{"id":20877,"date":"1997-12-28T13:52:26","date_gmt":"1997-12-28T12:52:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20877"},"modified":"2025-03-10T13:56:07","modified_gmt":"2025-03-10T12:56:07","slug":"1-joh-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-joh-11-4\/","title":{"rendered":"1. Joh 1,1-4"},"content":{"rendered":"<h3>&#8222;Das Leben ist erschienen&#8220;! | 1. Sonntag nach Weihnachten | 28.12.1997 | 1. Joh 1,1-4 |\u00a0Heinz-Dieter Knigge |<\/h3>\n<p>Predigttext 1. Johannes 1,1-4<\/p>\n<p>&#8222;Was von Anfang an war, was wir geh\u00f6rt haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsere H\u00e4nde betastet haben, vom Wort des Lebens &#8211; und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verk\u00fcndigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist, &#8211; was wir gesehen und geh\u00f6rt haben, das verk\u00fcndigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wird, damit unsere Freude vollkommen sei.&#8220;<\/p>\n<p>Predigt:<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wir kommen von Weihnachten her. Wir gehen auf Silvester und Neujahr zu. &#8222;Zwischen den Jahren&#8220; nennt man diese letzten Tage eines Jahres, zu denen auch der heutige Sonntag geh\u00f6rt. Das gro\u00dfe Fest ist vor\u00fcber. Aber noch stehen die geschm\u00fcckten Weihnachtsb\u00e4ume in unseren Zimmern, in den Kirchen, auf unseren Pl\u00e4tzen. Noch z\u00fcnden wir die Weihnachtskerzen an, und noch singen wir Weihnachtslieder. Und vielleicht ist auch noch etwas \u00fcbriggeblieben von der Weihnachtsgans, vom Weihnachtsbraten oder vom Weihnachtsgeb\u00e4ck. Aber schon stehen uns neue Feiern bevor. Andere Gef\u00fchle kommen in uns auf. Ein Jahr geht zu Ende.<\/p>\n<p>Schon wieder ist ein Jahr vor\u00fcber, mag mancher denken. Was wird das neue Jahr uns bringen? &#8222;Zwischen den Jahren&#8220;. Wir erleben uns in einer Situation des \u00dcbergangs. Deutlicher als sonst wird uns bewu\u00dft, da\u00df Zeit zu Ende geht, da\u00df uns Zeit neu geschenkt wird, da\u00df zu der Zeit, in der wir leben, das Werden geh\u00f6rt und das Vergehen.<\/p>\n<p>&#8222;Zwischen den Jahren&#8220;, in diesen Tagen des \u00dcbergangs, h\u00f6ren wir den Predigttext f\u00fcr den Sonntag nach Weihnachten. Im 1. Johannesbrief, Kapitel 1, Vers 1 &#8211; 4 hei\u00dft es: (Verlesung des Textes).<\/p>\n<p>Vielleicht kann uns das, was wir geh\u00f6rt haben begleiten bei unserem Hin\u00fcbergehen von Weihnachten zu Silvester, von einem zum anderen Jahr. &#8222;Das Leben ist erschienen&#8220; hei\u00dft es in unserem Predigttext. Das ist eine sch\u00f6ne, eine helle, eine strahlende Zusammenfassung der Weihnachtsbotschaft, der ich auch am Sonntag nach Weihnachten gern noch nachdenken m\u00f6chte. &#8222;Das Leben ist erschienen&#8220;. Das erinnert mich an den Predigttext vom Heiligabend aus dem Titusbrief: &#8222;Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes&#8220;, hie\u00df es dort. Ich denke aber auch an Epiphanias, an das Erscheinungsfest, das wir am 6. Januar feiern, das bis heute das Weihnachtsfest der orthodoxen Kirche ist.<\/p>\n<p>Wir sprechen davon, da\u00df B\u00fccher erscheinen oder Zeitungen. Erscheinung, Epiphanie &#8211; in der Bibel werden diese Worte benutzt, um das Sichtbarwerden Gottes in unserer Welt zu bezeichnen. &#8222;Das Leben ist erschienen&#8220;, das hei\u00dft also im biblischen Text: Gott ist erschienen.<\/p>\n<p>Gott &#8211; wir wissen oft nicht mehr, was wir anfangen sollen mit diesem Wort. Aber unser Predigttext hilft uns weiter; Gott, das ist der, der das Leben ist und der das Leben schenkt, das eigentliche Leben, das Leben, dem nichts mehr fehlt.