{"id":20996,"date":"1998-06-11T14:31:34","date_gmt":"1998-06-11T12:31:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20996"},"modified":"2025-03-12T08:17:32","modified_gmt":"2025-03-12T07:17:32","slug":"predigtreihe-zum-vaterunser-1-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigtreihe-zum-vaterunser-1-teil\/","title":{"rendered":"Predigtreihe zum Vaterunser 1. Teil"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe zum Vaterunser 1. Teil | 2. Juni 1998 |\u00a0Klaus Schwarzw\u00e4ller |<\/h3>\n<p>Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Jesus selber war es, der uns das Vaterunser gab &#8211; ein Gebet, das die Erfahrung als unaussch\u00f6pflich erwiesen hat, und dabei ist es schlicht und klar. So auch Anrede und erste Bitte, um die es heute geht. In diesen insgesamt acht W\u00f6rtern ist nichts schwierig, erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig oder gar fraglich. In ihrer einfachen Knappheit laden sie vielmehr unmittelbar zum Mitsprechen ein. Und wer sie mitspricht, hat sie verstanden und wird sie mit jedem weiteren Sprechen immer besser und tiefer verstehen und also immer bewu\u00dfter und beteiligter sprechen.<\/p>\n<p>Das scheint eine Predigt \u00fcberfl\u00fcssig zu machen, hier ist ja nichts zu erkl\u00e4ren, nichts auszulegen, nichts &#8222;r\u00fcberzubringen&#8220;. Gewi\u00df, doch es gibt noch eine andere M\u00f6glichkeit: sich einzuschwingen in diese Worte, in ihren Klang und ihre Bewegung. Also gleichsam in sie hineinzutauchen. Denn in ihnen kommt eine nicht allt\u00e4gliche Welt zu Worte. Da hat es seinen guten Sinn, sich auf sie eigens vorzubereiten und einzustellen; um so bewu\u00dfter und beteiligter werden wir mitsprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;Vater unser&#8230;&#8220;: Ich wei\u00df nicht, wie ein vaterloser Mensch das h\u00f6rt oder jemand, den oder die der Vater vernachl\u00e4ssigte oder mi\u00dfhandelte, oder eine Frau, die der Vater einst mi\u00dfbrauchte. Ich wei\u00df nicht, wie das ein Mensch h\u00f6rt, der den Vater als Versager erlebte oder als charakterlos, als Trinker oder als Schw\u00e4tzer, als B\u00fcrde der Familie oder als Qu\u00e4lgeist der Mutter &#8211; und was dergleichen erlittene Zerrbilder der Vaterschaft mehr sind. Ich wei\u00df, wie gesagt, nicht, wie diese Anrede in Menschen schwingt und klingt, denen in ihren Leben ein wahrer Vater vorenthalten blieb. Ob sie von ihren Erfahrungen absehen, sie einfach einmal beiseiteschieben k\u00f6nnen? Doch wozu? Nein, nicht damit sie heilige Worte ohne Beiklang h\u00f6ren m\u00f6gen. Sondern damit sie jedenfalls f\u00fcr einen Augenblick dazu frei seien, da\u00df der ihnen in den Sinn kommt, an dem alles sich ermi\u00dft und messen lassen mu\u00df, was da &#8222;Vater&#8220; hei\u00dft, und der selber uns allen dieser wahre Vater ist.