{"id":20935,"date":"1997-10-31T16:44:40","date_gmt":"1997-10-31T15:44:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20935"},"modified":"2025-03-10T16:49:25","modified_gmt":"2025-03-10T15:49:25","slug":"matthaeus-52-10-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-52-10-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5,2-10"},"content":{"rendered":"<h3>&#8222;Das klare Wort des Herrn&#8220; | Reformationsfest | 31.10.97 | Mt 5,2-10 | Klaus Schwarzw\u00e4ller |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir feiern heute Reformationsfest. Anla\u00df ist der Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther am 31. Oktober 1517; das Datum gilt als Beginn der Reformation.<\/p>\n<p>Wir feiern das Reformationsfest mit einem Gottesdienst. Damit nehmen wir die Intention Luthers auf: Darum gehe es, da\u00df wir uns von allem, was ist &#8211; &#8222;Menschenlehr&#8220; sagte er und &#8222;Menschensatzungen&#8220; und auch &#8222;Menschenwerk&#8220; &#8211; abwenden und lossagen, uns Gottes Wort, dem Evangelium, \u00f6ffnen und allein hierauf bauen.<\/p>\n<p>Und so halten wir uns weder mit dem Reformator noch mit der Reformation weiter auf, sondern wenden uns sofort dem Predigttext des Tages zu:<\/p>\n<p>Matth\u00e4us 5,2-10:<\/p>\n<p>&#8222;Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getr\u00f6stet werden. Selig sind die Sanftm\u00fctigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und d\u00fcrstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.<\/p>\n<p>Diese S\u00e4tze sind als die sogenannten &#8222;Seligpreisungen&#8220; gel\u00e4ufig, als die Worte Jesu, mit denen er bestimmte Menschen als &#8222;selig&#8220; ausruft, dh. als der Zuwendung und Gnade Gottes versichert, und zwar<i>daraufhin<\/i>, da\u00df sie die hier benannten Z\u00fcge tragen &#8211; geistlich arm, sanftm\u00fctig usf. Ihnen gilt Gottes Zuwendung und Gnade, und das erweist sich daran, da\u00df ihnen etwas zuteil werden soll: Trost, Barmherzigkeit usw. Als sagte er: Euch, die ihr hungert und d\u00fcrstet nach Gerechtigkeit, die ihr reines Herzens seid usf., euch kann man nur rundherum gratulieren. Denn euch hat Gott sich ersehen, und das wird er euch sp\u00fcren lassen &#8211; in der S\u00e4ttigung eures Hungers, im Schauen Gottes usw. Also jetzt bereits, was immer um euch herum geschieht oder auch im argen liegt, wie immer es euch derzeit geht und was auch Menschen und M\u00e4chte mit euch treiben: Jetzt bereits hat euer Leben abschlie\u00dfend Erf\u00fcllung und Sinn gefunden, verb\u00fcrgt in Gott selbst. Er wird es euch erfahren lassen.<\/p>\n<p>Das bringt uns ins Fragen: Wer sind die gemeinten Menschen? Was macht diese Z\u00fcge aus, die sie so auszeichnen? Wie hat man die Verhei\u00dfungen aufzufassen? Naheliegende Fragen, und wir m\u00f6chten Antworten haben &#8211; zutreffende und m\u00f6glichst klare. Ich stutze: Wieso eigentlich? Woraufhin fragen wir? Was steckt in unseren Fragen?<\/p>\n<p>Im akademischen Raum ist es uns gel\u00e4ufig: Wer die Fragen stellt, entwirft den Rahmen, legt die Ebenen fest und befindet \u00fcber Methoden und Ziele. Wer die Fragen stellt, bestimmt und entscheidet &#8211; bestimmt und entschiedet dar\u00fcber, wie ein Wortlaut zu h\u00f6ren sei, wie man ihn aufzunehmen hat, was in ihm steckt. Aus meinem Stutzen wird ein Stolpern: Also legten wir mit unseren Fragen die Aussage des Textes bereits im voraus fest? Aber wir wollten durch nur wissen &#8230;; ist das nicht etwas ganz anderes als ein vorg\u00e4ngiges Bemeistern durch die Fragestellung?