{"id":20908,"date":"2007-01-01T15:56:12","date_gmt":"2007-01-01T14:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20908"},"modified":"2025-03-10T15:58:59","modified_gmt":"2025-03-10T14:58:59","slug":"lukas-221-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-221-7\/","title":{"rendered":"Lukas 2,21"},"content":{"rendered":"<h3>Neujahrstag | 1. Januar 2007 | Lk 2,21 | Peter Skov-Jakobsen |<\/h3>\n<p>Kurz und b\u00fcndig steht es \u00fcber unserem Leben \u2013 steht es \u00fcber dem Leben der Welt: JESUS.<\/p>\n<p>Es steht da, manchmal als Fanfare; manchmal als ein stilles Wort; als Tiefe des Nachdenkens; als das kraftvolle und ehrliche Wort, es steht da in seiner Eindeutigkeit und in seiner Vieldeutigkeit.<\/p>\n<p>Jesus, Marias Sohn, der Mann aus Nazareth, der Menschensohn, Gottes Sohn, ist der r\u00e4tselhafte Name und die tiefe Wirklichkeit, von der wir noch immer herausgefordert werden.<\/p>\n<p>Es gab Zeiten \u2013 und das ist eigentlich gar nicht so lange her \u2013, da die Kunde von Jesus die einzige Herausforderung und unsere gemeinsame Geschichte war. Aber die Welt hat sich ver\u00e4ndert. Das Christentum ist nicht mehr unsere einzige Religion, und es ist keinesweg mehr die einzige geistige Herausforderung des modernen Menschen.<\/p>\n<p>In gewissen Kreisen geh\u00f6rt es allm\u00e4hlich zum guten Ton, zu diskutieren, ob oder inwieweit D\u00e4nemark multi-ethnisch sein soll. Die meisten sehen allerdings ein, dass die Diskussion unter einem gewissen Mangel an Aktualit\u00e4t leidet, n\u00e4mlich insofern wir heute eine Bev\u00f6lkerung darstellen, die aus Menschen vieler verschiedener L\u00e4nder besteht. Aber mit feierlicher Stimme und gro\u00dfer Innerlichkeit h\u00f6rt man Leute deklamieren, D\u00e4nemark werde bestimmt nie multikulturell \u2013 und kurz darauf fallen dann oft einige allgemeine Bemerkungen \u00fcber christliche Werte und Grundhaltungen. Auf irgendeine Weise gelingt es diesen Menschen fast immer, Jesus zu einem ziemlich br\u00fcskierten Ph\u00e4nomen zu machen. Auf irgendeine Weise steht dieser Jesus dann immer als F\u00fcrsprecher derjenigen da, die sich selbst gegen fremden Einfluss, gegen die Forderungen anderer sch\u00fctzen wollen; die sich selbst davor sch\u00fctzen wollen, an der freien Diskussion des Geistes teilzunehmen \u2013 dieser br\u00fcskierte Jesus kommt mir immer ziemlich provinziell vor \u2013 und ich verstehe eigentlich nicht, dass dieser Mann geistiger Ballast eines Johann Sebastian Bach, eines Dante, eines Rembrandt, eines Kierkegaard oder eines Heinrich B\u00f6ll hat sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber dann verstehe ich gewiss auch nicht die Diskussion, inwieweit D\u00e4nemark multikulturell sein soll oder nicht! D\u00e4nemark\u00a0<em>ist<\/em>\u00a0multikulturell! Und das ist nicht nur mit der Immigration so gekommen. Es geschah vor allem schon vor der Immigration. Wir haben schon vor vielen vielen Jahren die Geschichte von Jesus als unsere einzige Inspiration aufgegeben und sind von Philosophien, Ideologien, anderen Religionen beeinflusst worden. Aber es war unsere eigene geistige Neugier, die uns dahin gebracht hat. In einer Welt, in der wir voneinander so abh\u00e4ngig sind, wie wir es in der modernen Welt nun einmal sind, ist es im \u00dcbrigen nur nat\u00fcrlich, dass man sich f\u00fcreinander interessiert, anstatt sich zu verbarrikadieren.