{"id":20949,"date":"2004-12-12T08:37:30","date_gmt":"2004-12-12T07:37:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20949"},"modified":"2025-03-11T08:40:10","modified_gmt":"2025-03-11T07:40:10","slug":"lukas-31-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-31-14\/","title":{"rendered":"Lukas 3,1-14"},"content":{"rendered":"<h3>3. Advent | 12. Dezember 2004 | Lk 3,1-14 | Hans Joachim Schliep |<\/h3>\n<p align=\"left\">&#8220; Im f\u00fcnfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Jud\u00e4a war und Herodes Landesf\u00fcrst von Galil\u00e4a und sein Bruder Philippus Landesf\u00fcrst von Itur\u00e4a und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesf\u00fcrst von Abilene, als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der W\u00fcste.<\/p>\n<p align=\"left\">Und Johannes kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Bu\u00dfe zur Vergebung der S\u00fcnden, wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja (Jes 40,3-5): \u201eEs ist eine Stimme eines Predigers in der W\u00fcste: \u201aBereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht werden, und alle Berge und H\u00fcgel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.\u2018\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: \u201eIhr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewi\u00df gemacht, dass ihr dem k\u00fcnftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe; und nehmt euch nicht vor zu sagen: \u201aWir haben Abraham zum Vater.\u2018 Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">Und die Menge fragte ihn und sprach: \u201eWas sollen wir denn tun?\u201c Er antwortete und sprach zu ihnen: \u201eWer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.\u201c Es kamen auch die Z\u00f6llner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: \u201eMeister, was sollen denn wir tun?\u201c Er sprach zu ihnen: \u201eFordert nicht mehr als euch vorgeschrieben ist!\u201c Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: \u201eWas sollen denn wir tun?\u201c Und er sprach zu ihnen: \u201eTut niemandem Gewalt oder Unrecht und la\u00dft euch gen\u00fcgen an eurem Sold!\u201c&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"left\">\u201eIn dem Jahr, in dem George W. Bush zum Pr\u00e4sidenten der USA wiedergew\u00e4hlt wurde, als im Irak noch Bomben auf St\u00e4dte fielen, obwohl das Kriegsende l\u00e4ngst ausgerufen worden war, als man bin Laden noch immer nicht gefunden hatte, als Yassir Arafat, Pr\u00e4sident der Pal\u00e4stinenser, einen \u00f6ffentlichen Tod starb, als Horst K\u00f6hler vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds weg zum deutschen Bundespr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde und Gerhard Schr\u00f6der seine Kanzlerschaft gegen Angela Merkel und Edmund Stoiber zugleich verteidigte, als Christian Wulff Ministerpr\u00e4sident in Niedersachsen war und drastische Einsparungen durchsetzte, als Hartz IV bevorstand und als alle Welt zusah, wie Papst Johannes Paul II. durch die Parkinson\u2019sche Krankheit immer mehr die Kontrolle \u00fcber seinen K\u00f6rper verlor, da geschah das Wort zu einem Mann, der hie\u00df&#8230;\u201c.<\/p>\n<p align=\"left\">W\u00fcrde Lukas, schriebe er sein Evangelium heute, es mit solchen Zeitangaben beginnen, in solche Zeitumst\u00e4nde einbetten? W\u00fcrde er von jemandem von uns sprechen, der unser Nachbar hier in der St. Johanniskirche oder auf dem Kronsberg sein k\u00f6nnte? Warum f\u00fcgt Lukas \u00fcberhaupt die Jesus-Geschichte ein in das Weltgeschehen?