{"id":20986,"date":"1998-03-11T14:18:15","date_gmt":"1998-03-11T13:18:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20986"},"modified":"2025-03-11T14:20:37","modified_gmt":"2025-03-11T13:20:37","slug":"epheser-51-8a-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-51-8a-2\/","title":{"rendered":"Epheser 5,1\u20138a"},"content":{"rendered":"<h3>Okuli |\u00a015.3.1998 | Eph 5,1-8a | Franz-Heinrich Beyer |<\/h3>\n<p>Predigttext:<\/p>\n<p>&#8222;So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst f\u00fcr uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.<\/p>\n<p>Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich f\u00fcr die Heiligen geh\u00f6rt. Auch schandbare und n\u00e4rrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, da\u00df kein Unz\u00fcchtiger oder Unreiner oder Habs\u00fcchtiger &#8211; das sind G\u00f6tzendiener &#8211; ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. La\u00dft euch von niemandem verf\u00fchren mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes \u00fcber die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen.<\/p>\n<p>Denn ihr wart fr\u00fcher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.&#8220;<\/p>\n<p>Vorbemerkungen:<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist die Formulierung von V.1, die so nur hier im NT begegnet. Aber 4,32 sollte im Blick bleiben. Der moralisierende Charakter der Par\u00e4nese ist problematisch. Die Konkretionen dort sollen nicht \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht V.1. Ein Zusammenhang mit dem Sonntagsnamen &#8222;Okuli&#8220; legt sich nahe und kann zu einem Rahmen gef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>daran werden Sie sich auch erinnern. Im Stadtzentrum, auf den Bahnh\u00f6fen und an anderen zentralen Pl\u00e4tzen waren gro\u00dfe Plakatw\u00e4nde zu sehen. Darauf die Portr\u00e4ts von erfolgreichen Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern. Die Abgebildeten sind bekannt, auch ihre Leistungen, ihre Rekorde und Medaillen. Und dann ist da noch eine Textzeile auf jedem Plakat: &#8222;Keine Macht den Drogen&#8220;.<\/p>\n<p>Solche Plakatierung ist selbstverst\u00e4ndlich geplant und \u00fcberlegt. Die Bilder der Sport-Stars, sie wirken als Aufforderung, sich auf sich selbst zu besinnen, sich der eigenen Leistungsf\u00e4higkeit bewu\u00dft zu werden, sich von der zielgerichteten und entschiedenen, auch Entbehrungen einschlie\u00dfenden Vorbereitung der Athleten auch in der eigenen Lebensgestaltung beeindrucken zu lassen: Orientiert euch an diesen Sportlern, ahmt sie nach, folgt deren Beispiel. Was f\u00fcr den Erfolg einer solchen Aktion ausschlaggebend sein kann, das genau festzustellen ist schwierig &#8211; Ist es einfach die Freude an der eigenen Leistungsf\u00e4higkeit, oder ist es der Traum von Triumph und von Popularit\u00e4t, verbunden mit den damit gegebenen Vorteilen? Erkennbar bleibt jedenfalls die wahrnehmbare Aufforderung: Folge seinem Beispiel! Ahme seine Entscheidung nach!<\/p>\n<p>Diese Beobachtung ist mir wieder eingefallen, als ich \u00fcber die Verse des Predigttextes nachgedacht habe. Immer wieder bin ich mit meinen Gedanken an dem ersten Vers h\u00e4ngen geblieben: &#8222;So folgt nun Gottes Beispiel&#8220;. Dieser Satz ist bemerkenswert. An keiner anderen Stelle des Neuen Testaments ist so etwas noch einmal zu lesen. &#8222;So folgt nun Gottes Beispiel&#8220;; Ahmt Gott nach.