{"id":20912,"date":"1998-09-06T16:03:23","date_gmt":"1998-09-06T14:03:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20912"},"modified":"2025-03-10T16:07:04","modified_gmt":"2025-03-10T15:07:04","slug":"1-johannes-47-12-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-47-12-5\/","title":{"rendered":"1 Johannes 4,7-12"},"content":{"rendered":"<h3>13. Sonntag nach Trinitatis | 6.9.1998 | 1 Joh 4,7-12 | Esko Ry\u00f6k\u00e4s |<\/h3>\n<p>Predigttext:<\/p>\n<p>&#8222;Ihr Lieben, la\u00dft uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, da\u00df Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, da\u00df wir Gott geliebt haben, sondern da\u00df er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Vers\u00f6hnung f\u00fcr unsre S\u00fcnden. Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.&#8220;<\/p>\n<p>Predigt<\/p>\n<p>Das Vertrauen l\u00f6st die Handlung aus<\/p>\n<p>(1) Im Bergischen Land auf dem westlichen Ruhrgebiet in Solingen gibt es eine 101 Jahre alte Eisenbahnbr\u00fccke auf der Bahnstrecke Remscheid-Solingen. Sie \u00fcberbr\u00fcckt den Wupperflu\u00df in H\u00f6he von 107 Meter. Allein f\u00fcr die Konstruktion wurden 4734 Tonnen Flusseisen gebraucht und dar\u00fcber hinaus etwa 200 Tonnen andere Baumaterialien. Im Br\u00fcckenbogen gibt es etwa 950.000 Nieten. Bei der Betrachtung von oben, von den Gleisen aus, macht sie einen m\u00e4chtigen faszinierenden Eindruck, aber noch st\u00e4rker wirkt sie, wenn man mit dem Auto unter die Br\u00fccke f\u00e4hrt. Eine gewaltige Menge Eisen steht seit Jahrzehnten fest. Sie wurde neu gestrichen, Teile wurden ersetzt, aber die Br\u00fccke ist dieselbe und sie steht stabil. Was f\u00fcr ein gro\u00dfartiges Meisterwerk.<\/p>\n<p>Rechner z\u00e4hlen heute sehr schnell den Bedarf der Baumaterialien f\u00fcrverschiedene Bauwerke. Aber von Zeit zu Zeit erfahren wir, da\u00df auch ein computergeplantes Bauwerk abbrechen kann. Die Planung f\u00fcr eine \u00fcber hundert Meter hohe Br\u00fccke w\u00e4re heute noch eine gro\u00dfe Arbeit, von ihrer Ausf\u00fchrungganz zu schweigen. Damals am Ende des 19. Jahrhunderts, zur Zeit des Baus der M\u00fcngstener Br\u00fccke, konnte man von Rechnern noch nicht tr\u00e4umen. Alle Berechnungen wurden mit der Feder zu Papier gebracht. Es ist leicht nachvollziehbar, wie spannend der Br\u00fcckenbau damals war. Ein gewaltiger Kolo\u00df zwischen den Gef\u00e4llen erhebt sich allm\u00e4hlich in die H\u00f6he. Langsam n\u00e4hern sich die Bogenenden einander. Und schlie\u00dflich kommt die Zeit der ersten Zugfahrt \u00fcber die neugebaute Br\u00fccke.