e4lt. Dabei ist der ungehemmte Drang nach Selbstverwirklichung &#8211; mit Schnelligkeit, mit Leistung, mit Erfolg &#8211; letztlich nichts anderes als eine Form der Werkgerechtigkeit, die Paulus anprangert, nichts anderes als der Versuch des Menschen, sich sein Heil selbst zu schaffen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Und gelegentlich ahnen wir etwas von dem tiefgr\u00fcndigen Verh\u00e4ngnis, von der S\u00fcnde,\u00a0 die diese Lebensform mit sich bringt: dass die Natur, die Umwelt aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t und sich gegen den Menschen richtet, der sie zu beherrschen meint; dass an vielen Stellen die Strukturen einer Familiengemeinschaft, in der der Einzelne Orientierung und Halt findet, auseinanderbrechen; &#8211; dass das Gef\u00e4lle zwischen den Reichen und den Armen auf dieser Welt, zwischen denen, die in Sattheit leben k\u00f6nnen und denen, die st\u00e4ndig Hunger haben, gr\u00f6\u00dfer statt kleiner wird; dass das Leben und die Menschenw\u00fcrde von Fl\u00fcchtlingen manchen so wenig gelten, dass sie als St\u00f6renfriede eines guten Lebens hingestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Paulus &#8211; zu ihm wollen wir jetzt zur\u00fcckfragen &#8211; zeigt uns eine andere Lebensform, eine Lebensform, f\u00fcr die sein eigener Weg die beste Anschauung bietet. Diesem Weg wollen wir jetzt ein St\u00fcck weit nachgehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auch Paulus war als junger Mann von dem Ideal der Leistung ergriffen &#8211; und er war dazu in die h\u00e4rteste und erfolgreichste Schule des Judentums gegangen, in die der Pharis\u00e4er. Aller Eifer galt den Geboten des Gesetzes, aller Eifer galt dem Worte Gottes, aller Eifer galt dem Weg zum Heil. Aber dann ist er Jesus Christus begegnet, und sein ganzes Leben erhielt eine neue Richtung. Er erfuhr: Nicht ich brauche mein Heil zu suchen und zu schaffen. Es ist bereits f\u00fcr mich da. Es ist in die Welt gekommen in der Gestalt des Menschen, der die Liebe denen schenkte, die Gott von sich aus nichts vorweisen konnten, der gegen alle menschliche Selbstgerechtigkeit und Leistungssucht lebte. &#8211; Hier hat einer gelitten und ist den bittersten Tod gestorben &#8211; nicht f\u00fcr seine Fehler, sondern an der Seite aller Leidenden und f\u00fcr sie. &#8211; Diesen einen hat Gott dem Tode entrissen. Darum gibt es f\u00fcr die, die sich ihm anvertrauen, die Hoffnung auf ein neues, unverg\u00e4ngliches Leben.\u00a0 Das ist der neue Stand der Befreiung von den eigenen Versuchen, sich selbst durch gute Werke vor Gott als gerecht zu erweisen. &#8211; Das ist der neue Stand der Gnade. &#8211; Von ihm aus erhalten alle Dinge im Leben einen neuen, einen anderen Stellenwert. Paulus wird zu einem Werkzeug der Liebe Gottes: Er lebt und arbeitet nicht mehr daf\u00fcr, die Gnade zu erwerben; er lebt und arbeitet vielmehr von der Gnade her, die er empfangen hat.<\/p>\n<p>Was er dabei erreicht hat, k\u00f6nnte sich auch unter den modernen Schlagworten \u201eSchnelligkeit\u201c &#8211; \u201eLeistung\u201c &#8211; \u201eErfolg\u201c sehen lassen: Ganz Kleinasien hat er durchwandert, bei Hitze und K\u00e4lte, unter primitivsten Bedingungen. An allen entscheidenden Orten Griechenlands hat er missioniert und Gemeinden gegr\u00fcndet; auf m\u00fchsamstem Wege hat er Geld zusammengebracht f\u00fcr die armen Gemeindeglieder in Jerusalem.<\/p>\n<p>Paulus k\u00f6nnte sich seiner Leistungen r\u00fchmen, er k\u00f6nnte seine Erfolge herausstellen; aber eben das tut er nicht. Er will zeigen, dass Jesus Christus in ihm am Werk ist, nicht er selbst; dass seine Gnade ihn tr\u00e4gt, nicht aber seine eigene Vortrefflichkeit. Eben deswegen braucht er auch die schweren Seiten seines Lebens und seiner Arbeit nicht zu verdr\u00e4ngen.\u00a0 Und er hat gen\u00fcgend an Bedr\u00e4ngnissen erfahren, die ihn an seinem Auftrag h\u00e4tten verzweifeln lassen k\u00f6nnen: mehrfach in Gef\u00e4ngnissen, einmal beinahe gesteinigt; in st\u00e4ndigen Gefahren auf den Reisen bis hin zum Schiffbruch.