<\/p>\n<p>Dieser Satz, so f\u00fcr sich genommen, klingt durchaus gef\u00e4hrlich. Es klingt immer wieder die vertraute Versuchung an, da\u00df Menschen sein wollen wie Gott. Dieses Bestreben geh\u00f6rt wohl zu den Grundgegebenheiten des Menschen dazu. Die Bibel wei\u00df davon einiges zu berichten. Und wir kennen auch genug Nachrichten, die deutlich machen, wie es dort aussieht, wo Menschen gewisserma\u00dfen Gott spielen, wo Menschen \u00fcber das Recht und das Schicksal anderer Menschen, \u00fcber deren Leben und Tod entscheiden. Nein, das darf gerade nicht mit dieser Aufforderung verbunden werden. Dem Beispiel Gottes folgen kann nicht bedeuten, Gott zu ersetzen, seinen Platz einzunehmen.<\/p>\n<p>&#8222;Seid aber miteinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christus. So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe wie auch Christus uns geliebt hat&#8230;&#8220; (Eph.4,32-5,2).<\/p>\n<p>Das erscheint mir das Besondere und das Hilfreich an diesen Versen aus dem Epheserbrief, da\u00df sie konkret und anschaulich sprechen. &#8222;So folgt nun Gottes Beispiel&#8220; &#8211; Das ist so, als wenn ein Plakat aufgestellt wird, auf das wir blicken. &#8222;Folgt nun Gottes Beispiel&#8220; &#8211; Was wissen wir von Gott? Vieles w\u00e4re hier zu nennen. Und wahrscheinlich w\u00fcrden wir mit unseren je eigenen Erfahrungen unterschiedliches zusammentragen. Im Epheserbrief wird unser Wissen von Gott gewisserma\u00dfen auf einen Punkt gebracht: &#8222;Gott hat euch vergeben in Christus&#8220;.<\/p>\n<p>Das Wort Vergebung mag f\u00fcr viele Menschen veraltet und \u00fcberholt klingen. In der hektischen Zeit ist eher von einer Gegendarstellung in einer Zeitschrift die Rede, kaum noch von einer Richtigstellung und schon gar nicht von der M\u00f6glichkeit, etwas, oder richtiger: einem Menschen zu vergeben.<\/p>\n<p>Kehren wir noch einmal zur\u00fcck zu dem Beispiel des Plakats &#8222;Keine Macht den Drogen&#8220;. Drogen werden dort konsumiert, wo Menschen meinen, mit der eigenen Kraft, mit dem eigenen Willen nicht auszukommen. Sie wollen sich aufhelfen, zu h\u00f6heren Leistungen gelangen oder tiefere Erlebnisse erreichen. Es gibt viele Arten von Drogen, nicht nur die sogenannten harten oder weichen; es gibt nicht nur Drogen, die eingenommen oder gespritzt werden.<\/p>\n<p>Allt\u00e4glich werden wir mit Angeboten und mit Verhei\u00dfungen \u00fcbersch\u00fcttet. Vom Traumurlaub, der &#8222;die Zeit stillstehen l\u00e4\u00dft&#8220; \u00fcber die Verhei\u00dfung &#8222;Eigentum schafft Sicherheit&#8220; bis zu dem ganz pers\u00f6nlich adressierten &#8222;individuellen Weg zum Gewinn&#8220; begegnen uns zahllose Angebote. Ein Blick in die Zeitungen und ihre Beilagen macht auf die zahllosen Angebote und Verhei\u00dfungen aufmerksam. Und die damit vermittelte Botschaft ist nur allzudeutlich: Mit dir allein, mit deiner Kraft allein bist du nichts, aber mit unserem Angebot kannst du erreichen, wonach du dich sehnst, darum greife zu&#8230;<\/p>\n<p>Angesichts dieser Beschreibung erhalten die Verse aus dem Epheserbrief noch einmal einen anderen Klang. &#8222;So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat&#8230;&#8220;. Ich h\u00f6re auch das als ein Angebot. Und auch in diesem Angebot erscheinen Bilder, die angenehme Vorstellungen und Erinnerungen wachrufen &#8211; als geliebte Kinder leben, Gutes erfahren, Geborgenheit erleben, von sorgender Liebe umgeben, die nicht abschlie\u00dft, sondern zur Freiheit verhilft..