{"id":20966,"date":"1998-02-11T13:20:58","date_gmt":"1998-02-11T12:20:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20966"},"modified":"2025-03-11T13:23:51","modified_gmt":"2025-03-11T12:23:51","slug":"2-korinther-46-10-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-46-10-5\/","title":{"rendered":"2. Korinther 4,6-10"},"content":{"rendered":"<h3>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 1. 2. 1998 | 2. Kor 4,6-10 |\u00a0Reinhard Weber |<\/h3>\n<p>Predigttext (2. Kor. 4, 6-10)<\/p>\n<p>&#8222;Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, da\u00df durch uns entst\u00fcnde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.<br \/>\nWir haben aber diesen Schatz in irdenen Gef\u00e4\u00dfen, damit die \u00fcberschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.<br \/>\nWir sind von allen Seiten bedr\u00e4ngt, aber wir \u00e4ngstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdr\u00fcckt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Bei dem gro\u00dfen d\u00e4nischen Religionsphilosophen und religi\u00f6sen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts, S\u00f6ren Kierkegaard, diesem au\u00dferordentlichen psychologischen Selbsterforscher und Kenner der christlichen Seele, der so m\u00e4chtig auf die Geisteshaltung und Theologie der ersten H\u00e4lfte unseres Jahrhunderts eingewirkt hat, findet sich ein sch\u00f6nes Gleichnis:<\/p>\n<p>Ein reicher Mann aus einem hochherrschaftlichen Hause, mit den besten Gew\u00e4ndern bekleidet, f\u00e4hrt in seiner stolzen und wertvollen Kutsche, gezogen von edlen Pferden, gelenkt von einem angestellten Kutscher, abends mit seiner reich geschm\u00fcckten und teuer ausstaffierten Gattin in der Dunkelheit einer klaren Winternacht zur Galavorstellung ins Theater. Pferde und Wagen sind herausgeputzt und \u00fcberall mit Lampions und Lichtern versehen, so da\u00df die finstere Stra\u00dfe von ihrem Schein erhellt wird und jedermann der Vorbeigehenden oder am Stra\u00dfenrand Stehenden ihn erkennt und ehrerbietig gr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Einige Stra\u00dfen weiter kommt auch ein Theaterbesucher daher. Er hat keinen Wagen, keine pr\u00e4chtig gekleidete Gattin. Und er kommt auch nicht \u00fcber die Hauptstra\u00dfe, sondern durch eine der kleinen, schmuddeligen Gassen. Sein Anzug ist bescheiden. Auch nimmt niemand Notiz von ihm. Da\u00df er ins Theater will, w\u00fcrde man nicht annehmen, weil man es ihm nicht ansieht. Er hat auch keine Lichtquelle dabei. Sein Schritt ist z\u00f6gernd und ged\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Aber, so sagt Kierkegaard: all diese Unterschiede sind nicht entscheidend, sie verdecken nur den eigentlichen! Der liegt vielmehr darin, da\u00df der reiche Mann mit seinem hell erleuchteten und erleuchtenden, rasch dahinrauschenden Wagen zwar viel Wind und Schein macht, aber ihm eines entgeht, welches dem Armen in seiner Schlichtheit auf den verschatteten Nebenstra\u00dfen in \u00fcberreichem Ma\u00dfe zuteil wird, wof\u00fcr jener aber im wahrsten Sinne des Wortes verblendet, weil geblendet ist von seinem eigenen Scheinen: das Leuchten der Sterne am winterlichen Himmel!<\/p>\n<p>Jener richtet die Aufmerksamkeit auf sich in seinem eitlen Prangen mit dem Gepr\u00e4nge selbsterzeugten k\u00fcnstlichen Lichtes, ist aber blind f\u00fcr das Wunder des Lichtes des Himmels. Diesem aber leuchten die ewigen Sterne! Da dr\u00e4ngt sich einem unmittelbar das Wort des Laotse auf: &#8222;Wer selber scheinen will, wird nicht erleuchtet.