{"id":20794,"date":"2025-02-16T18:50:21","date_gmt":"2025-02-16T17:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20794"},"modified":"2025-02-20T12:16:17","modified_gmt":"2025-02-20T11:16:17","slug":"markus-41-20-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-41-20-8\/","title":{"rendered":"Markus 4,1\u201320"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Das Gleichnis vom S\u00e4mann | Sexagesimae | 23.02.2025 | Mk 4,1\u201320 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva Holmegaard Larsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Kontrast zu all der Unruhe, die uns umgibt, begegnet uns an diesem Morgen ein sehr ruhiges Bild. Ein Feld, ein Fr\u00fchjahrstag, hohe Sonne und Hoffnung in der Luft. Hier ist der Bauer, er geht \u00fcber das Feld. Der Sack mit Samenk\u00f6rnern liegt \u00fcber seiner linken H\u00fcfte, w\u00e4hrend die rechte Hand mit ruhigen rhythmischen Bewegungen in den Sack hineingreift nach einer Handvoll Korn \u2013 dann \u00f6ffnet er seine Hand und wirft das Korn \u00fcber das Feld. Das tut er immer wieder, vor und zur\u00fcck \u00fcber das Feld. Geduldig, ausdauernd und stark.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seht es vor euch! So fr\u00fch unter dem Fr\u00fchjahrshimmel, das wei\u00dfe Licht und die braune Erde, vor dem Zeitalter der Saatmaschine, als ein altes Gem\u00e4lde vor dem inneren Auge. Es ist die Hand, die arbeitet. Die Hand \u00f6ffnet sich und streut das Korn hinaus in gro\u00dfen Bewegungen \u2013 wie eine Hand, die sich zum Segen erhebt. Und das Korn wird verstreut, und einiges f\u00e4llt auf den Weg, einiges auf Felsengrund, einiges unter Disteln, aber dann ist da auch etwas, was auf guten Boden f\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, dass es darum geht, dass wir der ruhigen und geduldigen Arbeit des Bauern folgen sollen, seinem Blick folgen sollen, wenn er ihn von den klaren Linien der Pflugfurchen hebt und seinen Samen gro\u00dfz\u00fcgig nach rechts und links ausstreut, ohne sich darum zu k\u00fcmmern, ob oder wo sie ankommen. Wie der gro\u00dfz\u00fcgige Gott, der Sonne und Regen auf B\u00f6se und Gute niedergehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber der Bauer zeigt auch einen Weg f\u00fcr uns, denen es so schwerfallen kann, den Blick von unseren eigenen Furchen weg zu wenden und den Glauben an die \u00fcberraschende Wende unserer eigenen Geschichte zu finden. Das Leben folgt nicht den geraden Linien einer Furche, das tun wir auch nicht, und Glaube ist, mit der Hoffnung zu leben, dass unter Distelgem\u00fctern und steinernen Herzen etwas Gutes erw\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist viel Glaube, Hoffnung und Liebe in der Erz\u00e4hlung. Die Zukunft wird nicht als d\u00fcsteres Inferno und als Untergang dargestellt, sondern im Bild eines neuen Lebens, das seinen Weg findet, heraus aus den Ruinen einer zerbombten Stadt, w\u00e4hrend gr\u00fcne Triebe die Schrecken des Schlachtfeldes bedecken. Leben entsteht immer, und Leben wird weiter entstehen, denn der Gott des Lebens lebt und ist in uns \u2013 in uns ist so viel Gutes gepflanzt, und das wird weiterwachsen und die Hoffnung am Leben halten. Menschen in der ganzen Welt stehen jeden Morgen auf und tun, was sie sollen, tun das Beste, was sie k\u00f6nnen \u2013 viele leben in schrecklichen Verh\u00e4ltnissen, aber sie halten dennoch das Leben hoch und versuchen, einen Alltag zu schaffen. Da ist da drau\u00dfen so viel Alltags-Mut, der die Umgebungen segnet mit kleinen Strahlen von Licht und Freude.