{"id":20780,"date":"2025-02-16T18:58:56","date_gmt":"2025-02-16T17:58:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20780"},"modified":"2025-02-16T18:58:56","modified_gmt":"2025-02-16T17:58:56","slug":"apostelgeschichte-169-15-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-169-15-3\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 16,9\u201315"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Plan\u00e4nderung | Sexagesimae | 23.2.2025 | Apg 16,9\u201315 | Nadja Papis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich wollten Paulus und seine Begleitenden von Lystra nach Ephesos und von dort aus das Umland missionieren. Das geh\u00f6rte zur Strategie: Von einem Hauptsitz aus den neuen christlichen Glauben in die Umgebung tragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch es kam anders, schon vor unserem heutigen Predigttext: Sie wurden nach Norden ins galatische Land abgedr\u00e4ngt und zogen von dort aus nach Westen in die n\u00f6rdliche Provinz Asia. Sp\u00e4ter werden sie diese Plan\u00e4nderung als vom Heiligen Geist gewirkt interpretieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der weitere Plan war es wahrscheinlich, nordwestlich in die Provinz Bithynien weiterzuziehen zu den wichtigen St\u00e4dten am Bosporus. Doch erneut gab es einen Richtungswechsel. \u00abDer Geist Jesu liess sie nicht\u00bb, berichteten sie im Reisetagebuch. Sie gelangten nach Troas und dort setzt nun unser Text ein. Mit einer Plan\u00e4nderung. Paulus hat eine Erscheinung. Ein Mann aus Makedonien bittet ihn inst\u00e4ndig, zu ihnen zu kommen. Und so suchen sich die Reisenden wieder einen neuen Weg: den Weg nach Makedonien. Denn sie waren sich sicher: Gott hat sie berufen, den Menschen dort die Frohe Botschaft zu verk\u00fcnden. Was ihnen ja, wie wir geh\u00f6rt haben, auch gelang. In Philippi treffen sie am Fluss auf eine Gruppe Frauen, mit denen sie ins Gespr\u00e4ch kommen. Lydia, eine gl\u00e4ubige J\u00fcdin, h\u00f6rt der Verk\u00fcndigung mit von Gott ge\u00f6ffnetem Herz zu und l\u00e4sst sich als erste Christin in Europa taufen. Ihre ebenfalls getaufte Hausgemeinschaft bildet den Grundstock f\u00fcr die neue christliche Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum erz\u00e4hle ich Ihnen das eigentlich? Diese Routen und auch die Routen\u00e4nderungen sind ja jetzt nicht das Interessanteste, was die Bibel zu bieten hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Meine Neugier macht sich vielmehr an dieser Szene mit den Frauen am Fluss fest und an der Taufe der ersten Christin \u2013 einer Frau! \u2013 in Europa. Ich k\u00f6nnte doch jetzt einfach diese ersten Verse unseres Predigttextes \u00fcbergehen und mich auf das fokussieren. Zumal ich diesen Teil der Geschichte bestens kenne. Lydia, ja, mit ihr habe ich mich schon oft befasst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie bei jedem Bibeltext stellt sich mir die Frage: Wo kn\u00fcpfe ich an? Und wo k\u00f6nnen wir heute lebenden Menschen ankn\u00fcpfen? Denn nur da kann mir der Text auch etwas sagen. Ich entscheide mich heute nicht f\u00fcr meine Neugier und auch nicht f\u00fcr das, was mir bekannt ist, sondern schaue auf das andere, das, was einfach so schlicht dasteht und einfach \u00fcbergangen werden k\u00f6nnte. Vor und in unserem Predigttext.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kennen Sie das?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">K\u00fcrzlich auf dem Velo (Fahrrad): Ich fahre durchs Dorf, eine mir so bekannte Strecke, dass ich nicht so recht aufpasse. Und pl\u00f6tzlich steht da einer dieser orangen Pfeile: Umfahrung. Ich kann nicht dort durch, wo ich immer durchfahre. Mist. F\u00fcr die Umfahrung bin ich zu sp\u00e4t dran. Und ich habe auch gar keine Lust, ihr zu folgen. Ich mag es nicht, wenn meine Routine durchkreuzt wird. Was mache ich nun?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anderes Beispiel: Alles war so sch\u00f6n geplant \u2013 wir wollten in Irland vier Tage der K\u00fcste einer Halbinsel entlangwandern. Die Unterk\u00fcnfte, der Gep\u00e4cktransport, ja auch die Wegbeschreibungen waren organisiert, wir ausger\u00fcstet und voller Vorfreude. Am zweiten Tag verdeckt der Nebel alles, was es an toller Aussicht zu bestaunen gegeben h\u00e4tte. Gut, damit haben wir auch gerechnet, das ist f\u00fcr Irland ziemlich typisch. Nach dem ersten Drittel der zu absolvierenden Wanderstrecke setzt str\u00f6mender Regen ein. Wir packen die Pellerinen aus, aber nach einer weiteren Stunde sind wir komplett durchn\u00e4sst. Durchziehen oder aufgeben und den Bus nehmen? Was sollen wir machen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Plan\u00e4nderungen geh\u00f6ren zu unserem Leben. Nicht nur diese kleinen, auch die grossen. Viele Menschen ersch\u00fcttert es zutiefst, wenn das Leben existentielle Pl\u00e4ne durchkreuzt \u2013 verst\u00e4ndlich! Sei es die Gesundheit, die nicht mitspielt, oder der Verlust eines Menschen, der mitgedacht war. Oder eine unerwartete K\u00fcndigung oder sonst irgendein Schicksalsschlag. Und