{"id":20770,"date":"2025-02-10T19:36:59","date_gmt":"2025-02-10T18:36:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20770"},"modified":"2025-02-10T19:36:59","modified_gmt":"2025-02-10T18:36:59","slug":"leviticus-1933f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/leviticus-1933f\/","title":{"rendered":"Leviticus 19,33f."},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Fremde unter uns | Septuagesimae | Predigt zu 3. Mose 19, 33f | 16. Februar 2025 | Eberhard Busch |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wenn ein Fremdling bei dir wohnt in eurem Land, so\u00a0 sollt ihr ihn nicht bedr\u00fccken. Wie ein Einheimischer aus eurer eigenen Mitte soll euch der Fremdling gelten, der bei euch wohnt: du sollst ihn lieben wie dich selbst, seid ihr doch auch Fremdlinge gewesen im Lande \u00c4gypten; ich bin der Herr euer Gott. (Z\u00fcrcher Bibel)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei diesen Worten aus dem 3. Buch Mose steht uns wohl zun\u00e4chst der andere Spruch zuvorderst : \u201eDu sollst deinen <em>N\u00e4chsten<\/em> lieben wie dich selbst.\u201c Dabei denken so manche an \u201eunsere Lieben\u201c. An die, die uns ohnehin am Herzen liegen. Entweder an die, mit denen wir in einer nahen Beziehung leben, auch ohne dass man uns ausdr\u00fccklich dazu auffordern muss, sie wertzusch\u00e4tzen. Oder neuerdings legen einige den Finger darauf, dass es da doch hei\u00dft \u201ewie dich selbst\u201c. Also, sagt man, wir m\u00fcssten zuerst uns selbst lieben, um dann auch noch andere lieben zu k\u00f6nnen. Hand aufs Herz, kommen wir da jemals \u00fcber unsre Selbstliebe hinaus? Und wenn doch, ist nicht beide Male der Kreis der von uns Geliebten bedenklich klein. Und beidemal bestimmen <em>wir<\/em>, wer zu diesem Kreis geh\u00f6rt \u2013 <em>und<\/em> wer nicht, ob wir das\u00a0 zugestehen oder nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber jetzt wird un\u00fcbersehbar ein Querstrich durch diese Gedanken gezogen. Nicht irgendwer, nicht irgendein Querulant vollzieht ihn. Jetzt spricht zu uns der, der von sich sagt und sagen darf \u2013 im Unterschied zu allen Machthabern: \u201eIch bin der Herr, euer Gott\u201c. Mit dem Gewicht seiner Autorit\u00e4t werden wir jetzt angesprochen. Es ist der, der die Ma\u00dfst\u00e4be setzt f\u00fcr das, was gilt und was wir zu tun haben. Auf sein Gehei\u00df wird uns zugerufen: \u201eWenn ein Fremdling bei dir wohnt in eurem Land, so sollt ihr ihn nicht bedr\u00fccken<em>.\u201c <\/em>Auch nicht von ihm abr\u00fccken, auch nicht ihn wegdr\u00fccken. Bitte, <em>das<\/em> gebietet uns \u201eder Herr, unser Gott\u201c: liebe den <em>Fremden<\/em> \u201ewie dich selbst\u201c, nimm dich seiner an, achte ihn, sorge f\u00fcr ihn, lege keine besonderen Beschwernisse auf ihn! Wie ein fester Ring wird da eine Verbindung\u00a0 um den Fremdling und uns Einheimische gelegt. So, dass wir nicht denken, ja, nicht leben k\u00f6nnen, ohne ihn bei uns und um uns zu haben. Das wird uns bereits am Anfang unserer Heiligen Schrift mit auf unsren Lebensweg gegeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Beispiel daf\u00fcr ist uns letzthin vor Augen getreten. Wer hat es wohl bemerkt und beherzigt? Es geschah bei jener schrecklichen Mordtat dort im bayrischen Aschaffenburg. War der Misset\u00e4ter nicht ein geistig Verwirrter? Und erst noch ein Ausl\u00e4nder, der abgeschoben geh\u00f6rte?\u00a0 Zur\u00fcck in eines seiner Herkunftsl\u00e4nder, ob sicher oder nicht! So ist nachtr\u00e4glich, als es zu sp\u00e4t war, viel gefragt worden. Aber \u00fcbersehen wir dabei nicht dies: Ein schon etwas \u00e4lterer Deutscher\u00a0 stellte sich dem M\u00f6rder in den Weg. Er wollte die drohende Untat um alles verhindern. Er setzte sein Leben daf\u00fcr ein. Es ging um ein Zweij\u00e4hriges, ein Kind von Zugewanderten aus Marokko. Doch die Rettung misslang. Am Ende waren der Fremde und der Einheimische tot. Man sollte dem Mann ein Denkmal errichten. Unterstreicht dies nicht in bewegender Weise das, was das Predigtwort uns sagt? Uns, den Christen oder \u201eScheinchristen\u201c (Urban Priol) \u2013 n\u00e4mlich dies: \u201eWie ein Einheimischer aus eurer eigenen Mitte soll euch der Fremdling gelten, der bei euch wohnt: du sollst ihn lieben wie dich selbst.