&#8220; Und dabei darf man getrost mith\u00f6ren, was der Begriff der &#8222;Erleuchtung&#8220; in den \u00f6stlichen Religionen an Sinnf\u00fclle und Hintergr\u00fcndigkeit in sich enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Auch in unserem heutigen Predigttext ist von einem Leuchten, einem Licht, einer Erleuchtung die Rede, ja er setzt damit ein: &#8222;Denn Gott, der gesagt hat: aus der Finsternis soll Licht hervorleuchten, der hat in unsere Herzen hineingeleuchet, damit die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesichte Jesu Christi aufleuchte und zum Strahlen komme&#8220; (V. 6).<\/p>\n<p>Sich-selber-Erleuchten, das kann man wohl nicht, das gibt schon die Weisheit unserer Sprache nicht her. Man kann nur Erleuchtetwerden; zu diesem Verbum geh\u00f6rt in dieser Hinsicht unabdingbar das Passiv. Und aus diesem vorg\u00e4ngigen Passiv kann dann sekund\u00e4r auch das Erleuchten als Aktiv kommen, als Erleuchten anderer, als Leuchten nach au\u00dfen, wobei der, der dann leuchtet, nur der Spiegel, der Widerschein, der Reflex des Lichtes ist, das er selber empfangen hat und nun nur vermittelnd weitergibt, ein Glied in der Kette, ein Element, ein Fackeltr\u00e4ger in der Stafette. Es ist der g\u00f6ttliche Wesens- und Lebensglanz, der in dem Angesicht Jesu erscheint und sich auf ihm zeigt, und der dort, wo er darin im Glauben erkannt wird, in diesem Erkennen nun wiederum zum Strahlen gebracht wird und einen Lichtschein in die Herzen wirft. So meint es wohl dieser Satz des Paulus.<\/p>\n<p>Dahinter aber steht nach unserem Text niemand anders als der sch\u00f6pferische Gott selbst, als Gott der Sch\u00f6pfer, der im Anfang das Licht von der Finsternis geschieden (Gen 1,4) und so die Erde und die Lebensm\u00f6glichkeit der Menschen ins Dasein gerufen hat. Mit dieser Unterscheidung entsteht Welt, und auf ihr ruht sie bleibend auf. Diesen Grund der M\u00f6glichkeit von Leben aber wie diesen Glanz als Auszeichnung des Daseins kann sich das Gesch\u00f6pf auf keine Weise selber geben oder zusprechen. Es kann beides nur empfangen, und deshalb lautet auch der unserem Predigttext unmittelbar vorausgehende Vers 5: &#8222;Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, da\u00df er der Herr sei, wir aber eure Knechte um Jesu willen.&#8220; Und im folgenden V.7 wird das vom Apostel in anderer Weise erg\u00e4nzt und weitergef\u00fchrt: &#8222;Wir haben aber diesen Schatz in zerbrechlichen Tonkr\u00fcgen, damit das \u00dcberma\u00df der Macht Gott zugeh\u00f6re und nicht aus uns sei.&#8220; Es soll also keiner glauben oder uns weismachen wollen, so will Paulus einsch\u00e4rfen, da\u00df er etwa seine religi\u00f6sen Leistungen sich selber verdanke und stolz auf sie sein und sie zur Grundlage eines \u00fcberheblichen Eigend\u00fcnkels machen k\u00f6nne, von dem aus er andere zu bewerten oder gar abzuwerten und \u00fcber sie zu urteilen berechtigt sei.<\/p>\n<p>Wenn sich der Apostel so dezidiert und massiv gegen die Autokratie und Autonomie, gegen den religi\u00f6sen Selbstruhm und eine enthusiastische Heilssicherheit wendet und die Alleinwirksamkeit Gottes betont und den Menschen gleichsam vom Blick auf sich selbst ablenkt, dann hat das anscheinend einen konkreten Anla\u00df. In seiner Gemeinde in Korinth hatten sich tats\u00e4chlich andere Apostel breit gemacht und f\u00fchrten das gro\u00dfe Wort, die so bescheiden nicht waren, sondern auf ihr religi\u00f6ses K\u00f6nnen pochten, sich stark f\u00fchlten und meinten, schon in der Gegenwart die volle Heilsteilhabe realisiert zu haben. Sie wu\u00dften sich im Besitz des Geistes und lie\u00dfen von ihrem Pneumatikertum einiges sehen in Wundern und Zeichen. Diesen \u00dcberfliegern gegen\u00fcber nahm sich Paulus recht mickrig und schw\u00e4chlich aus, wie ein Versager, der sein Apostelamt nicht zu Recht einzunehmen schien.