{"id":20938,"date":"1999-07-25T16:49:53","date_gmt":"1999-07-25T14:49:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20938"},"modified":"2025-03-10T16:53:08","modified_gmt":"2025-03-10T15:53:08","slug":"jesaja-21-5-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-21-5-3\/","title":{"rendered":"Jesaja 2,1\u20135"},"content":{"rendered":"<h3>8. Sonntag nach Trinitatis | 25. Juli 1999 | Jes 2,1-5 | Gottfried Sprondel |<\/h3>\n<p>&#8222;Dies ist&#8217;s, was Jesaja, der Sohn des Amos, geschaut<br \/>\nhat \u00fcber Juda und Jerusalem:<br \/>\nEs wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus<br \/>\nist, fest stehen, h\u00f6her als alle Berge und \u00fcber alle<br \/>\nH\u00fcgel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen<br \/>\nund viele V\u00f6lker werden hingehen und sagen:<br \/>\nKommt, la\u00dft uns auf den Berg des Herrn gehen,<br \/>\nzum Hause des Gottes Jakobs, da\u00df er uns lehre<br \/>\nseine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen!<br \/>\nDenn von Zion wird Weisung ausgehen und des<br \/>\nHerrn Wort von Jerusalem.<br \/>\nUnd er wird richten unter den Heiden und<br \/>\nzurechtweisen viele V\u00f6lker. Da werden sie ihre<br \/>\nSchwerter zu Pflugscharen und ihre Spie\u00dfe zu<br \/>\nSicheln machen. Denn es wird kein Volk wider<br \/>\ndas andere das Schwert erheben, und sie werden<br \/>\nhinfort nicht mehr lernen, Krieg zu f\u00fchren.<br \/>\nKommt nun, ihr vom Hause Jakob, la\u00dft uns<br \/>\nwandeln im Licht des Herrn!&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>eine Idee kann noch so gut, noch so einleuchtend sein &#8211; wenn sie nicht ein Bild findet, das sich den Herzen der Menschen einpr\u00e4gt, sie erw\u00e4rmt und begeistert, hat sie wenig Chancen. Was hier in der Bibel beschrieben wird, hei\u00dft in der Politikersprache von heute &#8222;R\u00fcstungskonversion&#8220;. Zu deutsch: Umwandlung der gewaltigen Waffentechnik in lauter friedliche Dinge, weil man die Waffen n\u00e4mlich nicht mehr braucht. &#8222;R\u00fcstungskonversion&#8220; &#8211; das ist Papierdeutsch; das nehmen die wenigsten ernst. Was so umst\u00e4ndlich ausgedr\u00fcckt wird, daran wird wohl auch nicht viel sein. Aber &#8222;Schwerter zu Pflugscharen; Spie\u00dfe zu Sicheln&#8220; &#8211; das kommt an, pr\u00e4gt sich ein, rei\u00dft mit. Und es macht gar nichts, da\u00df heute keiner mehr mit Schwert und Spie\u00df in den Krieg zieht und die wenigsten von uns eine Pflugschar brauchen und eine Sichel f\u00fchren k\u00f6nnen. \u00c4ltere unter uns erinnern sich an die Nachkriegszeit, als man aus nackter Not seine eigene R\u00fcstungskonversion betrieb: Die Granath\u00fclse wurde zur Kochhexe, der Stahlhelm zum Suppentopf, und gar Fallschirmseide zu ergattern war die H\u00f6he der Gef\u00fchle. Ein sowjetischer Bildhauer hat den Friedenshelden, der sein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet, kraftvoll und zu allem entschlossen, in einer Skulptur dargestellt. So steht sie heute in New York vor dem Wolkenkratzer der Vereinten Nationen und sagt ohne Worte: Daf\u00fcr gibt es diese V\u00f6lkergemeinschaft, daran arbeiten wir hier. Kein Krieg mehr, Schlu\u00df mit der irrsinnigen Vergeudung von Intelligenz, Phantasie, List, Geld nur zum Zweck des T\u00f6tens; der Friede ist der Ernstfall (Gustav Heinemann). Wahrhaftig, der Bibel gl\u00fccken solche Menschheitsbilder.<\/p>\n<p>*<br \/>\nDoch mu\u00df nicht unausweichlich der Verdacht sich einstellen, da\u00df damit \u00fcberhaupt nichts gewonnen ist und der Friedensaufschwung schneller, als uns lieb ist, seine Kehrseite offenbart? Die Kehrseite ist, da\u00df der gro\u00dfe Friedenstraum noch keinen einzigen Krieg verhindert hat. Wir haben sogar erlebt, da\u00df des Friedens wegen Krieg gef\u00fchrt wird, m\u00f6glicherweise sogar gef\u00fchrt werden mu\u00dfte. Ich setze Dir das Knie auf die Brust, damit Du deine eigenen Leute nicht massakrierst! So verr\u00fcckt kann die Logik des Friedens manchmal sein. Damit nicht genug! Der Massakrierer, als es ihm ans Leder ging, rief: Ich will, da\u00df die Vereinten Nationen entscheiden. In der Sprache der Bibel: Ich laufe zum Zion, nach Jerusalem, wo der gro\u00dfe Schiedsrichter sitzt. Der soll sagen, ob ihr unser Land mit Bomben belegen d\u00fcrft, weil euch nicht pa\u00dft, was wir in den eigenen vier W\u00e4nden anstellen.