<\/p>\n<p align=\"left\">Lukas stellt das Evangelium von Jesus Christus und dessen Vorspiel als Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung dar. F\u00fcr ihn hat das Evangelium eine politische Dimension. Was sind die Ziele und Ma\u00dfst\u00e4be von Politik? Wer hat die Macht? Wer regiert die Welt?<\/p>\n<p align=\"left\">Lukas gibt dem Evangelium revolution\u00e4re Z\u00fcge. Erinnern wir uns, wie er schon Maria im \u201aMagnificat\u2018 ank\u00fcndigen l\u00e4\u00dft (Lk 1,52-54): \u201e Er st\u00f6\u00dft die Gewaltigen vom Thron \/ und erhebt die Niedrigen. \/ Die Hungrigen f\u00fcllt er mit G\u00fctern \/ und l\u00e4\u00dft die Reichen leer ausgehen. \/ Er gedenkt der Barmherzigkeit \/ und hilft seinem Diener Israel auf.\u201c Das beginnt mit Johannes dem T\u00e4ufer. Sein Weg in die W\u00fcste und seine \u201eTaufe zur Bu\u00dfe\u201c: Fanal zur Umkehr, letzte Chance zu einem Mentalit\u00e4ts- und Politikwechsel f\u00fcr die Regierenden und f\u00fcr die Regierten.<\/p>\n<p align=\"left\">Doch welche Politik hat Lukas hier vor Augen? Die Namen jener M\u00e4nner, die er aufz\u00e4hlt, waren damals in aller Munde. Bei ihnen lag die Macht. Doch das Entscheidende, was die Welt wirklich wendet, geschieht f\u00f6rmlich an ihnen vorbei. Die M\u00e4nner, die da auf der weltpolitischen B\u00fchne stehen, sind lediglich Statisten. Die Regie f\u00fchrt ein anderer. Dessen Auff\u00fchrung findet ganz woanders statt als in den Weltmetropolen oder den umk\u00e4mpften Gebieten und St\u00e4dten. Was am\u00a0<strong>Rand<\/strong>\u00a0geschieht, was entweder \u00fcbersehen oder kurzerhand niedergemacht wird,\u00a0<strong>das<\/strong>\u00a0steht im Zentrum.<\/p>\n<p align=\"left\">Lukas \u201eschreibt\u201c Gro\u00dfes klein und Kleines gro\u00df. So lehrt er uns etwas sehr Menschliches, das \u00fcber alles Politische hinausgeht: Auf uns, die wir alles in der Hand haben wollen, kommt es im Letzten gar nicht an. Ganz andere Kr\u00e4fte, Kr\u00e4fte eines ganz Anderen bestimmen unsere pers\u00f6nliche und unsere politische Geschichte. Mit Johannes dem T\u00e4ufer k\u00fcndigt sich eine Zukunft an, die alle gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse des Unrechts, der Gewalt und der Ausbeutung beendet. Diese Zukunft kommt einzig aus der Kraft Gottes. Auf sie allein gilt es zu achten, ihr sich anzuvertrauen, wenn es um Rettung und Heil geht. \u201eUnd das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.\u201c (Lk 2,12) Wahrlich kein Idyll. Gleichwohl, weil so menschlich, einfach, unmittelbar, eine Gegenkraft gegen alles Machtgehabe. Ein Gegenbild gegen alles Verwirrende, Uferlose und Heillose.<\/p>\n<p align=\"left\">Ein Gegenbild, mehr noch: ein Anderland &#8211; das ist auch die \u201eW\u00fcste\u201c: Sinnbild f\u00fcr das, was von einem ganz Anderen kommt und ganz \u00e4ndern kann, f\u00fcr ein Jenseits des Lebens, ein Jenseits der Gesellschaft, ein Jenseits unseres Selbst. Es erreicht uns am Ort erh\u00f6hten Lebensrisikos, wo besondere Wachsamkeit und Aufmerksamkeit gefordert sind, wo es nichts \u00dcberfl\u00fcssiges, Ablenkendes und keinen Schutz gibt, einzig und allein den Schutz Gottes. In der &#8222;W\u00fcste&#8220; ist alles unmittelbar und elementar: Sand, Sonne und Wind &#8211; und die