<\/p>\n<p>Und doch sieht Paulus das alles im Lichte der Gnade, die er empfangen hat. Ja, er r\u00fchmt sich der Bedr\u00e4ngnisse, denn durch sie kann er mitempfinden mit den Verzagten, mit den Kranken, mit den in ihrer Seele Verletzten, mit all denen, denen die Liebe Gottes besonders gilt. Durch sie kann er denen ins Gewissen reden, die vor dem Leiden die Augen verschlie\u00dfen und den schw\u00e4cheren Bruder verachten. Durch sie lernt er selbst Geduld, Geduld mit sich und mit anderen, Geduld aber hei\u00dft auch: nicht auf die schnellen Erfolge, auf die Best\u00e4tigung der eigenen Leistung angewiesen zu sein. Geduld bewirkt Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung in Anfeindungen und in N\u00f6ten &#8211; in denen man nicht zu verzweifeln, nicht aufzugeben braucht. &#8211; Und so wird letztlich wieder die Hoffnung gen\u00e4hrt, die Hoffnung auf das Heil, auf die Erl\u00f6sung, die sich in Jesus gezeigt hat und die Gott am Ende f\u00fcr alle bereith\u00e4lt. Diese Hoffnung ist es, die nicht zu Schanden werden l\u00e4sst, weil sie weiter reicht als der Erfolg oder Misserfolg, den wir heute oder morgen erringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Wir merken: In dem Weg des Paulus ist manches vorgezeichnet, was auch f\u00fcr unseren Weg als Christen gelten kann. Die \u201eunmodernen\u201c Begriffe Geduld im Leiden, Bew\u00e4hrung, Hoffnung zeigen uns eine Lebensform, die unserem Leben Richtung, Gestalt geben kann, die aber nicht f\u00fcr uns allein, sondern f\u00fcr unsere Gesellschaft insgesamt als Gegenbild zu den verbreiteten Erfolgsidealen bitter n\u00f6tig w\u00e4re.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Von Martin Luther King stammt folgender Vergleich: Es gab einmal eine Zeit, da war das Christentum nicht wie ein Thermometer, das die verbreiteten Ideale und W\u00fcnsche der Gesellschaft spiegelte, nachmachte, &#8211; sondern wie ein Thermostat, der mit seinen Werten die Gesellschaft wandelte (M.L.King jr.: Letter from a Birmingham Jail, 16. April1963). \u201eGeduld\u201c, \u201eBew\u00e4hrung\u201c, \u201eHoffnung\u201c &#8211; das sind heute Worte f\u00fcr eine n\u00f6tige Wandlung.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen fragen: Aber was k\u00f6nnen wir den wandeln? Ist unser Verm\u00f6gen nicht viel zu begrenzt? Sind wir nicht viel zu sehr eingespannt in diese Gesellschaft, die auf die Werte \u201eSchnelligkeit\u201c &#8211; \u201eLeistung\u201c &#8211; \u201eErfolg\u201c fixiert ist? Wie wollen wir zurechtkommen, wie wollen wir \u00fcberleben, ohne hier mitzumachen?<\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen weiter fragen: Was k\u00f6nnen wir den wandeln in den gro\u00dfen N\u00f6ten, die wir sehen oder von denen wir wissen? Sind die Strukturen der Macht, die nur den eigenen Vorteil kennt und den auf Kosten Schw\u00e4cherer und Leidender durchsetzt, nicht \u00fcberm\u00e4chtig in dieser Welt?<\/p>\n<p>Hier hilft uns Paulus mit seiner eigenen R\u00fcckerinnerung an die Liebe Gottes, die uns gerade im Leiden, in der scheinbaren Ohnmacht Jesu begegnet. Dass der Weg durch die Ohnmacht hindurch, der Weg der Geduld im Leiden nicht mit dem Kreuz zu Ende war, sondern unter dem Licht des neuen Lebens von Ostern her steht, stellt uns an einen Ort, von dem aus wir t\u00e4glich neu nach Zeichen der Hoffnung Ausschau halten k\u00f6nnen, die uns nicht verzagen lassen:<\/p>\n<p>&#8211; dass es unter uns Menschen gibt, die eine schier unglaubliche Geduld zeigen, wenn es darum geht, einen Leidenden nicht zu verlassen, seiner Bedr\u00e4ngnis nicht auszuweichen;<\/p>\n<p>&#8211; dass es Gemeinden gibt, in denen alte und junge Menschen miteinander im Gespr\u00e4ch bleiben, auch wenn die Lebensstile und die Erfahrungen kaum noch vereinbar zu sein scheinen;<\/p>\n<p>&#8211; dass unsere Kirche sich nicht damit abfindet, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken und mit einem Rettungsschiff ein Zeichen setzt;<\/p>\n<p>&#8211; dass es Gruppen und Initiativen gibt, die f\u00fcr die W\u00fcrde derer, die als vermeintliche Fremde in unser Land gekommen sind oder kommen, eintreten und sie auf ihren oft so schwierigen Wegen begleiten, Gruppen und Initiativen, die \u00fcber alle Kultur- und Religionsunterschiede hinweg f\u00fcr eine tolerante und offene Gesellschaft demonstrieren und handeln und sich dem neu aufbl\u00fchenden Nationalismus entgegenstellen;<\/p>\n<p>&#8211; dass Menschen in der Nachfolge Jesu sich im Denken und Handeln nicht irre machen lassen an der Hoffnung auf eine Welt ohne Unterdr\u00fcckung und ohne Ausbeutung der guten Sch\u00f6pfung Gottes.