<\/p>\n<p>Gegen solche Usurpatoren, die mit ihren Leistungen protzen und sich selbst in den Mittelpunkt stellen, wendet er sich, indem er die g\u00f6ttliche Heilstat ins Zentrum r\u00fcckt und den menschlichen Empf\u00e4nger zur\u00fccknimmt. Dieser bleibt in jedem Falle, auch als Erleuchteter, ein fragiles Tongef\u00e4\u00df, das keinen Stand in sich selber hat. Er ist nur Instrument der g\u00f6ttlichen Musik, aber nicht ihr Autor, ihr Komponist, ihr Dirigent, ihr Konzertmeister.<\/p>\n<p>Der Schatz dieses Lichtes, dieser Musik, ist uns nur in zerbrechlichen Kr\u00fcgen gegeben. Es gibt keine augenf\u00e4llige Heiligkeit der Apostel, der Bisch\u00f6fe und Pfarrer oder der Christen \u00fcberhaupt. Das Evangelium als ganzes ist als ein g\u00f6ttliches in der Welt so unausweisbar wie Gott selber. Man kann es den Menschen nicht andemonstrieren, seine Wahrheit nicht beweisbar machen wie eine mathematische Formel; das Heilige l\u00e4\u00dft sich weltlich nicht eindeutig versichtbaren, seine Autorisierung bleibt umstritten.<\/p>\n<p>Auch der christliche Glaube erhebt nicht einfach \u00fcber die Bedingungen dieser Welt, in der alles strittig ist. Selbst die Religion ist ein zweideutiges Geschehen, das vielf\u00e4ltig problematisiert werden kann. Auch sie bleibt eine weltliche Angelegenheit; sie kann sich nicht durch Flucht den Gegebenheiten der Erde entziehen; Gott ist in der Welt nicht als Gott demonstrierbar, beweisbar; und darum bleibt es auch bei der Zerbrechlichkeit aller weltlichen Gestalten der Religion; es gibt auch kirchlich kein unersch\u00fctterliches Fundament, welches jeder Kritik entzogen w\u00e4re, keinen archimedischen Punkt, auf den man sich zur\u00fcckziehen k\u00f6nnte; das Heilige ist von uns nicht in die Hand zu nehmen, ist nicht darstellbar; eben hier liegt ja auch das Problem des Paulus in Korinth gegen\u00fcber den \u00dcberaposteln, die sich meinen legitimieren zu k\u00f6nnen durch hervorragende Kraftbeweise; demgegen\u00fcber steht er mit leeren H\u00e4nden da. Er wei\u00df, da\u00df dieser Anspruch seiner Herausforderer Anma\u00dfung ist, ein prometheischer Wahn, arrogante Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, die in Gottes Recht eingreift und ihn in menschliche Verf\u00fcgungsgewalt nehmen m\u00f6chte. Von den Menschen ist Gott nicht weltlich handhabbar zu machen.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber sind es nun eben diese leeren H\u00e4nde, die f\u00fcr Paulus zum Kennzeichen f\u00fcr die Gegenwart Gottes werden. Gegen die religi\u00f6sen Enthusiasten mit ihren Machtbeweisen verweist er auf das Wort vom Kreuz und die mit ihm gegebene Schw\u00e4che; an dieser Schwachheit des gekreuzigten Jesus hat der Apostel und der Christ teil; das ist die Form, wie das vergangene geschichtliche Heilsgeschehen in ihm Gegenwart und Macht und Gestalt gewinnt.<\/p>\n<p>Die Schwachheit des Apostels verb\u00fcrgt also gerade seine Legitimit\u00e4t, weil sie Gott an ihm und durch ihn handeln l\u00e4\u00dft. Gott erscheint am Unscheinbaren. Dadurch wird ein selbstm\u00e4chtiges Selbstmi\u00dfverst\u00e4ndnis der Diener Gottes vermieden; es ist die Schw\u00e4che der Menschen, die der Ehre Gottes dient, weil sie Gott als den Handelnden zum Zuge bringt; sie macht kenntlich, da\u00df wirklich Gott durch den Menschen handelt und nicht im Grunde dieser selbst.