{"id":20823,"date":"2025-03-01T13:55:57","date_gmt":"2025-03-01T12:55:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20823"},"modified":"2025-03-01T13:55:57","modified_gmt":"2025-03-01T12:55:57","slug":"joel-212-19-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/joel-212-19-2\/","title":{"rendered":"Joel 2,12-19"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Vom Baby bis zum Br\u00e4utigam | Aschermittwoch | 05.03.2025 | Joel 2,12-19 | Katharina Wiefel-Jenner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Frieden hat sein Zuhause verloren. Die Barmherzigkeit wird gedem\u00fctigt und die Gerechtigkeit wei\u00df nicht mehr, wer sie besch\u00fctzt. Wir haben unsere Vorr\u00e4te an Zuversicht und Hoffnung aufgebraucht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist Gott das egal? Wie kann das sein? Unser Gott ist geduldig und langm\u00fctig. Unser Gott ist barmherzig und von gro\u00dfer G\u00fcte \u2013 aber doch nicht mit denen, die diese Welt zerst\u00f6ren! Ist Gott mit den Falschen gn\u00e4dig und barmherzig? Das darf nicht sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es kann Gott nicht gleichg\u00fcltig sein, was gerade geschieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du Ewiger, das betrifft dich auch! Du sagst selbst von dir, dass du auf der Seite der Schwachen bist, der Gedem\u00fctigten, der \u00dcberfallenen. Du nennst dich selbst den Barmherzigen, die Liebende und den G\u00fctigen. Du bist die Kraft zum Guten. Und gerade profitieren die L\u00fcgner und Gewaltt\u00e4ter von deiner Langmut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bist du noch der Gott, der die Zukunft verhei\u00dft?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen Gott daran erinnern, dass er treu ist. Versprochen hat er es, geschworen hat er es. Gott wird sich nicht selbst vergessen. Das hat Mose gesagt und die Propheten haben es verk\u00fcndigt. Gott kann seine Verhei\u00dfungen \u00fcber den L\u00fcgen der Gewaltt\u00e4ter nicht preisgegeben haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht waren wir es auch selbst? Vielleicht haben wir Gottes Treue aus den Augen verloren, uns auf Gottes Wohlwollen verlassen, Gottes G\u00fcte als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt und den Dingen ihren Lauf gelassen. Vielleicht haben wir die Barmherzigkeit und den Frieden aus Bequemlichkeit einfach Gott \u00fcberlassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, wir haben halbherzig zugeschaut. Ja, wir haben uns damit beruhigt, dass Gott das schon macht. Was sollten wir denn anderes tun, als abzuwarten? Was geschieht, geschieht und wir sind nicht schuld daran.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun w\u00e4chst die Angst. Die Sorgen kriechen in unsere Herzen. Der Schrecken dr\u00f6hnt in den Ohren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und heute lesen wir, was der Prophet spricht. \u201eNun endlich \u2013 Spruch des Herrn! \u2013 Da spricht der Prophet. Jetzt aber: Gottes Wort<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Joel 2,12-19<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und nun endlich, Spruch des HERRN, kehrt zur\u00fcck zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und unter Tr\u00e4nen und in Trauer.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und zerrei\u00dft euer Herz und nicht eure Gew\u00e4nder, und kehrt zur\u00fcck zum HERRN, eurem Gott, denn er ist gn\u00e4dig und barmherzig, langm\u00fctig und reich an Gnade, und einer, dem das Unheil leidtut.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wer wei\u00df \u2013 er k\u00f6nnte sich besinnen und sich erbarmen, und er k\u00f6nnte Segen hinterlassen. Speiseopfer und Trankopfer f\u00fcr den HERRN, euren Gott!