{"id":20857,"date":"1997-11-23T11:46:34","date_gmt":"1997-11-23T10:46:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20857"},"modified":"2025-03-10T11:48:25","modified_gmt":"2025-03-10T10:48:25","slug":"matthaeus-251-13-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-251-13-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25,1\u201313"},"content":{"rendered":"<h3>Ewigkeitssonntag | 23.11.1997 | Mt 25,1-13 | Johannes Neukirch |<\/h3>\n<p>Predigttext\u00a0Matth\u00e4us 25, 1-13<\/p>\n<p>&#8222;Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Br\u00e4utigam entgegen. Aber f\u00fcnf von ihnen waren t\u00f6richt, und f\u00fcnf waren klug. Die t\u00f6richten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein \u00d6l mit. Die klugen aber nahmen \u00d6l mit in ihren Gef\u00e4\u00dfen, samt ihren Lampen.<\/p>\n<p>Als nun der Br\u00e4utigam lange ausblieb, wurden sie alle schl\u00e4frig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Br\u00e4utigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.<\/p>\n<p>Die t\u00f6richten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem \u00d6l, denn unser Lampen verl\u00f6schen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst w\u00fcrde es f\u00fcr uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft f\u00fcr euch selbst. Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Br\u00e4utigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die T\u00fcr wurde verschlossen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.<\/p>\n<p>Darum wachet! Denn ihr wi\u00dft weder Tag noch Stunde.&#8220;<\/p>\n<p>Exegetisch-homiletische \u00dcberlegungen<\/p>\n<p>[Literaturhinweis: Die Beschreibung der f\u00fcnf Jungfrauen im Magdeburger Dom ist fast w\u00f6rtlich \u00fcbernommen aus: Gottesdienst Praxis Serie A, hg. von H. Nitschke, I. Perikopenreihe Bd. 3, G\u00fctersloh 1991, S. 166]<\/p>\n<p>Das Gleichnis verf\u00fchrt zu allegorischer Auslegung, die man nicht \u00fcbertreiben sollte. Es geht um die richtige Einstellung zum Kommen Gottes. Wichtig ist f\u00fcr mich die \u00dcberlegung, da\u00df hier eine Warnung ausgesprochen wird, und deshalb rigorose Z\u00fcge (die f\u00fcnf klugen geben nichts ab, die T\u00fcr bleibt trotz Bitte verschlossen) in dem Gleichnis zu finden sind. Die Warnung hat ihr Ziel in dem Augenblick erf\u00fcllt, in dem sie ausgesprochen wird. Deshalb sollte man das \u00d6l, die Zahlen f\u00fcnf+f\u00fcnf, die verschlossene T\u00fcr nicht in den Vordergrund stellen. T\u00f6richt sind die f\u00fcnf Jungfrauen wohl vor allem deshalb, weil sie in dem Augenblick des Kommens etwas anderes zu tun haben und gar nicht da sind.<\/p>\n<p>Die Predigt ist f\u00fcr eine l\u00e4ndliche Gemeinde geschrieben, in der der Kasus &#8222;Ewigkeitssonntag&#8220; mit der Verlesung der Verstorbenen eine relativ gro\u00dfe Rolle spielt.<\/p>\n<p>Predigt<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wer vor dem Stra\u00dfburger M\u00fcnster steht, kann links und rechts vom Portal die zehn Jungfrauen bewundern und sich fragen: Zu welchen geh\u00f6re ich? Zu den klugen oder zu den t\u00f6richten? Dasselbe kann sich fragen, wer im Magdeburger Dom in die sogenannte Paradiesvorhalle, einen gotischen Anbau, m\u00f6chte. Auch dort stehen die Jungfrauen neben der T\u00fcr. Die f\u00fcnf gl\u00fccklichen, die an das \u00d6l gedacht haben und die f\u00fcnf traurigen, die sich furchtbar erschrecken, weil sie das Wichtigste vergessen haben. Sie k\u00f6nnen zwar noch \u00d6l kaufen, kommen aber nicht mehr in den Saal hinein, in dem die Hochzeit gefeiert wird.<\/p>\n<p>Was haben sich die K\u00fcnstler und ihre Auftraggeber dabei gedacht, als sie dieses Gleichnis von den f\u00fcnf klugen und den f\u00fcnf t\u00f6richten Jungfrauen in Stein gemei\u00dfelt haben? Sie haben es wohl als eine Warnung verstanden, als eine Aufforderung, sich rechtzeitig darauf vorzubereiten, da\u00df eines Tages unser Gott mit der bestehenden Welt Schlu\u00df machen und eine neue Welt schaffen wird.