{"id":20875,"date":"1997-12-31T13:43:37","date_gmt":"1997-12-31T12:43:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20875"},"modified":"2025-03-10T13:52:05","modified_gmt":"2025-03-10T12:52:05","slug":"roemer-831b-39-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-831b-39-3\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8,31b-39"},"content":{"rendered":"<h3>Altjahresabend | 31.12.1997 | R\u00f6m 8,31b-39 | Maria Widl |<\/h3>\n<p>Zur Vorinformation \u00fcber meinen Hintergrund:<\/p>\n<p>Ich bin Pastoraltheologin, komme aus der Zulehner-Schule (Erg\u00e4nzung der Redaktion: Paul Zulehner ist Prof. f\u00fcr prakt. Theologie an der katholischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien), habe lange Jahre an der Universit\u00e4t das Pfarrpraktikum begleitet, meine Wiener Heimatpfarre ist von Jesuiten geleitet. Seit etwa 15 Jahren bin ich intensiv in der Erwachsenenbildung und pastoralen Fortbildung t\u00e4tig. Meine theologische Diplomarbeit (ich bin zudem Mathematikerin) befa\u00dfte sich mit Bibelpastoral, meine Dissertation mit &#8222;Neuen Religi\u00f6sen Kulturformen&#8220;, also das, was man gel\u00e4ufig unter Esoterik und New Age fa\u00dft. Gegenw\u00e4rtig arbeite ich bei Prof. Rolf Zerfa\u00df an einer Habilitationsschrift zum Thema &#8222;Sozialpastoral&#8220;. Meine Bibellekt\u00fcre ist demnach b\u00fcrgerlich grundgelegt, befreiungstheologisch stark beeinflu\u00dft, von postmoderner Pluralit\u00e4t herausgefordert und von dem Blickwinkel gepr\u00e4gt, wie Bibelworte heute f\u00fcr die Lebensgestaltung relevant werden<\/p>\n<p>Predigt zu R\u00f6mer 8,31b-39<\/p>\n<p><em>Ist Gott f\u00fcr uns, wer ist dann gegen uns?<\/em><\/p>\n<p>So beginnt Paulus sein Resumee \u00fcber den ersten Teil seines Briefes an die R\u00f6mer &#8211;\u00a0<em>Ist Gott f\u00fcr uns, wer ist<\/em>\u00a0<em>dann gegen uns?<\/em>\u00a0Ein tr\u00f6stlicher Text in Zeiten voll Angst und Unsicherheit. Wenn uns der Zeitgeist entgegenbl\u00e4st &#8211; Gott ist f\u00fcr uns! Wenn uns neue Entwicklungen \u00fcberrollen &#8211; Gott ist f\u00fcr uns! Wenn immer weniger mit uns gehen wollen &#8211; Gott ist f\u00fcr uns! Wenn uns das Schicksal schl\u00e4gt &#8211; Gott ist f\u00fcr uns! Wenn wir an uns selbst, aneinander, an der Kirche leiden &#8211; Gott ist f\u00fcr uns!<\/p>\n<p>Langsam stockt mir der Atem &#8211; geht das so einfach? Kann ich einfach \u00fcber meine Lebensprobleme hinwegglauben? Ist das nicht blanker Zynismus angesichts so vieler Leidenden, \u00c4ngstlichen, Verzweifelten rundum? Werden wir die Probleme der Kirche in der heutigen Zeit l\u00f6sen, indem wir sie zubeten? &#8211;\u00a0<em>Ist Gott<\/em>\u00a0<em>f\u00fcr uns, wer ist dann gegen uns?<\/em>\u00a0Doch nur ein frommer Spruch f\u00fcr eine Sonntagspredigt?<\/p>\n<p>Doch der R\u00f6merbrief ist alles andere als eine Sonntagspredigt. Er ist voll von engagierter, ja feuriger Argumentation. Salopp gesagt: Paulus gibt es den R\u00f6mern in seinem Brief an sie wirklich kalt-warm.<\/p>\n<p><em>Gott ist es, der gerecht macht.<\/em><\/p>\n<p>So argumentiert Paulus in seiner Zusammenfassung weiter, die wir vorhin geh\u00f6rt haben. Gott ist es, der gerecht macht. Das war sein Thema im ganzen ersten Teil des Briefes. Wie wird der Mensch gerettet? Wie finde ich einen gn\u00e4digen Gott? &#8211; wie es Martin Luther bedr\u00e4ngend f\u00fcr sich erfahren hat. Ich bin mir nicht sicher, ob uns diese Frage heute noch so besch\u00e4ftigt. Als moderne Menschen legen wir schlie\u00dflich nicht die H\u00e4nde in den Scho\u00df, um auf Rettung zu warten. Wir sind gewohnt, Probleme zu sehen, zu analysieren und nach kompetenten L\u00f6sungen zu suchen. Brauchen t\u00fcchtige Menschen noch einen Retter?