<\/p>\n<p>Aber es geht ja weiter, es geht um die allt\u00e4glichen Herausforderungen, um die kleinen und die gro\u00dfen Entscheidungen, die t\u00e4glich getroffen werden m\u00fcssen. Wir schauen dabei aus nach Konkretionen, danach, wie es aussehen k\u00f6nnte, wenn Menschen dieses tun, Gottes Beispiel folgen, Gott nachahmen&#8230;<\/p>\n<p>Auch hier h\u00e4lt der Epheserbrief einige konkrete Hinweise bereit, aber vor allem in negativer, in abgrenzender Sprache. &#8222;Von Unzucht aber und jeder Art von Unreinheit und Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein&#8230;&#8220;. Wahrscheinlich sind mit Unzucht, Unreinheit und Habsucht Verhaltensweisen angesprochen, die in der damaligen Zeit gewisserma\u00dfen als &#8222;Drogen&#8220; dienten, um mit ihnen ein oberfl\u00e4chliches Gef\u00fchl von Sicherheit, von \u00dcberlegenheit und von Genu\u00df zu erlangen. Die Frage, was das Leben reich zu machen vermag, ist durchaus eine alte Frage, die von Menschen schon immer gestellt wurde und die immer wieder gestellt wird, damals, aber ebenso heute.<\/p>\n<p>&#8222;So folgt nun Gottes Beispiel&#8230;lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Dieses Angebot zu h\u00f6ren oder zu sehen erm\u00f6glicht es, darin ein Angebot f\u00fcr mich zu erkennen. Einen Weg zu sehen, der eine deutliche Orientierung hat. Hier geht es nicht nur um die \u00dcberbr\u00fcckung eines Gem\u00fctszustandes. Gott nachahmen, seinem Beispiel folgen &#8211; das hei\u00dft, sich auf einen Weg gestellt sehen, dessen Richtung klar und verhei\u00dfungsvoll ist: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Sch\u00f6pfung &#8211; so zeigen es die Wegweiser an &#8211; und Liebe und Vergebung. Hier geht es stets um beide Bereiche: Die F\u00fcr-Sorge ist angesprochen, der pers\u00f6nliche Einsatz f\u00fcr andere, f\u00fcr die Sch\u00f6pfung wird erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Aber es geht nicht nur allein darum, da\u00df wir etwas tun k\u00f6nnen und was dieses sein kann. &#8222;Ihr wart fr\u00fcher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.&#8220; &#8211; auch das lesen wir im Epheserbrief. Die darin angesprochene radikale Scheidung zwischen Finsternis und Licht mag uns schwer nachvollziehbar erscheinen. Aber etwas Entscheidendes wird uns damit in Erinnerung gerufen. Das Licht, schon gar nicht das &#8222;Licht in dem Herrn&#8220; k\u00f6nnen wir uns niemals selbst bescheinigen. Vielmehr wird uns deutlich gemacht, da\u00df hier von uns die Rede ist, schon lange bevor wir etwas dazu getan haben. Von den &#8222;geliebten Kindern&#8220; wird da an anderer Stelle gesprochen. Vielleicht ist damit eine der Grundn\u00f6te unserer Zeit angesprochen. Die Menschen sind umgetrieben von der Sehn-Sucht danach, geliebt zu werden. Sie jagen Angeboten und Hinweisen nach, um wenigstens f\u00fcr einen Augenblick dieses Gef\u00fchl zu erlangen und dabei nicht mit sich allein sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Passionszeit kann als ein Angebot beschrieben werden, einmal von dieser eigenen, ungestillten Sehnsucht absehen zu k\u00f6nnen. Die Passionszeit macht uns auf den Weg Jesu aufmerksam. So kann anschaulich werden, was sonst nur als Wort h\u00f6rbar ist. &#8222;So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat..&#8220; So k\u00f6nnen wir diese Verse als eine Anleitung zum Schauen h\u00f6ren und verstehen. Und von daher sind wir dem Psalmvers, der diesem Sonntag den Namen gegeben hat ganz nahe: &#8222;Meine Augen sehen stets auf den Herrn&#8220;. Ja, es geht um uns, um einen Weg, den wir gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Franz-Heinrich Beyer, Hamannsbusch 109, 44797 Bochum<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okuli |\u00a015.3.1998 | Eph 5,1-8a | Franz-Heinrich Beyer | Predigttext: &#8222;So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst f\u00fcr uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 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