{"id":20990,"date":"1998-03-11T14:24:26","date_gmt":"1998-03-11T13:24:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20990"},"modified":"2025-03-11T14:25:43","modified_gmt":"2025-03-11T13:25:43","slug":"roemer-51-5-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-51-5-2\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 5,1\u20135"},"content":{"rendered":"<h3>Reminiszere | 8.3.1998 | R\u00f6m 5,1-5 | Wolfgang Petrak |<\/h3>\n<p><em>Predigttext:<\/em>\u00a0R\u00f6mer 5, 1-5<\/p>\n<p>&#8222;Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und r\u00fchmen uns der Hoffnung der zuk\u00fcnftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.<\/p>\n<p>Nicht allein aber das, sondern wir r\u00fchmen uns auch der Bedr\u00e4ngnisse, weil wir wissen, da\u00df Bedr\u00e4ngnis Geduld bringt, Geduld aber Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung aber Hoffnung, Hoffnung aber l\u00e4\u00dft nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Glauben und Frieden, Zugang und Gnade: die Herrlichkeit, die Tr\u00fcbsal, die Geduld und die Bew\u00e4hrung; die Hoffnung, die nicht zuschanden werden l\u00e4\u00dft: Worte werden schnell gesagt, denn sie lassen sich hintereinanderreihen wie Perlen auf einer Schnur. Es ist das Leben, das erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&#8222;So, ich mache mich dann auf den Weg&#8220;, hatte der Pastor gesagt, &#8220; feiern Sie noch sch\u00f6n&#8220;. &#8222;Naja, man wird nur einmal 75&#8220;, murmelte Walter und brachte den Pastor an die T\u00fcr. &#8222;Und vielen Dank auch&#8220;. Als Walter zur\u00fcck in die K\u00fcche kam, hatten die anderen bereits ihre Jacketts ausgezogen. Neue Bierflaschen standen auf dem Tisch. Sie wurden mit einem &#8218;Plop&#8216; ge\u00f6ffnet, gut, da\u00df man jetzt aus der Flasche trinken konnte. Ein Prosit der Gem\u00fctlichkeit anzustimmen mi\u00dflang ihnen allerdings, obschon sie im M\u00e4nnergesangverein waren.<\/p>\n<p>&#8222;Mensch, Walter, du kannst doch nicht immer Tr\u00fcbsal blasen. Also dann: Wohlsein&#8220;. Walter nahm das Geburtstagsb\u00fcchlein, das der Pastor ihm mitgebracht hatte, vom K\u00fcchentisch, um es auf die Schrankablage zu legen. &#8222;Auf dein Wort hin&#8220; stand oben auf der Titelseite, darunter das Foto einer kleinen Kapelle mit Zwiebelt\u00fcrmchen; eine gr\u00fcne Sommerwiese mit Wald im Hintergrund, dar\u00fcber der blaue Himmel. Fast wie auf der Seiser Alm, dachte Walter; er hatte da mal mit Lisa Urlaub gemacht. Auf dein Wort hin: Worte k\u00f6nnen ja viel erz\u00e4hlen, doch er verstand es bis heute nicht, warum sie auf die Trennung bestanden hatte. Das bi\u00dfchen Bier und das Fernsehen h\u00e4tte sie ihm ja wohl g\u00f6nnen k\u00f6nnen; gut, im Vergleich zu ihr sagte er ja nicht viel, was soll man auch sagen. Er nahm einen tiefen Schluck. &#8220;<\/p>\n<p>So gef\u00e4llst du uns schon besser&#8220;, lachte einer, &#8220; komm, setz dich wieder her. Oder wolltest du etwa in dem Buch vom Pastor bl\u00e4ttern?- Da steht ja doch immer dasselbe drin, Gl\u00fcck, Heil und Segen und so. \u00dcbrigens: er h\u00e4tte ja uns eigentlich mal erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, warum Gott das alles zul\u00e4\u00dft. Doch da kommt der Pastor immer ganz sch\u00f6n ins Schleudern. Wo er doch sonst so viele Worte hat. Na soll er. &#8211; Ist noch was von der Feuerwehrmarmelade da&#8220;? Walter schlurfte zum K\u00fchlschrank, wickelte das restliche Mett aus. &#8220; Und noch ein bi\u00dfchen Bier, wenn es recht ist&#8220;.<\/p>\n<p>Walter hatte da keinen rechten Zugang. sowohl nicht zu den Sangesbr\u00fcdern mit ihrer ewigen guten Laune: ob die sich nie Gedanken machten, nie qu\u00e4lende Tr\u00e4ume hatten? &#8211; Und zu dem da oben erst recht nicht.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, als Kind in Schlesien, da war das anders gewesen. Seine Eltern hatten ihn in den Nachbarort zum Konfirmandenunterricht geschickt, weil der Superintendent ihres St\u00e4dchens bei den Deutschen Christen gewesen sein sollte. Gut, er war dann immer mit dem Fahrrad hingefahren, manchmal mu\u00dfte er heute \u00fcber seine Ausdauer damals lachen; gelernt hatten sie in der Pfarre ziemlich viel. Auswendig, das pr\u00e4gt sich ein.