<\/p>\n<p>Wir wissen nicht genau, was geschehen ist. In der Ortschaft werden Geschichten erz\u00e4hlt, die in den Geschichtsb\u00fcchern nicht zu finden sind. Aber eine unter den Geschichten ist sehr eindrucksvoll. Die Person, die die Berechnungen f\u00fcr die Br\u00fccke anstellte, der B\u00fcroingenieur, der \u00fcber die Statik der Br\u00fccke Bescheid wu\u00dfte, soll einen Tag vor der Er\u00f6ffnung von dieser Br\u00fccke gesprungen sein. So hat er seinem Leben ein Ende gemacht. Falls die Geschichte stimmt, war dies ein tragischer Ausgang f\u00fcr die Person, deren Arbeitsergebnisse wir heute noch genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, warum er dies getan hat. Wir k\u00f6nnen uns vorstellen, da\u00df die psychische Belastung der Bauarbeiten den Vorgang mit beeinflu\u00dfte, mehr oder weniger, gewi\u00df war sie ein Faktor unter anderen. Der Ingenieur hatte alles berechnet. Er wu\u00dfte, da\u00df die Br\u00fccke stabil ist und die Z\u00fcge darauf lange fahren werden. Reichten aber diese Erkenntnisse aus, um Unsicherheit und Angst fernzuhalten? Waren die Berechnungen ausreichend f\u00fcr die Ausgeglichenheit des Gem\u00fcts? Die Antwort lautet: nein. Es ist leicht zu glauben, da\u00df der Ingenieur kein Vertrauen zu seinen Berechnungen hatte.Wissen ist eins, Vertrauen etwas anderes. Das Vertrauen schafft Frieden, Wissen nicht.<\/p>\n<p>(2.) Suizid ist eine ernste Sache. Er ist immer ein Konkurs. Er ist immer ein Notschrei an die Gemeinschaft. Darin bringt der Einzelne auf die konkretesten Weise zum Ausdruck: ich bin \u00fcberfl\u00fcssig, bemerken sie nicht, ich bin \u00fcberfl\u00fcssig. Es geht hier nicht um fehlendes Wissen. Einem, der auf Suizid sinnt, braucht nicht prim\u00e4r vermittelt werden, wie hoch seineA rbeitsergebnisse gesch\u00e4tzt werden und wieviel sein Leben Bedeutung f\u00fcr andere hat. Er braucht vor allem eine Grundlage f\u00fcr sein Leben. Er brauchtVertrauen darauf, da\u00df es sinnvoll ist, das Leben fortzusetzen. Das reineWissen beruhigt nicht, man braucht Vertrauen.<\/p>\n<p>(3.) Unser heutiger Text spricht dar\u00fcber, was Gott f\u00fcr den Menschen getan hat. Der Text hebt die Bedeutung von Gottes Handeln hervor. Gott hat soviel getan, da\u00df wir zu lieben verpflichtet sind. Weil wir mit Gott verglichen werden, sind wir geradezu gezwungen zu lieben.Wieviel hat einer tun m\u00fcssen, um zu lieben verpflichten zu d\u00fcrfen. Kann man zur Liebe verpflichten? Kann ich meinem N\u00e4chsten so viel helfen, da\u00df er mich lieben m\u00fc\u00dfte?<\/p>\n<p>Die Liebe ist weitaus mehr als nur ein \u00fcberschwengliches Gef\u00fchl, Begeisterung, Hingabe und Lust, sich mit seinem N\u00e4chsten zu teilen. Die Liebe ist ein herrliches Gef\u00fchl, aber es ist immer mehr als nur ein Gef\u00fchl.Sie ist eine Daseinsform, eine Einstellung. Die Liebe glaubt alles, vertr\u00e4gt alles und duldet alles (1 Kor. 13). Lautes Gef\u00fchl vergeht. Aber diese Daseinsform, die Liebe bleibt. Der heutige Text spricht dar\u00fcber, was f\u00fcr welche Bedeutung es hat, auf diese Weise zu leben, zu lieben und geliebt zu werden. Die Liebe ist ein Zustand des Vertrauens.<\/p>\n<p>(4.) \u00dcber ein hohes Tal geht eine Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke. Es ist nebelig. Ein kleiner Junge geht mit seinem Vater spazieren. Der Vater geht ein paar Schritte vor. Der Junge blickt zur\u00fcck. Er sieht nur einige Meter. Alles ist in Nebel geh\u00fcllt. Er dreht sich um und sucht seinen Vater. Aber derVater ist verschwunden. Der Vater ist weitergegangen, und der Junge ist auf einmal ganz allein. Er hat nur Nebel um sich und die Br\u00fccke. Der Junge bekommt Angst. Er ist ganz allein in einer fremden, unbekannten Welt. Er ruft laut: &#8222;VATER!