{"id":20834,"date":"2025-03-06T13:20:55","date_gmt":"2025-03-06T12:20:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20834"},"modified":"2025-03-06T13:42:34","modified_gmt":"2025-03-06T12:42:34","slug":"matthaeus-41-11-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-41-11-5\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 4,1-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Invokavit | 09.03.25 | Mt 4,1-11 (2. Kor. 6,1-2 und 1. Mose 3,1-19) | d\u00e4nische Perikopenordnung | Von Anne-Marie Nybo Mehlsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u201dDas Geheimnis der Verwundbarkeit\u201d<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist offenbar, die L\u00fcge hat gro\u00dfe Macht in der Welt in den falschen Nachrichten und dem Filter im Mobiltelefon, das die Wirklichkeit sch\u00f6nf\u00e4rbt sowie die schamlose L\u00fcge \u00fcber Tatsachen auf offenem Schirm. Es ist eine verbreitete Versuchung, sich sein Anliegen in eben dem Licht vorzustellen oder darzustellen, das mir und meiner Sache am besten passt. \u00a0Das nennt man Marketing und Politik.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kein Redner, auch kein Prediger kann \u00dcberlegungen leugnen, wie man die Sache am besten f\u00fcr den Zuh\u00f6rer darstellt. Das darf aber nicht auf Kosten der Wahrhaftigkeit geschehen. Wenn wir nun in der Kirche von Dingen reden, die wir nicht im \u00fcblichen Sinne nachpr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob es tats\u00e4chlich stimmt, sind wir dann noch mehr verpflichtet, uns an ein gegebenes Thema zu halten, die faktischen Worte und ihren urspr\u00fcnglichen Kontext, und selbst mutig eigene Anliegen zu vertreten und dabei den eigenen Glauben, die Zweifel, die eigene Existenz darauf einzusetzen, dass das, was von Gott gesagt wird, der Verk\u00fcndigung zum Glauben dient.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Versuchung liegt auf der Hand: Es kann oft mehr lebendig und interessant erscheinen, vom Teufel und all seinem Wesen von Bosheit und raffinierter Nachrede von Gott und Menschen zu reden statt sich in das Geheimnis des Kreuzes zu vertiefen. Das Kreuz, wo es offenbar wird, dass Gottes Torheit weiser ist als alle Klugheit der Welt und dass die Schwachheit Gottes st\u00e4rker ist als alle St\u00e4rken der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist letztlich die Macht Gottes, an der Jesus drau\u00dfen in der W\u00fcste festh\u00e4lt. Er h\u00e4lt fest an der Macht Gottes als einer anderen und fremden Kategorie \u2013 als einer r\u00e4tselhaften Macht, die sich als tragbarerweist auch in der \u00e4u\u00dfersten Verwundbarkeit, der absoluten Verletzlichkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Versuchung zielt darauf ab, etwas zu beschaffen, den Hunger zu stillen \u2013 dem Leiden und der Ohnmacht zu entkommen. Jesus besteht darauf, dass es einen Ausweg gibt, eine Ausdauer, eine Hingabe, die st\u00e4rker ist. In dieser Hinsicht ist die Erz\u00e4hlung eine Geschichte der Fastenzeit, dass wir es durchaus ertragen k\u00f6nnen, Verzicht zu \u00fcben, dass wir es ertragen k\u00f6nnen zu entbehren, auszuhalten und auf Gott zu vertrauen. Gleichzeitig ist dies eine T\u00fcr zur Erfahrung von etwas ganz anderem, eine wunderbare Erfahrung, dass Leiden keine absolute Macht \u00fcber einen Menschen hat \u2013 wie es ansonsten unmittelbar erscheint. Hier muss man vorsichtig sein aus Respekt vor leidenden Menschen. Wie sollen wir von dieser Geschichte reden k\u00f6nnen angesichts von Hungersnot, Krankheit und Schmerzen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nein, das k\u00f6nnen wir wohl nicht, und gerade deshalb ist es