<\/p>\n<p>Es ist merkw\u00fcrdig, den Mann, der mit einer samaritischen Frau, mit einem r\u00f6michen Offizier sprach \u2013 einen Mann, der behauptete, dies sei f\u00fcr alle Menschen und nicht nur f\u00fcr das j\u00fcdische Volk \u2013 es ist merkw\u00fcrdig, diesen Mann als Vertreter einer Einheitskultur dargestellt zu sehen. Ist es nicht vielleicht eher unsere eigene Angst davor, der Welt nicht zu gen\u00fcgen, die sich in die Br\u00fcskierung umsetzt, die wir dann mit den Worten \u201dchristliche Werte\u201d zu st\u00fctzen suchen.<\/p>\n<p>Auff\u00e4lligerweise \u00e4hnelt unsere Gesellschaft heute sehr viel mehr der Gesellschaft, in der Jesus lebte \u2013 sie \u00e4hnelt sehr viel mehr dem Zusammenhang und den Bedingungen, die f\u00fcr das Christentum in den ersten vielen Jahrhunderten galten. Pal\u00e4stina und das R\u00f6mische Reich waren ein Hexenkessel von Religionen, Propheten, Philosophien. Der Alltag war in hohem Ma\u00dfe dadurch gepr\u00e4gt, dass nicht wenige Menschen sich einen K\u00e1non gekauft hatten und einen Anfang auf eigene Faust gemacht hatten!<\/p>\n<p>Aber auch in unserem heutigen Zusammenhang, so multikulturell er ist, k\u00f6nnen wir diesen Namen nicht so einfach aufgeben, den Namen Jesu, der, seit er gelebt hat, so viele Tr\u00e4ume, so viele Erwartungen, so viele Herausforderungen bewirkt hat.<\/p>\n<p>Zwar hat die geistige Entwicklung in Europa (und der westlichen Welt) bedeutet, dass der christliche Glaube auf eine Seitenlinie gedr\u00e4ngt worden ist \u2013 und recht oft sogar noch etwas weiter dar\u00fcber hinaus! Die uns gestellte Herausforderung der k\u00fcnftigen Jahre ist von einem deutschen Theologen und Pfarrer formuliert worden, als er schon in den 1940ern schrieb: \u201dIch m\u00f6chte von Gott nicht an den Grenzen, sondern in der Mitte, nicht in den Schw\u00e4chen, sondern in der Kraft, nicht also bei Tod und Schuld, sondern im Leben und im Guten des Menschen sprechen\u2026 Gott ist mitten in unserem Leben jenseitig. Die Kirche steht nicht dort, wo das menschliche Verm\u00f6gen versagt, an den Grenzen, sondern mitten im Dorf\u201d (Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung, 30.4.1944, gegen Schluss).<\/p>\n<p>Es gibt keinen Grund, sich zu verschanzen, es gibt keinen Grund, sich hinter Traditionalismus zu verstecken, es gibt keinen Grund zur \u00c4ngstlichkeit f\u00fcr die, die sich von dem Namen Jesus herausfordern lassen. F\u00fcr unseren Glauben grundlegend ist doch, dass Gott sein Volk auf eine Wanderung schickt. So tat er es mit Abraham, und seitdem sind wir in Landschaften aller Welt und durch alle Zeiten gewandert. Wir wandern nicht mit leeren H\u00e4nden, sondern mit seinem Segen, und das hei\u00dft, dass wir geistigen Ballast haben, um unserer Zeit zu begegnen. Ein jeder, der jemals von dem Namen Jesus fasziniert gewesen ist, wei\u00df auch, dass hier selbst die besten Absichten und die h\u00f6chste Moral zu kurz kommen; denn wenn er auftaucht, provoziert