<\/p>\n<p>Zudem sind wir nicht nur t\u00fcchtig, sondern auch gewissenhaft. Wir handeln verantwortlich nach bestem Wollen und Verm\u00f6gen &#8211; wieso sollten wir uns vor einem Endgericht f\u00fcrchten? &#8211; Brauchen moderne Menschen noch einen Retter? Ja, vielleicht die Schwachen, die sich selbst nicht so helfen k\u00f6nnen; vielleicht auch ich selbst in meinen schwachen Seiten und schwachen Stunden &#8211; Gott, ein Retter der Schwachen?<\/p>\n<p>Ist Gott aber stark und barmherzig genug, um die Schwachen zu retten? Wie konnte er nur all den Irrsinn zulassen, den dieses Jahrhundert gesehen hat? Wie konnte er zulassen, da\u00df wir Deutsche und \u00d6sterreicher sein erstes auserw\u00e4hltes Volk im Namen einer Ideologie nach Auschwitz trieben? &#8211; Haben wir uns nicht schon ganz gut an einen schwachen und hilflosen Gott gew\u00f6hnt? Lieben wir Weihnachten nicht auch, weil Jesus als strahlendes Baby so herzig, hilflos und unkompliziert ist? Ist uns Jesus nicht als idealistischer und leicht weltfremder Wanderprediger gel\u00e4ufig, der sich nicht arrangieren konnte, und deshalb schon in jungen Jahren an den gesellschaftlichen Realit\u00e4ten scheiterte?<\/p>\n<p>Paulus besteht darauf, da\u00df Gott m\u00e4chtig ist. Wir sind nur Ton in seiner Hand; wie k\u00f6nnte das geformte Material vom T\u00f6pfer eine Rechtfertigung f\u00fcr sein Vorgehen verlangen &#8211; argumentiert er. Gott entscheidet, wen er erw\u00e4hlt; das k\u00f6nnen auch die Heiden sein. Gott erw\u00e4hlt Heiden, um sein Volk herauszufordern. Sie sollen den Glauben an ihn wieder ernst nehmen. Paulus besteht darauf, da\u00df es auf den Glauben ankommt, nicht auf die Werke, die guten Taten. Allein durch den Glauben sind wir gerechtfertigt.<\/p>\n<p>Das hat Tradition in der Bibel. Abraham und Sarah &#8211; ein altes kinderloses Ehepaar &#8222;jenseits von gut und b\u00f6se&#8220;, wie wir sagen, dieses alte Ehepaar wird mit reichen Nachkommen gesegnet, die die ganze Erde bev\u00f6lkern; die beiden tragen nur den Glauben dazu bei. Ein kleines unscheinbares Volk von Halbnomaden, von den damaligen Gro\u00dfm\u00e4chten nach Belieben hin- und hergeschoben, immer von fremden M\u00e4chten beherrscht, wird von Gott erw\u00e4hlt und erh\u00e4lt ein reiches fruchtbares Land zur Heimat. Sie sollen aus Glauben von \u00c4gypten aufbrechen, durch die W\u00fcste ziehen, sich nach den Geboten richten, einen Tempel bauen. Und Jesus, ein Zimmermannssohn aus einfachen Verh\u00e4ltnissen, empfangen und geboren von einer Frau, die das Unm\u00f6gliche glaubte.<\/p>\n<p>Gegen solche frommen Gedanken str\u00e4ubt sich der moderne Verstand. Sind wir gefordert, das Unm\u00f6gliche zu glauben? Ist mit Glauben vor allem gemeint: Glauben wider alle Vernunft? Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder&#8230; Was zeichnet ein Kind aus? Was fasziniert uns an ihnen immer wieder? Kinder sind neugierig, unternehmungslustig und lernbereit. Sie sind mit ganzem Herzen bei der Sache. Sie sind offenherzig und spontan; sie lachen und weinen ohne Scheu. Sie sind voll Vertrauen und bereit, sich formen zu lassen.<\/p>\n<p>Weihnachten ist ein Fest des Kindes und ein Fest f\u00fcr Kinder. Gern vergi\u00dft man dabei, wie kinderfeindlich unsere Gesellschaft organisiert ist. Eben wird wieder dar\u00fcber verhandelt, wie viele Abtreibungskliniken es in Bayern geben mu\u00df oder darf &#8211; Kinder sind heute nicht einfach ein Segen, Wunschkinder m\u00f6chte man schon; und manche Paare investieren sogar viel Geld und Technik, um eines k\u00fcnstlich zu bekommen. Viel zuviele Kinder sind dagegen unerw\u00fcnscht, werden abgeschoben, fl\u00fcchten von zu Hause, verbringen ihr Leben in Banden auf der Stra\u00dfe &#8211; da mu\u00df man nicht nur an Pater Sporschills Stra\u00dfenkinder in Rum\u00e4nien denken, denen er mit der Caritas nach Kr\u00e4ften ein Zuhause gibt. Gerade gab es wieder gro\u00dfe Randale in N\u00fcrnberg, weil ein autonomes Jugendzentrum geschlossen worden soll. Jugendliche ohne Hoffnung und Zukunft.