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo gehen wir hin? Was geschieht mit unserer Weltordnung? Sind wir uns noch immer einig in dem Versuch, das Klima zu retten? Halten wir zusammen, oder wachsen der Hass und die Gegens\u00e4tze? Sehen wir in diesen Jahren, wie verletzlich die menschliche Gemeinschaft ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lasst uns als christliche Menschen daran festhalten: Barmherzigkeit und F\u00fcrsorge und gegenseitiger Respekt sind das, was uns zu Menschen macht. Das ist nicht unfassbarer Reichtum oder prahlende St\u00e4rke. Es ist die Mitmenschlichkeit, die den Alltag f\u00fcr die allermeisten Menschen lebenswert macht. Das ist es, was Hoffnung pflanzt und uns Mut gibt, und dazu sind wir da.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In allen Erz\u00e4hlungen Jesu liegt eine \u00fcberraschende Pointe. Er nimmt etwas aus dem Alltag wie einen Bauern, der sein Feld s\u00e4ht. Das ist ganz \u00fcblich \u2013 aber dennoch nicht. Da ist etwas, was uns herausfordert \u2013 in der Erz\u00e4hlung vom verlorenen Sohn ist da ein Vater, der auf seinen j\u00fcngsten Sohn zornig sein sollte, aber stattdessen nimmt er ihn liebend und vergebend wieder an. Und hier ist ein Bauer, der seine Furchen in der guten Erde auf dem Felde eins\u00e4en sollte, der aber das Korn gro\u00dfz\u00fcgig auf Felsengrund und unter Disteln verstreut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier sollen wir etwas sehen. Denn manchmal leben wir so, dass wir nichts sehen und begreifen. Hier aber sollen wir die \u00fcberraschende Wende beachten, die unsere eigenen Erfahrungen und Meinungen von dem herausfordert, was gilt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier aber liegt die ganze Pointe. Dass wir uns mitten zwischen dem befinden sollen, was wir selbst f\u00fcr richtig halten, und dann dem, was uns verwundert und \u00fcberrascht. Denn hier geschieht etwas Wesentliches.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie in der Taufe und beim Abendmahl. Das Wasser ist in der Taufe mehr als Wasser, und das Brot und der Wein sind im Abendmahl mehr als Brot und Wein. Und das Mehr, das da ist \u2013 das ist das, was unsere Augen \u00f6ffnet und unseren Blick neu ausrichtet. Und vielleicht ist eben dies Glaube. Dass man den Blick neu ausrichtet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir finden, dass der Bauer hier unkonzentriert und sorglos wirkt, und wir denken, dass er Pleite geht, wenn er so weitermacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und warum tut er das? Was kann wichtiger sein als eine gute Ernte? Das ist das \u00dcberraschende. Und hier sollen wir einhalten und den Blick sch\u00e4rfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dies gilt auch f\u00fcr eine andere Erz\u00e4hlung Jesu, wo ein Weinbergbesitzer \u2013 oder ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, w\u00fcrden wir heute sagen \u2013 allen seinen Angestellten genau denselben Lohn gibt, obwohl sie nicht gleich viele Stunden gearbeitet haben. Da sind einige in Vollzeit, andere in Halbzeit und viertel Zeit. Aber alle erhalten denselben Lohn, als der Tag vorbei ist, genau denselben Tageslohn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo der Bauer nur unklug wirkt, so ist dieser Weinbergbesitzer ja direkt unangemessen und ungerecht in seinem Verhalten. Aber hier muss man den Blick ausweiten. Die Geschichte wird von Jesus erz\u00e4hlt \u2013 und er will unsere Augen daf\u00fcr \u00f6ffnen, dass hier ein anderes Gesetz gilt \u2013 das Gesetz Gottes. Wie es bei Propheten Jesaja hei\u00dft: Eure Pl\u00e4ne sind nicht meine Pl\u00e4ne, und eure Wege sind nicht meine Wege \u2013 