er stets und schafft Unruhe. Aber genau dieses \u00c4rgernis, das er um sich verbreitet, hat zu allen Zeiten den Glauben am Leben erhalten und hat bewirkt, dass man sich ihn nicht aus dem Kopf schlagen kann. Keine Tadelsucht und keine Heuchelei vermag standzuhalten, wenn er auftaucht. Man mag sich dar\u00fcber wundern, aber nicht einmal die gediegene Feindschaft und der wohlbegr\u00fcndete Hass halten vor ihm Stand. Wenn er auftaucht, wird im muffigen Raum gel\u00fcftet. Wenn er auftaucht, wird man sich des R\u00e4tselhaften an Gott bewusst \u2013 aber man entdeckt auch die R\u00e4tselhaftigkeit des Menschen.<\/p>\n<p>Er bringt eine Unruhe mit sich, die Leben spendet \u2013 ein Verlangen und eine Sehnsucht. Neulich las ich das Gedicht des f\u00e4r\u00f6rischen Dichters William Heinesen \u201dDenn die Nacht kommt\u201d. Der Dichter bringt auf seine eigene Weise zum Ausdruck, dass das Leben nie fertig, sondern immer im Werden ist. Wenn ich das Gedicht lese, kann ich nicht anders als glauben, dass es auf seine wunderbar einfache Weise das ausdr\u00fcckt, was Generationen mit dem Namen Jesus haben sagen wollen. F\u00fcr mich ist es eine der sch\u00f6nsten modernen Umschreibungen sowohl der gef\u00fchlsm\u00e4ssigen als auch der gedanklichen Herausforderung, die von diesem Namen ausgeht \u2013 und es ist wichtig, dass sie k\u00fcnftigen Generationen vermittelt wird, wenn wir weiterhin die Zivilisation der Liebe aufbauen wollen und nicht bereit sind, dem Verderben der Br\u00fcskierung, der Habsucht und der Feindschaft zu erliegen.<\/p>\n<p>Heinesens Gedicht ist eine Huldigung an den Menschen, und es endet folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>Da ahnst du<br \/>\nhier am Ende des Weges<br \/>\nwo deine Spuren verwehen<br \/>\ndas Angesicht des ewigen Anfangs.<br \/>\nVieles ist zu sp\u00e4t.<br \/>\nManches ist verloren.<br \/>\nAber alles ist noch im Werden.<\/p>\n<p>Da erwartet dich<br \/>\nhier am Ende des Weges<br \/>\nwo deine Spuren verwehen<br \/>\ndas tauige L\u00e4cheln des Siebensterns,<br \/>\nder Milchstra\u00dfe atmende Brust.<\/p>\n<p>Da erwartet dich<br \/>\nhier am Ende des Weges<br \/>\nwo deine Spuren verwehen \u2013<br \/>\nda erwartet dich jenseits sterblicher Zeit<br \/>\nder tiefsten Tiefen gn\u00e4diger Mutterscho\u00df.<\/p>\n<p>Erwartet dich<br \/>\nder Dinge ausgelassenes vertrautes Lachen<br \/>\ndas ewig junge.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Ja, m\u00f6ge Jesus uns begleiten, wo wir gehen, damit unsere Augen Gottes Herrlichkeit sehen und damit wir einander sehen und aus der Verbitterung gerettet und zum Leben und zur Liebe befreit werden.<\/p>\n<p>Ein gutes neues Jahr!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Sognepr\u00e6st Peter Skov-Jakobsen<br \/>\nGammelvagt 2,<br \/>\nDK-1312 Kbh. K<br \/>\nTel.: ++ 45 33919933<br \/>\ne-mail:\u00a0<a href=\"mailto:pesj@km.dk\">pesj@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahrstag | 1. Januar 2007 | Lk 2,21 | Peter Skov-Jakobsen | Kurz und b\u00fcndig steht es \u00fcber unserem Leben \u2013 steht es \u00fcber dem Leben der Welt: JESUS. 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