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man sagen, verwahrloste Kinder sind eben ein Unterschichtph\u00e4nomen, bei uns ist das ganz anders. Jedoch gerade eben legen Studenten seit Wochen das Unileben lahm, weil es in ihren Augen mit der Hochschulpolitik so nicht weitergehen kann. Sie m\u00f6chten ein Anrecht auf Studentenf\u00f6rderung, das sie unabh\u00e4ngig macht von den finanziellen Zuwendungen der Eltern, und sie m\u00f6chten weiter frei studieren k\u00f6nnen ohne Einschr\u00e4nkung durch die Anforderungen der Wirtschaft. Die Jungen haben gro\u00dfe Anspr\u00fcche an ihre Freiheit und Selbst\u00e4ndigkeit. Gleichzeitig sto\u00dfen sie damit gegen eine gesellschaftliche Ordnung, wo nur der etwas zu reden hat, der auf eigenen F\u00fc\u00dfen steht &#8211; also \u00fcber ausreichend selbst verdientes Geld verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcglich haben die Jungen keine gro\u00dfe Zukunft vor sich. Viele stehen vor der Arbeitslosigkeit, bevor sie noch jemals Arbeit hatten; nicht einmal in die Statistik kommen sie so hinein. Wer Arbeit findet, macht selten, was seinen Interessen, F\u00e4higkeiten und Idealen entspricht. Wer heute einen Beruf ergreift, wird h\u00f6chstwahrscheinlich im Laufe seines Lebens mehrmals umschulen m\u00fcssen, mindestens dazwischen immer wieder arbeitslos sein, die durchlaufende Arbeitsbiographie wird es kaum noch geben. Die heutigen Jungen werden jahrelang reichlich Rentenbeitr\u00e4ge bezahlen, um die Renten derer zu finanzieren, die jetzt wirksam auf ihre wohlerworbenen Rechte pochen k\u00f6nnen; sie selbst werden wohl nie eine solche erhalten.<\/p>\n<p>Die heutigen Jungen haben katastrophale Weltaussichten vor sich. Die weltweiten Vorr\u00e4te an Rohstoffen sind innerhalb weniger Jahrzehnte im Raubbau ausgebeutet, das Weltklima m\u00f6glicherweise irreversibel gest\u00f6rt, die Urw\u00e4lder werden abgeholzt, die W\u00fcsten dehnen sich aus, Afrika versinkt in B\u00fcrgerkrieg und Elend, die Wirtschaftsdiktaturen Lateinamerikas und Asiens werden uns nicht mehr lange als billige Zulieferer dienstbar sein, europ\u00e4ische Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge \u00fcberschwemmen die reichen L\u00e4nder oder m\u00fcssen mit harten Polizeima\u00dfnahmen oder hohen EU-F\u00f6rdergeldern drau\u00dfen gehalten werden. Die sozialen Verh\u00e4ltnisse im Land sind am Kippen, die meisten k\u00f6nnen ohne dauernde Medikamente und Aufputschmittel nicht mehr leben, die H\u00e4lfte aller Kinder lebt als Scheidungswaisen, Gewalt ist &#8211; mindestens in den Massenmedien allt\u00e4glich geworden. Den Kindern bauen wir K\u00e4fige &#8211; Spielpl\u00e4tze, Kinderzimmer, Stundenpl\u00e4ne, Massenspielzeug; freie &#8222;Spielr\u00e4ume&#8220; f\u00fcr Bewegung und Kreativit\u00e4t sind in einer automobilisierten Gesellschaft zu gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Die Jungen sehen wenig Zukunft und Hoffnung in der Gesellschaft, die wir ihr aufgebaut haben und ihr hinterlassen werden. Sollten wir uns daf\u00fcr schuldig f\u00fchlen? Haben wir nicht unter gro\u00dfen Entbehrungen mit harter Arbeit aufgebaut, was die Jungen nun nur noch ausn\u00fctzen m\u00fcssen &#8211; und sind noch undankbar dabei? Sind wir nicht selber hilflos angesichts all der Sachzw\u00e4nge und Mechanismen, die der einzelne sowieso nicht beeinflussen kann? Steht nicht auch die Politik mit ihren guten und friedlichen, aber umst\u00e4ndlichen und langwierigen demokratischen Prozessen auf verlorenem Posten angesichts der schnellen und harten Entscheidungen einer globalen Wirtschaft? Sind wir nicht doch unter der Hand zum Zauberlehrling geworden, der die Kr\u00e4fte nicht mehr los wird, die er rief? &#8211; Vielleicht doch: Nur ein Gott kann uns retten!?