<\/p>\n<p>Unser Predigttext spricht vom ewigen Leben. Da m\u00fcssen wir aufpassen. Das ewige Leben ist nicht das jenseitige Leben, das Leben nach dem Tod. Ein theologischer Lehrer (Ernst Fuchs) hat mal gesagt, es sei im Grunde gottlos gedacht, wenn wir aus dem einen Leben zweierlei Leben machten, ein diesseitiges und ein jenseitiges Leben. Das hie\u00dfe, Gott selber zu teilen, ihn ins Jenseits abzuschieben und ihm das Diesseits vorzuenthalten.<\/p>\n<p>&#8222;Das Leben ist erschienen.&#8220; Gott ist erschienen. Ewiges, wahres, bleibendes, erf\u00fclltes Leben. Im Diesseits tritt es in Erscheinung, weil Gott sich nicht abdr\u00e4ngen lassen will ins Jenseits. Gott wird Mensch. Lukas erz\u00e4hlt vom Krippenkind, Matth\u00e4us vom Stern, der die Magier herbeiholt aus fernen Landen, Johannes spricht vom Sch\u00f6pfungswort Gottes, das Fleisch, das Mensch geworden ist und unter uns wohnte. So verschieden kann man von der Epiphanie, von der Erscheinung des g\u00f6ttlichen Lebens, von Jesu Geburt, reden. Aber jeweils ist die Welt, in der wir leben, der Ort dieser Erscheinung: Das Leben schlechthin, Gott, erscheint in unserem Leben &#8211; in der Gestalt Jesu von Nazareth, der im Johannesevangelium einmal genannt wird &#8222;Brot f\u00fcr das Leben der Welt&#8220; (Joh. 6,51).<\/p>\n<p>&#8222;Das Leben ist erschienen.&#8220; Das ist wohl die Mitte, der zentrale Satz unseres Predigttextes. Aber zur Mitte geh\u00f6rt etwas, das vorausgeht und etwas, das folgt. Sonst w\u00e4re da keine Mitte. Ich kann es auch anders sagen: Und wenn ich mich selber nun ganz am Rande f\u00fchlte, wie k\u00e4me ich denn da hinein in diese Mitte? Und wenn ich mit dieser Mitte in Verbindung gekommen sein sollte, welche Konsequenzen h\u00e4tte das dann f\u00fcr mich?<\/p>\n<p>Der Verfasser unseres Predigttextes spricht von dem &#8222;was von Anfang an war, was wir geh\u00f6rt haben, was wir gesehen haben mit unseren Augen, was wir betrachtet haben und unsere H\u00e4nde betastet haben&#8230;&#8220; Unwillk\u00fcrlich denke ich an den greisen Simeon, von dem vorhin in der Lesung die Rede war, der das Jesuskind in seine Arme nehmen konnte und der dann sagte: &#8222;Herr, nun l\u00e4ssest du deinen Diener in Frieden fahren, &#8230; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.&#8220;<\/p>\n<p>Solch&#8216; einen Jesus w\u00fcnsch ich mir ja im Grunde auch &#8211; einen Jesus zum Anfassen und Rumtragen und Rumzeigen. Aber da bin ich nun wirklich 2000 Jahre zu sp\u00e4t geboren. Aber sicher hat das auch seinen Sinn. Ob ich wohl, wenn ich damals gelebt h\u00e4tte, vor der Krippe Jesu anbetend stehengeblieben w\u00e4re? Wahrscheinlicher ist doch, da\u00df ich achselzuckend vor\u00fcbergegangen w\u00e4re und gedacht h\u00e4tte: Das arme Kind! Dieser zugige Stall und eine Futterkrippe ist seine Wiege. Es gibt wirklich zu viel Not und Elend in der Welt! Hoffentlich wird das Kind \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Aber auch der Verfasser des 1. Johannesbriefes war wohl zu sp\u00e4t geboren, um Jesus pers\u00f6nlich h\u00f6ren, betrachten und anfassen zu k\u00f6nnen. Um 100 oder um 120 nach Christus hat er wahrscheinlich seinen Brief geschrieben. Mir f\u00e4llt nun auch auf, da\u00df er gar nicht von einer Person spricht, sondern wie von einer Sache. Er sagt nicht:\u00a0<em>Der<\/em>\u00a0von Anfang an war,\u00a0<em>den<\/em>\u00a0wir geh\u00f6rt haben,\u00a0<em>den<\/em>\u00a0wir gesehen haben mit unseren Augen,\u00a0<em>den<\/em>\u00a0wir betrachtet haben und unsere H\u00e4nde betastet haben &#8211; nein, er spricht immer vom\u00a0<em>Was: was<\/em>\u00a0von Anfang an war,\u00a0<em>was<\/em>\u00a0wir geh\u00f6rt haben,\u00a0<em>was<\/em>\u00a0wir gesehen haben usw.. Das pa\u00dft zum Schlu\u00df des Verses, der dann vom Wort des Lebens redet.