<\/p>\n<p>Das mu\u00df jetzt nicht entschieden werden; lassen Sie uns hier einen Augenblick verharren und unsere Fragerei hintanstellen. Ja &#8211; und dann? Dann &#8211; dann kehren sich die Dinge um. Dann stellt der Predigttext\u00a0<i>uns<\/i>\u00a0Fragen, und er tut das dadurch, da\u00df er v\u00f6llig eindeutig ist, das klare Wort des Herrn. Klar und eindeutig ist am Tage: Gemeint sind exakt die, die hier genannt sind: Die da geistlich arm sind; die da Leid tragen; die Sanftm\u00fctigen; die da hungert und d\u00fcrstet nach Gerechtigkeit; die Barmherzigen; die reines Herzens sind; die Friedfertigen; die um Gerechtigkeit willen Verfolgten. Sie, und nur sie, sind hier angesprochen und also auch gemeint; sie und sonst niemand. Wer dazu geh\u00f6rt, wird es unter diesen S\u00e4tzen unmittelbar wissen. Wer nicht dazu geh\u00f6rt, den gehen die Seligpreisungen nichts an.<\/p>\n<p>Ja, Jesus Christus zieht eine Grenze, eine nicht sofort erkennbare, doch schneidende Grenze. Er wendet sich hier nicht wahllos an Alle, sondern allein an diese bestimmten Menschen. Und die sind selig, weil sie sind, die sie sind, oder vielmehr: weil der Herr selber sie ersieht und seligspricht. Die anderen &#8211; kann, mu\u00df ich sagen: wir anderen? &#8211; sind nicht im Blick. Die &#8211; oder wir &#8211; haben hiermit nichts zu schaffen.<\/p>\n<p>Jesus Christus spricht hier als Herr, der da frei w\u00e4hlt und g\u00fcltig verf\u00fcgt. Damit setzt er Vorgaben, zumal f\u00fcr diejenigen, die sich nach seinem Namen nennen. Sie, also wir Christen und die Kirchen, haben somit unsererseits der Frage standzuhalten, ob wir<i>\u00a0ihm\u00a0<\/i>tats\u00e4chlich folgen und tats\u00e4chlich\u00a0<i>seine<\/i>\u00a0Worte treu \u00fcberliefern. Ich f\u00fcrchte, dies Fragen bringen uns mehr als nur ins Schwitzen. Denn die Christenheit hat in Geschichte und Gegenwart ihrerseits immer wieder denen sich zugewandt, die\u00a0<i>sie<\/i>\u00a0sich aussuchte und die\u00a0<i>ihr<\/i>\u00a0opportun oder genehm waren. Und das Elend unserer derzeitigen Kirchent\u00fcmer ist nicht zum letzten das Elend einer frommen Institution, die auf eine bestimmte Klientel fixiert ist und nicht die Traute hat, ihrem Herrn zu folgen im Blick auf die Menschen, die\u00a0<i>ER<\/i>\u00a0anspricht.<\/p>\n<p>Da sind die,\u00a0<i>&#8222;die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr&#8220;<\/i>. Hier ist nicht von Glaube noch von Bekenntnis, weder von Engagement noch von Kirchensteuern, weder von Gemeindezugeh\u00f6rigkeit noch \u00fcberhaupt von Fr\u00f6mmigkeit die Rede. Im Gegenteil: Angesprochen ist ein Defizit, ein deutliches Nicht-Haben. Diejenigen, die alles das\u00a0<i>nicht<\/i>\u00a0haben, was ein guter Christenmensch aufweisen kann oder doch sollte; diejenigen, denen Glaube und Credo Fremdw\u00f6rter und denen Fr\u00f6mmigkeit und Gebet ferne Welten sind, doch die ebendarin sich arm, sich leer, sich verloren, sich religi\u00f6s ausgegrenzt f\u00fchlen &#8211; oder auch nur vermeinen; was tut&#8217;s; deren Wirklichkeit jedenfalls die ist, da\u00df ihnen fehlt und unzug\u00e4nglich bleibt, womit die Kirchen locken und zuweilen auch prunken: Sie, exakt sie redet der Herr an.<\/p>\n<p>Er redet ihnen gerade nicht zu, sich zu bekehren, nicht, Glauben zu fassen, nicht, in die Kirchen zur\u00fcckzukehren. Sondern er nimmt sie bei ihrer Armut, in der sie unter Frommen, unter Gl\u00e4ubigen nicht mithalten k\u00f6nnen: &#8222;Selig seid ihr!&#8220; Selig &#8211; denn sie sind die Leute, mit denen Gott sein Reich baut, sind die, unter denen Gott selbst f\u00fcr Zeit und Ewigkeit Wohnung machen will.