{"id":20984,"date":"1998-03-11T14:15:51","date_gmt":"1998-03-11T13:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20984"},"modified":"2025-03-11T14:18:11","modified_gmt":"2025-03-11T13:18:11","slug":"epheser-51-8a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-51-8a\/","title":{"rendered":"Epheser 5,1-8a"},"content":{"rendered":"<h3>Laetare | 22.3.1998 | Eph 5,1-8a | Hildegard Hamdorf-Ruddies |<\/h3>\n<p>Predigttext:<\/p>\n<p>Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tr\u00f6stet in aller unserer Tr\u00fcbsal, damit wir auch tr\u00f6sten k\u00f6nnen, die in allerlei Tr\u00fcbsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber gestr\u00f6stet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich \u00fcber uns kommen, so werden wir auch reichlich getr\u00f6stet durch Christus.<\/p>\n<p>Haben wir aber Tr\u00fcbsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wriksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung steht fest f\u00fcr euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Trost ist genauso lebenswichtig wie Brot. Wir sind eine Trostgemeinschaft, schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth, die davon lebt, von Gott Trost zu empfangen und andere zu tr\u00f6sten..Wie ein roter Faden durchzieht die Rede vom Trost diesen Abschnitt aus dem Anfang des 2. Briefes an die Gemeinde in Korinth .<\/p>\n<p>Trost &#8211; das ist ein Wort, das in unsererAlltagssprache nicht h\u00e4ufig vorkommt. Und wo es vorkommt, hat es eher einen negativen Beigeschmack: Trostpreis &#8211; Trostpflaster trostlos- Vertr\u00f6stung &#8211; nicht ganz bei Trost sein -sich \u00fcber etwas hinwegtr\u00f6sten. Als ginge es bei Trost und tr\u00f6sten darum, \u00fcber etwas hinwegzugehen, was schmerzt, von Gef\u00fchlen wegzukommen, die unangenehm sind.<\/p>\n<p>Wer ist schon gerne trostbed\u00fcrftig? K\u00f6nnen Sie sich erinnern, wann Sie zum letzten Mal den Wunsch versp\u00fcrt haben, von jemandem getr\u00f6stet zu werden? Erinnern Sie sich, ob Sie jemand getr\u00f6stet hat? F\u00e4llt Ihnen eine Situation ein, in der Sie jemand getr\u00f6stet haben? K\u00f6nnen wir es uns leisten, nach Trost zu suchen? K\u00f6nnen wir zugeben, nicht &#8222;bei Trost zu sein&#8220; sondern Trost zu brauchen?<\/p>\n<p>Kinder k\u00f6nnen das gut. Wenn unsere sechsj\u00e4hrige Tochter sich wehgetan hat und sich nicht gen\u00fcgend verstanden f\u00fchlt in ihrem Schmerz, kann sie sehr heftig werden. &#8222;Du tr\u00f6stest mich ja \u00fcberhaupt nicht!&#8220; schimpft sie dann und klagt damit den Trost, den sie braucht, ein.<\/p>\n<p>Aber wir Erwachsenen? Wir haben es sehr viel schwerer, uns und anderen einzugestehen, da\u00df wir trostbed\u00fcrftig sind. Wir tun uns schwer, anderen zu sagen, wenn es uns schlecht geht. Es ist fast peinlich, andere Menschen zu brauchen. Und so bleiben wir ungetr\u00f6stet. Bleiben allein mit der ungestillten Sehnsucht, jemand m\u00f6ge uns zuh\u00f6ren, uns in den Arm nehmen, uns unsere Tr\u00e4nen abwischen. Bleiben trostlos allein mit unserem Kummer. Allein in unserer Tr\u00fcbsal.<\/p>\n<p>F\u00fcr Paulus ist es keine Frage, da\u00df er und seine Weggenossen trostbed\u00fcrftig sind und ebenso klar ist es, da\u00df die Christen in Korinth, an die er schreibt, Trost n\u00f6tig haben. Er schreibt: &#8222;Gelobt sei der Gott alles Trostes, der uns tr\u00f6stet in aller unserer Tr\u00fcbsal, damit wir tr\u00f6sten k\u00f6nnen, die da sind in allerlei Tr\u00fcbsal mit dem Trost, mit dem wir selbst getr\u00f6stet werden von Gott..&#8220; Gott tr\u00f6stet uns damit wir andere tr\u00f6sten k\u00f6nnen. Die Christen in Korinth das wei\u00df er &#8211; m\u00f6gen diese T\u00f6ne nicht. Tr\u00fcbsal und Trostwaren sind f\u00fcr sie keine angenehmen T\u00f6ne. Sie wollen eine strahlende, starke Religion, die in der Konkurrenz mit anderen Religionen gut dasteht. Sie wollen einen starken Apostel. Sie h\u00e4tten ihren Paulus gern strahlender gehabt, nicht als jemand, der so offen von seinen Schw\u00e4chen und seiner Trostbed\u00fcrftigkeit spricht. Tr\u00fcbsal blasen, m\u00f6gen sie nicht. Sie wollten lieber vom auferstandenen Christus h\u00f6ren als von seinen Leiden und seinem Kreuz. Sie m\u00f6chten auch nicht an ihre eigenen Schw\u00e4chen und Bed\u00fcrftigkeiten, an ihre Tr\u00fcbsal erinnert werden.<\/p>\n<p>An diesem Punkt setzt sich Paulus mit seinen Korinthern leidenschaftlich auseinander. Der ganze 2. Korintherbrief ist von dieser Auseinandersetzung gepr\u00e4gt. Der Trost, den wir n\u00f6tig haben, Trost, der wirklich tr\u00f6stet,- schreibt er &#8211; kommt nur von dem, der selbst durch Leiden und Tod hindurchgegangen ist. Trost ist billiger nicht zu haben: &#8222;Denn wie die Leiden Christi reichlich \u00fcber uns kommen, so werden wir auch reichlich getr\u00f6stet durch Christus&#8220;.