{"id":20892,"date":"1998-01-04T14:28:59","date_gmt":"1998-01-04T13:28:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20892"},"modified":"2025-03-10T14:33:17","modified_gmt":"2025-03-10T13:33:17","slug":"1-johannes-511-13-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-511-13-2\/","title":{"rendered":"1 Johannes 5,11\u201313"},"content":{"rendered":"<h3>Sehnsucht nach Leben | 2. Sonntag nach Weihnachten | 04.01.1998 | 1 Joh 5,11\u201313 | Heinz Janssen |<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Predigttext<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcbersetzung nach M. Luther, Rev. 1984<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">11 Und das ist das Zeugnis, da\u00df uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn.<br \/>\n12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.<br \/>\n13 Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wi\u00dft, da\u00df ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.<\/p>\n<p>Predigt<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Gott, so schreibt Johannes, hat uns das ewige Leben gegeben, und es ist in seinem Sohn, Jesus Christus. &#8222;Das Leben ist erschienen&#8220;, hei\u00dft es am Anfang des Briefes im ausdr\u00fccklichen Bezug auf ihn, den Gottessohn. Heute, am 2. Sonntag nach dem Christfest, h\u00f6ren wir diesen Ausspruch noch als weihnachtliche Botschaft.<\/p>\n<p>I.<br \/>\nSteil und k\u00fchn klingen allerdings die Worte: &#8222;Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.&#8220; Es war und ist bis heute k\u00fchn, diese Botschaft zu glauben, denn: Was ist das &#8211; &#8222;ewiges Leben&#8220;, und was wissen wir davon? Im christlichen Glaubensbekenntnis bekennen wir die &#8222;Auferstehung der Toten und das ewige Leben&#8220;. Es klingt darin die Hoffnung auf etwas Kommendes, noch Ausstehendes an, auf etwas noch nicht Fa\u00dfbares, nur vielleicht mit leisen Ahnungen Verbundenes. Es schwingt darin auch eine Sehnsucht, zuweilen auch die Sucht, nach etwas Bleibendem und Best\u00e4ndigem mit, nach etwas \u00dcberdauerndem, \u00dcberlebendem &#8211; \u00fcber den Tod hinaus. Das Gute, das wir erleben, das Gl\u00fcck, die Liebe, sind Momente, die wir ewig festhalten m\u00f6chten. Aber wir Menschen erfahren t\u00e4glich die Ambivalenz des Lebens:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\">die Freude, den Genu\u00df am Leben<br \/>\nund den Frust, den Verdru\u00df,<br \/>\nverfehltes, schicksalschweres, unerf\u00fclltes, verletztes<br \/>\nund gelingendes, gl\u00fcckliches, erf\u00fclltes, heiles Leben.<\/p>\n<p>Die guten Erfahrungen im Leben wecken in uns den Wunsch nach Wiederholung, Dauer, Ewigkeit. Best\u00e4ndiges Gl\u00fcck, auch \u00fcber den Tod hinaus &#8211; ist das mit &#8222;ewigem Leben&#8220; gemeint?<\/p>\n<p>II.<br \/>\nEs sind die Religionen, die bei all ihrer Verschiedenheit in dem Glauben an ein Leben nach dem Tod verbunden sind. Diejenigen, die behaupten, da\u00df mit dem Tod alles aus sei, und daf\u00fcr ideologische Gr\u00fcnde anf\u00fchren, k\u00f6nnen Berichte von Nah-Todes-Erfahrungen zum Nachdenken bringen. Von dem Schriftsteller Kurt Marti stammen die Worte: &#8222;Das w\u00fcrde manchen so passen, wenn mit dem Tod alles aus w\u00e4re&#8230;&#8220;.<br \/>\nDie Bibel ist &#8211; was Aussagen und Beschreibungen \u00fcber ein Leben nach dem Tod anlangt &#8211; \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltend. Aber es gibt darin Andeutungen. Im Gleichnis Jesu vom reichen Mann und dem armen Lazarus erscheint die Welt nach dem Tod f\u00fcr den einen Menschen als ein Ort der Qual, f\u00fcr den anderen als Ort des Trostes.