<\/p>\n<p>Jedes mittlere Semester im Theologiestudium k\u00f6nnte aus dem Stand beweisen, da\u00df das theologisch falsch, ja unertr\u00e4glich sei. Und wer kirchlich ist, gar eine leitende Funktion in einem Kirchentum aus\u00fcbt, k\u00f6nnte das nur um den Preis akzeptieren, da\u00df man den bestehenden Boden als haltlos preisgibt; &#8211; die Sache mit dem Kamel und dem Nadel\u00f6hr. Da\u00df der Herr selber an Schrift und Bekenntnis, an Kirche und Tradition vorbei die geistlich Armen ansieht und anredet und selig preist als die, mit denen Gott sein Reich baut und die hier B\u00fcrger sein werden, geht hinaus \u00fcber das, was man fassen kann und was ertr\u00e4glich erscheint. Allerdings ist da ein Unterschied zu beachten:\u00a0<i>Wir<\/i>\u00a0sind auf Schrift und Bekenntnis, auch auf Kirche und Tradition angewiesen; der\u00a0<i>Herr<\/i>\u00a0jedoch nicht, sondern er\u00a0<i>verf\u00fcgt<\/i>\u00a0hier\u00fcber. Wenn wir diesen Unterschied nicht wahrnehmen, verkommen uns Schrift und Bekenntnis zu Fetischen und verwahrlosen Kirche und Tradition. Die Seligpreisungen m\u00f6gen Anla\u00df geben zu der Frage, ob wom\u00f6glich Kirche und Theologie hier &#8211; und der Herr und das Gottesreich dort inzwischen zu zwei Sph\u00e4ren geworden sind, die nichts mehr miteinander zu tun haben.<\/p>\n<p>Da sind\u00a0<i>&#8222;die da Leid tragen; denn sie sollen getr\u00f6stet werden.&#8220;\u00a0<\/i>Die Unerheblichkeit akademischer Fragen vergeht hier. Gottes Trost verspricht Jesus denen, deren Leben unter der Last von Leid liegt. (Das Passiv hier wie in den anderen Seligpreisungen ist traditionelle Umschreibung des Tuns von Gott selbst). Dar\u00fcber werden die eingef\u00fchrten und bew\u00e4hrten Trost- und Beschwichtigungsmechanismen bodenlos, die Institutionen des Mitleids und der sog. barmherzigen Liebe hohl. DA\u00df man anderen im Leide beistehe, ist damit ja nicht wertlos noch \u00fcberfl\u00fcssig; doch nun verkehren sich die Dinge im Grundlegenden. Denn damit erkl\u00e4rt der Herr die, die da Leid tragen, f\u00fcr die, die Gottes h\u00f6chsteigenen Trost empfangen &#8211; sie! Was h\u00e4tten, was k\u00f6nnten\u00a0<i>wir<\/i>\u00a0ihnen da noch als Trost bieten? Nein, sondern wollen\u00a0<i>wir<\/i>\u00a0Trost finden, so brauchen wir sie, sind wir auf<i>\u00a0sie<\/i>\u00a0angewiesen. Ohne sie entartet unsere Welt zur Welt der Gesunden, der Heilen, der Glaubensstarken, der Frommen, der Ordentlichen. Und an ihnen allen blickt der Herr vorbei und richtet seine Seligsprechung an die, die da Leid tragen.<\/p>\n<p>Da sind\u00a0<i>&#8222;die Sanftm\u00fctigen; denn sie sollen das Erdreich besitzen.&#8220;\u00a0<\/i>Halten wir uns nicht beim Stichwort auf; gemeint sind die, die da beschieden sind, sei&#8217;s weil sie so sind, sei&#8217;s weil sie&#8217;s sein m\u00fcssen, denn sie haben keine Wahl. Es sind also die, die regelm\u00e4\u00dfig zu kurz kommen, \u00fcbersehen und \u00fcbergangen werden, die man verbuttert und \u00fcber die man sich, Gottlob!, erhaben f\u00fchlen kann und f\u00fchlt.<i>Sie<\/i>\u00a0sind im Blick,\u00a0<i>sie<\/i>\u00a0spricht der Herr an. Christlich-humanistisch gepr\u00e4gt wie wir sind, finden wir das nat\u00fcrlich grunds\u00e4tzlich wichtig und wundervoll &#8211; doch dergleichen Onkelhaftigkeit vergeht und sp\u00e4testens, wenn wir uns klarmachen, da\u00df das in concreto wohl so \u00e4hnlich aussehen wird wie: Der Grund und Boden dieser Stadt wird auf der Stelle den Stadtstreichern und Obdachlosen \u00fcbertragen; die bisherigen Eigent\u00fcmer werden enteignet. &#8211; Jesus Christus sagt den &#8222;Sanftm\u00fctigen&#8220; in Gottes Namen ohne Wenn und Aber nicht weniger als das Erdreich zu. Wir haben damit zu rechnen, da\u00df sich das dramatischer realisieren wird, als das Beispiel andeutete.