<\/p>\n<p>Und das hat nun Auswirkungen sowohl auf das Gottes- wie auf das Welt- und Selbstverst\u00e4ndnis des Menschen: Es zeigt sich nun, da\u00df ein solcher Glaube anders auf die Wirklichkeit blickt als der rechnende Verstand: jener kann selbst da noch bzw. schon Leben sehen, wo das Vertrauen allein auf das Sichtbare nur noch Tod erkennt. Und damit wird dem Apostel jene paradoxe Lobpreisung m\u00f6glich, die er im zweiten Teil unseres Textes entfaltet. Er sieht den verborgenen Glanz, er sieht eben die Sterne des Himmels, die dem reichen Wageninhaber, der selber leuchten will, entgehen, weil er daf\u00fcr weder Augen hat noch Weite noch Offenheit. Er ist von sich selbst und seinen Scheinwerfern geblendet. Ihm sind die Sterne des Himmels dunkel. Er sieht darum in all seiner weltlich fabrizierten Helligkeit eigentlich doch immer nur eines: n\u00e4mlich den Tod &#8211; Bedr\u00e4ngnis, Ausweglosigkeit, Bangigkeit, Verfolgung, Unterdr\u00fcckung, Niedergeschlagenwerden.<\/p>\n<p>In genau dieser Sichtbarkeit aber gewahrt der Christenmensch Angstfreiheit, Unverzagtheit, Aufrichtung, Rettung, ja mitten im Tod das Leben! Das Kreuz ist die Signatur der Existenz des Apostels, aber in diesem Kreuz ist das Leben. Und verborgen ist es jetzt schon da und erweist seine Kraft eben darin, da\u00df es sowohl die eigene offensichtliche menschliche Schw\u00e4che und das Ungen\u00fcgen an dem eigenen Vollbringen wie auch die Zweideutigkeit und Unausweisbarkeit des Glaubens unter den Ma\u00dfst\u00e4blichkeiten der Welt wie schlie\u00dflich auch die der Botschaft entgegengebrachten Widerst\u00e4nde, die Bedr\u00fcckungen, den Schmerz und die Leiden der Christusnachfolge tapfer ertr\u00e4gt und \u00fcberwindet und sich nach der Welt Gottes hoffend ausstreckt, in welcher die Vers\u00f6hnung ihren Stand gewinnt und zur Eindeutigkeit ihrer Verwirklichung kommt. Denn das Leben unter dem Kreuz, in welchem das Sterben Jesu am Leibe der Christen als t\u00e4gliches In-den-Tod-Gegeben-Werden sich herumtr\u00e4gt, ist ja kein anderes als das Auferstehungsleben, welches an Jesus \u00f6sterlich schon offenbar geworden ist und am sterblichen Fleisch der Glaubenden noch in Vollmacht offenbar werden soll (V. 10).<\/p>\n<p>Damit gibt uns unser heutiger Predigttext zwei ganz tr\u00f6stliche Gedanken und Verhei\u00dfungen mit auf unseren allt\u00e4glichen, oft so m\u00fchsam scheinenden Christenweg:<\/p>\n<p>Erstens die Gewi\u00dfheit, da\u00df der &#8222;Erfolg&#8220; des Evangeliums nicht von der Leistungskraft seiner Verk\u00fcnder, weder der Pfarrer und anderen &#8222;Berufschristen&#8220; noch der sog. &#8222;normalen&#8220;, der Laien-Christen, abh\u00e4ngt; das Menschsein der Christen ist und bleibt immer eine zweideutige Sache. Die Christen sollen und k\u00f6nnen Zeugen des Evangeliums und Gottes in der Welt sein, ja, aber Repr\u00e4sentanten, nein, das nicht; das Evangelium bleibt die Kraft Gottes, die den Menschen f\u00fcr sich beansprucht, aber nicht auf dessen M\u00f6glichkeiten allein angewiesen ist, die sich ihm zuspricht, ihn anspricht und in Anspruch nimmt, die aber nie sein Besitz wird. Der Christenmensch als die irdische Wohnstatt des Evangeliums bleibt stets ein zerbrechliches Gef\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Damit ist eine ungeheure Entlastung verbunden, eine Entlastung von dem Druck, mehr sein zu wollen als Welt, Gott in der Welt darstellen zu sollen; das Ewige bleibt uns vielmehr in zeitlicher Gestalt gegeben; wir m\u00fcssen es nicht als solches herbeizwingen, wir m\u00fcssen und k\u00f6nnen und sollen es der Welt nicht beweisen wollen; der unverg\u00e4ngliche Schatz ruht in zerbrechlichen Gef\u00e4\u00dfen; wir brauchen nicht die Werbemittel der Welt anzuwenden, um das Evangelium den Menschen anzupreisen. Wir brauchen nicht den starken, unangefochtenen, immer l\u00e4chelnden Max zu spielen, den Hansdampf in allen Gassen. Die St\u00e4rke Gottes kommt vielmehr in der menschlichen Schwachheit zur Wirkung; &#8222;wenn ich schwach bin, dann bin ich stark&#8220;, oder: &#8222;la\u00df dir an meiner Gnade gen\u00fcgen, denn meine Kraft ist in den Schwachen m\u00e4chtig&#8220;, so sagt es der Apostel an anderer Stelle. Das nimmt das Gewicht der Welt von unseren Schultern!