<\/p>\n<p><em>Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedr\u00e4ngnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder K\u00e4lte, Gefahr oder Schwert? All das \u00fcberwinden wir durch den, der uns geliebt hat.<\/em><\/p>\n<p>So wieder Paulus, mit gro\u00dfer Zuversicht. Woher nimmt er das Vertrauen, woher diese gro\u00dfe Sicherheit? Paulus baut auf den Glauben an den einen Gott, der uns alles gibt. Er argumentiert:\u00a0<em>Er (Gott) hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn f\u00fcr uns alle hingegeben &#8211; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?<\/em>\u00a0Gott hat uns in seinem Sohn mit dem Allerwertvollsten beschenkt; also wird er uns auch alles andere geben, was wir brauchen. Das Problem, so Paulus, ist nicht das Geschenk; Gott beschenkt uns mit allem, und wir k\u00f6nnen uns darauf verlassen.<\/p>\n<p>Das Problem, so Paulus in der ersten H\u00e4lfte seines Briefes, ist unser Glaube. Paulus hat dabei nicht die Ungl\u00e4ubigen im Blick, nein, auch die Heiden sind von Gott berufen. Er meint auch nicht die S\u00fcnder; nein, er bekennt sich selbst zu seiner Schwachheit, die ihn immer wieder entsetzt. Und er betont, da\u00df Christus f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben ist; um wieviel mehr steht er jetzt auf unserer Seite, wo wir durch seinen Tod und seine Auferstehung gerechtfertigt sind. Das Glaubensproblem f\u00fcr Paulus ist der G\u00f6tzendienst: nicht dem wahren Gott, sondern anderen G\u00f6tzen huldigen, das ist das Problem.<\/p>\n<p><em>Gott ist es, der gerecht macht.<\/em><\/p>\n<p>Nur Gott, sonst keiner. Da\u00df es auch heute bei den Glaubensproblemen nicht um die Heiden und die S\u00fcnder, sondern um den G\u00f6tzendienst geht, hat die Befreiungstheologie ganz neu ins Gespr\u00e4ch gebracht. Wer ist unser Gott? Ist es der Mammon, von dem Jesus sagt, wir k\u00f6nnen nur einem Herrn dienen, Gott oder dem Mammon? Man spricht heute treffend von &#8222;Konsumtempeln&#8220; von der &#8222;Medienorgel&#8220; und vom &#8222;Hausaltar Fernsehen&#8220;. Die Werbung verspricht uns Gl\u00fcck, Seligkeit und das Blaue vom Himmel; voll mit ausdr\u00fccklicher und versteckter religi\u00f6ser Symbolik. &#8222;Der Handel klagt, da\u00df das heurige Weihnachtsgesch\u00e4ft hinter den Erwartungen geblieben ist&#8220;, kann man in den Nachrichten h\u00f6ren. Weihnachten ist die umsatzst\u00e4rkste Zeit im Jahr, in der &#8211; so die Werbebotschaft -&#8222;stillsten Zeit des Jahres&#8220; wird das meiste Gesch\u00e4ft gemacht.<\/p>\n<p>Nun ist Wirtschaft nichts Schlechtes. Das Kriterium f\u00fcr den G\u00f6tzen finden wir auch in der Bibel. &#8222;Wo dein Herz ist, dort ist auch dein Gott.