<\/p>\n<p>Der ich selber zu der kriegsbedingt vaterlosen Generation geh\u00f6re, wei\u00df nur zu gut, wie tief und schmerzvoll die L\u00fccke klafft, die hierdurch entstand, und nichts und niemand konnte sie ausf\u00fcllen. Auch ein Vater im Himmel nimmt sie nicht hinweg. Sie tat auch dem Erwachsenen noch weh. Doch ich wei\u00df zugleich, da\u00df ich ohne diesen Vater im Himmel, zumal in der entscheidenden Phase, der Pubert\u00e4tszeit, regelrecht abgeschmiert w\u00e4re. So aber war da mein Sch\u00f6pfer selber, der mich bejahte, mir gleichsam ermunternd zunickte und mir Sinn, Orientierung und die Gewi\u00dfheit gew\u00e4hrte, unter der Leitung guter, machtvoller H\u00e4nde zu leben und geborgen zu sein. Und nicht nur dem Jugendlichen ist&#8217;s so ergangen. Als Erwachsener und mit zunehmenden Jahren, Erfahrungen und Einsichten wurde mir zumal deutlich, was es hei\u00dft, da\u00df ich einen Vater im Himmel, da\u00df ich, wie Jesus es ausdr\u00fcckte, einen &#8222;himmlischen Vater&#8220; habe. Nein, er ist kein \u00dcbervater, und er ist auch nicht wie ein gro\u00dfer Bruder, der die, die mir \u00fcbel tun, daf\u00fcr haut. Doch er ist Vater &#8211; der, dessen Sohn ich zeitlebens bin und bleibe, der, dem ich vertrauen kann; der, dem an mir liegt; der, vor dem ich auch ein Kind und kindlich sein kann: schwach, ratlos, weich, trostbed\u00fcrftig, festgerannt. Was immer mir fehlt &#8211; jedenfalls habe ich ihn, den himmlischen Vater. Es ist wunderbar, ihn zu haben und anreden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das ist dann immer wieder eine R\u00fcckkehr zum Ursprung, von wo aus alles sich entwirft oder auch wo alles in seiner Ungel\u00f6stheit und Last einen neuen, einen mich befreienden Zusammenhang bekommt. Vieles dringt auf mich ein, macht mich unruhig, besorgt, l\u00e4\u00dft bangen und zagen, verletzt oder bel\u00e4dt &#8211; von eigenen Fehlern, der so mi\u00dfliche Folgen nach sich zieht, bis hin zu einem Fehlschlag, der mich herunterzieht. Was immer an Gl\u00fcck und Gelingen mir widerf\u00e4hrt &#8211; es kann nicht diese Schattenseite wegnehmen und nicht ihren Schmerz aufheben, zu schweigen von Selbstvorw\u00fcrfen oder Gewissenspein. Auch der Vater im Himmel nimmt das nicht einfach fort, macht es nicht mit einer blo\u00dfen Handbewegung ungeschehen. Es ist, was es ist, und es bleibt&#8217;s, ich habe damit zu leben. Und ich lebe vermutlich damit nicht besser als jemand, der keinen Vater im Himmel anrufen kann. Doch da\u00df ich ihn anrufen kann &#8211; es ver\u00e4ndert die Lage von Grund auf. Die Einsamkeit in Schmerz oder Versagen ist aufgebrochen. Damit auch der Fluchtreflex \u00fcberwunden, der mich dazu bringen will, es nicht wahrzuhaben, mich ihm zu entziehen, es wegzuleugnen, mir statt dessen meine Wunschwelt zu bauen. Nun mu\u00df ich standhalten &#8211; und kann es merkw\u00fcrdigerweise auch: Ich kann die Dinge aussprechen und sie als zu mir geh\u00f6rig akzeptieren. Denn gerade als dieser bin ich sein Kind und habe ich das Recht, ihn anzurufen. Er ist nicht der himmlische Vater derer, die sich gel\u00e4utert oder seiner als w\u00fcrdig erwiesen haben. Sondern er ist der himmlische Vater derer, f\u00fcr die Jesus ans Kreuz ging, weil sie verloren sind, und denen er Gott zum Vater schenkte, weil sie &#8211; weil wir ihn verloren hatten und in unserer Welt und inmitten der uns umgebenden Menschen heimatlos und unbehaust wurden.