auf einmal sind alle Pl\u00e4ne dahin. Gek\u00fcbelt. Zerrissen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und jetzt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich gebe es zu: Ich bin mit meinem Velo verbotenerweise durch die Baustelle gefahren. Kein gutes Vorbild, aber ich wollte mir meinen Plan einfach nicht nehmen lassen. Und habe riskiert. Und f\u00fchlte mich ziemlich schuldig dabei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei der Wanderung im str\u00f6menden Regen haben wir anders entschieden: Wir gaben auf, nahmen den n\u00e4chsten Bus ins Hotel und w\u00e4rmten uns dort auf. Aus der m\u00fchsamen Plan\u00e4nderung ergab sich ein wundervoll gem\u00fctlicher Nachmittag mit einer lustigen Jassrunde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was aber, wenn die Entscheidung nicht so leichtf\u00e4llt? Oder die Konsequenzen aus der Plan\u00e4nderung zu nichts Positivem f\u00fchren?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus und seine Begleiter haben von ihren Plan\u00e4nderungen erz\u00e4hlt. Und diese Erz\u00e4hlungen wurden \u00fcberliefert. Weil wir Menschen daran ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen. Ja, wir kennen das mit den Plan\u00e4nderungen. Und der Reisebericht der paulinischen Gruppe ermutigt uns, inmitten von Plan\u00e4nderungen zu vertrauen und zu glauben. Die erzwungenen Richtungswechsel der Missionsreise wurden von der Gruppe als von Gott oder dem Geist gegeben angeschaut. Sie h\u00e4tten auch einfach sagen k\u00f6nnen: Pech gehabt! Oder: Alles Zufall im Leben. Oder: Mist, das lass ich mir nicht bieten! Und vielleicht haben sie all das ja im ersten Moment auch gedacht oder gesagt. Aber dann haben sie die Plan\u00e4nderungen als g\u00f6ttliches Wirken gedeutet \u2013 mit dem H\u00f6hepunkt der Erscheinung dieses Mannes aus Makedonien, die sie schliesslich nach Europa f\u00fchrt und zum Erfolg: Eine erste christliche Gemeinde in Philippi entsteht. Kein Wunder erscheinen die Plan\u00e4nderungen in der R\u00fcckschau von Gott gewirkt. Es musste so kommen\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es musste so kommen. Immer wieder h\u00f6re ich das in der Seelsorge von Menschen, die eine existentielle Plan\u00e4nderung in ihrem Leben zu verarbeiten hatten. Wir k\u00f6nnen also auch an diese Erfahrung der paulinischen Gruppe ankn\u00fcpfen: So manche Plan\u00e4nderung k\u00f6nnen wir im Zur\u00fcckblicken in unseren Lebensplan integrieren. Wenn ich zur\u00fcckblicke, macht es Sinn, dass ich diesen Beruf aus\u00fcbe und nicht den, welchen ich urspr\u00fcnglich wollte. Im Nachhinein kann ich die Krankheitszeit als eine wichtige Entwicklungszeit f\u00fcr mich deuten. Und wer weiss, vielleicht war auch der gem\u00fctliche Nachmittag im Hotel auf der mehrt\u00e4tigen Wanderung genau richtig f\u00fcr unsere Kr\u00e4fte und unsere Verbundenheit. Mir sind dabei zwei Dinge wichtig: Nur die Person, welche ersch\u00fcttert wird, kann die Ersch\u00fctterung deuten. Niemand anders. Zu oft werden Menschen in ihrer Not zus\u00e4tzlich durch \u00fcbergest\u00fclpte Deutungsversuche anderer verletzt. Und: Eine m\u00f6gliche Deutung kommt immer erst im Nachhinein. Wenn ich mitten in der Ersch\u00fctterung stecke, habe ich genug mit dem \u00dcberleben zu tun. Das Deuten geh\u00f6rt zur Verarbeitung des Erlebten, nicht zum Erleben selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kleine Plan\u00e4nderungen sind \u00e4rgerlich oder auch schmerzhaft, die grossen, existentiellen ersch\u00fcttern unser Vertrauen ins Leben und manchmal auch unseren Glauben. Sie stellen in Frage, was sicher schien und fordern uns heraus aufzubrechen. Das kostet sehr viel Kraft. Mit dem Reisebericht \u00fcber die scheinbar etwas langweiligen Richtungswechsel ermutigen uns Paulus und seine Begleitpersonen dazu zu vertrauen und den Glauben als Quelle f\u00fcr die n\u00f6tige Kraft zu sehen. Was auch immer dieser Richtungswechsel f\u00fcr Folgen hat, das G\u00f6ttliche ist mit dir. Und wer weiss, vielleicht kannst du irgendwann zur\u00fcckschauen und erkennen, wie wichtig diese Zeit war. So w\u00fcnsche ich uns allen das grenzenlose Vertrauen der Worte in V10: Wir suchten nach einem m\u00f6glichen Weg, denn wir waren sicher, Gott hat uns berufen&#8230;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfrn. Nadja Papis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Langnau am Albis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:nadja.papis@refsihltal.ch\">nadja.papis@refsihltal.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nadja Papis, geb. 1975, Pfarrerin in der ev.-reformierten Landeskirche des Kantons Z\u00fcrich\/Schweiz. Seit 2003 t\u00e4tig im Gemeindepfarramt der Kirchgemeinde Sihltal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plan\u00e4nderung | Sexagesimae | 23.2.2025 | Apg 16,9\u201315 | Nadja Papis | Eigentlich\u2026 Eigentlich wollten Paulus und seine Begleitenden von Lystra nach Ephesos und von dort aus das Umland missionieren. 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