{"id":20879,"date":"1997-11-30T13:56:33","date_gmt":"1997-11-30T12:56:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20879"},"modified":"2025-03-10T14:00:23","modified_gmt":"2025-03-10T13:00:23","slug":"jeremia-235-8-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-235-8-3\/","title":{"rendered":"Jeremia\u00a023,5-8"},"content":{"rendered":"<h3>Bewegte Vergangenheit | 1. Advent | 30.11.1997 | Jer 23,5-8 | Joachim Ringleben |<\/h3>\n<p>Predigt im Universit\u00e4tsgottesdienst (30.11.1997 mit Abendmahl) \u00fcber Jeremia 23,5-8. St. Nikolai-Kirche G\u00f6ttingen.<\/p>\n<p>(5) Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da\u00df ich dem David einen gerechten Spro\u00df erwecken will. Der soll ein K\u00f6nig sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande \u00fcben wird. (6) Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: &#8222;Der Herr unsere Gerechtigkeit&#8220;. (7) Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, da\u00df man nicht mehr sagen wird: &#8222;So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus \u00c4gyptenland gef\u00fchrt hat!&#8220;, (8) sondern: &#8222;So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgef\u00fchrt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie versto\u00dfen hatte.&#8220; Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Was hat es damit auf sich: Heute, am 1. Advent, heute, im Blick auf das Kommen Christi, erreicht uns die Stimme eines Propheten Israels, Worte von vor 2600 Jahren. Wo wir nach vorn blicken m\u00f6chten, sollen wir zur\u00fcckh\u00f6ren, in eine ferne Vergangenheit. Und doch liegt es auf der Hand: Diese Vergangenheit zielt auf uns, sie reicht bis hierher zu diesem Adventssonntag, und sie will sich heute vor unseren Ohren erf\u00fcllen (Lk 4,21). Diese Prophetenworte aus der Geschichte Israels, sie geh\u00f6ren in die Vorgeschichte des Advents, denn er hat eine \u00e4u\u00dferst bewegte Vergangenheit. &#8222;Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergr\u00fcndlich nennen?&#8220;<\/p>\n<p>Das ist die Spannung unserer Gegenwart als christliche Gemeinde: Der Blick zur\u00fcck in die D\u00e4mmerung der Zeiten, das H\u00f6ren auf l\u00e4ngst Vergangenes erleuchtet unser Heute. &#8211; Aber je herkunftsvergessener diese Gegenwart, desto unergr\u00fcndlicher das Vergangene. Jedenfalls ist klar: keine Ankunft ohne Herkunft und kein Advent ohne Vorlauf. Darum sprach man fr\u00fcher so sch\u00f6n und tiefsinnig von der &#8222;endlichen Ankunft&#8220; unseres Heilands. Aber die Ankunft zeigt auch erst, da\u00df das Vergangene eine Herkunft war. So bewegt die Gegenwart auch die Vergangenheit.<\/p>\n<p>I<\/p>\n<p>F\u00fcr Jeremia selbst wurde die Vergangenheit durch die Zukunft bewegt: &#8222;Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, da\u00df man nicht mehr sagen wird: &#8222;So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus \u00c4gyptenland gef\u00fchrt hat!&#8220;, sondern: &#8222;So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgef\u00fchrt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie versto\u00dfen hatte.&#8220; Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.