&#8220; Durch den Nebel lautet die Stimme: &#8222;Komm schon, komm hierher, ich bin hier!&#8220;.<\/p>\n<p>Der Junge kennt die Stimme seines Vaters, h\u00f6rt sie und geht in die Richtungder Stimme. Er geht vorsichtig und z\u00f6gernd. Der Nebel folgt ihm, aber er geht vorw\u00e4rts. Er wei\u00df, da\u00df der Vater irgendwo hinter dem Nebel ist.Schlie\u00dflich sieht er seinen Vater und der Junge beginnt zu laufen und springt in die Arme des Vaters. An seiner Backe gl\u00e4nzt eine kleine Tr\u00e4ne der Angst, er dr\u00fcckt seinen Vater stark, aber hat keine traurige Miene mehr. Nun tr\u00e4gt der Vater seinen Sohn inmitten des Nebels. Jetzt kann der Junge neugierig in den Nebel schauen. Der Nebel ist immer noch da, aber der Junge hat keine Angst mehr. Er kann sich darauf verlassen, da\u00df der Vater wei\u00df, wohin er geht. Das Vertrauen zum Vater brachte ihn vorw\u00e4rts, obwohl er nichts sehen konnte.<\/p>\n<p>(5.) Der Text von heute verpflichtet zu lieben, weil Gott uns schon geliebt hat. Der Text fordert von uns zu glauben, was Gott schon getan hat. DerText fordert von uns nicht zuerst zu lieben. Nein, sondern Gott hat schon das Seine getan. Jetzt geht es darum, da\u00df wir daran glauben. Wenn unser Glaube ein festes Vertrauen ist (Hebr. 11), entspringen die Taten aus ihm.Der Text von heute verpflichtet zu Liebeshandlungen. Weil Gott schon dasSeine getan hat, ist es ganz logisch, da\u00df wir es verstehen und die notwendigen Schlu\u00dffolgerungen ziehen. Unser Leben hat eine Basis, unsere Handlungen eine Grundlage. Hinter dem Nebel lautet die Stimme: Ich liebe dich. Die Br\u00fccke, auf der du gehst, steht fest. Dein Leben hat eineBedeutung. Du sollst den Mut zu leben und lieben haben.<\/p>\n<p>(6.) Die Zeitung Helsingin Sanomat von 17.6.1998 berichtete: Am 4. Junifiel ein Trinker mitten in der Hauptstadt Helsinki, am Handelsplatz, ins Meer. So einer, der die Nebenwege des Lebens geht, fiel einfach vom Kai ins Meer. Er war stark betrunken und spielte Karten in einer Trinkertruppe.Keiner von den Spielern bemerkte den Vorfall. Auf den Platz kam zuf\u00e4lligdie 17-j\u00e4hrige Pilvi Juvonen mit ihrem Vater. Sie sah, was passierte. Sie schaute sich um, um festzustellen, ob jemand etwas unternahm. Und da tat wirklich jemand etwas; zugegen war ein hilfsbereiter B\u00fcrger, der perMobiltelefon um Hilfe bat. Ein anderer warf dem Mann einen Rettungsring ins Meer. Sie waren also t\u00fcchtige B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Das Wasser war ganz schmutzig, so wie es nur mitten in einer Gro\u00dfstadt sein kann. Pilvi Juvonen z\u00f6gerte nicht. Sie stellt sp\u00e4ter einfach fest: &#8222;Als derMann unter das Wasser zu sinken begann, dachte ich, da\u00df man ihn schnell hochholen soll, weil es schwieriger sein wird, ihn am Boden zu suchen.