Suche nach Wasser. Nur ein Lebenswille, der sich aus anderen Quellen speist als aus eigener Willenskraft, l\u00e4\u00dft dich nicht verloren gehen in der grenzenlosen Weite von Erde und Himmel. Kein Haftpunkt f\u00fcr dein Auge, kein Zielort f\u00fcr deinen n\u00e4chsten Schritt. Aber nachts! Wenn der Sternenhimmel sich w\u00f6lbt \u00fcber das weite Land, bietet selbst Unendlichkeit deinem Auge Fixpunkte. Dann erfa\u00dft wohl auch die ausgebildetsten Gro\u00dfhirne und die wortm\u00e4chtigsten Spottm\u00e4uler das Gef\u00fchl schlechthinnigen Angewiesenseins und unerreichbarer Erhabenheit.<\/p>\n<p align=\"left\">Hier, in der \u201eW\u00fcste\u201c, begegnet pure Unverf\u00fcgbarkeit und Unverstelltheit. Wor\u00fcber w\u00e4re in dieser Leere denn schon zu verf\u00fcgen? Wessen k\u00f6nnte man sich hier denn bem\u00e4chtigen? Unverstellt trifft dort auch der Mensch auf sich selbst und die Lebensmacht, aus der er kommt. So haben die Propheten aller Religionen, Gottschauer und Menschenkenner, dieses Anderland aufgesucht. Menschen in W\u00fcsteneinsamkeit wurden zu Wegweisern der Menschheit.<\/p>\n<p align=\"left\">Ebenso Johannes der T\u00e4ufer, auch wenn er nur ein Vorl\u00e4ufer war. Um Menschen f\u00fcr das Unverf\u00fcgbare und Unverstellte zu \u00f6ffnen, hat er sich dorthin begeben und sie dorthin gerufen, wo nichts den Blick verstellt. Nur wo nichts mehr das Herz verf\u00fchren, den Verstand umnebeln kann, wird man zur\u00fcckfinden zu Grund, Mitte und Ziel des Lebens, zum Erhabenen, Heiligen. Darum geht es Johannes. Er ruft mit Worten des Propheten Jesaja: &#8222;&#8218;Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht werden, und alle Berge und H\u00fcgel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.\u2018&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\">\u201eBereitet den Weg\u00a0<strong>des<\/strong>\u00a0Herrn\u201c statt \u201e<strong>\u00a0dem\u00a0<\/strong>Herrn\u201c. Lukas l\u00e4\u00dft Johannes das Prophetenwort neu sprechen: Gottes Weg ist schon bereitet, von dem, der unverf\u00fcgbar bleibt, dessen Kommen nur erhofft, dann erbeten und daraufhin erwartet werden kann. Auf dem \u201eWeg\u00a0<strong>des<\/strong>\u00a0Herrn\u201c kann der Mensch nur daf\u00fcr sorgen, die Hindernisse zu beseitigen, mit denen er sich gegen Gottes Einzug in sein eigenes Herz meint wehren zu m\u00fcssen. \u201eWas krumm ist, soll gerade werden&#8230;\u201c. Zu Recht hat Kant den Menschen ein \u201ekrummes Holz\u201c genannt. Also geht es beim Ebnen des Weges Gottes um etwas ganz anderes, als \u00fcberall die Erde zu planieren und der Geometrie zum Sieg zu verhelfen, der gem\u00e4\u00df die Gerade die k\u00fcrzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist. Wo ich aber \u201egeradeaus\u201c lebe, \u201eherzensgerade\u201c, unverstellt durch L\u00fcge und innere Abschottung, da r\u00e4ume ich auch Gott den Weg in mein Leben frei. Um Geradheit zwischen Menschen und zwischen Mensch und Gott &#8211; darum geht es Johannes.