<\/p>\n<p>Auf dein Wort hin: das war doch die Geschichte, wie die J\u00fcnger damals losgefahren waren, die Netze auszuwerfen. Und dann dieser eigenartige Spruch: &#8222;Die Hoffnung l\u00e4\u00dft nicht zuschanden werden&#8220;. Heinz, sein Freund, hatte das als Konfirmationsspruch. Der ist auch nicht zur\u00fcckgekommen, sie waren in einer Einheit gewesen&#8230; Zuschanden werden. Damals in Serbien. Als sie die Partisanengruppe gefangengenommen hatten und dann der Kompaniechef jenen Befehl gegeben hatte. Warum hatte da keiner &#8222;Halt&#8220; gerufen? Das l\u00e4\u00dft einen nicht: das Kommando, das Kr\u00fcmmen des Fingers, die Stille danach. Kann man jemals zur Ruhe kommen? Gnade uns Gott, hatte Heinz mal gesagt. Und kurze Zeit sp\u00e4ter, da hatte es ihn dann erwischt.<\/p>\n<p>&#8222;Walter, was ist, du h\u00e4ltst ja gar nicht mit&#8220;? Jaja , was ist. Irgendwann merkst du es, da\u00df du das brauchst. Da\u00df dich einer anredet. Und da\u00df du dabei Geduld brauchst, das Richtige zu h\u00f6ren. Und den Richtigen. Und was bei dir los ist.<\/p>\n<p>&#8222;Komm, Walter, wir genehmigen uns noch einen kleinen. Auf die alten Zeiten: Wohlsein&#8220;! Plop. Fehlt blo\u00df noch, da\u00df die anfangen zu singen: &#8222;So ein Tag, so wundersch\u00f6n wie heute&#8220;. Und dann sagen, da\u00df heute keine Ordnung mehr ist. Fr\u00fcher, so werden sie wagen, sei alles anders gewesen. Und die Butter h\u00e4tte bei Adolf auch besser geschmeckt. Und wenn die dann erst mal mit ihren Heldentaten anfangen: wie sich der Feind hatte verstecken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Walter sieht auf den Tisch, sieht an den Bierflaschen, dem Mett, den Br\u00f6tchen und den Kr\u00fcmeln auf der Resopalplatte vorbei. Er sieht ins Leere. Ich habe mich auch versteckt, mein Leben lang. Habe auch dichtgehalten und haben auch immer diese Reden ausgehalten. Und diese Tr\u00e4ume, die Wirklichkeit waren. Genau genommen bin ich doch der Feind gewesen. Auf Befehl gehandelt. Oja, Walter kennt es genau, diese Versuche, sich zu rechtfertigen. Irgendwie ziemlich billig, sich auf die Worte anderer zu berufen. Oder zu beklagen da\u00df da keiner &#8222;Halt&#8220; gesagt h\u00e4tte. Er h\u00e4tte es doch sich selbst sagen k\u00f6nnen. Das Schweigen Gottes, sozusagen. Sind wir nicht selbst zu seinem Feind geworden? Auf dein Wort hin will ich&#8230;Ach Gott, ja.<\/p>\n<p>&#8222;Komm, Walter, bevor wir gehen, zieh noch mal mit&#8220;. Eine volle Flasche wird ihm \u00fcber den Tisch geschoben. Er \u00f6ffnet sie, f\u00fchrt sie zum Mund, um: sie dann zu schlie\u00dfen. &#8222;Nein&#8220;, sagt er, &#8220; ich will das nicht mehr. Ich mach da nicht mehr mit. Es gibt einen anderen Weg&#8220;. Es sind Worte, die uns gesagt werden, aneinandergereiht wie Perlen auf einer Schnur. Doch in den Worten ist seine Macht. Denn wir wissen: Tr\u00fcbsal bringt Geduld, Geduld bringt Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung aber bringt Hoffnung. Es ist n\u00e4mlich so: Obwohl wir Gottes Feinde waren, macht er sich auf den Weg, um sich zu vers\u00f6hnen. So da\u00df es einen Zugang gibt zum Frieden mit Gott und den Menschen .<\/p>\n<p>Lied nach der Predigt: Vertraut den neuen Wegen( EG 395)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Wolfgang Petrak (Pastor in St. Petri- Weende) Schlagenweg 8a 37077 G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reminiszere | 8.3.1998 | R\u00f6m 5,1-5 | Wolfgang Petrak | Predigttext:\u00a0R\u00f6mer 5, 1-5 &#8222;Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und r\u00fchmen uns der Hoffnung der zuk\u00fcnftigen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20622,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,727,157,853,114,205,349,3,109,682,1217],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20990","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-roemer","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-5-chapter-5-roemer","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-reminiszere","category-wolfgang-petrak"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20990","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20990"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20990\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20991,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20990\/revisions\/20991"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20990"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20990"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20990"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20990"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20990"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20990"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20990"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}