&#8220; Und so sprang Pilvi hinter dem Mann ins Wasser. Der Mann war schon bewu\u00dftlos und seine Lungen voll von Wasser. Pilvi zog dem sinkenden Mann auf die Oberfl\u00e4che und schleppte ihn zur Kaimauer. Der Mann wurde mit Hilfe der herbeigeeilten Frauen und M\u00e4nner heraufgeholt.<\/p>\n<p>Der Mann war 48 Jahre alt. Er mu\u00dfte eine Woche lang im Krankenhaus am Atmungsger\u00e4t bleiben. Er bekam vom schmutzigen Wasser eineLungenentz\u00fcndung, aber er erholte sich. Als der Mann aus dem Krankenhausentlassen war, rief er Pilvi an und fragte: &#8222;Warum springt ein junges M\u00e4dchen ins Wasser hinter so einen Menschen her wie mich?&#8220;.<\/p>\n<p>Pilvi Juvonen wurde mit der Rettungsmedaille &#8222;Lebensflamme&#8220; ausgezeichnet.Sie wartete nicht darauf, wie und ob der Betrunkene durchkommt. Sie schonte nicht ihre Kleidung und scheute nicht das schmutzige Wasser. Sie sah nur den Menschen in Not. Sie wu\u00dfte, was zu tun war, und handelte. Sie vertraute darauf, da\u00df sie durchkommt. Und noch mehr: sie berichtet selbst: &#8222;Ich wu\u00dfte, da\u00df mein Vater hinter mir springt, wenn es mir \u00fcbel ergeht&#8220;.<\/p>\n<p>(7.) Weil Gott uns schon geliebt hat, k\u00f6nnen wir Ihm vertrauen. Wir brauchen nicht unsere Lebensbr\u00fccke auf unsere eigenen Berechnungen zu bauen. Es gibt Gott, der liebt und der schon geliebt hat. Wir brauchen unsere Hoffnungen nicht zu verlieren, auch nicht, wenn alles um uns mit Nebel bedeckt ist. Es gibt einen Vater, der uns vorgeht und auf uns wartet. Wenn wir den N\u00e4chsten in Not sehen, d\u00fcrfen wir mitten in die Not springen.Wenn es uns dabei \u00fcbel zu ergehen droht, springt der Vater hinter uns her.Weil Gott uns schon geliebt hat, d\u00fcrfen auch wir im Zustand der Liebe leben und aus Liebe handeln.<\/p>\n<p>(Zusatzinformationen: Ernst Werner: Die Eisenbahnbr\u00fccke \u00fcber die Wupper beiM\u00fcngsten 1893-1897. Landeskonservator Rheinland, Arbeitsheft 5: TechnischeDenkm\u00e4ler. Weiss-Druck, Monschau. 2. Auflage 1975.)<\/p>\n<p>Hintergrund der Erw\u00e4gungen<\/p>\n<p>Die Spannung in unserem heutigen Text, im 1. Johannesbrief 4, 7-12, entsteht aus der Verpflichtung zur Liebe. Ist es m\u00f6glich, den Menschen zum Lieben zu verpflichten? Kann die Liebe \u00fcberhaupt eine Verpflichtung sein? Der Text fordert es. Ist die Liebe ein Gesetz, das um der Heilung willen eingehalten werden mu\u00df, um gut und angenehm leben zu k\u00f6nnen? Was bedeutet Luthers Ablehnung des tertius usus legis in diesem Zusammenhang? Was bedeutet Evangelium, die gute Botschaft?<\/p>\n<p>Exegese<\/p>\n<p>In Bezug auf den Grundgedanken des Textes bestehen keine exegetischen Probleme. Dennoch sind einige Hinweise erforderlich.<\/p>\n<p>Im Text wird er\u00f6rtert, auf welche Weise die Handlungen des Menschen den Ma\u00dfstab f\u00fcr die Liebe abgeben. Die gleiche Thematik ist schon aus 2,3-11 und 3,11-18 abzulesen. An dieser Stelle wird st\u00e4rker als fr\u00fcher hervorgehoben, da\u00df die menschliche Liebe nur die Reflexion\/Reaktion der Liebe Gottes ist.