&#8220;<\/p>\n<p>Der Prophet blickt auf einen zweiten Exodus, eine zuk\u00fcnftige Herausf\u00fchrung seines Volkes aus aller Zerstreuung. Dieser zweite Exodus \u00fcberholt und \u00fcberbietet den ersten aus \u00c4gypten, er wiederholt die Gr\u00fcndungsgeschichte des Gottesvolkes, und das sollte endg\u00fcltig sein. Wir blicken auf einen ungeahnten neuen Exodus, auf einen neuen K\u00f6nig der Juden, Jesus, mit dem Israel ein innerer Exodus widerfuhr: Mit Jesus wurde es innerhalb seiner selbst \u00fcber sich hinaus gef\u00fchrt. &#8222;Siehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir sanftm\u00fctig und reitet auf einem Esel und auf einem F\u00fcllen der lastbaren Eselin&#8220; (Mt 21,5; Sach 9,9). Mit ihm war die Gerechtigkeit Gottes mitten unter uns. &#8222;Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergr\u00fcndlich nennen?&#8220; Unergr\u00fcndlich tief schon f\u00fcr Jeremia, den Propheten, und unergr\u00fcndlich tief f\u00fcr die christliche Gemeinde.<\/p>\n<p>Wir lesen das Alte Testament von Christus her, und Jeremia leitet hier dazu an. Dabei wird das Alte Testament uns immer wieder neu, denn wir betreiben so eine Spurensicherung: Spuren des lebendigen Gottes in der Wirklichkeit der Geschichte, des Gottes, der selber unterwegs ist mit der Geschichte.<\/p>\n<p>Da ist dieses seltsame Volk, klein und unbedeutend inmitten der vorderorientalischen Welt; ein Volk, das mit so merkw\u00fcrdigem Selbstbewu\u00dftsein auf den Geschichten seiner Vergangenheit beharrt, diesen nomadisierenden V\u00e4tern, diesen wankelm\u00fctigen K\u00f6nigen &#8211; darauf beharrt, als sei diese obskure Vergangenheit weltbedeutsam &#8211; und ist sie es denn nicht wirklich? Dieses Winkelvolk, durch seinen Gott abgesondert und umgetrieben, dessen Wort seine Geschichte bestimmt, auf ihr lastet, in ihr rumort. Von diesem Wort bewegt, beunruhigt, aufgew\u00fchlt, ein Stachel im Fleisch dieses Volkes.<\/p>\n<p>Und dann diese gro\u00dfartigen Prophetengestalten, die eben dies betreiben, im Blick auf Vergangenheit und Zukunft des Volkes, zwischen Heil und Unheil schwankend, oft von hellsichtiger Wachheit, teils das kritische Gewissen ihrer Zeit, teils einer fernen Zukunft zugewandt, nach vorn, auf ein unvorstellbar neues aus. Oft haben sie die Wahrheit auf ihrer Seite, oft \u00fcberholt sie das Geschehen radikal. Offensichtlich sagen sie immer mehr, als sie selber wissen k\u00f6nnen; ihr Wort reicht weit \u00fcber sie hinaus &#8211; reicht bis zu uns.<\/p>\n<p>So ist in der Vergangenheit dieses Volkes, seiner Geschichte und seiner prophetischen W\u00e4chter etwas Treibendes am Werk, eine tiefe Unruhe, eine Zukunfts\u00f6ffnung, eine messianische Hoffnung in ihrem Erbe. Und dies alles unl\u00f6slich verbunden mit dem Namen ihres Gottes von fernher. &#8222;Siehe, es kommt die Zeit &#8230; Zu seiner Zeit wird &#8230;&#8220; (5 u. 6) &#8211; das ist der Tenor. H\u00f6ren wir heute darauf, tasten wir uns heute in diese Vergangenheit zur\u00fcck, so sp\u00fcren wir wohl etwas von dem Geheimnis, das in dieser Geschichte am Werk ist, sp\u00fcren wir die Bewegtheit dieser Vergangenheit, den Schimmer eines uns\u00e4glichen Versprechens \u00fcber dem vergangenen Geschehen. &#8222;Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergr\u00fcndlich nennen?&#8220;<\/p>\n<p>Erst wenn wir so fragen oder h\u00f6ren, n\u00e4mlich: Was geht eigentlich vor sich in dieser Vergangenheit, was ist ihre treibende Problematik, was ist darin lebendig unterwegs zu sich, was arbeitet sich darin aus? &#8211; erst dann k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt vernehmen, da\u00df darin das Wort Gottes am Werk ist, das zu uns weitergegangen ist. \u00c4hnlich kam schon den Propheten das Wort aus ihrer Geschichte entgegen &#8211; das Wort, das sie zur Sprache brachten. &#8222;Bewegte Vergangenheit&#8220;: Gottes work in progress, Zukunft im Erbe. &#8222;Was du ererbt von deinen V\u00e4tern, erwirb es, um es zu besitzen&#8220;!