angebracht, rechtzeitig dar\u00fcber nachzudenken, w\u00e4hrend Leiden noch weit weg ist, mitten im guten Leben. Und damit ist es auch gut, die Fastenzeit wahrzunehmen als eine Zeit der Ein\u00fcbung von Vertrauen, diese eine bewusste Wanderung sein zu lassen mit offenen Augen in die Verletzlichkeit und Verwundbarkeit als Grundbedingung des Lebens. Die Fastenzeit ist ein Anlass, sich Gott hinzugeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Versuchung ist im menschlichen Leben stets gegenw\u00e4rtig. Die Versuchung zu dem, was auf der Hand liegt, dem k\u00fcrzesten, leichtesten Weg, dem Bequemsten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Versuchung liegt in dem, wozu ich gerade jetzt Lust habe und was mir als das Beste f\u00fcr mich erscheint. Wir erliegen immerzu der Versuchung, ohne dabei zu fragen oder nachzudenken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es w\u00e4re so einfach, wenn es einen Namen h\u00e4tte. Wenn alles in der Welt eine klare \u00dcberschrift h\u00e4tte, die uns erz\u00e4hlte, dass dies nun tats\u00e4chlich gut oder b\u00f6se ist. Aber nein \u2013 wir wissen sehr gut, dass es nicht so einfach ist. Wir reden von Versuchungen, als w\u00e4ren sie s\u00fc\u00dfe Sachen. Als w\u00e4re das ganz unschuldig, eine Bagatelle.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus wird in der W\u00fcste versucht mit dem Sch\u00f6nsten von allem Scheinbaren. Die Versuchung ist verpackt in G\u00fcte. Warum sollte doch nicht er, der Gottes Sohn ist, die Steine der W\u00fcste in Brot verwandeln und nicht nur sich selbst, sondern alle Hungrigen s\u00e4ttigen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann \u2013 ein Brausen in der Luft \u2013 wie mit einem Schlag mit gro\u00dfen Fl\u00fcgeln steht Jesus nun auf den Zinnen des Tempels. \u201eSt\u00fcrz dich hinab! Lass dich tragen von den Engeln durch das Dasein und zeige, was Gott vermag, Dann wird die Furcht ruhelos auf Erden einhergehen und keinen einzigen Menschen erfassen k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Noch ein Brausen in der Luft, und Jesus steht auf einem Berg, von dem man die Herrlichkeit der Erde sieht. \u201eDas geh\u00f6rt mir!\u201c behauptet der Teufel \u2013 \u201eaber mit einem einzigen Kniefall vor mir ist es dein \u2013 bete mich an!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Versuchungen sind eine einzige lange Aufforderung, die Macht zu gebrauchen, die Jesus als der Sohn Gottes hat. Der Teufel beginnt listig damit, Zweifel und Misstrauen zu s\u00e4en: \u201e<em>Wenn<\/em> du Gottes Sohn bist, dann \u2026\u201c Erb verweist sogar auf die Schrift, Gottes eigene Worte. Und da ist ein Echo in dem hier von etwas, was wir schon geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHat Gott wirklich gesagt \u2026\u201c. So fragte die Schlange Eva damals im Paradies mit Gottes eigenen Worten \u2013 nur ein wenig verdreht. Die Schlange machte das Verbot, von einem bestimmten Baum zu essen zu einem Verbot, \u00fcberhaupt von einem Baum zu essen. Ich gelben Licht des Misstrauens klingt das verlockend: \u201eIhr k\u00f6nntet werden wie Gott, Gut und B\u00f6se zu kennen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Mensch wollte nicht mehr Mensch sein, sondern sich an die Stelle Gottes setzen \u2013 und a\u00df.