<\/p>\n<p>Stellen wir uns vor Augen, was hier in der Bibel steht! Es wird einen Ort in der Welt geben, zu dem die verfeindeten V\u00f6lker str\u00f6men, gemeinsam angezogen von der Aussicht auf Frieden: Serben und Albaner, Nato-L\u00e4nder und Serben, protestantische Ulsterpatrioten und katholische Iren, Inder und Pakistani, \u00c4thiopier und Eritreer, Israeli und Hizbollah, Russen und Tschetschenen &#8211; die Liste wird immer l\u00e4nger, je pr\u00e4ziser wir unsere Phantasie anstrengen. Alle bewegen sich sternf\u00f6rmig auf einen Ort zu, beladen mit ihrem Ha\u00df, ihren Feindschaften, ihrer Unf\u00e4higkeit zum Frieden, aber einig in ihrem Zutrauen, da\u00df dort einer ist, der die L\u00f6sung wei\u00df f\u00fcr ihren Streit und da\u00df sie alle von ihm lernen k\u00f6nnen und es auch wollen. Und dann wird Frieden sein. Keiner beherrscht mehr das Kriegshandwerk, keiner vertraut mehr auf die Gewalt als L\u00f6sung aller Probleme.<\/p>\n<p>Vielleicht kann die Menschheit nicht leben ohne solche Tr\u00e4ume. &#8222;Wo keine Vision ist, wird das Volk wild und w\u00fcst&#8220;, hei\u00dft es einmal in der Bibel (Spr. 29, 18). Man mu\u00df nur wissen, wo die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit ist. Sonst wird man allzu schnell das Opfer derer, die nicht tr\u00e4umen, sondern zuschlagen, oder man wird zynisch und sagt sich: Sch\u00f6n w\u00e4r&#8217;s ja, aber es ist leider nicht so; also la\u00dft mich in Ruhe mit euren Tr\u00e4umereien! Ich mu\u00df selber sehen, wie ich zurechtkomme.<\/p>\n<p>*<br \/>\nWir haben Grund zu der Annahme, da\u00df unser gewaltiges Bild vom hohen Gottesberg, von dem Gerechtigkeit und Friede ausgehen, f\u00fcr den Propheten, in dessen Buch es steht, selber schon vorgegeben war, eine Art Predigttext also bildete, den er weitersagt und auslegt. Seine Auslegung ist die denkbar k\u00fcrzeste, ein Satz nur: &#8222;Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, la\u00dft uns wandeln im Licht des Herrn!&#8220;<\/p>\n<p>Auf einen Schlag wird aus dem s\u00fc\u00dfen, aber unwirklichen Traum etwas ganz anderes: ein Licht. Es sind nicht Menschen, die das Licht angez\u00fcndet haben, nicht die UNO, nicht eine politische Heilslehre, nicht eine Friedensbewegung: Es ist der Herr. Wenn man&#8217;s so nimmt, ist der Pflugscharenschmied vor dem UNO-Geb\u00e4ude eigentlich ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis. Nicht hinter den tausend Fenstern, weder in der Vollversammlung noch im Weltsicherheitsrat wird der V\u00f6lkerfrieden ausgebr\u00fctet, wir haben es erlebt. Die Bibel l\u00e4\u00dft keinen Zweifel, da\u00df f\u00fcr sie alles daran h\u00e4ngt, da\u00df es Gott der Herr ist, der aus dem goldenen Traum die Wirklichkeit macht.<\/p>\n<p>Die an IHN glauben, glauben eben daran, da\u00df ER Frieden und Heil f\u00fcr seine Sch\u00f6pfung will. Sie glauben IHM einfach, da\u00df es am Ende darauf hinauslaufen und alles gut werden wird. Sie glauben es IHM, weil ER auf diese Erde ein Unterpfand gesetzt hat. Das ist das Kreuz Jesu, das Zeichen der gro\u00dfen Vers\u00f6hnung. Seitdem haben sie ein Licht, f\u00fcr das sie selbst nicht mehr zu sorgen brauchen. Aber sie wollen nun auch nicht l\u00e4nger im Halbdunkel herumstolpern, sondern &#8222;wandeln im Licht des Herrn&#8220;, das ja da ist. Sie sind seitdem \u00fcberall dort zu finden, wo Frieden zu stiften ist, auch der kleine, gebrechliche, zeitlich begrenzte Friede, ohne die Illusion, sie m\u00fc\u00dften jedesmal den Weltfrieden erfinden. Sie k\u00f6nnen ganz unbeirrt bei dieser Arbeit bleiben und zugleich alles in die H\u00e4nde des Herrn legen, der beides gesagt hat: da\u00df ER Frieden auf Erden bringt und da\u00df die Friedensstifter selige Leute sind, weil sie die Erde besitzen sollen. Denn sie sind mit IHM im Bunde.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Gottfried Sprondel<br \/>\nAn der Wihokirche 1<br \/>\n49078 Osnabr\u00fcck<br \/>\nTel. 0541 \/ 445871<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Sonntag nach Trinitatis | 25. 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