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und noch einmal: Du sollst ihn lieben wie dich selbst! Wie dich selbst! Nein, du wirst dabei gar nicht unter den Teppich gekehrt. Du bist dabei wichtig und einsatzt\u00fcchtig. Dir wird zugetraut wie zugemutet, mit dem Anderen in <em>einem<\/em> Boot zu sitzen. Darum geht es: nicht ohne ihn und nicht gegen zu leben. Ihm nicht aus dem Weg\u00a0 gehen. Ihn auch nicht herumkommandieren. Darum geht es: ihn wertzusch\u00e4tzen. Liebe deinen N\u00e4chsten, &#8211; der oder die wird wom\u00f6glich fremd sein, jemand, der dir nicht passt, der dir in die Quere kommt, der gar kein dir schon Befreundeter ist. Ach, das macht einen gar nicht an! Aber h\u00f6re gut zu und dr\u00fccke dich nicht drum herum. Das ist leichter, als du dir einbildest. Du musst ja gar nicht singen: \u201e<em>Alle<\/em> Menschen werden Br\u00fcder.\u201c Liebe deinen N\u00e4chsten, hei\u00dft, bei Licht besehen, die lieben, die der liebe Gott dir heute nahe-r\u00fcckt. Das wird oftmals eine \u00fcberraschende Erfahrung sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ren wir dazu, was zuletzt in unserem Predigttext gesagt wird: \u201eIhr seid doch auch Fremdlinge gewesen im Lande \u00c4gypten\u201c. Ihr habt deren Schicksal sogar am eigenen Leib erfahren. Israel k\u00f6nnte darum nur noch besser verstehen, was Fremdlingschaft bedeutet, Unterdr\u00fcckung, Ausgesto\u00dfensein von daheim. \u201eWie ein <em>Einheimischer<\/em>\u201c sollen euch die davon Betroffenen sein. Solches Dasein gibt es eben nicht erst neuerdings. Das gibt es seit alters, und gibt es immer wieder: dass Scharen von Menschen bedr\u00e4ngt werden und darum fliehen, darum an anderen Orten Zuflucht suchen, ein Dach \u00fcber dem Kopf.. Wir wissen es doch: so ging es auch bei der Geburt Jesu zu: \u201ees war kein Raum in der Herberge\u201c. Wie oft hat sich das in der Menschheitsgeschichte wiederholt! Es waren jeweils Andere, die man nicht haben wollte. Aber es war jedesmal das Gleiche, dass die Parole ausgegeben wurde: fort mit denen, die wir nicht haben wollen! Und man verbog das Recht so lange, bis es passte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs t\u00f6dlich bedrohte Juden in die Schweiz dr\u00e4ngten, schloss das Land seine Grenzen, und der daf\u00fcr verantwortliche Bundesrat Eduard von Steiger erkl\u00e4rte: \u201eDas Boot ist voll!\u201c Also, es versinkt und zieht alle mit in den Abgrund, wenn wir nicht so gut sind, vor den Fremden unsere T\u00fcr zu verschlie\u00dfen. Tats\u00e4chlich gab er deren Abweisung als eine <em>gute<\/em> Tat aus, auch wenn die Abgewiesenen den Tod fanden. \u00dcbrigens gab es Betuchte, die aufgenommen wurden. Nur die illegitim Eingedrungenen wurden ihrem b\u00f6sen Schicksal ausgesetzt. Jedoch gab es\u00a0 einen Pfarrer Walter L\u00fcthi, der dem Politiker \u00f6ffentlich widersprach. Er erkl\u00e4rte drastisch: Solange noch im Land hunderttausend Hunde durchgef\u00fcttert werden, wird doch gewiss Platz sein f\u00fcr Asylanten, die Aufnahme brauchen. Und er hat mit Hand angelegt f\u00fcr das politisch Verbotene, Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen, Das redet auch heute noch ebenso drastisch zu uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcgen wir hinzu, was Jesus \u00fcber Fremdlinge gesagt hat: \u201eWas ihr einem meiner geringsten Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan\u201c (Matth 25, 34) Anders k\u00f6nnen wir Jesus nicht haben als Hand in Hand mit seinen und unsren bedr\u00e4ngten Geschwistern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fremde unter uns | Septuagesimae | Predigt zu 3. Mose 19, 33f | 16. Februar 2025 | Eberhard Busch | Wenn ein Fremdling bei dir wohnt in eurem Land, so\u00a0 sollt ihr ihn nicht bedr\u00fccken. 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