<\/p>\n<p>Ich finde das wichtig. Was f\u00fchrt uns in die Mitte unseres Predigttextes, hin zu dem Satz: Das Leben ist erschienen? hatte ich gefragt. Offenbar das Wort, das dieses Leben verk\u00fcndigt, das davon spricht, da\u00df Gott in Jesus f\u00fcr uns, in unserer Welt, als das Leben erschienen ist, das das, was wir Leben nennen und Tod, umschlie\u00dft und umgreift &#8211; Vielleicht sind wir jetzt entt\u00e4uscht. Wir leben in einer erfahrungshungrigen Zeit. Worte gelten als Schall und Rauch, Fakten z\u00e4hlen. Aber wie k\u00f6nnen Fakten anders ver\u00f6ffentlicht, weitergegeben und mitgeteilt werden als durch Worte?<\/p>\n<p>Das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist, will und mu\u00df verk\u00fcndigt werden. So steht es auch in unserem Predigttext: Der Satz, der die hymnisch-feierlichen Verse unseres Predigttextes tr\u00e4gt, hei\u00dft: &#8222;Wir verk\u00fcndigen euch &#8220; . Zum Wort aber geh\u00f6ren Menschen, die es verk\u00fcndigen und weitersagen.<\/p>\n<p>Wir alle werden uns an Menschen erinnern k\u00f6nnen, durch die wir mit dem christlichen Glauben und mit der Kirche in Ber\u00fchrung gekommen sind. Wenn es sie nicht gegeben h\u00e4tte, w\u00e4ren wir jetzt nicht hier. Johannes, der Verfasser unseres Briefes, schreibt seiner Gemeinde voller Sorge. Er warnt sie vor Mitchristen, die den christlichen Glauben in eine Idee aufzul\u00f6sen versuchen, f\u00fcr die es nicht mehr wichtig ist, da\u00df Jesus Mensch wurde und unter uns lebte und starb. Damit verlieren wir den Kontakt zur Wirklichkeit, sagt der Briefschreiber, zur Geschichte, zu den Menschen, die uns dann auch gleichg\u00fcltig werden, an denen wir dann lieblos vor\u00fcbergehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Wort ward Fleisch, wahrer Mensch, hei\u00dft es \u00fcber Jesus im Johannesevangelium. Aber dieser Jesus ist f\u00fcr uns auch wieder zum Wort geworden, damit er uns und wir ihm nahe sein k\u00f6nnen. Er ist zu einem Wort geworden, in dem wir bleiben und wohnen k\u00f6nnen, zu einem Licht-, Leucht- und Anfa\u00dfwort, das uns begleitet, das vor uns hergeht, das bei uns ist, wenn wir Weihnachten feiern (und auch, wenn wir dabei Entt\u00e4uschungen erleben).<\/p>\n<p>So nahe r\u00fcckt uns das Wort der Verk\u00fcndigung den fleischgewordenen Jesus, da\u00df z. B. Paul Gerhard (anno 1653!) dichten konnte: &#8222;Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben, ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und la\u00df dir&#8217;s wohlgefallen.&#8220; Das h\u00f6rt sich an, als ob es keinen garstig breiten Graben der Historie mehr g\u00e4be, als ob uns keine 2000 Jahre von jenem Geschehen trennten, das wir eben wieder gefeiert haben.<\/p>\n<p>Ich denke, dieses Wort des Lebens kann uns auch begleiten, wenn wir hin\u00fcbergehen von einem Jahr zum anderen. Es wird uns auch im neuen Jahr Kraft zum Leben schenken. Worte sind Schall und Rauch, denken wir vielleicht. Aber es kommt darauf an, was das f\u00fcr Worte sind &#8211; und wer sie uns sagt. Durch sein Wort hat Gott Licht und Finsternis, Himmel und Erde, Tiere und Menschen geschaffen. Mit seinem Wort will er auch bei uns sein:<\/p>\n<p>&#8222;Das Leben ist erschienen.