{"id":20960,"date":"2000-11-11T13:11:06","date_gmt":"2000-11-11T12:11:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20960"},"modified":"2025-04-10T14:51:28","modified_gmt":"2025-04-10T12:51:28","slug":"offenbarung-28-11-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-28-11-5\/","title":{"rendered":"Offenbarung 2,8-11"},"content":{"rendered":"<h3>Zweitletzter Sonntag des Kirchenjahres (Volkstrauertag) | 19. November 2000 | Offb 2,8-11 | Friedrich Mildenberger |<\/h3>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Es ist gut, da\u00df sich der vorstellt, der hier zu uns redet: \u201eDas sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden\u201c. Wir wissen, wer das ist: Jesus Christus. Der Seher der Offenbarung schildert im ersten Kapitel, wie er diesen Jesus Christus als die strahlende Lichtgestalt schaute, als den Sieger, dessen endg\u00fcltigen Sieg \u00fcber das B\u00f6se, \u00fcber den Satan wie \u00fcber den Tod und alle ihre Helfer und Helfershelfer dieses Buch der Offenbarung dann in gewaltigen Bildern schildert. ER ist der Sieger, der Erste, der den Tod \u00fcberwunden hat, und der Letzte, der am Ende triumphieren wird. Noch einmal nenne ich das: \u201eDas sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden.\u201c Er spricht, er tr\u00f6stet, er verhei\u00dft.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir kennen ihn, diesen Sieger. Wir kennen ihn nicht nur als die Lichtgestalt, wie sie der Seher Johannes schildert. Wir kennen ihn aus den Erz\u00e4hlungen der Evangelien, wir kennen ihn von vielen Bildern, die wir gesehen haben. Vor allem ist es das Bild des Gekreuzigten mit der Dornenkrone, das sich uns allen eingepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eDer Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden\u201c: Dieser ist der Sieger, dessen Sieg nicht nur eine vor\u00fcbergehende kurze Episode ist. Die Sieger von heute, die kennen wir ja auch: Die auf dem Fu\u00dfballfeld, die auf der Aschenbahn, die auf der Rennpiste. Namen brauche ich nicht zu nennen. Wir haben die Namen der Sieger im Wettkampf der Forscher geh\u00f6rt, die in diesem Jahr den Nobelpreis erhielten. Wir kennen wohl auch einige von den Siegern in wirtschaftlichen Wettbewerb, die besonders erfolgreichen Bosse und Manager. Und erst recht kennen wir die politischen Sieger, die ihre Wahl gewonnen und ihre Konkurrenten aus dem Feld geschlagen haben. Ihre Namen kennen wir. Aber die Sieger von gestern und vorgestern, die haben wir doch schon l\u00e4ngst vergessen. Und die Sieger von morgen kennen wir nat\u00fcrlich noch nicht: Das mu\u00df sich erst heraus stellen, wer da vorne dran sein wird. Doch vor allem wissen wir: Es ist gut, zu den Siegern zu geh\u00f6ren. Wir selbst sollen solche Sieger werden: Das Power-Seminar verspricht jedem von uns den Weg zum Erfolg \u2013 es kostet nat\u00fcrlich auch eine Menge Geld. Doch bei uns \u2013 wie \u00fcberall und immer \u2013 sind ja die Erfolgsmenschen gefragt, die \u201ewinner\u201c wie man so sagt, nicht die \u201eloser\u201c, die Verlierertypen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die im Augenblick oben dran sind, die kennen wir. Aber was ist mit den Siegern von gestern und vorgestern? L\u00e4ngst sind sie vergessen. Vielleicht wollen sie auch vergessen, wollen nicht mehr wahr haben, wie wir seinerzeit zu ihnen aufgeschaut haben: zu jenen beispielsweise, die uns von Sieg zu Sieg f\u00fchrten, bis hin zur endg\u00fcltigen Niederlage. Die uns nationale Gr\u00f6\u00dfe vorgegaukelt haben und unsere Opfer forderten. Und die erst recht die Menschen geopfert haben, die dem Wahl von der eigenen nationalen Gr\u00f6\u00dfe im Weg standen. Ich sch\u00e4me mich, wenn ich daran denke. Ihre Namen wollen mir nicht von den Lippen. Aber wir sollen uns ja erinnern, gerade am heutigen Volkstrauertag. Wie schnell ist es vorbei mit solchen Siegern und mit ihren Siegen. Und ich finde es schrecklich und doppelt besch\u00e4mend, da\u00df solch ein Traum vom deutschen Sieg weitergetr\u00e4umt wird. Da\u00df sich junge Leute einreden lassen, sie seien Sieger, wenn sie auf einem j\u00fcdischen Friedhof Grabsteine umsto\u00dfen, wenn sie auf ein Erinnerungsmal Hakenkreuze schmieren, wenn sie einen Brandsatz in eine Synagoge werfen, wenn sie Menschen, die anders aussehen, durch die Stra\u00dfen jagen, pr\u00fcgeln, zu Tod trampeln. Sieger auch nur f\u00fcr einen kurzen Moment? So gewi\u00df nicht!