<\/p>\n<p>Wir wollen uns heute einladen lassen zu der gro\u00dfen Hoffnung des Paulus. Wir wollen unseren Blick daf\u00fcr \u00f6ffnen lassen, wo wir im Licht dieser gro\u00dfen Hoffnung Schritte, seien es auch nur kleine Schritte, unternehmen k\u00f6nnen &#8211; Schritte der Geduld, der Bew\u00e4hrung mit den Menschen um uns, mit ihrem Leben und Leiden, Schritte der Achtsamkeit und Nachhaltigkeit mit den G\u00fctern der Erde &#8211; und dass damit an uns etwas erkennbar wird davon, dass unser Leben nicht mit dem steht und f\u00e4llt, war man uns \u00e4u\u00dferlich an Erfolg ablesen kann, sondern dass wir von einem gr\u00f6\u00dferen Ziel und einer gr\u00f6\u00dferen Liebe getragen sind.<\/p>\n<p><strong>Gebet<\/strong><\/p>\n<p>Gott, unser Vater, wir danken dir f\u00fcr das Geschenk deiner Liebe in Jesus Christus, die du durch den Heiligen Geist in unsere Herzen gie\u00dft. Sie gibt uns Halt und macht uns frei von aller Selbstgerechtigkeit.<\/p>\n<p>Lass uns in allen Bedr\u00e4ngnissen erf\u00fcllt bleiben von Hoffnung,<\/p>\n<p>dass wir Liebe weitergeben k\u00f6nnen und f\u00fcr Gerechtigkeit eintreten f\u00fcr alle, denen Unrecht geschieht,<\/p>\n<p>dass wir an Heilung mitwirken f\u00fcr alle Verletzten,<\/p>\n<p>dass wir verbinden, wo Hass und Streit ist,<\/p>\n<p>dass wir f\u00fcr Wahrheit und Aufrichtigkeit eintreten, wo Unwahrheit verbreitet wird und<\/p>\n<p>dass wir Aufmerksamkeit \u00fcben f\u00fcr alle belebte und unbelebte Kreatur.<\/p>\n<p>Prof. em. Dr. Johannes L\u00e4hnemann, Goslar, <a href=\"mailto:johannes@laehnemann.de\">johannes@laehnemann.de<\/a><\/p>\n<p>Johannes L\u00e4hnemann (geb. 1941) hatte von 1981-2007 den Lehrstuhl f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des Ev. Religionsunterrichts an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg inne. Er lebt im Ruhestand in Goslar. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Interreligi\u00f6ser Dialog, Interreligi\u00f6ses Lernen, Religionen und Friedenserziehung. Er ist Vorsitzender der N\u00fcrnberger Regionalgruppe der <em>Religionen f\u00fcr den Frieden<\/em>, Mitglied am Runden Tisch der Religionen in Deutschland und Chairman der <em>Peace Education Standing Commission<\/em> (PESC) der internationalen Bewegung <em>Religions for Peace <\/em>(RfP).\u00a0 Seine Autobiografie ist erschienen unter dem Titel \u201eLernen in der Begegnung. Ein Leben auf dem Weg zur Interreligiosit\u00e4t.\u201c G\u00f6ttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 2017.<\/p>\n<p>Die Predigt wird in der Neuwerkkirche Goslar gehalten &#8211; ehemalige Klosterkirche des im 12. Jahrhundert gegr\u00fcndeten Zisterzienserinnenklosters, eine romanische Basilika mit Gem\u00e4lden aus dem 13. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Liedempfehlungen: EG 243 (Lob Gott getrost mit Singen), 289 (Nun lob, mein Seel, den Herren), 622 Bayern\/Th\u00fcringen \/ 596 Niedersachsen (Ich m\u00f6chte Glauben haben), 628 Bayern\/Th\u00fcringen (Hoffnung, die dunkle Nacht erhellt\/Kanon)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bedr\u00e4ngnis &#8211; Geduld &#8211; Hoffnung im Licht der Gnade | Predigt \u00fcber R\u00f6mer 5,1-5, verfasst von Johannes L\u00e4hnemann | 1\u00a0Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. 2\u00a0Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2018,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,1,157,114,225,205,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-2073","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-roemer","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-johannes-laehnemann","category-kapitel-5-chapter-5-roemer","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2073","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2073"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2073\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2075,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2073\/revisions\/2075"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2018"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2073"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2073"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2073"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=2073"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=2073"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=2073"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=2073"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}