<\/p>\n<p>Das Wort &#8222;Liebe&#8220; kommt im Text sehr oft vor. Im Griechischen wird daf\u00fcr dasWort &#8222;Agape&#8220; verwendet. Mit Agape bezeichnet man keine erotische,sinnliche Liebe, sondern die einen anderen Menschen w\u00fcrdigende Liebe (Nygren).<\/p>\n<p>Der Text spricht \u00fcber die Verpflichtung zur Liebe (Vers 11). An dieserStelle ist er eindeutig. Es ist wichtig zu beachten, in welcher Zeitform das Verb &#8222;lieben&#8220; vorkommt. Wenn im Vers 10 \u00fcber die Liebe Gottes gesprochen wird, ist die Zeitform zuerst perfektivisch: Gott hat nicht danach gefragt, ob die Menschen irgendeine Anlage zur Liebe hatten oder eine Voraussetzung daf\u00fcr, da\u00df Gott die Menschen lieben k\u00f6nnte. Daraufhinwird bezeugt, wie das Handeln Gottes gewesen ist und nun ist die Verbalform Aorist: Gottes Handeln ist schon abgeschlossen. Es setzt sich nicht mehrfort und bedarf keiner Fortsetzung. Gottes Liebe zu uns ist schonvollkommen.<\/p>\n<p>Dogmatische \u00dcberlegungen<\/p>\n<p>Der Text kann auf zwei verschiedene Weisen interpretiert werden. Geht man nur von dem Gebot aus, so bietet der Text wirklich eine Pflicht zur Liebe. Die Christen werden zur Liebe verpflichtet. Geht man aber von den Begr\u00fcndungen des Gebotes aus, so kommt man zu einem anderen Ergebnis. DieLiebe ist kein Gebot, sondern eine Feststellung. Weil dem so ist, da\u00df Gott schon etwas getan hat, hat der Mensch die M\u00f6glichkeit zu antworten. Weil der Vorgang A schon Wirklichkeit geworden ist, folgt der Vorgang B. Ist dann der Vorgang B eine Verpflichtung, ohne die kein Zusammenwirken mit Gott existieren kann? Soll der Mensch mithin entscheiden zu lieben, um zuk\u00fcnftig von Gott geliebt zu werden? Als diese Frage den 150 Vorsitzenden der Kirchenbevollm\u00e4chtigten (im Jahr 1989) in Finnland gestellt wurde, best\u00e4tigte \u00fcber die H\u00e4lfte von ihnen diesen Gedanken. Daraus kann geschlossen werden, da\u00df die lutherische Lehre nicht sehr tief angeeignet wurde. Der Mensch braucht nicht zu lieben, um daf\u00fcr Gottes Gunst (favor) zu erhalten.<\/p>\n<p>Ferner mu\u00df noch unterschieden werden, ob die Liebe den Willen oder das Gef\u00fchl zum Ausdruck bringt bzw. ob sie \u00fcberhaupt bewu\u00dft wird. Der den Eros betonende Liebesbegriff unserer Tage hebt das Liebesgef\u00fchl, feeling\/moode, hervor. Wenn einem nicht zu lieben zumute ist, dann liebt man eben nicht. In der Trauformel wird aber nicht nach dem Gef\u00fchl, sondern nach dem Wollen gefragt: &#8222;Yes, I will&#8220;. Der Text spricht \u00fcber die Liebe im Sinne des Wollens.