<\/p>\n<p align=\"justify\">Der hier zu uns redet, der bleibt \u201eder Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden.\u201c Warum das so ist? Eine Antwort will ich versuchen: Seinen Siegesweg s\u00e4umen nicht die Opfer der Verlierer, derer, die nicht mitgekommen sind, derer, die aus dem Weg ger\u00e4umt wurden, derer, die man verheizt hat, damit das Siegesfeuer desto kr\u00e4ftiger brennen konnte. Ihr k\u00f6nnt das nun auf alle beziehen, die Sieger und Verlierer im sportlichen, im wirtschaftlichen, erst recht im politischen Kampf. Da kann es ja nicht nur die Sieger geben. Da sind die Opfer, die Verlierer, die Ausgebeuteten, die Zur\u00fcckgebliebenen, die ihr Leben verloren haben, damit die Sieger sich eine kurze Zeit im Ruhm ihres Sieges sonnen k\u00f6nnen. Bei ihm, der da zu uns redet, ist es anders. Sicher, auch sein Name, auch seine Lehre, auch unser christlicher Glaube ist viel zu oft mi\u00dfbraucht worden, um kurze Siege zu feiern und Opfer zu rechtfertigen. Auf Kriegerdenkm\u00e4lern habe ich das Wort eingraviert gesehen, das hier in unserem Textabschnitt steht: \u201eSei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.\u201c Damit haben sich doch andere an den Platz dessen gedr\u00e4ngt, der hier redet, haben seine Verhei\u00dfung f\u00fcr sich reklamiert, ihn beiseite gedr\u00e4ngt. Nur er selbst, der tot war und lebendig geworden ist, nur er selbst kann so Treue fordern und so den Lohn versprechen. Darum ist es ja gut, da\u00df er sich so deutlich vorgestellt hat.<\/p>\n<p align=\"justify\">Seinen Siegesweg s\u00e4umen nicht die Opfer, wie wir das sonst nur zu gut kennen. Die hat er angenommen, die hat er mitgenommen, die man sonst zu den Verlierern, den Opfern z\u00e4hlt. Nur dies sein Wort nenne ich: \u201eKommt her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig; so werdet ihr Ruhe finden f\u00fcr eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.\u201c Wir kennen ihn, der zu uns redet, nicht nur als die Lichtgestalt, wie sie der Seher der Offenbarung im Eingangskapitel seines Buches schildert. Wir kennen ihn aus Erz\u00e4hlungen und Bildern, wir kennen ihn als den Helfer und Heiland, wir kennen ihn als den Gekreuzigten mit der Dornenkrone. Bei ihm sollen, bei ihm k\u00f6nnen wir bleiben. Dazu werden wir aufgefordert. Das ist der Sinn dieses Spruches: \u201eSei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.\u201c Bei ihm zu bleiben, das hei\u00dft dann auch, sich im Zweifelsfall gegen die zu stellen, die in der Mehrheit sind, gegen die Meinungsf\u00fchrer, gegen die, die das gro\u00dfe Wort f\u00fchren und oft genug auch die Macht haben. Hier in unserem Text wird als Beispiel f\u00fcr solche Leute eine j\u00fcdische Gruppierung in Smyrna genannt, Leute, die die Macht hatten, die kleine Christengemeinde an diesem Ort zu bedr\u00e4ngen. Mit dem b\u00f6sen Wort \u201eSynagoge des Satans\u201c werden sie beschrieben. Das ist lange her; immer wieder sind es andere, die sich gegen die stellen, die bei dem Sieger Jesus Christus bleiben wollen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Denen also gilt es zu widerstehen, die von uns verlangen, da\u00df wir ihnen folgen, wom\u00f6glich bedingungslos gehorchen. Denen gilt es zu widerstehen, die f\u00fcr ihre Siege unser Opfer fordern. Denen gilt es zu widerstehen, die uns ihre Sache, ihre Werte, ihr Anliegen als das aufdr\u00e4ngen wollen, das wichtiger ist als alles andere, die es ausgeben f\u00fcr das, was unbedingt siegen mu\u00df, egal, was da f\u00fcr Opfer gefordert sind. Vielleicht ist es da sogar besser, zu den Verlierern zu geh\u00f6ren. So, wie das hier der Christengemeinde in Smyrna gesagt wird: \u201eIch kenne deine Bedr\u00e4ngnis und deine Armut \u2013 du bist aber reich.