&#8220; &#8222;Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht traurig sein&#8220; hei\u00dft es in einem neueren Weihnachtslied. Martin Luther hat in einer Predigt \u00fcber unseren Text einmal gesagt: &#8222;Dieses Leben (das da erschienen ist) ist m\u00e4chtiger als alle Tode und H\u00f6llen. Es wird angeboten und erscheint, la\u00dft uns nur die Herzen \u00f6ffnen, dann haben wir den, der m\u00e4chtiger ist als Tod und S\u00fcnden!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das Leben ist erschienen.&#8220; Gott ist Mensch geworden in Jesus von Nazareth. Das wird uns verk\u00fcndigt als lebendigmachendes Wort &#8211; und wozu f\u00fchrt uns das? Wir wollen noch in den Schlu\u00dfteil unseres Predigttextes hineinh\u00f6ren. Sein Leitwort hei\u00dft: Gemeinschaft! Es geht um die Gemeinschaft untereinander, die in der Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus gr\u00fcndet. Da merken wir schon, was mit der Gemeinschaft gemeint ist, die zu dem Leben geh\u00f6rt, das f\u00fcr uns erschienen ist. Gemeinschaft hei\u00dft zun\u00e4chst: Selber Anteil haben an der Epiphanie dieses Lebens, dazuzugeh\u00f6ren, sich zum Teilhaber Gottes und Jesu Christi machen zu lassen. Gemeinschaft hei\u00dft aber dann sofort auch: anderen daran Anteil geben.<\/p>\n<p>Was in der Vorrede zum 1. Johannesbrief, in unserem Predigttext, nur erst andeutend gesagt ist, wird im nachfolgenden Brief immer wieder entfaltet. Da hei\u00dft es z. B. im 4. Kapitel: &#8222;Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.&#8220; Und wenig sp\u00e4ter: &#8222;La\u00dft uns lieben, denn er (Gott) hat uns zuerst geliebt. Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott und ha\u00dft seinen Bruder, der ist ein L\u00fcgner. Denn wer seinen Bruder (und f\u00fcr die Schwester gilt das nat\u00fcrlich genauso) nicht liebt, den (oder die) er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? Und dies Gebot haben wir von ihm, da\u00df, wer Gott liebt, da\u00df er auch seinen Bruder (und seine Schwester) liebe.&#8220; Und woran erkennt man die Liebe? An der Freude! (E. Fuchs) Denn wer liebt, freut sich.<\/p>\n<p>Es ist gut, denke ich, solche Worte zwischen den Jahren zu h\u00f6ren. Sie sagen uns, woher wir kommen und wohin wir gehen. Gott ist ein Liebhaber des Lebens. Er will Leben in unser Leben bringen, Leben das bleibt. Er will, da\u00df wir an das Leben glauben, auch an unser Leben, das uns geschenkt ist. Denn Leben hat man nicht einfach, genauso wenig wie Gott. Er will, da\u00df wir entsprechend handeln, da\u00df wir &#8222;in der Liebe bleiben.&#8220; So wird aus einem Jesus zum Anfassen unversehens ein Glaube, den man sehen und anfassen kann.<\/p>\n<p>M\u00f6ge uns die Gewi\u00dfheit beim Wechsel der Jahre begleiten, da\u00df wir im Leben, in Gott, in der Liebe wohnen k\u00f6nnen &#8211; und da\u00df die Wohnung so gro\u00df ist, da\u00df wir noch abvermieten, auch andere noch hineinlassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Heinz-Dieter Knigge<\/p>\n<p>Zum Text:<\/p>\n<p>Statt des \u00fcblichen Briefanfangs mit Pr\u00e4skript und Pro\u00f6mium beginnt der 1. Johan-nesbrief mit einer hymnisch gestalteten Einleitung, die eine wohl beabsichtigte Entsprechung zum Eingangsprolog des Johannesevangeliums darstellt. Allerdings meint der &#8222;Anfang&#8220;, von dem unter Verwendung verschiedener Pr\u00e4positionen hier wie dort gesprochen wird, einen jeweils verschiedenen Zeitpunkt; dem Uranfang in Joh. 1, 1. wird jetzt der Anfang der Verk\u00fcndigung oder des Glaubens gegen\u00fcbergestellt, wie z. B. Joh. 