<\/p>\n<p>Es geht um Gottes langen Marsch durch die Jahrhunderte, durch die Geschichte mit ihrem Auf und Ab. Die Propheten sind die Seismographen dieser heimlichen Bewegtheit, aus der im Sprung Neues kommt &#8211; wie bei einer Geburt.<\/p>\n<p>Ein langsames und stilles Reifen, der neuen Gestalt entgegen, eine sukzessive Abl\u00f6sung oder Aufl\u00f6sung der alten Welt, deren Wanken nur durch einzelne Symptome angedeutet wird, die unbestimmte Ahnung eines Unbekannten &#8211; das sind die Vorboten. Und diese allm\u00e4hlich Ver\u00e4nderung wird dann irgendwann pl\u00f6tzlich unterbrochen, wie durch einen Blitz (Lk 10,18), und mit einem Male steht das Gebilde einer neuen Welt da.<\/p>\n<p>Ich rede nicht zuf\u00e4llig von der Geburt des Neuen. Der letzte K\u00f6nig Judas, den Jeremia vor Augen hatte, ist ein Mann ohne Kinder gewesen (22,30). Er hie\u00df &#8222;Zedekia&#8220;, worin das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Gerechtigkeit steckt; aber so hatte ihn nur der fremde Oberherr Nebukadnezer benannt (2 K\u00f6 24,17). Auf diesen Abbruch hin spricht Jeremia von einem Neuanfang: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da\u00df ich dem David einen gerechten Spro\u00df erwecken will. Der soll ein K\u00f6nig sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande \u00fcben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: &#8222;Der Herr unsere Gerechtigkeit&#8220;.&#8220;<\/p>\n<p>Nach dem kinderlosen Pseudo-Zedekia will Gott selber Vater werden, und er will in Wahrheit den Namen geben: &#8222;Der Herr ist unsere Gerechtigkeit&#8220;. Gott will Vater werden, d.h. er will einen neuen Spro\u00df Davids erwecken: &#8222;seinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn, geboren aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch&#8220; (R\u00f6m 1,3). Und er will Vater werden, indem er selber sagt: &#8222;Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe&#8220; (Mt 3,17).<\/p>\n<p>Dahin f\u00fchrte die lange Geschichte: zur Gottesgeburt in Israel, und die Vergangenheit dieses Volkes ist innerlich so bewegt, weil die Geschichte Israels mit etwas schwanger geht: &#8222;Als aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan&#8220; (Gal 4,4). Denn: &#8222;als sie dort waren, kam die Zeit, da\u00df sie geb\u00e4ren sollte&#8220; (Lk 2,6).<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, k\u00fcrzlich erschien ein Buch mit dem Titel: &#8222;Gott. Eine Biographie&#8220;; ein interessanter Titel, aber leider nicht mehr. Unsere pers\u00f6nliche biographische Vergangenheit, sie ist fast nur die Bewegung ins Vergangensein, sie entzieht sich uns mehr und mehr. Oder geht es Ihnen anders? &#8211; Aber Gott hat eine bewegte Vergangenheit, oder besser: er &#8222;hat&#8220; nicht eine Vergangenheit, sondern er bewegt sie: seine Vergangenheit und unsere Vergangenheit. Wie unrecht hat doch christlich Schiller mit dem &#8222;Ewig still steht die Vergangenheit&#8220;! Denn Gott ist der Lebendige, weil er der ist, der auch die Vergangenheit noch bewegt, und darum hat die Zukunft schon begonnen.