\u201c Gerade die Verlierer gewinnen da. \u201eF\u00fcrchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gef\u00e4ngnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedr\u00e4ngnis sein zehn Tage\u201c \u2013 eine kurze, begrenzte Zeit ist damit gemeint. Es mu\u00df nicht diese \u00e4u\u00dfere Bedr\u00e4ngnis sein, wie sie die Christengemeinde in Smyrna getroffen hat. Aber es wird nicht abgehen ohne die Unterscheidung von dem, was allgemein gilt, von den Siegern, die uns als Vorbilder hingestellt werden. Wer zu diesem Sieger Christus geh\u00f6ren will, der braucht Kraft, um der Verf\u00fchrung dessen zu widerstehen, was alle als gut, als richtig, als erstrebenswert ansehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mein j\u00fcngster Sohn \u2013 das ist schon viele Jahre her \u2013 kam einmal recht aufgeregt von der Schule heim. Das war zu der Zeit, als sie sich in der Pause herumgepr\u00fcgelt haben, um ihre Rangordnung festzulegen. Er meinte: \u201eGelt, wir Deutschen haben es gut. Wir brauchen keinen Krieg mehr zu machen. Wir haben schon gegen alle anderen verloren.\u201c So hat er sich das ausgedacht: da\u00df die Verlierer doch auch die Gewinner sein k\u00f6nnten, wenn man genauer zusieht. Sch\u00f6n w\u00e4re das, so habe ich damals gedacht, und denke heute erst recht so. Aber Ihr wi\u00dft so gut wie ich, da\u00df es so einfach doch nicht geht. Wir sind ja alle, ob wir das wollen oder nicht, ob wir das gut finden oder nicht, hineingebunden in eine Dynamik des gesellschaftlichen Lebens, die Sieger macht und Sieger feiert, nicht blo\u00df im Sport, sondern erst recht in den Auseinandersetzungen der Wirtschaft wie der Politik. Wir k\u00f6nnen uns daraus nicht zur\u00fcckziehen. Wir m\u00fcssen mitmachen. Freilich, wie wir dann mitmachen, das liegt doch auch an uns. Unsere Verantwortlichkeit ist gefragt, der Einsatz daf\u00fcr, da\u00df Anstand und Fairne\u00df und Recht und Moral nicht ganz verkommen, wenn jeder nur noch daran denkt, wie er Sieger werden und Sieger bleiben kann. Doch wir sehen auch \u00fcber Kampf und Sieg hinaus, wie sie uns in ihren Bann ziehen wollen. Wir sehen dar\u00fcber hinaus, wenn wir auf den sehen, der hier zu uns redet. Darum wissen wir ja, wie fragw\u00fcrdig es ist, immer und \u00fcberall blo\u00df auf den Sieg auszugehen. Wir sehen dann auch die Opfer. Wir k\u00f6nnen uns zu ihnen stellen, k\u00f6nnen uns vor sie stellen. Vielleicht ist das sogar ein ehrenvollerer Platz als der auf dem Siegertreppchen, nach dem sie sich alle dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Sieger jedenfalls, der hier zu uns redet, der fordert und auf, bei ihm zu bleiben. Gerade dann will er selbst bei uns sein: \u201eWer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer \u00fcberwindet\u201c \u2013 wer siegt, indem er bei dem Christus bleibt, so ist das gemeint \u2013 \u201edem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tod.\u201c Da ist es nicht rasch zu Ende, wie bei unseren Siegern, die eben einmal Schlagzeilen machen. Da bleibt vielmehr das Leben mit dem, der sich uns verspricht: \u201eSei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.\u201c<\/p>\n<p align=\"justify\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"justify\"><b>Prof. Dr. Friedrich Mildenberger<br \/>\nRehweiherstr. 7<br \/>\n91056 Erlangen<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweitletzter Sonntag des Kirchenjahres (Volkstrauertag) | 19. November 2000 | Offb 2,8-11 | Friedrich Mildenberger | Liebe Gemeinde! Es ist gut, da\u00df sich der vorstellt, der hier zu uns redet: \u201eDas sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden\u201c. Wir wissen, wer das ist: Jesus Christus. 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