<\/p>\n<p>Das aber ist nicht nur pers\u00f6nliche Lebensbedingung, es pr\u00e4gt die Lebensvollz\u00fcge und die Beziehungen, also &#8211; wie wir&#8217;s zusammenfassen: &#8211; die Strukturen. Lebensf\u00f6rderliche, uns aufbauende, Wohl und Erf\u00fcllung gew\u00e4hrende Strukturen sind nicht selbstverst\u00e4ndlich. Sie m\u00fcssen vielmehr m\u00fchsam errungen werden, und ihre Bew\u00e4hrung kostet st\u00e4ndige Anstrengung. Ohne diese Anstrengung zerfallen sie und lassen unsere Lebenswelt uns feindlich werden. Und ohne st\u00e4ndige Aufmerksamkeit zu ihrem Erhaltkann bereits ein einziger Demagoge oder Irrer sie zerr\u00fctten &#8211; wir haben die Beispiele vor Augen in den gr\u00e4\u00dflichen B\u00fcrgerkriegen unseres Jahrzehnts oder auch in den Scherben, die sengende und pr\u00fcgelnde Kahlk\u00f6pfe hinterlie\u00dfen. Menschliches Leben ergibt sich nicht einfach von selbst &#8211; von selbst geht es verloren.<\/p>\n<p>Das l\u00e4\u00dft auch die Frage aufkommen, welches unsere Ziele sind, auf die hin wir Gedanken und Phantasie, Kr\u00e4fte und M\u00f6glichkeiten, Einsatz und Aufmerksamkeit b\u00fcndeln? Was ist es, das Lebensqualit\u00e4t ausmacht &#8211; das Wort ist l\u00e4ngst in den Hintergrund getreten &#8211; und uns die Impulse gibt? Im Kern hat das mit dem zu tun, was f\u00fcr uns wertvoll, ja was uns heilig ist. Was uns heilig ist &#8211; hierauf lassen wir nichts kommen; im Gegenteil, wir sch\u00fctzen es, wir halten es hoch, wir stehen f\u00fcr es ein. Wo uns nichts &#8211; mehr &#8211; heilig ist, zerf\u00e4llt und zerfasert unser Leben in Gleichg\u00fcltigkeit und Vordergr\u00fcndigem. Da entsteht Leere. Die ist vielen eine Last, sie leiden unter ihr. Denn wo uns nichts heilig ist, da geht auch der Sinn verloren. Da ist unser Leben wie amputiert.<\/p>\n<p>Was immer uns heilig ist oder ob uns alles Heilige abhanden kam: Die erste Bitte des Vaterunsers lenkt den Blick hin auf das Heilige, allerdings in merkw\u00fcrdig anmutender Form, da\u00df n\u00e4mlich der Name des himmlischen Vaters m\u00f6ge geheiligt werden. Das l\u00e4\u00dft doppelt stutzen. Wieso gerade der Name? Und: Warum diese schwebende Ausdrucksweise, in der nicht ausgesprochen wird, von wem diese Heiligung ausgehen soll? Wer in die Bibel eingelesen ist, dem ist vertraut: der Name steht immer wieder f\u00fcr Gott selbst; und die von uns als schwebend empfundene Sprachform ist die traditionelle Weise, Gottes Handeln respektvoll zu umschreiben. Und doch griffen wir daneben, schl\u00f6ssen wir nun: Die Bitte meint somit M\u00f6ge Gott sich selber heiligen! Das kl\u00e4nge nicht nur unsinnig; es pa\u00dfte auch nicht zur Anrede. Denn mit einer derartigen Bitte w\u00e4re Gott auf sich selber verwiesen, also von uns abgewendet. Abgesehen davon, da\u00df Gott schwerlich so mit sich verfahren lie\u00dfe: Erw\u00e4re dann nicht mehr als unser Vater im Himmel angerufen, sondern als ein Gott in der Ferner.<\/p>\n<p>Nun aber geht es um seinen Namen. Der gibt keine R\u00e4tsel auf. Wo ich mich nicht ber\u00fchren oder in Anspruch nehmen lassen will, da bleibe ich anonym &#8211; dem Schaffner im Zug, der Kassiererin im Supermarkt oder dem Tankwart nenne ich meinen Namen nicht (es w\u00e4re denn, es g\u00e4be einen besonderen Grund). Doch wo ich Kontakt suche und in Verbindung bleiben will, da nenne ich meinen Namen und gebe mich dadurch zu erkennen als an einer Beziehung interessiert. Der Name ist die Br\u00fccke zueinander. Und so ist, indem hier von Gottes Namen die Rede ist und nicht einfach von ihm selber, der himmlische Vater als Vater wahrgenommen und angeredet, n\u00e4mlich als der, der uns seinen Namen er\u00f6ffnet und dadurch mit uns in Beziehung tritt, in die Beziehung der Liebe und F\u00fcrsorge. Mit der ersten Bitte also nehmen wir den Vater im Himmel als unseren Vater im Himmel.