<\/p>\n<p>Dazu soll gedacht werden, da\u00df Jesus beim J\u00fcngsten Gericht die auf derrechten Seite sitzenden anspricht: ihr seid zu mir gekommen. Diese Menschen selbst aber k\u00f6nnen sich daran gar nicht mehr erinnern. Die Liebe hat sie zu guten Taten veranla\u00dft, nicht die Lust, vor Gott sich verdient zu machen, nicht der Wille, seiner Pflicht nachzukommen. Die Liebe entspringt nicht aus dem Gebot, sondern aus der Erkenntnis, was Gott zuerst gemacht hat. Die neuere dogmatische Forschung hat noch darauf hingewiesen, da\u00df die Heiligung nicht zeitlich dem Glauben folgt, sondern sie ist damit simultan. Im Glauben ist Christus im Menschen anwesend (in ipsa fide Christus adest, Luther\/Mannermaa) und der Glaube f\u00fchrt Handlungen aus.<\/p>\n<p>John Collins hat darauf hingedeutet, da\u00df das Wort Diakonie im NeuenTestament keine Bedeutung von einer dem\u00fctigen Unterwerfung des N\u00e4chsten, sondern nur die Bedeutung des Werkzeuges, f\u00fcr andere zu sein, hat, mithin stellvertretend f\u00fcr andere etwas auszuf\u00fchren. Der heutige Mensch dient seinem N\u00e4chsten eben auf diese Weise: nicht unterwerfend, sondern er handelt f\u00fcr andere, hilft ihm als einem Gleichwertigen.<\/p>\n<p>Folglich ist der Ausgangspunkt der Predigt, was Gott schon getan hat. Ihr Inhalt besteht im Hervorrufen des Vertrauens zu Gottes Handlungen und ihr Ergebnis im Willen zu dienen und lieben. Dieser dogmatische Inhalt soll in eine Form gekleidet werden, die diese Botschaft zu vermitteln vermag.<\/p>\n<p>Homiletische Erw\u00e4gungen<\/p>\n<p>Ich bin von der Kraft des Narrativen \u00fcberzeugt. Wenn die Predigt auf einer Geschichte aufbaut, ist sie nachvollziehbar. Geschichten sind auch leicht einzupr\u00e4gen. Am vorz\u00fcglichsten braucht die Predigt eigentlich nur eine gute Geschichte. Passende Geschichten sind aber selten zu finden. Die hier vorgelegte Predigt gliedert sich daher durch drei Geschichten(M\u00fcngstener Br\u00fccke, Mit dem Vater auf der Br\u00fccke und eine junge Lebensretterin, s. Nummerierung). Zur Aktualisierung dieser Geschichten sollen in den Zwischenabschnitten kurz Selbstmord und Lebensbedeutung, Unterschied zwischen Erkenntnis und Vertrauen und menschliche W\u00fcrde ber\u00fchrt werden (Die Zwischenabschnitte k\u00f6nnen leicht nach den jeweiligen Umst\u00e4nden erweitert und umgestaltet werden. In diesem Fall ist die Predigt auf eineStadtgemeinde gerichtet, wo die Kinder keine Seltenheitswert darstellen). Die Kerngedanken der Predigt sollen noch am Ende zusammengefa\u00dft werden, so eindeutig sind die Geschichten ja nicht, da\u00df man die Wiederholung verzichten konnte. Als Endergebnis sollte eine Predigt entstehen, die die Gemeinde, auch mich selbst, zur Handlung motiviert, weil Gott schon so vielgetan hat.<\/p>\n<p>Esko Ry\u00f6k\u00e4s<\/p>\n<p>Dozent, Assistent<\/p>\n<p>Institut der praktischen Theologie, PF 33, F &#8211; 00014 Universit\u00e4t Helsinki<\/p>\n<p>Tel. 00358 9 191 23 864 \/ priv. 00358 505 22 5151<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:esko.ryokas@helsinki.fi\">esko.ryokas@helsinki.fi<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. Sonntag nach Trinitatis | 6.9.1998 | 1 Joh 4,7-12 | Esko Ry\u00f6k\u00e4s | Predigttext: &#8222;Ihr Lieben, la\u00dft uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. 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