<\/p>\n<p>Wir sto\u00dfen Jeremias Prophetenwort auf Gottes bewegte Biographie, d.h. wir sto\u00dfen auf das Geheimnis der Ewigkeit. Diese bewegte Vergangenheit hat mit der lebendigen Ewigkeit, mit dem ewigen Leben zu tun, mit dem lebendigen Gott selber. Darum ist diese Vergangenheit in sich so bewegt da\u00df sie unsere Zukunft ist: der ewige Advent.<\/p>\n<p>Das ist Gottes sch\u00f6pferisches Wort durch die Propheten: im Lichte der Verhei\u00dfung das Unabgegoltene, die Offenheit des Vergangenen zu enth\u00fcllen. Immer wieder sagen diese Propheten: &#8222;So spricht der Herr&#8220;, und sie machen damit die vergangene Wirklichkeit zu einer ganz neuen M\u00f6glichkeit. Die Geschichte Israels wird bewegt durch die g\u00f6ttlichen Akte st\u00e4ndiger Neuinterpretation: im Ereignis des Wortes &#8211; Zukunft im Vergangenen und Hoffnung im Gewesenen.<\/p>\n<p>&#8222;Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.&#8220; Sollte man ihn nicht unersch\u00f6pflich nennen? Ihn auszusch\u00f6pfen, dazu geh\u00f6rte der lange Atem des Sch\u00f6pfers selber: &#8222;Nachdem vor Zeiten Gott vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben &#8230;&#8220; (Hebr 1,1f.). Damit ist Israels Vergangenheit umgeschrieben und neu formuliert, denn sie weist nun in eine ewige Zukunft.<\/p>\n<p>Zu dieser langen Rede durch die Geschichte des Himmelreichs geh\u00f6rt wahrlich ein g\u00f6ttlicher Atem, der belebende Hauch des Sch\u00f6pfers, damit der Redende nicht aus der Puste kommt, und so kann man den Anfang des Hebr\u00e4er-Briefes auch einmal lesen: &#8222;Nachdem GOTT durch Natur und Schrift, durch Gesch\u00f6pfe und Seher, durch Gr\u00fcnde und Figuren, durch Poeten und Propheten sich ersch\u00f6pft, und aus dem Othem geredet hatte, so hat er am Abend der Tage zu uns geredt durch Seinen Sohn &#8211; gestern und heute! &#8211; bis die Verhei\u00dfung seiner Zukunft &#8211; nicht mehr in Knechtsgestalt &#8211; auch erf\u00fcllt seyn wird -&#8222;, so Hamann. &#8222;Er meint den in seinem Eifer um uns atemlos bem\u00fchten, auf uns einredenden, hinter uns herlaufenden Gott.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Gottesknecht wird zum &#8222;endlichen&#8220; K\u00f6nig geboren, &#8222;der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande \u00fcben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen&#8220; (5f.).<\/p>\n<p>III<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, die Gottesgeburt geschah vor fast 2000 Jahren. Gott lie\u00df sich als ein Mensch geb\u00e4ren, die Ewigkeit kam in die Zeit: die &#8222;endliche Ankunft&#8220; unseres Herrn und Heilands. Sein Advent ver\u00e4nderte die Zeit, und er bewegte noch einmal neu die Vergangenheit. Denn seine Gegenwart kehrt die Vergangenheit um: Der Sohn Davids ist zugleich der, den David im Geist seinen Herrn nennt (Mt 22,45), ja mehr noch, der mit der Ewigkeit in die Zeit kommt, \u00fcberholt die Vergangenheit: &#8222;Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich&#8220; (Joh 8,58).<\/p>\n<p>&#8222;Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergr\u00fcndlich nennen?&#8220; Denn der kommende Ewige \u00fcberholt das Vergangene. Ist das nicht voller Geheimnis: In der Geschichte selbst entsteht, was alle Geschichte vollendet? Von dem Kind in der Krippe her kommt der Richter am Ende der Welt, und aus dem Tode Jesu kommt f\u00fcr alle Zukunft der lebendige Herr.