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sto\u00dft ins Horn in Zion, erkl\u00e4rt das Fasten f\u00fcr heilig, ruft einen Bu\u00dftag aus!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Versammelt das Volk, heiligt die Versammlung, holt die \u00c4ltesten zusammen, versammelt die Kinder und jene, die noch an der Brust saugen. Der Br\u00e4utigam komme aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester weinen, die Diener des HERRN, und sprechen: HERR, hab Mitleid mit deinem Volk und mache deinen Erbbesitz nicht zum Gesp\u00f6tt, dass Nationen sich nicht lustig machen \u00fcber sie. Warum soll man unter den V\u00f6lkern sagen: Wo ist ihr Gott?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Da erwachte der Eifer des HERRN f\u00fcr sein Land, und er hatte Mitleid mit seinem Volk.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und der HERR antwortete und sprach zu seinem Volk: Seht, ich sende euch das Getreide und den Wein und das \u00d6l, und ihr werdet davon satt werden. Und ich werde euch nicht mehr zum Spott machen unter den Nationen!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es reicht nicht mehr abzuwarten, was geschieht. Es ist zu billig, nur auf Schokolade und Alkohol zu verzichten. Klimafasten hilft vielleicht dem Planeten, rettet aussterbende Arten und auch die Gletscher. Konsumverzicht tr\u00e4gt vielleicht dazu bei, dass N\u00e4herinnen einen fairen Lohn bekommen und Kinder zur Schule gehen, anstatt Kakao zu ernten. Aber das ist kein heiliges Fasten. Das ist verantwortliches Leben in rauen Zeiten. Der Prophet spricht von einem heiligen Fasten \u2013 heilig \u2013 Spruch des Herrn. Da wird das Herz befragt. Da geht der Schmerz durch und durch. Die verschluckten guten Worte und die vergessenen Schm\u00e4hungen h\u00e4mmern gegen die T\u00fcr des Gewissens und treiben den Puls hoch. Beim heiligen Fasten lassen sich die verpassten Gelegenheiten f\u00fcr die Wahrheit nicht mehr wegschieben. Die zynischen Worte \u00fcber r\u00fchrende Mitmenschlichkeit brennen Narben der Scham in die Herzensh\u00fclle.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du Ewiger, betrifft das auch dich?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Meinst du unsere vergessenen Gebete? Unsere Vergesslichkeit und Selbstbezogenheit, weil wir dachten, wir h\u00e4tten es so gut gemacht. Weil wir uns selbst in die Mitte gesetzt haben und die Z\u00e4rtlichkeit deiner Liebe \u00fcbersehen haben. Weil wir \u00fcber alles und jeden geklagt haben und die Wunder verachteten. Weil kein Lob auf der Zunge lag, sondern nur die Angst vor der Angst. Wir waren zufrieden damit, dass du uns in Ruhe gelassen hast. Und jetzt kriecht die K\u00e4lte in jede Ritze.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Werden wir jemals wieder lernen, dein Lied der Lieder mitzusingen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bleibst du noch unser Gott?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Prophet kennt den Spruch des Herrn. Kehrt um! Das ist die Botschaft. Kehrt um! Gegen das Dr\u00f6hnen der Scham und den Zynismus dieser Tage! \u201eNun endlich \u2013 Spruch des Herrn! Kehrt um zu dem HERRN, euren Gott.\u201c Der Prophet fragt gar nicht erst, ob sein Gott noch unser Gott ist. Er hat eine Nachricht. \u201eNun endlich \u2013 Spruch des Herrn!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWer wei\u00df\u201c, schreibt er. Wer wei\u00df, ob Gott dann auch umkehrt und endlich sichtbar macht, wie ihn die L\u00fcgen, der Hass und die Kriege zutiefst anwidern. Wer wei\u00df, ob Gott es irgendwann nicht mehr ertr\u00e4gt, wie die Sch\u00f6pfung leidet. Der Prophet ist vorsichtig. \u201eWer wei\u00df!