<\/p>\n<p>Da sind\u00a0<i>&#8222;die da hungert und d\u00fcrstet nach Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.&#8220;<\/i>\u00a0Der Hungerk\u00fcnstler von Franz Kafka verweigerte die Nahrung, weil er nicht &#8222;die Speise finden konnte, die mir schmeckt&#8220;: Er Maltas vor Augen, was das sein mag, das Hungern und D\u00fcrsten nach Gerechtigkeit, und gibt damit Ansto\u00df, uns umzuschauen, wo da Menschen sind, denen der Fra\u00df der &#8222;zeichenhaften&#8220; oder der beschwichtigenden Halbgerechtigkeit nicht schmeckt; die sich ob der Ungerechtigkeit h\u00e4rmen und unf\u00e4hig sind, sich abspeisen zu lassen: zu tief sitzt ihr Hunger, zu hei\u00df brennt ihr Durst. Wer sie sind &#8211; Gott wei\u00df es; und sie werden diese Worte h\u00f6ren und darin Erquickung finden, da\u00df Gott selbst ihnen in F\u00fclle gew\u00e4hren wird, wonach sie sich verzehren.<\/p>\n<p>Da sind\u00a0<i>&#8222;die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.&#8220;\u00a0<\/i>Unter den Seligpreisungen ger\u00e4t immer weiter aus dem Blick, wodurch wir uns sonst in Kirche und Gemeinwesen, in Fr\u00f6mmigkeit und Gesellschaft orientieren. Das scheint hier, wo der Herr die Seligkeit sozusagen austeilt, ohne Belang zu sein. Anderes z\u00e4hlt da, anderes, das man nicht machen, nicht wollen, schon gar nicht sich erwerben kann, sondern das da ist bzw. das mich ausmacht &#8211; oder eben nicht; und dann hat die Seligkeit mit mir nichts zu tun. So klar und einfach ist das. Und kein, jedenfalls keine<i>\u00a0redliche<\/i>\u00a0Auslegung bringt das aus der Welt. Doch immerhin k\u00f6nnten wir uns einmal danach fragen, ob und wo\u00a0<i>unter uns<\/i>\u00a0die Barmherzigen Ort haben und Achtung finden und den Respekt, der denen geh\u00f6rt, denen\u00a0<i>Gottes<\/i>\u00a0Barmherzigkeit gewi\u00df ist?<\/p>\n<p>Da sind\u00a0<i>&#8222;die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen&#8220;.<\/i>\u00a0Der Urtext ist noch schlichter und darin geradezu erregend: &#8220; &#8230; denn sie werden Gott sehen&#8220;. &#8222;<i>Sehen<\/i>&#8220; &#8211; wie man einen Mitmenschen, wie man einen Freund sieht; einfach so. Ich vermute, da\u00df niemand unter uns die Sehnsucht danach fremd ist, da\u00df Gott endlich, endlich sich zeigen, sichtbar werden, hervortreten m\u00f6ge; auch nicht die M\u00fcdigkeit angesichts seiner lastenden Unsichtbarkeit. Und wir qu\u00e4len uns und strampeln und h\u00f6ren und gebrauchen gute, richtige, hilfreich erkl\u00e4rende und unterst\u00fctzende Worte. Was soll&#8217;s &#8211; hier sind die angesprochen, denen der Anblick Gottes gewi\u00df ist, und sie tun nichts dazu. Sie\u00a0<i>sind<\/i>\u00a0einfach nur -sind, wie Gott uns will, ersieht und anredet.<\/p>\n<p>Da sind &#8222;<i>die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen&#8220;<\/i>. An dem Stichwort ist viel herumgemacht worden; vielleicht pr\u00e4zisieren wir so am besten: &#8222;Die, von denen Friede ausgeht&#8220;. Da\u00df diese &#8222;Gottes Kinder hei\u00dfen&#8220; sollen, bezeichnet die g\u00fcltige Adoption: sie werden sozusagen als Mitglieder zu Gottes Haushalt z\u00e4hlen. Die, von denen Friede ausgeht, &#8211; jeder kennt derartige Menschen. Es ist ein Labsal, ihnen zu begegnen; die Seele atmet, wenn