15,27; 1.Joh. 2,7; 2,24 und 3,11 m. E. deutlich zeigen. Dazu pa\u00dft die Situation, in der der Brief geschrieben ist. Der Verfasser wendet sich gegen H\u00e4retiker, die die Inkarnation bestreiten, wie z. B. 1. Joh. 4,2f. deutlich zeigt. Sie aber ist &#8222;von Anfang an&#8220; verk\u00fcndigt worden: &#8222;Was ihr geh\u00f6rt habt, von Anfang an, das bleibe in euch&#8220; (1. Joh. 2,24). Die neutrische Ausdrucksweise hier ist auch im Briefeingang (1,1) benutzt. Sie soll m. E. in Verbindung mit den geh\u00e4uft gebrauchten Verben der sinnlichen Wahrnehmung einsch\u00e4rfen, da\u00df die Verk\u00fcndigung den fleischgewordenen Logos, den &#8222;Jesus zum Anfassen&#8220;, repr\u00e4sentiert: Die neutrische Ausdrucksweise, der Bezug auf das &#8222;Wort des Lebens&#8220; und die wahrscheinlich sp\u00e4te Abfassungszeit des Briefes (Ende des 1., Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr.) lassen eine (oft versuchte) Deutung auf Augenzeugen m. E. nicht zu. Die Aussage: &#8222;Das Leben ist erschienen&#8220; im 2. Vers markiert das inhaltliche Zentrum des Textes. Leben wird als ewiges Leben gekennzeichnet, was wie im Evangelium das durch den Glauben an Jesus jetzt schon vermittelte Verh\u00e4ltnis zu Gott bezeichnet (vgl. z. B. Joh. 5,24). Im 3. Vers dominiert das Stichwort &#8222;Gemeinschaft&#8220;. Sie wird als Gemeinschaft mit den Adressaten interpretiert, die in der Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus gr\u00fcndet. Der Brief entfaltet breit, da\u00df diese Gemeinschaft Gottes- und Bruderliebe bedeutet ( vgl. z. B. 4,16;21). Wo diese \u00dcbereinstimmung mit Gott und dem Bruder (und der Schwester) geschieht, ereignet sich vollkommene Freude (V. 4).<\/p>\n<p>Zur Gemeinde:<\/p>\n<p>Ich habe die Christophorusgemeinde in G\u00f6ttingen vor Augen, in der ich viele Jahre Pastor war. Eine gro\u00dfe Gruppe von Optanten, Studenten, Akademiker, einfache Leute, Behinderte aus den benachbarten Christophorush\u00e4usern &#8211; die Mischung k\u00f6nnte kaum bunter sein. Aber wer wird am Sonntag nach Weihnachten kommen? Wahrscheinlich nur wenige, aber die kommen, bringen wahrscheinlich auch bestimmte Erwartungen mit, die &#8211; wenn m\u00f6glich &#8211; aufzunehmen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das Leben ist erschienen&#8220;! | 1. Sonntag nach Weihnachten | 28.12.1997 | 1. Joh 1,1-4 |\u00a0Heinz-Dieter Knigge | Predigttext 1. Johannes 1,1-4 &#8222;Was von Anfang an war, was wir geh\u00f6rt haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsere H\u00e4nde betastet haben, vom Wort des Lebens &#8211; und das Leben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19171,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[547,56,727,157,853,114,1534,952,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20877","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-so-n-christfest","category-1-johannes","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-heinz-dieter-knigge","category-kapitel-01-chapter-01-1-johannes","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20877"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20877\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20878,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20877\/revisions\/20878"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20877"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20877"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20877"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20877"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}