<\/p>\n<p>Und wir tun es, indem wir unsererseits uns unserem Vater im Himmel zuwenden und seine Belange ansprechen. &#8222;Geheiligt werde dein Name.&#8220; Das Herrengebet, das uns Gott als unseren Vater im Himmel zu erkennen und anzurufen lehrt, setzt uns als Erwachsene voraus. Auf Gottes Zuwendung mit seinem Namen hin sagen wir gerade nicht sofort &#8222;Ich&#8220; bzw.: &#8222;Wir&#8220;, sondern wenden wir unsererseits uns ihm zu. Dein Name m\u00f6ge von dir heilig gemacht und erhalten werden. Indem wir den Vater im Himmel anrufen, grapschen wir nicht &#8211; gerade so ist ein unmittelbares Verh\u00e4ltnis m\u00f6glich. Indem wir ihn anrufen, nehmen wir auf, da\u00df er zu uns in Beziehung getreten ist, da\u00df wir somit nicht in ein sch\u00f6n verkleidetes Nichts hineinsprechen, nicht an ein frommes Traumgebilde uns wenden, nicht unsere Sehnsucht auf den Himmel projizieren. &#8222;Unser Vater&#8220; &#8211; &#8222;dein Name&#8220;: Das ist die christliche Form des Gebets, des Gebets von Erwachsenen zu ihrem himmlischen Vater.<\/p>\n<p>Und sie bitten &#8222;Erwachsenes&#8220; &#8211; das Vaterunser ist nicht leicht zu beten! Sie bitten als erstes, also vor und \u00fcber allem, da\u00df Gottes Name, da\u00df also Gott in seiner Zuwendung zu uns als unser Vater, da\u00df er hierin unter uns heilig sei und bleibe. Das enth\u00e4lt ein doppeltes Eingest\u00e4ndnis. Damit gestehen wir ein, da\u00df die Heiligkeit von Gottes Namen unter uns eines nicht ist: selbstverst\u00e4ndlich. Da\u00df eher das Gegenteil der Fall ist, mu\u00df nicht ausgemalt werden. Und wir gestehen damit ein, da\u00df wir unsererseits nicht, jedenfalls nicht hinreichend f\u00e4hig sind, den Namen des himmlischen Vaters unter uns heilig zu halten &#8211; die Kirchengeschichte liest sich dazu wie eine best\u00e4tigende Illustration. Und so erzeigen wir uns in dieser Bitte als erwachsen auch darin, da\u00df wir mit ihr unsere Unf\u00e4higkeit aussprechen und zu ihr stehen: &#8222;Wenn nicht Du selbst Deinen Namen unter uns heilig bewahrst &#8211; wir, wir von uns aus werden ihn nach aller Erfahrung verhunzen.&#8220; Wir von uns aus also werden die Beziehung aller Voraussicht nach zumindest riskieren.<\/p>\n<p>Wenn aber Gottes Name &#8211; immerhin: der Name Gottes! &#8211; unter uns nicht heilig ist, nicht geheiligt wird: Was wird dann unter uns heilig sein? Was kann dann unter uns heilig sein? Und wie von selbst dr\u00e4ngt sich hier eine fatale Alternative auf: Entweder Gottes Name ist heilig unser uns &#8211; oder Anderes. Da\u00df Anderes heilig war, ist immer wieder eingetreten. Als Sch\u00fcler &#8211; im Dritten Reich &#8211; lernte ich das Lied: &#8222;Deutschland, heiliges (!) Wort, du voll Unendlichkeit&#8230;&#8220; Hier ist die Rasse, dort die Klasse, anderenorts die Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit und noch anderw\u00e4rts eine Idee heilig &#8211; Geschichte wie Erfahrung lehren \u00fcbereinstimmend, da\u00df daraus regelm\u00e4\u00dfig Unrecht, wo nicht Unheil erwuchs und das Leben brutalisierte. Manchen allerdings ist durchaus Anderes heilig: die Kunst, die Wissenschaft, die Kultur, die Gesittung, die Religion. Dar\u00fcber brutalisiert das Leben nun wahrlich nicht, sondern gewinnt es Tiefe, F\u00fclle und Vielfalt. Denn damit ist zutiefst Humanes ins Zentrum gestellt.