{"id":20748,"date":"2025-02-04T20:56:11","date_gmt":"2025-02-04T19:56:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20748"},"modified":"2025-02-04T20:56:11","modified_gmt":"2025-02-04T19:56:11","slug":"matthaeus-171-9-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-171-9-7\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 17,1\u20139"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Der gro\u00dfe Augenblick \u2013 und die Wirklichkeit des Alltags | Letzter Sonntag nach Epiphanias | 09.02.2025 | Matth\u00e4us 17,1\u20139 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Tode Raahauge |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist wohl der Natur der Sache nach von Mensch zu Mensch verschieden, unter welchen Umst\u00e4nden und auch in welcher Form es sich zeigt. Aber sicher ist es, dass es nie vorherzusehen ist, wann es wirklich geschieht. Es kann wie ein Blitz aus klarem Himmel kommen, und ich denke dabei nat\u00fcrlich an die v\u00f6llig einzigartigen Augenblicke im Leben, wo alles gleichsam zusammenkommt und wo man an keiner anderen Stelle sein will als eben dort, wo man nun einmal ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist einzigartig jedes Mal, und ich selbst bin damit gesegnet, eben einen dieser Augenblicke in meinem eigenen Garten erlebt zu haben. An einem der lauen Sommerabende, nach denen man sich zurzeit so leicht sehnen kann, wo man sp\u00fcrt, dass der Winter so langsam seinem Ende zugeht. An diesem Abend war die Sonne fast untergegangen; \u00fcberall an den Tischen sa\u00dfen meine Freunde, in Woll-T\u00fccher geh\u00fcllt; das Licht von den kleinen Lampen im ganzen Garten kam in der D\u00e4mmerung endlich zu seinem Recht, wir hatten gegessen, und die Gl\u00e4ser waren gef\u00fcllt, lebhafte Gespr\u00e4che, und alles war so, wie es sein sollte. Und ich erinnere mich, wie ich dieses mein Gl\u00fcck \u00fcberblickte und dachte, wie man dies in solchen Augenblicken tut, dass ich hier immer bleiben k\u00f6nnte, wenn es sein soll. Gerade hier war kein Grund, nach dem Sinn des Ganzen zu fragen, denn ich ahnte, dass ich mitten drin war \u2013 in dem, was als v\u00f6lliges Einssein erlebt wurde mit Gott, mit der Welt, mit meinen Mitmenschen und mit mir selbst. So als w\u00e4re das alles ein Traum, ein kleines Licht der Ewigkeit im Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie gesagt, es gibt wohl gro\u00dfe Unterschiede, unter welchen Umst\u00e4nden und Gestalten sich solche Augenblicke zeigen. Aber ich hoffe sehr, dass Ihr alle an Augenblicke in eurem Leben denken k\u00f6nnt, wo alles gleichsam zusammenpasste und genau so war, wie es sein soll \u2013 eben f\u00fcr euch. Und wenn ihr das k\u00f6nnt, dann kennt ihr wahrscheinlich auch die besondere Form von Wehmut, die sich auch dabei einfinden kann \u2013 vielleicht schon in derselben Sekunde. Die Wehmut n\u00e4mlich, die aus der Erkenntnis folgt, dass es nicht m\u00f6glich ist, den Augenblick f\u00fcr immer festzuhalten \u2013 weil wir im Innersten sehr wohl wissen, dass wir nicht in einer Traumwelt leben, sondern hier in der wirklichen Welt, wo die Zeit vergeht und wo das Gl\u00fcck wechselhaft ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich vermute, dass es auch diese Erfahrung war, die der gute Petrus schon gemacht hatte, er mit Jesus und den beiden Br\u00fcdern Jakob und Johannes auf den Berg stieg. Hier wird Jesus pl\u00f6tzlich vor ihren Augen verkl\u00e4rt: Sein Antlitz beginnt zu strahlen wie die Sonne, und Moses und Elia erscheinen und reden mit ihm wie Freunde an einem lauen Sommerabend. Und alles stimmt gleichsam zusammen, und der Sinn des Ganzen ist pl\u00f6tzlich sonnenklar: Dass Jesus wirklich der ist, von dem sie im Gesetz gelesen haben, und der, von dem die alten Propheten geweissagt haben. Es ist wie ein Traum, ein kleiner Strahl aus der Ewigkeit in der Zeit; und gerade hier schl\u00e4gt Petrus nun vor \u2013 wie in einem Protest gegen den Gang der Zeit und der Wechselhaftigkeit des Gl\u00fccks \u2013 ein Haus zu bauen f\u00fcr jeden von ihnen auf dem Berg, um den einzigartigen Augenblick f\u00fcr immer festzuhalten. Aber kaum hat er seinen Vorschlag gemacht, wird er von einer Stimme im Himmel unterbrochen, die ihnen verk\u00fcndet, dass Jesus der geliebte Sohn des Vaters ist und dass sie auf ihn h\u00f6ren sollen. Und sogleich ist die Traumvision verschwunden in den Nebeln der Wirklichkeit, und Jesus bleibt allein zur\u00fcck auf dem Berg