<\/p>\n<p>Die neue Sch\u00f6pfung ist ausschlie\u00dflich ein Werk Gottes und kann nicht in menschliche Regie genommen werden. Es ist Gottes eigene Sache, sich in der Welt zu erweisen. Und er tut es eben nicht mit brachialer Gewalt, auch wenn ihm selbst solche widerf\u00e4hrt, sondern er tut es durch die Freiheit des Wortes und den Apell an die Gewissen. Er zwingt nicht, sondern bietet an. Und dazu braucht er eben die Schwachheit des Kreuzes, weil es nicht \u00fcberredet, sondern \u00fcberzeugt, also den Menchen nur von innen her \u00fcberwindet, indem es sein Herz erleuchtet. Ein solches Wissen macht uns frei von dem selbsterzeugten \u00fcbermenschlichen Druck, der uns \u00fcberfordert und krank macht. Wir k\u00f6nnen und wir brauchen auch die Kirche nicht sicherzustellen.<\/p>\n<p>Und das zweite ist: da\u00df das Leben der Christen vom Kreuz Jesu regiert wird und gezeichnet ist, ihr Leben ein Mitsterben mit seinem Sterben ist, das schafft eine neue Perspektive auf die Welt. Durch die Anteilhabe am Kreuz Christi wird der Glaubende bef\u00e4higt, ohne Leidenssehnsucht das Geschickte zu tragen und darin aus g\u00f6ttlicher Kraft zu leben, gleichsam eine Welt hinter der Welt zu sehen oder besser: in ihr, als deren mitlaufenden Hintergrund und Horizont, einen Durch-Blick, der entsteht, weil ein heller Schein in sein Herz gegeben ist, aufgrunddessen er im Angesicht des Gekreuzigten nun nicht einfach das Ende eines gescheiterten Tr\u00e4umers und Utopisten, sondern den Glanz g\u00f6ttlicher Herrlichkeit zu erkennen und zu sehen vermag.<\/p>\n<p>Dieser helle Schein aber kommt von dem Licht, das Gott hat in der Finsternis der Weltnacht aufleuchten lassen, damit es die alte Sch\u00f6pfung erneuert und vollendet. Dieses Licht geht von dem Stern aus, der auch und gerade in der Dunkelheit scheint und es eben so \u00fcber der finsteren Welt Tag werden l\u00e4\u00dft. Wer ihn sieht, f\u00fcr den gilt und der macht sich wie Paulus zueigen: als die Sterbenden &#8211; und siehe, wir leben (2. Kor 6,9)!<\/p>\n<p>Eine paradox scheinende Existenz, welche einer h\u00f6heren, g\u00f6ttlichen Mathematik folgt, die Werner Bergengruen unter dem Titel &#8222;Die himmlische Rechenkunst&#8220; in die Worte gefa\u00dft hat:<\/p>\n<p>&#8222;Was dem Herzen sich verwehrte,<br \/>\nLa\u00df es schwinden, unbewegt.<br \/>\nAllenthalben das Entbehrte<br \/>\nWird dir mystisch zugelegt.<\/p>\n<p>Liebt doch Gott die leeren H\u00e4nde,<br \/>\nUnd der Mangel wird Gewinn.<br \/>\nImmerdar enth\u00fcllt das Ende<br \/>\nSich als strahlender Beginn.<\/p>\n<p>Jeder Schmerz entl\u00e4\u00dft dich reicher,<br \/>\nPreise die geweihte Not, U<br \/>\nnd aus nie geleertem Speicher<br \/>\nN\u00e4hrt dich das geheime Brot.&#8220;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Priv.-Doz. Pfarrer Dr. Reinhard Weber, Blaue-Kuppe-Str. 37, 37287 Wehretal Tel. 05651 &#8211; 40225<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 1. 2. 1998 | 2. Kor 4,6-10 |\u00a0Reinhard Weber | Predigttext (2. Kor. 4, 6-10) &#8222;Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, da\u00df durch uns entst\u00fcnde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. 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