\u201c Er z\u00f6gert und wartet inmitten des Dr\u00f6hnens und der Angst ab. Einst hat er geh\u00f6rt, wie Jakob mit Gott k\u00e4mpfen musste. Wer wei\u00df \u2013 vielleicht ist all das wie ein Kampf und am Ende gehen wir hinkend aus ihm heraus, hinkend aber lebend. \u201eSpruch des Herrn \u2013 Kehrt um! Wer wei\u00df\u201c &#8211; der Prophet hatte einst geh\u00f6rt, wie die Menschen aus Jerusalem nach Babel verschleppt wurden. Er hat die Lieder der Verschleppten auswendig gelernt und erlebt, wie die \u00dcberlebenden weinend zur\u00fcckkehrten. Wer wei\u00df \u2013 vielleicht ist all das, was wir jetzt erleben, wie die Zeit im Exil. Am Ende st\u00fcrzt Gott die M\u00e4chtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir nicht umkehren, werden wir es nicht wissen, ob Gott uns hinkend, aber lebendig weiterziehen l\u00e4sst. Wenn wir nicht umkehren, werden wir nicht erfahren, wie man \u00fcberlebt. Die M\u00e4chtigen werden eines Tages von ihren Thronen gesto\u00dfen, aber wir m\u00fcssen umkehren, damit wir auch erleben, wie statt neuer Gewaltherrscher die Niedrigen erhoben werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du Ewiger, das geht dich auch an! Wenn wir in Angst erstarren, hilft dein rettendes Wort nicht. Wenn wir resignieren, ist es erst recht zu sp\u00e4t. Wenn du dich zur\u00fcckziehst, n\u00fctzen die Erinnerungen an deine G\u00fcte und Barmherzigkeit nicht. Die Sch\u00f6nheit des Lichts und die kostbare Sch\u00f6pfung ist verschwendet. Du musst aus deiner Ferne herbeikommen. Was sollen wir mit den Verhei\u00dfungen, wenn nichts mehr an sie erinnert? Die Verschleppten sterben, die M\u00e4chtigen betr\u00fcgen die Armen, die Starken dem\u00fctigen die Schwachen. Die Worte des Propheten m\u00fcssen dir doch etwas bedeuten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Prophet sagt: \u201eKehrt um\u201c. Alle sollen nach Gott suchen, sagt der Prophet. Alle sollen Gott in den Ohren liegen und rufen: \u201eDu Ewiger, das geht dich auch an!\u201c Nicht nur die Glaubensprofis sollen sich bei Gott bemerkbar machen \u2013 die auch, aber auch alle anderen. Die Babys und die Br\u00e4ute mit ihrem Br\u00e4utigam, die Lehrerinnen, die Beamten, die Meinungsmacher, die Kassiererin und der Berater, die Richterinnen, der Uberfahrer und die Gener\u00e4le, der Bundeskanzler und die Nachrichtensprecher. Alle. Du. Ich auch. Und meine Kinder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer wei\u00df, was geschieht, wenn wir Gott in den Ohren liegen, umkehren und einfach nur hoffen. Die Welt braucht unsere Hoffnung so dringend wie Gottes Barmherzigkeit. Der Prophet wei\u00df sicher schon mehr, als er uns sagt. Er hat noch einen Vorrat an Zuversicht und Hoffnung f\u00fcr uns. Diese Tage sind gerade g\u00fcnstig, um zusammen den Vorrat an Mut, an Glauben und an Hoffnung aufzufrischen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vorschlag f\u00fcr ein Predigtlied: EG 382 Ich steh vor dir mit leeren H\u00e4nden, Herr.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Katharina Wiefel-Jenner<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Berlin<br \/>\n<a href=\"mailto:wiefel_jenner@hotmail.com\">wiefel_jenner@hotmail.com<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Katharina Wiefel-Jenner, geb.1958, Pfarrerin i.R., bildet als Dozentin f\u00fcr Liturgik und Homiletik Ehrenamtliche f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsdienst aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Baby bis zum Br\u00e4utigam | Aschermittwoch | 05.03.2025 | Joel 2,12-19 | Katharina Wiefel-Jenner | Der Frieden hat sein Zuhause verloren. 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