<\/p>\n<p align=\"left\">Was bedeutet aber solche Geradheit, wenn Johannes\u2018 Rede in unseren Ohren wie die eines \u201eFundamentalisten\u201c klingt? Offenkundig gibt es f\u00fcr ihn nur einen Weg und nur die Geraden und die Krummen, woraus schnell wird: die Guten und die B\u00f6sen. W\u00e4re das so, brauchten jedenfalls die, die sich im Sinne ihres Fundamentalismus auf der richtigen Seite w\u00e4hnen, keine Umkehr, keine Bu\u00dfe. Johannes aber ruft zur Lebensbegradigung, damit die Barrikaden und Blockaden des eigenen Herzens erkannt und beseitigt werden. Dazu geh\u00f6rt die Anerkenntnis der Lebensrechte aller, wie wir un\u00fcberbietbar durch Jesus Christus wissen. Er sieht die Sonne \u00fcber Gute und B\u00f6se aufgehen und den Regen \u00fcber Gerechte und Ungerechte niedergehen und darin Gottes Himmel \u00fcber alle sich w\u00f6lben (Mt 5,45). Also besteht die neue Geradheit darin, statt alles plattzumachen, Unebenheiten hin- und die Vorl\u00e4ufigkeit des Lebens anzunehmen. Von daher ist keine Politik zu billigen, die auf dem Freund-Feind- oder dem Gerechte-Ungerechte-Schema aufbaut. Mit anderen Worten: Wer sich von jemandem wie Johannes dem T\u00e4ufer zu Gott als seinem Lebensfundament gerufen wei\u00df, wird seinen eigenen Fundamentalismus aufgeben. Erst recht wird er den Unterschied ernstnehmen: Johannes selbst war kein Gewaltt\u00e4ter, sondern ein Gewalt<strong>opfer<\/strong>.<\/p>\n<p align=\"left\">An dieser Stelle f\u00fcge ich einen Gedanken ein, der mehr das Pers\u00f6nliche betrifft. Manchen kommen Menschen wie Johannes der T\u00e4ufer allzu selbstsicher, allzu fordernd vor. Ihnen fehlt das Fragende, Suchende. Aber auch das ist &#8211; bei aller Kompromi\u00dflosigkeit, mit der er auftritt &#8211; bei Johannes zu finden. Er begibt sich ja selbst in eine v\u00f6llig ungesicherte, offene Position hinein. Und er lockt Menschen deshalb in die \u201eW\u00fcste\u201c, um sie von dem abzubringen, was ihnen bisher als unhinterfragbar, unbezweifelbar und hundertprozentig sicher erschien. Er will sie aus dem Gef\u00e4ngnis einer Selbstzufriedenheit befreien, in dem sie nur sich selbst kennen &#8211; mehr nicht und nichts Gr\u00f6\u00dferes. Deshalb w\u00e4re es schon ein Gewinn, eine \u00d6ffnung f\u00fcr das kommende Heil, gelangte jemand zu einer Lebenshaltung, wie G\u00fcnter Kunert sie in seinem Gedicht \u201eF\u00fcr mehr als mich\u201c ausdr\u00fcckt:<\/p>\n<p align=\"left\">&#8222;Ich bin ein Sucher \/ eines Weges. \/ Zu allem, was mehr ist \/ als \/ Stoffwechsel, \/ Blutkreislauf, \/ Nahrungsaufnahme, \/ Zellenzerfall. &#8212; Ich bin ein Sucher \/ eines Weges, \/ der breiter ist \/ als ich. \/ Nicht zu schmal. \/ Kein Ein-Mann-Weg. \/ Aber auch keine \/ staubige, tausendmal \/ \u00fcberlaufene Bahn. &#8212; Ich bin ein Sucher \/ eines Weges. \/ Sucher eines Weges \/ f\u00fcr mehr \/ als mich.&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\">Umso deutlicher stellt sich die Frage: Wie sind dann die radikalen Worte des Johannes zu verstehen, der die Menschen als \u201eSchlangenbrut\u201c bezeichnet, \u201eFr\u00fcchte der Bu\u00dfe\u201c fordert und \u201edie Axt\u201c denen \u201ean die Wurzel gelegt\u201c und sie \u201eins Feuer geworfen\u201c sieht, die \u201enicht gute Frucht\u201c bringen? Das ist doch der scharfe, fordernde Ton von Revolution\u00e4ren, von Menschen, die auf Eindeutigkeit und Ver\u00e4nderung dr\u00e4ngen! Johannes denkt aber eben nicht an eine Zukunft, die der Mensch herbeif\u00fchrt, sondern an eine Zukunft, die ganz von Gott kommt, ja, in der Gott selbst kommt. \u201eBu\u00dfe\u201c ist dann etwas anderes als Selbstkasteiung oder Leistung guter Werke. \u201eBu\u00dfe\u201c ist dann Umkehr in die Zukunft Gottes hinein, hoffnungsvolle Hinkehr zum verhei\u00dfenen, unverbr\u00fcchlichen Heil. Dadurch wird das Leben im Hier und Jetzt zu einem bewu\u00dften Leben im Vorl\u00e4ufigen. Wer so lebt, wird sich weder mit der Welt abfinden, wie sie ist, noch sie auf einen Idealzustand hin umkrempeln, gleichsam neu erfinden wollen. \u201eFr\u00fcchte der Bu\u00dfe\u201c, wie Johannes sie einfordert: Ja. Aber nicht als Bedingung und Leistung, um das Heil zu erwerben, sondern als Wirkung der Hoffnung auf Gottes Kommen, als Frucht des Heils, das vorab hineinscheint in die noch unerl\u00f6ste Welt.