mit den J\u00fcngern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hier muss man auf das achten, was Jesus ihnen sagt und was sie also infolge der Stimme aus dem Himmel beherzigen sollen. Erstens, dass sie aufstehen sollen und keine Furcht haben. Das ist an sich schon Evangelium genug f\u00fcr ein ganzes Leben, aber er sagt auch zu ihnen, und das ist genauso wichtig: Sie sollen niemandem erz\u00e4hlen, was sie oben auf dem Berg erlebt haben, ehe er von den Toten auferstanden ist. Und mit diesem Befehl ruft Jesus die J\u00fcnger zur\u00fcck in die wirkliche Welt, die ihre und unsere ist. Hierhin, wo die Zeit vergeht und das Gl\u00fcck immer wechselhaft ist. Und still begeben sie sich hinab vom Berg, und danach geht der Weg weiter nach Jerusalem, wo Jesus kurz darauf seinem Leiden und Sterben entgegengeht \u2013 nachdem eben dieser Petrus, der sonst gerade voller Glauben war, ihn dreimal verleugnet hat mit Fluchen und Schw\u00f6ren, wie es hei\u00dft, und gesagt hat: \u201eIch kenne den Menschen nicht!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist herzzerrei\u00dfend, wenn man dar\u00fcber nachdenkt in diesem Licht \u2013 oder vielleicht besser unter den Schatten. Selbstverst\u00e4ndlich sowohl weil das Gl\u00fcck sich f\u00fcr sie alle pl\u00f6tzlich und gewaltsam ver\u00e4nderte. Aber auch, und das ist fast das Schlimmste, weil das gleichsam bedeutet, dass Petrus nur Gott anerkennen konnte, solange alles sch\u00f6n und gut war. Aber jetzt, wo sich die Finsternis \u00fcber ihnen zusammengezogen hat, kann er weder Gott oder einen Sinn in dem Ganzen sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich denke, wir alle k\u00f6nnen uns in die Lage des Petrus versetzen, denn auch in unserem Leben kann sich ja die Finsternis pl\u00f6tzlich \u00fcber uns zusammenziehen. Und im Gegensatz zu den einzigartigen Augenblicken, wo alles zusammenstimmt und das Ganze wie ein Traum erfahren wird, k\u00f6nnen die Nebel der Wirklichkeit bewirken, dass es enorm schwer wird, Gott und den Sinn des Ganzen zu sehen. Und eben deshalb befahl Jesus den J\u00fcngern, dass sie niemandem etwas von dem erz\u00e4hlen sollten, was sie dort oben auf dem Berg gesehen hatten, ehe er von den Toten auferstanden war. Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass Gott gekommen ist, um uns von der Wirklichkeit zu erl\u00f6sen, oder dass es dort, wo Gott ist, immer hell und sch\u00f6n ist und kein Leiden oder Tod. Vielmehr ganz im Gegenteil: Hier, wo die Zeit vergeht und das Gl\u00fcck jederzeit wechseln kann und wo es deshalb Leiden und Tod gibt, hier ist Gott. Um gleichsam zu betonen: Auch Gott geh\u00f6rt nicht in eine Traumwelt, sondern er ist hier, in der wirklichen Welt, die die unsrige ist. Alles inklusive.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und so werden Jesu Leiden und Tod also die gro\u00dfe Er- und Verkl\u00e4rung dessen, wer er ist. N\u00e4mlich der geliebte Sohn des Vaters, der aus reiner Liebe darauf besteht, unsere ganze Wirklichkeit mit uns zu teilen. Und auf den wir h\u00f6ren sollen und auf diese Weise verstehen sollen: So wie sein eigener Weg zum Leben durch Leiden und Tod ging, so wird uns Gott auch zu unserer Erl\u00f6sung f\u00fchren. Zum Reich Gottes, zum endg\u00fcltigen Durchbruch der Ewigkeit, wo alles zusammenkommt und wo kein Nebel und keine Finsternis mehr den Sinn zerst\u00f6ren, den wir hier in Augenblicken erlebt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wenn wir dies h\u00f6ren, k\u00f6nnen wir vielleicht auch einen zarten Mut in der Tiefe unseres Herzens sp\u00fcren. Einen Mut zum Leben, aufzustehen und auf dem Weg fortzufahren, der uns gegeben ist. Ohne Furcht, weil die Ewigkeit schon jetzt f\u00fcr uns leuchtet am Horizont der Zeit, und weil Gott selbst uns verhei\u00dfen hat, den Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Im Namen Jesu. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Mikkel Tode Raahauge<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mitr(at) km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gro\u00dfe Augenblick \u2013 und die Wirklichkeit des Alltags | Letzter Sonntag nach Epiphanias | 09.02.2025 | Matth\u00e4us 17,1\u20139 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Tode Raahauge | Es ist wohl der Natur der Sache nach von Mensch zu Mensch verschieden, unter welchen Umst\u00e4nden und auch in welcher Form es sich zeigt. 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