<\/p>\n<p>Die Vergangenheit ist so unergr\u00fcndlich, da\u00df sie noch die Zukunft enth\u00e4lt, da\u00df wir in ihr dem begegnen, was auf uns noch zukommt: &#8222;Tief ist der Brunnen der Vergangenheit&#8220;.<\/p>\n<p>Darum sprach Christus der Herr nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab, n\u00e4mlich am tiefen Brunnen Jakobs, vom lebendigen Wasser (Joh 4). &#8222;Brunn alles Heils, dich ehren wir &#8230; O Segensbrunnen, der ewig flie\u00dft&#8220; (EG 140,1 u.5); O Brunnen unersch\u00f6pfter G\u00fct&#8220; (EG 389,3).<\/p>\n<p>Aus diesem lebendigen Brunnen entstand uns Christus, der neue K\u00f6nig der Gerechtigkeit. Ihn gibt es nur, weil Gottes sch\u00f6pferisches Wort weiterwirkt, und das mit ihm erf\u00fcllte Wort l\u00e4\u00dft uns das Wort der Vergangenheit neu h\u00f6ren. Von Christus aus wird uns das Alte Testament eben das &#8222;alte&#8220; Testament &#8211; und das gerade, weil wir es neu lesen.<\/p>\n<p>Er regiert \u00fcber die Vergangenheit, bewegt sie zu sich hin, sammelt sie in sich selber. Erst von der Erl\u00f6sung her, in Christus, kommt die Vergangenheit seines Volkes ganz ins Reine, und unsere Vergangenheit wird uns erst als Erl\u00f6sten wahrhaft zu eigen sein. Das ist die k\u00f6nigliche Macht des Messias Jesus.<\/p>\n<p>&#8222;Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit&#8220; (6b). In ihm und von ihm haben wir Gerechtigkeit vor Gott: darum ist er unser Name, hei\u00dfen wir Christen. Christus selbst ist leibhaft unsere Gerechtigkeit, Vergebung unserer S\u00fcnde (I Kor 1,30). Im Mahl des Herren wird uns das leibhaft zuteil: &#8222;das tut zu meinem Ged\u00e4chtnis&#8220;. An ihn zu glauben, das hei\u00dft ja nichts anderes, als ihn meine Gerechtigkeit sein zu lassen und darin nun endlich &#8222;sicher zu wohnen&#8220; bei Gott (6a). Im empirischen Lande Israel l\u00e4\u00dft es sich bis heute nicht sicher wohnen.<\/p>\n<p>Das Abendmahl feiern, es hei\u00dft, um unserer lebendigen Gerechtigkeit heute willen ein Vergangenes zu vergegenw\u00e4rtigen: &#8222;Denn sooft ihr von diesem Brot e\u00dft und von diesem Kelch trinkt, verk\u00fcndigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt&#8220; (I Kor 11,26). Diese Vergangenheit bewegt unsere Gegenwart auf die Zukunft hin: ein ewiges Leben.<\/p>\n<p>Jesus Christus hat mit seinem Advent, mit seinem Sterben und Auferstehen unsere Vergangenheit zur Hoffnung umgepolt und uns in eine neue Bewegung hineingerissen. Wir sind aus Todesverfallenheit und S\u00fcndenverstrickung in eine neue Sch\u00f6pfung versetzt. Diese Korrektur unserer Vergangenheit ist nicht abgeschlossen. Denn Gott wird auch zuk\u00fcnftig, \u00fcber unsern Tod hinaus, unser ganzes, dann vergangenes Leben neu machen, es sch\u00f6pferisch in Bewegung bringen und uns in sein ewiges Leben hineinziehen.<\/p>\n<p>Das absolut Neue, Christi Auferstehung, macht alles Alte neu. &#8222;Darum: ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden&#8220; (II Kor 5,17).<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Joachim Ringleben, Platz der G\u00f6ttinger Sieben 2, 37073 G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bewegte Vergangenheit | 1. Advent | 30.11.1997 | Jer 23,5-8 | Joachim Ringleben | Predigt im Universit\u00e4tsgottesdienst (30.11.1997 mit Abendmahl) \u00fcber Jeremia 23,5-8. St. Nikolai-Kirche G\u00f6ttingen. (5) Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da\u00df ich dem David einen gerechten Spro\u00df erwecken will. 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