<\/p>\n<p align=\"left\">Damit ist nun wieder die Politik stark ber\u00fchrt. \u201eWas sollen wir denn tun?\u201c Es ist bemerkenswert, wie alle Fragen an Johannes &#8211; die der Menge, die der Z\u00f6llner und die der Soldaten &#8211; sich auf den Umgang mit Besitz und Geld, also auf wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse beziehen. Geld und Gut geh\u00f6ren ja auch zum Heikelsten und Prek\u00e4rsten im menschlichen Leben. Johannes\u2018 Antworten klingen \u00fcberaus einfach, v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich und naheliegend: &#8222;Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.&#8220; Also: teilen und alle teilhaben lassen an den Lebensgaben. Und &#8211; im Blick auf die Zolleintreiber &#8211; niemanden wie eine Zitrone auspressen und in Armut sto\u00dfen. Und &#8211; im Blick auf die damalige Praxis von Soldaten &#8211; niemanden zu Wegen und zum Lastentragen zwingen oder, um den Sold aufzubessern, ausrauben und Beute machen. Das Wohl des Anderen ist niemals nur eine materielle, es ist zuerst eine spirituelle Frage: Denn es geht um meine Einstellung zu ihm, um meine Wertsch\u00e4tzung, um meine Bereitschaft, seine Lebensrechte zu f\u00f6rdern, seine Menschenw\u00fcrde zu verteidigen. Das ist vor allem im Bereich der Wirtschaft n\u00f6tig. Man denke nur an die wachsenden Gegens\u00e4tze von Armen und Reichen, von Wohlhabenden und Hungernden, von denen, die Wasser im \u00dcberflu\u00df haben, und denen, die bitter an Wassermangel leiden. Deshalb ist &#8211; neben der Familie &#8211; die \u201eWirtschaft\u201c der vorrangige Ort christlicher Verantwortung. Gerade hier geht es um den weiten Horizont des \u201eF\u00fcr mehr als mich\u201c.<\/p>\n<p align=\"left\">Und das soll &#8222;revolution\u00e4r&#8220; sein?! Es ist doch eigentlich naheliegend! Ja, Johannes setzt auf eine &#8218;Politik des Naheliegenden&#8216;. Wo das Naheliegende weit weggeschoben wird, wo wenige immer mehr im Licht sind und viele immer mehr ins Dunkel geraten, ist die Heillosigkeit mit H\u00e4nden zu greifen. Die Welt wird nicht heiler, wenn die &#8218;Politik des Naheliegenden&#8216; in Gang kommt. Aber alle Welt wird doch erkennen k\u00f6nnen, wie das kommende Heil schon jetzt die Erde gr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p align=\"left\">Jedes Adventslicht, jeder Blick, jedes Wort und jede Tat, die von diesem Licht erleuchtet sind, auch jedes Suchen nach dem Weg &#8222;f\u00fcr mehr als mich&#8220;, ist solch ein Gru\u00df. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Hans Joachim Schliep<br \/>\nPastor am Ev. Kirchenzentrum Kronsberg<br \/>\nSticksfeld 6, 30539 Hannover<br \/>\nTel. + Fax: 0511 \/ 52 75 99<br \/>\n<a href=\"mailto:Hans-Joachim.Schliep@evlka.de\">E-Mail: Hans-Joachim.Schliep@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Advent | 12. 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