<\/p>\n<p>Paulus wei\u00df um die Br\u00fcchigkeit des Lebens. Er hat selbst immer wieder bitter erfahren m\u00fcssen, wie bedroht von au\u00dfen und von innen sein Leben war. Er kennt die dunklen Abgr\u00fcnde, kennt Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Und jeder, der solche Situationen kennt, wei\u00df, da\u00df dann keine billigen Kopf-Hoch-Parolen helfen. Tr\u00f6sten kann dann nur, wer selbst um seine Trostbed\u00fcrftigkeit wei\u00df und sich tr\u00f6sten l\u00e4\u00dft.. Jemand, der weitergibt, was er selbst empfangen hat. Ein trostloser Tr\u00f6ster, wer versucht zu tr\u00f6sten, ohne selbst getr\u00f6stet zu sein. Wer geben will ohne zu empfangen kann nicht wirklich tr\u00f6sten. Tr\u00f6stlicher Trost geschieht, wo jemand etwas weitergibt, von dem er selbst lebt, was er selbst erlebt hat.<\/p>\n<p>Ein tschechischer Journalist, der unter der kommunistischen Herrschaft jahrelang verfolgt und mit dem Tod bedroht war und heute ein f\u00fchrender Mann im Fernsehen der tschechischen Republik ist, hat auf einem internationalen Seminar f\u00fcr Seelsorge und Beratung in Prag 1994 gesagt: &#8220; Die schlimmsten Folgen jahrelanger Erniedrigung und Folter sind die Scham und das Verstummen der Opfer. Die einzige M\u00f6glichkeit aus diesem Gef\u00e4ngnis der Sprachlosigkeit herauszukommen ist, mit anderen Opfern ins Gespr\u00e4ch zu kommen und zu merken: Ich bin nicht allein mit meinen schlimmen Erfahrungen und vor allem: Ich kann mit meinen Leiden f\u00fcr andere hilfreich sein. Ich kann andere tr\u00f6sten, weil ich wei\u00df, wovon ich rede.&#8220;<\/p>\n<p>Das setzt voraus, da\u00df ich das eigene Leiden nicht verdr\u00e4nge. Da\u00df ich vor meinen dunklen Seiten nicht davonlaufe sondern mich ihnen stelle. Da\u00df ich Krisen auch als Chance begreifen kann, in denen mir Neues zuw\u00e4chst. Tr\u00f6sten und getr\u00f6stet werden. Verstehen und verstanden werden. Leid mitteilen und teilen. Wo das gelingt, werden Zeichen gesetzt. Kleine Zeichen manchmal, aber Zeichen, die Kraft haben und ausstrahlen. Wir brauchen diese Zeichen. Trost ist genauso lebenswichtig wie das t\u00e4gliche Brot.<\/p>\n<p>Die urspr\u00fcngliche Wortbedeutung des Wortes &#8222;Trost&#8220; meint etwas ganz Handfestes und Brauchbares: Festigkeit, Sicherheit, Vertrag, B\u00fcndnis, Treue. Tr\u00f6sten hei\u00dft soviel wie eine B\u00fcrgschaft leisten. Wer tr\u00f6stet, stellt sich pers\u00f6nlich zur Verf\u00fcgung. Er will ein zuverl\u00e4ssiger Partner sein in schweren Situationen. Und wer sagt, da\u00df er Trost braucht, ruft nach jemandem, der ihm zuverl\u00e4ssig zur Seite steht.<\/p>\n<p>Ich will dich tr\u00f6sten, wie einen seine Mutter tr\u00f6stet &#8211; so verspricht es Gott . den Paulus den Gott allen Trostes nennt. F\u00fcr mich ist das ein warmes, unmittelbar ansprechendes Bild. Es ruft alte Erfahrungen wach und weckt Sehnsucht Die Sehnsucht, nicht allein zu sein, die Sehnsucht, auch und gerade in schweren Zeiten einen Arm zu haben, in den ich mich fl\u00fcchten kann. Der Gott alles Trostes verspricht, mitseinem Trost f\u00fcr uns da zu sein. Er ist der Vater Jesu Christi, der hat mit seinem Leiden und Sterben alle Tiefen der Trostlosigkeit durchlebt und durchlitten hat.<\/p>\n<p>Kann es etwas Tr\u00f6stlicheres geben als seine Einladung:und Zusage: &#8220; Kommt her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken.&#8220;?<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Hildegard Hamdorf-Ruddies Pastorin am Krankenhaus Neu-Bethlehem und im Stift am Klausberg, G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Telefon: 0551 &#8211; 79 10 30<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laetare | 22.3.1998 | Eph 5,1-8a | Hildegard Hamdorf-Ruddies | Predigttext: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tr\u00f6stet in aller unserer Tr\u00fcbsal, damit wir auch tr\u00f6sten k\u00f6nnen, die in allerlei Tr\u00fcbsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber gestr\u00f6stet werden von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7480,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45,727,157,853,114,1539,689,349,692,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20984","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-epheser","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hildegard-hamdorf-ruddies","category-kapitel-05-chapter-05-epheser","category-kasus","category-laetare","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20984"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20985,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20984\/revisions\/20985"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20984"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20984"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20984"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20984"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}