{"id":20962,"date":"2000-11-11T13:14:34","date_gmt":"2000-11-11T12:14:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20962"},"modified":"2025-03-11T13:17:29","modified_gmt":"2025-03-11T12:17:29","slug":"offenbarung-314-22-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-314-22-7\/","title":{"rendered":"Offenbarung 3,14\u201322"},"content":{"rendered":"<h3>Bu\u00df- und Bettag | 22. November 2000 | Offb 3,14-22 | Herwig Sturm |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>das siebente Sendschreiben des Sehers Johannes an die Gemeinden in Kleinasien hat es in sich. Dieses Laodizea scheint nicht weniger vielf\u00e4ltig und widerspr\u00fcchlich, gef\u00e4hrdet und sehns\u00fcchtig nach Heilung gewesen zu sein als wir es in unsere Welt heute erleben.<\/p>\n<p>Der treue Zeuge spricht hier,\u00a0<i>\u201eAmen\u201c<\/i>\u00a0ist sein Name. Hier blitzt doch etwas auf von der st\u00e4ndigen Sorge, betrogen und hintergangen und ausgetrickst zu werden. Wie gut tut es, wenn einmal einer sagt<i>: \u201eMir kannst du vertrauen, ich bin der Anfang und ich bin das Ziel<\/i>\u201c. Seine Gemeinde w\u00e4re dann wohl ein Baustein der Treue und der Verl\u00e4sslichkeit in einer Kultur des\u00a0<i>\u201eWie h\u00e4tten sie es gern<\/i>\u201c und<i>\u00a0\u201eWir k\u00f6nnen es auch anders\u201c.<\/i><\/p>\n<p>Dann diese knochenharte Analyse: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Weil du aber lau bist, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.<\/p>\n<p>Ich denke an unsere Gemeinden, wir sind eher h\u00f6flich als ehrlich. Unsere Kirchen leben von der Opferbereitschaft und Hilfsbereitschaft vieler Mitarbeiter; wie oft geben wir uns aber mit der Bereitschaft zufrieden und fragen nicht mehr nach der Sinnhaftigkeit und nach dem Ergebnis der Arbeit. Wir animieren unsere Gemeindeglieder und Kreise und Runden, um sie bei der Stange zu halten, dabei wird aber die Botschaft lau, austauschbar, nebens\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Ist es in der Politik anders? Zu dem ber\u00fchmten und ber\u00fcchtigten Datum 9. November hat man dieses Jahr endlich W\u00e4rme gesp\u00fcrt, Engagement und Widerstand gegen Rassismus und Menschenverachtung, gegen rechte Gewalt und Naziparolen.<\/p>\n<p>Die Superintendentin der Di\u00f6zese Burgenland in der Evangelischen Kirche in \u00d6sterreich, Gertraud Knoll hat schon vor Jahren in einem Streitgespr\u00e4ch mit einem Politiker der Freiheitlichen Partei \u00d6sterreichs gesagt: Diese Sprache ekelt mich an. Diese Deutlichkeit habe ich damals als \u00fcberspitzt empfunden, inzwischen haben wir ja in \u00d6sterreich lernen m\u00fcssen, dass die Gem\u00fctlichkeit aufh\u00f6rt, wo sich Rassismus und Menschenverachtung breit machen.<\/p>\n<p>Ich gehe zum n\u00e4chsten Gedanken: Du sprichst: \u201e<i>Ich bin reich und habe genug und brauche nichts<\/i>!\u201c Da spricht sicher nicht unsere Kirche hier in \u00d6sterreich; wir drehen jeden Schilling zweimal um. Aber auch die Deutschen Kirchen k\u00e4mpfen seit einigen Jahren mit Finanzierungsproblemen, wenn auch auf einem zehnmal h\u00f6heren Niveau.<\/p>\n<p>Aber so einen Reichtum im geistlichen Sinn bilden wir uns manchmal ein. Ein Satz hat mich allerdings betroffen gemacht, den ich dieser Tage geh\u00f6rt habe:<br \/>\nDas Abbr\u00f6ckeln der Kirche geschieht im Zentrum, nicht am Rand, in ihrer Glaubenssubstanz. Also: Reich an guten Dogmatiken, aber arm an Umsetzung des Glaubens im t\u00e4glichen Leben. Reich an Bekenntnisschriften, aber arm an zeitgem\u00e4\u00dfem und verst\u00e4ndlichem Bekennen. Reich an Archiven und Vergangenheit, aber arm wenn es um die Bew\u00e4ltigung der Gegenwart geht und um Rechenschaft der Hoffnung.<\/p>\n<p>Unsere Kirchen haben sicher zu Recht Schwerpunkte ihrer Arbeit gefunden im sozialen Bereich und finden sie mehr und mehr im politischen Engagement.<br \/>\nDas ist aber Frucht des Glaubens und nicht der Same.<\/p>\n<p>An Samen sind wir arm; aber ich denke, dass das wir das auch wissen, dass uns die Samen f\u00fcr das Wachsen im Glauben, f\u00fcr verst\u00e4ndliches Bekenntnis und f\u00fcr fr\u00f6hliche Hoffnung wertvoll sind, sodass wir sie sorgsam pflanzen und pflegen mit der Bitte um Gottes Geist und Segen.<\/p>\n<p>Ich schlie\u00dfe mit dem sch\u00f6nen Merkspruch: \u201e<i>Siehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an<\/i>.\u201c Dieses Wort klingt vertraut und steht auf vielen Konfirmandenscheinen, es passt zur Feier des hl. Abendmahls. Zugleich ist es ein ungeheuerliches Wort, Gott als Herbergsuchender? Das ist doch Weihnachten pur ohne Lametta, hier sp\u00fcrt man das Risiko der Menschwerdung, wenn Gott drau\u00dfen steht, drau\u00dfen vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p>Andererseits ist es ein ganz starkes Bild f\u00fcr unsere Verantwortung und unsere M\u00f6glichkeiten: Der Tisch der Gemeinschaft und der Vers\u00f6hnung steht schon in unseren H\u00e4usern. Er steht schon in den Parlamenten und in den Kirchen; wir haben nur noch nicht wirklich Ernst gemacht damit.<\/p>\n<p>Wir haben sie geh\u00f6rt, die Warnung vor Halbwahrheit und Lauheit. Wir sind aufmerksam gemacht auf die Armut an geistlicher Substanz. Wir wissen, wie kostbar der Same des Glaubens ist und die Fr\u00fcchte der Hoffnung und der Liebe. Nun steht der Menschgewordene vor der T\u00fcr und klopft an. Das ist nicht mehr \u00e4rmlich, sondern stark. Das ist nicht mehr lau, sondern hei\u00df.<\/p>\n<p>Komm Herr Jesus. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Wien, 13.11.2000<br \/>\nHerwig Sturm<br \/>\nBischof der Evangelischen Kirche A.B. in \u00d6sterreich<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag | 22. November 2000 | Offb 3,14-22 | Herwig Sturm | Liebe Gemeinde, das siebente Sendschreiben des Sehers Johannes an die Gemeinden in Kleinasien hat es in sich. Dieses Laodizea scheint nicht weniger vielf\u00e4ltig und widerspr\u00fcchlich, gef\u00e4hrdet und sehns\u00fcchtig nach Heilung gewesen zu sein als wir es in unsere Welt heute erleben. 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