<br \/>\nDurch ihr Verhalten im Leben, so erz\u00e4hlt das Gleichnis, haben sie sich ihr Leben nach dem Tod selbst geschaffen. Eine Warnung &#8222;von dr\u00fcben&#8220; wird im Gleichnis abgelehnt. Abraham antwortet: Sie haben Mose und die Propheten&#8230;H\u00f6ren sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht \u00fcberzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferst\u00fcnde (Lukas 17,19-31).<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir noch eine andere Stimme der Bibel \u00fcber Leben und Tod: Der Apostel Paulus spricht von dem Mysterium der Verwandlung (1.Korinther 15,51). Der Tod &#8211; Station auf dem Weg zu Gott? Von Dietrich Bonhoeffer kennen wir seine letzten Worte auf seinem Weg zur Hinrichtung: &#8222;Dies ist das Ende &#8211; f\u00fcr mich ist es der Anfang zu einem neuen Leben&#8220;. Es ist ein Geheimnis des Glaubens, das diese Gewi\u00dfheit schafft.<\/p>\n<p>III.<br \/>\n\u00dcberraschend betont nun Johannes, wenn er vom ewigen Leben spricht, nicht das jenseitige, nach dem Tod beginnende, sondern das gegenw\u00e4rtige Leben: Wer den Sohn hat, der hat (nicht: bekommt sp\u00e4ter einmal) das Leben. Paulus redet vom &#8222;neuen Leben&#8220; der Christen. Es ist von der \u00dcberwindung des Todes durch die Auferweckung Jesu gepr\u00e4gt (R\u00f6mer 6,4). Ein Schriftgelehrter brachte das ewige Leben mit seiner Lebenszeit, seinem Hier und Heute, in Verbindung. Er fragte Jesus: Was mu\u00df ich tun, da\u00df ich das ewige Leben ererbe? (Lukas 10,25)<\/p>\n<p>Wer den Sohn hat, der hat das Leben. &#8211; Haben wir denn Jesus wie einen Besitz? &#8211; Nein. &#8222;Jesus haben&#8220; bedeutet bei Johannes: sich auf ihn einlassen, auf seine Lehre achten, Vertrauen fassen zu ihm, ihm glauben und ihm nachfolgen. Johannes bringt damit eine innige Beziehung zum Ausdruck &#8211; wie Liebende sich dar\u00fcber freuen k\u00f6nnen, einander zu &#8222;haben&#8220;. Wer den Sohn hat, der hat das Leben &#8211; jetzt bekommen diese Worte einen wohltuenden Klang. &#8222;Wohl mir, da\u00df ich Jesum habe&#8220;, hei\u00dft der Choral einer Bach-Kantate (Nr. 147).<\/p>\n<p>[Hier kann der Choral &#8222;Wohl mir, da\u00df ich Jesum habe&#8220; chorisch oder instrumental erklingen.]<\/p>\n<p>&#8222;Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wi\u00dft, da\u00df ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.&#8220; &#8211; Um Zuspruch an die an Jesus Glaubenden ging es damals Johannes. Es war damals nicht anders als heute. Wie die jungen christlichen Gemeinden damals in einer Welt lebten, in der vieles &#8211; bis hin zur Perversion des Lebens &#8211; im Argen lag (1.Johannes 5,19), so ist es doch auch heute n\u00f6tig, sich immer wieder neu zu orientieren und Zuspruch f\u00fcr das Leben zu suchen.<\/p>\n<p>Mit Jesus ist die Liebe Gottes erschienen. [&#8222;La\u00dft uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt&#8220;, ruft Johannes den Gemeinden mit seinem Brief zu (4,19) und bringt damit auch uns heute auf den Geschmack des wahren, ewigen Lebens. \u00c4hnlich legt es uns die Jahreslosung f\u00fcr dieses Neue Jahr 1998 (Epheser 5,2) ans Herz: Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat.] Wie bedingungslos und voller Liebe hat sich Jesus den Menschen zugewandt! Diese Zuwendung dauert an, sie tr\u00e4gt, hier im Leben und \u00fcber dieses Leben hinaus &#8211; in alle Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\">Heinz Janssen<br \/>\nPfarrer an der evangelischen Providenzkirche zu Heidelberg<br \/>\nKarl-Ludwig-Str. 8a, 69117 Heidelberg, Tel.: 06221-20941 Fax: 164995<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\"><a href=\"mailto:providenz@aol.com\">E-Mail: providenz@aol.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehnsucht nach Leben | 2. 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