sagt Gott der Herr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott entlohnt nicht, wie wir gewohnt sind, entlohnt zu werden. Gott belohnt nicht nach Verdienst, sondern l\u00e4sst den Regen fallen und die Sonne scheinen \u00fcber B\u00f6se wie Gute. Auch wenn wir uns aus Scham und Schuld und Reue verkriechen, \u00f6ffnet Gott seine milde Hand und l\u00e4sst die Sonne aufgehen \u00fcber meinem Leben und gibt mir noch einen Tag. Noch eine M\u00f6glichkeit zu danken und zu lieben und wieder gutzumachen, was ich zerst\u00f6rt habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und Gott s\u00e4ht nicht sein Feld wie ein gew\u00f6hnlicher Bauer, der den guten Boden vorher ausw\u00e4hlt. Gott geht das Wagnis ein, dass er vielleicht vergeblich s\u00e4ht und die gute Saat auf trockenen, steinigen B\u00f6den verschwendet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn uns aber die Augen ge\u00f6ffnet werden, k\u00f6nnen wir vielleicht gut den Sinn darin sehen, dass der trockene, steinige Boden doch eine neue Chance braucht \u2013 dass vielleicht nur ein einzelnes kleines Korn Wurzeln schlagen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb liebt Gott gro\u00dfz\u00fcgig, ma\u00dflos und nachsichtig. Nicht weil es gleichg\u00fcltig ist, was wir tun und wie wir leben. Es ist nicht gleichg\u00fcltig, ob wir die fruchtbaren \u00c4cker Gottes zu Schlachtfeldern machen und unsere Herzen hart wie Steine. Aber die Gnade Gottes ist verschwenderisch und gro\u00dfz\u00fcgig, weil es dann geschehen kann, dass sie genau dort ankommt, wo es am allermeisten gebraucht wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Keim daf\u00fcr, dass etwas Sch\u00f6nes und Gutes wachsen kann, ist gepflanzt. In uns und im Leben. Und das Wort Gottes kommt zu uns, um die Keime der Liebe zu bew\u00e4ssern. Wie ein Bauer mit gro\u00dfen Armbewegungen sandte er seinen eigenen Sohn, und mit ihm gab es keine engen Grenzen. Er lebte mit gro\u00dfen Armbewegungen der Liebe, und christlicher Glaube besteht darin, dieser Spur zu folgen und fest daran zu glauben, dass das Beste im Schlimmsten wachsen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darin besteht die Vergebung der S\u00fcnden: Dass wir Menschen vor Gott mehr sind als hoffnungsloser Felsengrund. Wir sind mit all unserer Trockenheit und H\u00e4rte stets Grund f\u00fcr das Wachsen und den Willen und die Liebe des Wortes Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selbst aus dem kleinsten Korn kann ein gro\u00dfer Baum werden. Selbst die hoffnungslosesten Schicksale k\u00f6nnen sich zu etwas Gutem wenden. Selbst die hoffnungslosesten Situationen k\u00f6nnen sich mit Gottes Kraft zu einem neuen Tag wenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist nicht etwas, was fertig erz\u00e4hlt ist, ehe Gott das letzte Wort gesprochen hat. Gottesglaube ist, an die unerwartete Wende der Geschichte zu glauben, dass es schlie\u00dflich so geht, wie Gott in seiner G\u00fcte will. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Eva Holmegaard Larsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00f8debovej 24, N\u00f8debo, DK-3480 Fredensborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: ehl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gleichnis vom S\u00e4mann | Sexagesimae | 23.02.2025 | Mk 4,1\u201320 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva Holmegaard Larsen | Als Kontrast zu all der Unruhe, die uns umgibt, begegnet uns an diesem Morgen ein sehr ruhiges Bild. Ein Feld, ein Fr\u00fchjahrstag, hohe Sonne und Hoffnung in der Luft. 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