<\/p>\n<p>Da m\u00f6chten wir nat\u00fcrlich dabei sein, m\u00f6chten in das Himmelreich, in das Reich Gottes aufgenommen werden. Furchtbar ist die Vorstellung, da\u00df die T\u00fcr verschlossen sein k\u00f6nnte. Wer die t\u00f6richten Jungfrauen in Magdeburg betrachtet, erschrickt fast: Die eine bei\u00dft sich auf die Lippen und greift sich ans Herz. Die zweite schl\u00e4gt sich mit der flachen Hand an die Stirn, so als wollte sie sagen: &#8222;Wie konnte mir das passieren!&#8220; Eine andere trocknet sich mit einem Zipfel ihres Mantels die Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Die Warnung &#8222;Darum wachet! Denn ihr wi\u00dft weder Tag noch Stunde&#8220; scheint zu dem heutigen Tag, dem Ewigkeitssonntag, zu passen. Selbstverst\u00e4ndlich \u00fcberlegen wir uns, was denn mit unseren Verstorbenen geschieht &#8211; und mit uns selbst, wenn wir eines Tages sterben m\u00fcssen. Selbstverst\u00e4ndlich hoffen wir auf so etwas wie ein Reich Gottes und denken an die Worte aus der Offenbarung des Johannes: &#8222;Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschm\u00fcckte Braut f\u00fcr ihren Mann.&#8220; (Offb. 21,1f.) Da ist es wieder, das Bild von der Hochzeit, die Vorstellung eines wundersch\u00f6nen Festes, auf das wir zugehen. Niemand m\u00f6chte da vor der T\u00fcr bleiben.<\/p>\n<p>Die Warnung aus unserem Gleichnis klingt bedrohlich. Was haben die f\u00fcnf t\u00f6richten blo\u00df Schlimmes getan, so frage ich mich? Sie haben doch lediglich vergessen, einen \u00d6lvorrat mitzunehmen. Ansonsten haben sie sich genau so verhalten wie die f\u00fcnf klugen. Alle zehn gehen dem Br\u00e4utigam entgegen, alle zehn schlafen ein, auch die klugen, alle zehn werden von einem lauten Rufen geweckt. Alle machen nun ihre Lampen fertig. Erst dann wird der H\u00e4lfte klar, da\u00df sie nicht genug \u00d6l dabei haben. Aber das ist ja kein Problem, die anderen k\u00f6nnten ihnen ja etwas abgeben. Das tun sie jedoch nicht. Nun gut, also zum Kaufmann und dann erst zur Hochzeit. Als sie zur\u00fcckkommen, werden sie jedoch, trotz ihrer Bitte, abgewiesen und m\u00fcssen drau\u00dfen bleiben. Nur weil sie nicht genug \u00d6l dabei hatten? Ich kann das nicht glauben.<\/p>\n<p>Je mehr ich dieses Gleichnis befrage, desto r\u00e4tselhafter wird es. Es gibt keinen wirklich triftigen Grund f\u00fcr die klugen, den anderen keinen Tropfen abzugeben. Und es entspricht auch nicht meiner Vorstellung von Gottes Gnade und Barmherzigkeit, da\u00df er die t\u00f6richten nicht doch noch reinl\u00e4\u00dft &#8211; nur weil sie ein wenig zu sp\u00e4t kommen.<\/p>\n<p>Wer sich in diesen Fragen verf\u00e4ngt, \u00fcbersieht jedoch das Wichtigste: Das Gleichnis ist eben als Warnung gemeint. Das bedeutet: Sobald wir es geh\u00f6rt haben, und das haben wir ja nun, kann uns eigentlich nichts mehr passieren. Denn eines ist doch wohl nun sicher: Wir werden genug \u00d6l mitnehmen, so viel, wie wir tragen k\u00f6nnen, um unsere Lampen wieder anzuz\u00fcnden, wenn der Br\u00e4utigam endlich kommt, wenn das Reich Gottes Wirklichkeit wird! Wenn man es so sieht, dann meint es Matth\u00e4us gut mit uns. Er gibt uns die wichtigste Information f\u00fcr das Reich Gottes mit auf den Weg: Bereitet euch rechtzeitig auf das Kommen des Br\u00e4utigams vor. Seid bereit, auch wenn es lange dauert! Wenn wir jetzt noch w\u00fc\u00dften, was mit dem \u00d6l gemeint ist und wo wir es bekommen, dann w\u00e4re ja alles in Ordnung. Dann m\u00fc\u00dften wir nur noch hingehen und es kaufen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan.<\/p>\n<p>Was ist mit dem \u00d6l gemeint, und wo kann man es kaufen? Ich glaube, da\u00df es Matth\u00e4us um die rechte Vorbereitung auf das gro\u00dfe Fest geht, und da\u00df er meint: Unser ganzes Leben ist die Vorbereitung darauf, da\u00df Christus wiederkommt. Leider kann man die nirgendwo kaufen. Da sind wir mit unseren Herzen und mit unserem Glauben gefragt. Denn in unseren Herzen entscheidet es sich, ob wir dem Br\u00e4utigam entgegengehen, oder erst noch mal zum Kaufmann m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nun w\u00fcrde ich gerne die f\u00fcnf klugen Jungfrauen fragen: Was habt ihr nur getan, da\u00df ihr so klug wart? Wie habt ihr euch vorbereitet; gibt es vielleicht ein Geheimnis? Ich glaube, sie w\u00fcrden mir antworten: &#8222;Uns ist eine gro\u00dfe und wunderbare Hochzeit versprochen worden. Wir haben uns so darauf gefreut, da\u00df wir dieses Fest auf gar keinen Fall vers\u00e4umen wollten! Da haben wir einfach an alles gedacht.&#8220;<\/p>\n<p>Ich m\u00fc\u00dfte ihnen recht geben: Wenn wir uns ganz sicher sind, da\u00df es sich lohnt zu warten, dann treffen wir alle n\u00f6tigen Vorbereitungen, ohne besondere Aufforderung. Bei Popkonzerten gro\u00dfer Stars kommt es vor, da\u00df die Fans die ganze Nacht in einer Schlange vor den Vorverkaufsstellen f\u00fcr die Eintrittskarten verbringen. Wenn wir eine Reise antreten wollen, dann \u00fcberlegen wir doch ganz genau, was wir mitnehmen m\u00fcssen, gehen alle Einzelheiten immer wieder durch und stehen rechtzeitig am Bahnhof oder Flugplatz. Wenn eine Frau die Geburt eines Kindes erwartet, dann kauft sie schon vorher die Sachen, die sie dann braucht. Wenn wir etwas sehns\u00fcchtig erwarten, dann leben wir darauf hin und tun alles, damit sich unsere Sehnsucht erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Die klugen Jungfrauen haben gewu\u00dft: Egal, wann er kommt, es lohnt sich zu warten. Den t\u00f6richten Brautjungfern dagegen war die Sache wohl nicht wichtig genug. Ja schon, es k\u00f6nnte sein, da\u00df es etwas l\u00e4nger dauert, aber was soll&#8217;s. Als der Br\u00e4utigam dann wirklich kam, als der Moment da war, f\u00fcr den sie gebraucht wurden, da waren sie schlicht und einfach nicht an ihrem Platz, sondern beim Kaufmann. Ich k\u00f6nnte mir sogar vorstellen, da\u00df sie auch ohne \u00d6l in den Festsaal gekommen w\u00e4ren, da\u00df der Br\u00e4utigam sie reingelassen h\u00e4tte. Denn wichtig war doch ganz allein, da\u00df er nun endlich da ist, endlich gekommen ist. Und gerade da sind sie weggegangen, weil sie meinten, \u00d6l kaufen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wer die f\u00fcnf klugen und die f\u00fcnf t\u00f6richten Jungfrauen am Stra\u00dfburger M\u00fcnster oder im Magdeburger Dom sieht, der sollte nicht lange \u00fcberlegen, zu welcher Seite er geh\u00f6rt, zu den klugen oder zu den t\u00f6richten. Er sollte daran denken, warum sie gewartet haben &#8211; weil sie zu einer Hochzeit eingeladen waren. Genau an dieser Stelle stehen auch wir: Wir sind zur Hochzeit, zur Gemeinschaft mit Gott, eingeladen, und diese Einladung ist schon ein Teil der Feier.<\/p>\n<p>Heute, am Ewigkeitssonntag, gehen unsere Gedanken und Hoffnungen auch noch einen Schritt weiter: Wir hoffen, da\u00df unsere Verstorbenen schon im Hochzeitssaal sind!\u00a0<strong>Wir<\/strong>\u00a0sind noch bei den Vorbereitungen und in der Vorfreude. Aber einen Vorgeschmack bekommen wir trotzdem: In der christlichen N\u00e4chstenliebe, in der Gemeinschaft der Gemeinde, im Gottesdienst, in Brot und Wein.<\/p>\n<p>Unser Leben ist die Vorbereitung auf das gro\u00dfe Fest, das Gott f\u00fcr uns ausrichtet. Unsere Verstorbenen sind, so hoffen wir, schon im Festsaal. In der Vorfreude auf die gemeinsame Feier k\u00f6nnen wir sagen: &#8222;Darum wachet, denn ihr wi\u00dft weder Tag noch Stunde!&#8220;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Johannes Neukirch, Geversdorf, E-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:Johannes.Neukirch@t-online.de\">Johannes.Neukirch@t-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeitssonntag | 23.11.1997 | Mt 25,1-13 | Johannes Neukirch | Predigttext\u00a0Matth\u00e4us 25, 1-13 &#8222;Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Br\u00e4utigam entgegen. Aber f\u00fcnf von ihnen waren t\u00f6richt, und f\u00fcnf waren klug. Die t\u00f6richten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein \u00d6l mit. 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