&#8220; Das, was dich besch\u00e4ftigt, dein Herz h\u00f6her schlagen l\u00e4\u00dft, dir schlaflose N\u00e4chte bereitet, deine Gedanken besetzt, dir Sorgen macht und h\u00f6chste Freude bereitet &#8211; das ist dein Gott. Wenn dagegen der Profit regiert, der Mensch als Arbeitskraft und Konsument haupts\u00e4chlich dem Geldgewinn dient, die Politik an ihrer Gemeinwohlperspektive gehindert wird um des wirtschaftlichen Vorteils willen, der gro\u00dfe Reichtum steuerschonend in Stiftungen zum eigenen Nutzen eingebracht wird, der Betrug am Konsumenten zum legalen Wirtschaftsmittel wird, das Ansehen eines Menschen von seinem Bankkonto abh\u00e4ngt, vom gro\u00dfen Haus und den teuren Urlaubsreisen, wenn Spekulationsgewinne auf Kosten anderer nicht als obsz\u00f6n, sondern als effizient gelten &#8211; dann ist der G\u00f6tze Mammon im Spiel.<\/p>\n<p>Welchem Gott dienen wir? Ist nicht das Auto zum G\u00f6tzen geworden? Ihm werden selbstverst\u00e4ndlich Menschenopfer dargebracht; zehntausende Tote j\u00e4hrlich auf Deutschlands Stra\u00dfen, das vielfache an Schwerverletzten. Das zugeh\u00f6rige Glaubensbekenntnis lautet: &#8222;Freie Fahrt f\u00fcr freie B\u00fcrger.&#8220; Faktisch jedoch sind Verkehrsmeldungen in der Regel Staumeldungen. Wer in der Gro\u00dfstadt etwas schnell transportiert haben will, nimmt den Fahrrad-Botendienst, weil der schneller ist als die Autos. In jedem F\u00fcnfsitzer sitzt w\u00e4hrend der Woche nur ein Mensch &#8211; ein Mann in der Regel. Er hat keineswegs viel zu transportieren, die gro\u00dfen Lasten werden von Frauen bewegt, zu Fu\u00df oder per Fahrrad. &#8222;Die Autoindustrie ist sehr zufrieden&#8220;, konnte man k\u00fcrzlich in den Nachrichten h\u00f6ren. &#8222;Die Neuzulassungen von PKWs sind im letzten Jahr wieder um 3% gestiegen; statistisch verf\u00fcgt jeder zweite deutsche Erwachsene \u00fcber ein Auto.&#8220; Es ist keine besondere Glanzleistung der Intelligenz, wenn tagt\u00e4glich im Berufsverkehr Millionen von Einzelmenschen mittels 60, 90 oder 120 PS fast eine Tonne Stahl und Kunststoff bewegen, um 80 oder 90 kg Mensch zu bef\u00f6rdern. Das Auto &#8211; ein G\u00f6tze?<\/p>\n<p>Welchem Gott dienen wir? Im zweiten Teil des R\u00f6merbriefs spricht Paulus auch die Gaben des Geistes an, die dem Aufbau der Gemeinde dienen, sein Zentralthema im ersten Korintherbrief. Er spricht dabei griechisch von &#8222;oikodom\u00e9&#8220;, das hie\u00df profan einfach &#8222;Hausbau&#8220;. Wir leben heute in einer Zeit der globalen Vernetzungen, wo unser &#8222;oikos&#8220;, unser Wohnort, der ganze bewohnte Kosmos geworden ist &#8211; wie es schon in der Verhei\u00dfung an Abraham hie\u00df, die wir angesichts seines Glaubens erw\u00e4hnt haben. Deshalb besch\u00e4ftigen uns auch &#8222;\u00d6konomie&#8220; und &#8222;\u00d6kologie&#8220; so sehr. Unsere Geistesgaben haben wir also erhalten, um die Welt so menschengerecht und lebenswert zu gestalten, da\u00df wir gar nicht anders k\u00f6nnen, als Gott zu danken und ihn zu loben. Ertappen wir uns nicht oft dabei, auf unsere Begabungen und Talente stolz zu sein und unser Ego zu pflegen? Oder anders: Vergraben wir nicht oft lieber kleinm\u00fctig unsere Talente, damit wir nur ja auf Nummer sicher gehen?<\/p>\n<p>Angesichts all dessen hei\u00dft die unheimlich starke &#8222;Weihnachtsbotschaft&#8220; des Paulus*: Ich bin gewi\u00df: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch M\u00e4chte, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges, weder Gewalten der H\u00f6he oder der Tiefe noch irgendeine andere Kreatur k\u00f6nnen uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.* Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Maria Widl, Geisberg 8, D-97234 Reichenberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Altjahresabend | 31.12.1997 | R\u00f6m 8,31b-39 | Maria Widl | Zur Vorinformation \u00fcber meinen Hintergrund: Ich bin Pastoraltheologin, komme aus der Zulehner-Schule (Erg\u00e4nzung der Redaktion: Paul Zulehner ist Prof. f\u00fcr prakt. 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