{"id":20832,"date":"2025-03-06T13:38:20","date_gmt":"2025-03-06T12:38:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20832"},"modified":"2025-03-06T13:38:20","modified_gmt":"2025-03-06T12:38:20","slug":"hebraeer-414-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-414-16\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 4,14-16"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Hebr\u00e4er 4,14-16 | Invokavit | 10.03.2025 | Bernd Giehl |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Kind habe ich \u00f6fters mit einem Kaleidoskop gespielt. Falls Sie j\u00fcnger sind als ich und noch nie so ein Ding in der Hand hatten: das ist so eine Art Fernrohr aus Pappe, in das man hineinschaut. Aber anders als bei einem richtigen Fernrohr sieht man keinen vergr\u00f6\u00dferten Ausschnitt der Wirklichkeit, sondern ein gezeichnetes Bild aus geometrischen Figuren wie Dreiecken oder Sechsecken, die wenn man das Fernrohr dreht, auseinanderfallen und sich anschlie\u00dfend neu zusammensetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses Spielzeug kam mir in den Sinn als ich den Text las. Auch er ver\u00e4ndert sein Aussehen und seinen Sinn, je nachdem wo man zu lesen beginnt. Immer wieder scheinen die Dinge anders zu sein als einen Moment zuvor. Sie fallen sozusagen auseinander und setzen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sich neu zusammen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fangen wir der Einfachheit halber beim ersten Gedanken an, den wir zu fassen bekommen. Christus ist der Sohn Gottes und gleichzeitig der Hohepriester, der die Himmel durchschritten hat. Das klingt schon sehr nach g\u00f6ttlichem Wesen. Man k\u00f6nnte an den Papst denken obwohl der daf\u00fcr auch noch viel zu klein gedacht ist. Aber er ist sozusagen das Letzte, was vom menschlichen Wesen \u00fcbrigbleibt. Ein Papst, der die Himmel durchschritten hat, der hat fast nichts mehr vom Menschen. Der ist fast wie Gott selbst. Abgehobener kann der doch gar nicht mehr sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Ikone der orthodoxen Kirche kann auch nicht viel menschlicher sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das w\u00e4r\u2019s also. Damit kann man nicht viel anfangen. Ein Papst hat viel zu viel Macht und ein Papst der die Himmel durchschritten hat, also wer soll so einen noch verstehen? Andererseits: Ein Papst ebenso wie ein Hohepriester tritt bei Gott f\u00fcr die Menschen ein. Er m\u00fcsste doch den besten Zugang haben. Er m\u00fcsste erreichen k\u00f6nnen, was sonst keiner erreicht. Sodom vor dem Untergang retten, was Abraham beinahe geschafft, wenn Gott zehn Gerechte in Sodom gefunden h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Aufgabe dieses Hohepriesters ist es also zu vermitteln zwischen Gott und den Menschen. F\u00fcrbitte einzulegen, wenn die Menschen sich allzu sehr in die Konsequenzen ihrer Handlungen verwickelt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So einen, denke ich, brauchen wir manchmal.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder bin ich momentan auf dem Holzweg? F\u00fcrbitte einlegen, Mitleid haben, Empathie f\u00fcr den Schw\u00e4cheren; weiter kann man doch kaum vom Zeitgeist entfernt sein. Was heute z\u00e4hlt ist: siegen. M\u00e4nner wie Elon Musk oder Donald Trump z\u00e4hlen die Verlierer nicht und es scheint ganz so, als w\u00e4re die Macht mit ihnen. Was sie sich vornehmen, das gelingt ihnen auch. Abgesehen davon, das Mitleid mit den Schw\u00e4cheren immer schon einen Geruch hatte; man muss es sich erst einmal leisten k\u00f6nnen. Denn Sieger gibt es immer weniger als Verlierer. Wahrscheinlich gibt es deshalb einen so gro\u00dfen Zorn auf die Ausl\u00e4nder oder die Empf\u00e4nger von B\u00fcrgergeld. Wom\u00f6glich sind die Ausl\u00e4nder ja selbst nur S\u00fcndenb\u00f6cke, die gerade nicht wissen wie ihnen geschieht. Nicht ganz klar ob nun alle zur\u00fcckkehren sollen wo sie herkamen so als ob sie nicht arbeiteten und Steuern zahlten. Meist wird ja noch differenziert zwischen Ausl\u00e4ndern, die bei uns integriert sind und den anderen. Momentan sind es nur die Asylbewerber die au\u00dferhalb Europas auf ihren Bescheid warten sollen. Bis vor kurzem war klar wer das forderte: nat\u00fcrlich die AfD. Aber dann kippte die Stimmung immer mehr, der Zorn nahm zu und mit ihm die Angst der Parteien in die Bedeutungslosigkeit zu kippen sofern man dem