man mit ihnen zu tun hat. Bilde ich mir&#8217;s ein? Wo man in ihrem Dunstkreis ist, da kann man schier riechen und schmecken, wie Gottes Haushalt ist; da ahnt man, was ein Engel sein mag; da hat das fromm verbrauchte Wort &#8222;Gotteskind&#8220; einen Klang, der noch lange nachhallt. Und da wird einem weh ums Herz, wenn man daran denkt, wie wenig Friede immer und immer wieder von uns selber ausgeht, den Christen, von den Kirchen, von den Amtstr\u00e4gern, von den Theologen. Aber als diese vom Frieden Fernen sind wir hier auch gar nicht im Blick.<\/p>\n<p>Und da sind\u00a0<i>&#8222;die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihrer&#8220;<\/i>. Wir brauchen nicht weit zu suchen, um die vor Augen zu bekommen, mit denen &#8211; zusammen mit den geistlich Armen &#8211; Gott sein Reich baut. Viele von ihnen tauchen nie in einer Zeitung auf. Und bei vielen ist die Verfolgung kaum sichtbar, doch subtil und vernichtend &#8211; Beamte, die ihren Diensteid ernst nahmen und &#8222;Gerechtigkeit gegen\u00a0<i>jedermann<\/i>&#8220; \u00fcbten; kirchliche Amtstr\u00e4ger, denen die blo\u00dfen Kirchensteuerzahler genauso zu Herzen gingen wie die Frommen, die f\u00fcr &#8222;die Gemeinde&#8220; gelten; lautere Personen, denen Staatsfeinde &#8211; wer jeweils gerade dazu deklariert und zur Hatz preisgegeben &#8211; Menschen waren; sie und viele mehr stehen f\u00fcr dies allt\u00e4gliche ger\u00e4uschlose Verfolgung mitten unter uns &#8211; als staatlich &#8222;nicht zu dulden&#8220;, kirchlich &#8222;untragbar&#8220;, gesellschaftlich &#8222;gef\u00e4hrlich&#8220;. Der Einsicht ist standzuhalten, da\u00df Gott sein Reich\u00a0<i>mit ihnen\u00a0<\/i>zu bauen gedenkt und nicht mit denen, die sich einschl\u00e4gig andienen oder dazu ganz selbstverst\u00e4ndlich sich berufen wissen.<\/p>\n<p>Diese Menschen also nimmt der Herr in den Blick, redet sie an und preist sie selig, dh. erkennt ihnen von Gottes wegen die Seligkeit zu, verbunden mit der Verhei\u00dfung einer spezifischen Gestalt dieser Seligkeit. Damit zieht er eine schneidende Grenze. Wer h\u00fcben, wer dr\u00fcben ist, daf\u00fcr stellt\u00a0<i>er<\/i>\u00a0die Kriterien auf; und wer nicht zu den Angeredeten geh\u00f6rt, steht jenseits, was immer man auch aufweisen mag.<\/p>\n<p>Das ist kaum ertr\u00e4glich. Denn es verwandelt unsere theologischen Ma\u00dfst\u00e4be, unsere geltenden Kriterien und unsere wohlbegr\u00fcndeten Unterscheidungen in &#8211; die\u00a0<i>unseren<\/i>, also in Menschenwerk, Menschensatzung und Menschenlehre. Ehe wir uns darauf einlassen k\u00f6nnen und m\u00f6gen, m\u00fcssen zuvor denn doch einige Frage gekl\u00e4rt werden, die uns hier mit Macht aufsteigen. Und so haben wir und stellen wir\u00a0<i>unsere Fragen.<\/i><\/p>\n<p>Wir feiern heute Reformationsfest.\u00a0<i>Das<\/i>\u00a0brachte die Reformation in Gang, machte sie aus und gab ihr Substanz: da\u00df Menschen es wagten, dem so unglaublichen, ungeheuerlichen und alles Bestehende \u00fcbergehenden klaren Wort des Herrn einfach zu glauben, ihre eigenen Fragen und Vorstellungen hintanzustellen und diesem Wort zu folgen, wohin auch immer es f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Klaus Schwarzw\u00e4ller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das klare Wort des Herrn&#8220; | Reformationsfest | 31.10.97 | Mt 5,2-10 | Klaus Schwarzw\u00e4ller | Liebe Gemeinde, wir feiern heute Reformationsfest. Anla\u00df ist der Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther am 31. 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