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist derselbe Versucher, dem Jesus drau\u00dfen in der W\u00fcste begegnet. Wie eine zweite Eva muss sich Jesus das Gefl\u00fcster der Schlange in der Wiederholung anh\u00f6ren \u201e<em>Wenn du der Sohn Gottes bist \u2026\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die wenigen Worte des Versuchers sind ein wahrer Bombeneppich f\u00fcr Jesus. Die Versuchung, sich aller Welt zu zeigen, zu <em>beweisen<\/em>, dass er Gottes Sohn ist. Warum nicht es sich selbst leicht machen? Das ist eine Versuchung, die Menschlichkeit abzulegen, die er auf sich genommen hat, und dem Leiden zu entgehen. Jesus wird in der tat in seinem innersten Wesen angegriffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus besteht jedoch auf seiner Menschlichkeit, besteht auf seinem Verzicht. Er besteht auf Gott, selbst in der tiefsten Not, dem Hungertode nahe, in der \u00d6de der W\u00fcste. Er besteht darauf, sich mitten im Leide in den H\u00e4nden Gottes zu wissen, ohne notwendigerweise von Gott eine Antwort oder Rechenschaft zu verlangen. Er l\u00e4sst in der Hand Gottes ruhen, was Gott geh\u00f6rt. Jesus h\u00e4lt fest am Unterschied zwischen Gott und Mensch und gibt sich gehorsam dem Sch\u00f6pfer hin wie Staub in seiner Hand.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir beginnen, die Tiefe in diesem Kampf zu ahnen. Es ist wieder Eva und die Schlange, aber der Unterschied ist, dass Jesus festh\u00e4lt. Der Teufel kommt schlie\u00dflich zu kurz und entlarvt sich selbst als Betr\u00fcger, indem er das verspricht, war nur Gott geh\u00f6rt. Dann ist die Zeit gekommen, den Ungeist beim Namen zu nennen und das B\u00f6se zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist es nicht unproblematisch, so zu tun als sei der Teufel keine Wirklichkeit. Angesichts bestialischer Bosheit nutzt es nichts, die Augen zu verschlie\u00dfen und zu meinen, dass es so etwas nicht gibt. Dann l\u00e4sst man dem B\u00f6sen nur seinen Lauf, begibt sich unwissentlich in den Dienst des B\u00f6sen und der L\u00fcge. Es hilft niemandem aus dem Leiden, dass man behauptet, dass Leiden nur eine Illusion ist, oder dass man sagt, dass es das leiden in Wirklichkeit nicht gibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier in der Fastenzeit sollte man bedenken, wie wir gegen das B\u00f6se und dass Leiden ger\u00fcstet sind. Wie bew\u00e4ltigen wir harte Zeiten und Lebensbedingungen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Fastenzeit geht es um Verzicht, sich einzufinden in die Verwundbarkeit und im Vertrauen auf Gott zu leben. Fasten hei\u00dft alles Gute aus der Hand Gottes erwarten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dieser Erfahrung begegnet uns nicht die Leere der W\u00fcste. Wir brauchen nicht dem Hungertod nahe zu sein. In der Stille des Nachdenkens, in dem zuh\u00f6renden Gebet begegnet Christus dir als der, der f\u00fcr dich sorgt, dir zuh\u00f6rt und dich an der Hand h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott wollte nicht allm\u00e4chtig sein, sondern barmherzig \u2013 und Jesus zeigte uns das, indem er sich nicht der Welt und allen ihren Reichen und Reicht\u00fcmern mit Macht unterwarf, sondern lieber sich selbst ganz hingab mit seiner Menschlichkeit. Diese Hingabe wurde zum neuen Morgen der Auferstehung, so dass wir nicht mehr in der Furcht vor dem Leiden vergehen sollen. So dass wir niemals verrohen und es nicht sehen wollen, sondern es vielmehr jederzeit als Werk des Teufels sehen und es bek\u00e4mpfen. So dass wir uns niemals davor f\u00fcrchten, uns selbst hinzugeben und zu unserer Verwundbarkeit stehen, uns einfinden als Menschenkinder vor Gott. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Anne-Marie Nybo Mehlsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 4930 Maribo<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: amnm(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Invokavit | 09.03.25 | Mt 4,1-11 (2. Kor. 6,1-2 und 1. 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