Volkswillen nicht nachgab und so \u00fcbernahm eine Partei nach der Anderen die Forderung, Fl\u00fcchtlinge gar nicht erst nach Europa hineinzulassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr eine Abstrusit\u00e4t. Vor einem Jahr h\u00e4tte man sich das noch nicht vorstellen k\u00f6nnen. Da galt das Recht auf Asyl noch als Grundrecht. Da wurde zwar hin und wieder formuliert, dass Deutschland nicht alle aufnehmen k\u00f6nne und deshalb Asylverfahren au\u00dferhalb Europas durchgef\u00fchrt werden sollten, aber es waren doch immer die gleichen Gesichter die das forderten. Heute findet man kaum einen Politiker, der das ablehnte oder das Alte wenigstens verteidigte. Die Angst von einer Entwicklung \u00fcberrollt zu werden, die man zwar nicht gewollt hat, vielleicht auch unmenschlich findet, die man aber f\u00fcrchtet, nicht aufhalten zu k\u00f6nnen, weil sie wie eine Lawine ins Tal schie\u00dft, diese Angst scheint immer m\u00e4chtiger zu werden. Es ist ein Spiel mit den niedrigsten Instinkten der Menschen. Mit dem Neid vor allem (\u201eAm Ende k\u00f6nnte der es besser haben.\u201c) Oder mit der Angst vor Konkurrenz.\u00a0 (\u201eDann \u00fcbernehmen die uns noch.\u201c)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So \u00fcberbieten viele Parteien sich gegenseitig mit ihren Forderungen. Lebensmittelgutscheine f\u00fcr noch nicht anerkannte Fl\u00fcchtlinge das war fr\u00fcher. Heute geht es um Lager in Afrika, wo nicht anerkannte Fl\u00fcchtlinge auf ihren Asylbescheid warten sollen. Wie es denen da geht, das stellen wir uns besser nicht vor. Und wie man Druck auf die Richter aus\u00fcben kann dazu braucht man wohl auch nicht mehr viel Phantasie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man braucht auch nicht viel Phantasie um zu sehen, wie es dann weitergeht. Nicht nur Illegale werden dann abgeschoben, sondern auch Menschen die politisch unerw\u00fcnscht sind. Was aus ihnen wird, kann der Regierung egal sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vieleicht ist das alles ja ma\u00dflos \u00fcbertrieben. Einem Wahlkampf geschuldet, bei dem die Gef\u00fchle alle Vernunft \u00fcberholen. Mag sein, dass sich das irgendwann noch einrenkt. Dass die Vernunft irgendwann noch siegt. Dass die W\u00e4hler oder die Politiker sich noch \u00fcberlegen, was passiert, wenn all die Ausl\u00e4nder die bei uns\u00a0\u00a0\u00a0 arbeiten, pl\u00f6tzlich gehen m\u00fcssten. Wer dann die Arbeit t\u00e4te. Und was die hochbezahlten DAX-Chefs aus dem Ausland wie Ola K\u00e4llenius, der Chef von Mercedes Benz wohl dazu sagen? Ob sie sich das einfach gefallen lie\u00dfen. Selbst wenn sie gro\u00dfz\u00fcgig bleiben d\u00fcrften?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob wir einen Hohepriester brauchen?\u00a0 Egal ob er die Himmel durchschritten hat oder nicht; bei dem Chaos, das wir gerade anrichten brauchen wir einen, der sich bei Gott f\u00fcr uns einsetzt. Wen haben wir denn sonst noch? Nur Gott kann dieses Chaos noch verhindern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wom\u00f6glich klingt es blasphemisch, wenn wir sagen: \u00a0Einen Teil dieser Rolle k\u00f6nnen und sollen auch wir \u00fcbernehmen? Zun\u00e4chst einmal scheint uns diese Rolle viel zu schwer zu sein. Und im Grunde ist das ja auch richtig. Die Aufgabe Jesu bleibt ihm; die k\u00f6nnen wir nicht \u00fcbernehmen. Daf\u00fcr ist er der ganz besondere, der Starke, der unser Schicksal erlitt, der Hohepriester, der den Himmel durchschritt wie einen Tempel. Auf den wird Gott anders h\u00f6ren als auf uns. Nat\u00fcrlich ist Mitleiden, Empathie f\u00fcr die Schwachen und t\u00e4tige Hilfe auch weiterhin die Aufgabe der Christen. Das bleibt uns nicht erspart.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bleibt noch die Angst. Das alles klingt nicht wie ein Spaziergang. Wird es wohl auch nicht werden. Es wird viel Feindschaft geben. Wom\u00f6glich auch Verfolgung. Wir werden nur durchhalten, wenn wir unsere Sorge Gott anvertrauen. Oder meinetwegen dem Hohepriester, der f\u00fcr uns eintitt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hebr\u00e4er 4,14-16 | Invokavit | 10.03.2025 | Bernd Giehl | Als Kind habe ich \u00f6fters mit einem Kaleidoskop gespielt. Falls Sie j\u00fcnger sind als ich und noch nie so ein Ding in der Hand hatten: das ist so eine Art Fernrohr aus Pappe, in das man hineinschaut. 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