{"id":20811,"date":"2025-02-25T13:03:06","date_gmt":"2025-02-25T12:03:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20811"},"modified":"2025-02-25T13:03:06","modified_gmt":"2025-02-25T12:03:06","slug":"lukas-1038-43","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1038-43\/","title":{"rendered":"Lukas 10,38-43"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Estomihi | 02.03.25 | Lk 10,38-43 | Es gut sein lassen | verfasst von Pfarrerin Suse G\u00fcnther Mimbach-Webenheim-B\u00f6ckweiler |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt f\u00fcr den Sonntag Estomihi; <\/strong><strong>Lk 10,38-42\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als sie aber weiterzogen, kamen sie in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Sie hatte eine Schwester, die hie\u00df Maria. Die setzte sich Jesus zu F\u00fc\u00dfen und h\u00f6rte ihm zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat zu Jesus und sprach: \u201eHerr, fragst Du nicht danach, dass mich meine Schwester allein dienen l\u00e4sst? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: \u201eMarta, Marta, Du hast viel Sorge und M\u00fche. Eins aber ist n\u00f6tig: Maria hat das gute Teil erw\u00e4hlt. Das soll nicht von ihr genommen werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schon wieder. Sie hat es schon wieder getan. Wer? Unsere Bibel. Was hat sie getan? Sie hat schon wieder uns ein Beispiel vor Augen gef\u00fchrt, das wirklich jeder und jede von uns aus dem eigenen Erleben kennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn wer w\u00fcsste das nicht: Die Rivalit\u00e4ten zwischen Geschwistern zerm\u00fcrben. Zugegeben: in der heutigen Zeit gibt es viele, die keine Geschwister haben, sondern Einzelkinder sind. Die aber messen sich dann an Freunden und Freundinnen, Cousins und Cousinen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man kann sich noch so sehr anstrengen und sich selbst sagen: \u201eda stehe ich dr\u00fcber\u201c- man bleibt trotzdem nicht unber\u00fchrt von dem fragw\u00fcrdigen Gef\u00fchl, das sich einstellt, wenn man den Eindruck hat, andere w\u00fcrden g\u00fcnstiger beurteilt als man selbst. Umso mehr, wenn es um den Eindruck geht, den man bei Jesus macht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wieder also eine Erz\u00e4hlung so mitten aus dem Leben heraus. Eigentlich. Dann doch wieder nicht. Denn in der Zeit Jesu war es absolut un\u00fcblich, dass solche Geschichten mitten aus dem Leben heraus von Frauen handelten. Frauen, die auch noch namentlich benannt waren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich will Ihnen an dieser Stelle von einer anderen Frau erz\u00e4hlen. Auch die ist namentlich benannt. Elisabeth. Elisabeth M\u00fcller. 1932 in Pirmasens als einzige Tochter eines Metzgermeisters geboren. Tochter eines Metzgers zu sein, war in den 30er und 40 Jahren so etwas wie ein Sechser im Lotto. Trotzdem wurde Elisabeth nicht auf eine Haushaltungsschule geschickt, was sie optimal vorbereitet h\u00e4tte auf die Ehe mit einem gestandenen Metzgersgesellen. Nein, sie durfte das humanistische Gymnasium besuchen, Latein und Griechisch lernen. Nach dem Abitur studierte sie Theologie, unter anderem in Basel bei Karl Barth. Ende der 50er Jahre wurde sie ordiniert als erste Pfarrerin der Pf\u00e4lzischen Landeskirche in einer Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sp\u00e4ter hat sie eine andere Laufbahn eingeschlagen, hat geheiratet, drei Kinder gro\u00dfgezogen und ihren Mann unterst\u00fctzt. Damit war dann in dieser Zeit ihre T\u00e4tigkeit als Gemeindepfarrerin beendet. Bis zu ihrer Rente war sie allerdings Religionslehrerin am Gymnasium des Ortes, in dem sie inzwischen lebte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie hatte wohl von beiden etwas, von Maria und von Marta. Das Interesse an Jesu Worten hat sie im Studium vertieft. Die m\u00fctterliche Rolle hat sie in ihrer Familie \u00fcbernommen. Beides frei gew\u00e4hlt, so mein Eindruck. Ich habe sie im hohen Alter kennengelernt als kluge und zufriedene Frau. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie sich an anderen messen musste, die ,wie etwa ich, nach ihr geboren waren und also ohne Einschr\u00e4nkung den von ihr urspr\u00fcnglich einmal gew\u00e4hlten Weg als Gemeindepfarrerin aus\u00fcben konnten, dabei noch heiraten und Kinder gro\u00dfziehen konnten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus sagt zu Marta auf deren Anfrage, warum Jesus Maria nicht dazu anh\u00e4lt, in der K\u00fcche zu helfen: \u201eMaria hat das gute Teil erw\u00e4hlt\u201c. Er sagt nicht: \u201esie hat das bessere Teil erw\u00e4hlt\u201c. Maria macht es nicht besser als Marta, sie macht es gut. Sie macht es deshalb gut, weil sie mit dem, was sie tut, zufrieden ist. Es ist das, was f\u00fcr sie im Moment gut ist. Was an der Reihe ist. Jesus ist da. Ihm will sie zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martas Leistung in der K\u00fcche ist genauso gut. W\u00e4re genauso gut, wenn Marta damit zufrieden w\u00e4re. Wenn es f\u00fcr sie gut w\u00e4re. Aber genau das ist es offenbar nicht. Es sind nicht die anderen, die uns letztlich beurteilen. Letztlich sind wir es selbst. Sind wir uns gut? Wenn Marta entscheidet, diesen wichtigen Gast, Jesus, nicht unversorgt zu lassen, dann ist das f\u00fcr sie in Ordnung. Erst in dem Moment, wo sie sich an Maria misst,\u00a0 ger\u00e4t alles in Schieflage. Auch Marta h\u00e4tte sich zu Jesus setzen k\u00f6nnen, der sicherlich auch mit einem einfachen Abendessen, Fladenbrot und Oliven, zufrieden gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch das ist eine Situation, die wir aus unserem eigenen Erleben vielfach kennen: Es w\u00e4re alles gut. Wenn wir es gut sein lie\u00dfen. Wenn wir zufrieden w\u00e4ren. Mit uns und der Welt im Reinen. Dadurch dann auch mit Jesus im Reinen. Er ist mit uns sowieso im Reinen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Genau das wusste Elisabeth, von der ich Ihnen am Anfang erz\u00e4hlt habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe ihr Bild auf dem Schreibtisch stehen. Es tr\u00f6stet mich, wenn ich immer wieder an Beerdigunspredigten f\u00fcr Familien schreibe, die sich nicht einmal angesichts des Todes gemeinsam an einen Tisch setzen k\u00f6nnen. Zu tief ist das Gef\u00fchl, benachteiligt worden zu sein, nicht genug gewertsch\u00e4tzt worden zu sein. Ein Gef\u00fchl, das nicht immer, dann aber auch wieder doch seine Berechtigung hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt nur eine M\u00f6glichkeit, sich von dieser Beurteilung, die wir selbst und andere uns angedeihen lassen, zu befreien: Sich daran zu erinnern, dass wir von allem Anfang an gewollt sind von unsrem Sch\u00f6pfer. Gut sind f\u00fcr unseren Sch\u00f6pfer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mag sein, dass Elisabeth es da leichter hatte. Sie hat von Anfang an erlebt, dass sie wertvoll ist. Dass ihre Eltern sie so sehr lieben, dass sie sie in ihrem ungew\u00f6hnlichen Weg unterst\u00fctzt haben. Umso mehr lohnt es sich f\u00fcr die, denen es nicht so leicht gemacht wurde, sich um diese Zufriedenheit zu bem\u00fchen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie so oft bei Jesus hei\u00dft \u201eM\u00fche\u201c dann aber nicht erbitterter Kampf. Es hei\u00dft das genaue Gegenteil: Den Boxring verlassen: Zur Ruhe kommen, sich beschenken lassen, sich Jesus zu F\u00fc\u00dfen setzen zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMarta, Du machst Dir viel vergebliche M\u00fche\u201c -vielleicht ist damit gar nicht einmal die Arbeit in der K\u00fcche gemeint. Sondern vor allem der innere Aufruhr. Die Anstrengung, sich selbst beweisen zu m\u00fcssen und die Anerkennung der andern zu erk\u00e4mpfen. Vergeblich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es liegt in unserer Hand, das gute Teil f\u00fcr uns zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sicher gibt es bei uns allen Vorbilder, die uns das vorgelebt haben. Sie kennen die Namen. Einen Namen kennen wir jedenfalls alle: Jesus<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Estomihi | 02.03.25 | Lk 10,38-43 | Es gut sein lassen | verfasst von Pfarrerin Suse G\u00fcnther Mimbach-Webenheim-B\u00f6ckweiler | Predigt f\u00fcr den Sonntag Estomihi; Lk 10,38-42\u00a0 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN Als sie aber weiterzogen, kamen sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20803,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,1,157,853,114,674,529,349,3,109,275],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20811","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-estomihi","category-kapitel-10-chapter-10-lukas","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-suse-guenther"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20811","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20811"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20811\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20812,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20811\/revisions\/20812"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20803"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20811"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20811"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20811"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20811"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}