<\/p>\n<p>Etwas allerdings macht hier bedenklich: da\u00df somit n\u00e4mlich Gottes Name und &#8211; mit Conrad Ferdinand Meyer zu reden &#8211; &#8222;die menschlichen Ziele&#8220; zur Alternative werden. Eine derartige Alternative ist nicht akzeptabel. Wie ist&#8217;s \u00fcberhaupt m\u00f6glich, da\u00df sie entsteht? Denn bereits als solche diskreditiert sie entweder Gottes Namen oder spezifische Ausdrucksformen unseres Menschseins, und dabei kann man sich nicht beruhigen &#8211; es sei denn, Gottes Name w\u00e4re f\u00fcr uns ohne Belang. Dann allerdings h\u00e4tten wir auch den Vater preisgegeben, also Gottes Zuneigung und Zuwendung als bedeutungslos aufgefa\u00dft. Das Vaterunser w\u00fcrde dar\u00fcber blo\u00dfes Wortget\u00f6n, Halten wir aber an ihm fest, dann befinden wir uns an dieser Stelle in einer Spannung, die sich nicht aufl\u00f6sen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Diese Spannung also ist da. Und indem sie besteht, redet sie ihrerseits, redet sie laut und vernehmlich. Sie sagt: Indem wir uns auf das Vaterunser einlassen, werden wir zu dem grundlegenden Fragen und damit auch Unklarheiten und Problemen unseres pers\u00f6nlichen wie unseres Zusammenlebens gef\u00fchrt. In der Tat, es ist ein Gebet f\u00fcr Erwachsene; denn es bringt die schweren entscheidenden Themen des Menschseins auf. So bereits die Anrede. Mit ihr steht zur Frage, wer oder was uns tr\u00e4gt und ob wir in unserer Lebenswelt behaust sind oder enthaust. Mit ihr n\u00e4mlich geht es darum, ob uns Gott fern ist oder unser Vater, jenseitige Gottheit oder liebender Sch\u00f6pfer. Und so mit dieser ersten Bitte. Sie f\u00fchrt in die Besinnung darauf, was uns heilig ist &#8211; wenn denn \u00fcberhaupt &#8211; und wie dabei unsere Werte und Ziele zu stehen kommen. Denn mit ihr geht es darum, ob wir Gott in seiner Zugewendetheit als unser Vater wirklich wahrnehmen oder \u00fcbergehen, ob er uns als unser Vater wirklich Gott ist oder ein Etwas, ein Begriff eine Idee. Und auch darin ist es ein Gebet f\u00fcr Erwachsene, da\u00df es uns weder Antworten noch L\u00f6sungen pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Gerade darin aber nimmt es uns in der Tat als erwachsen &#8211; erwachsen auch als die Kinder des himmlischen Vaters. Denn als diese wissen wir: Es gibt hier weder L\u00f6sung noch Antwort, sondern wir selber mit unserem Leben sind L\u00f6sung und Antwort. Das ist es, was hier zur Frage steht. Darin freilich l\u00e4\u00dft uns das Vaterunser nicht allein, sondern es hilft uns durch seinen schieren Wortlaut, diesen Weg der pers\u00f6nlichen Antwort und L\u00f6sung zu finden und zu gehen. So durch die Anrede. Indem wir sie aufnehmen und von ihr leiten lassen, wird uns Gott zu dem, der um unser Vertrauen wirbt und uns Geborgenheit verhei\u00dft. Und so durch die erste Bitte. Indem wir sie aufnehmen, werden wir zu der Einsicht gef\u00fchrt, da\u00df Gott w\u00fcrdig ist, unter uns heilig zu sein und zu hei\u00dfen, und mit der Erkenntnis beschenkt, da\u00df sich die Dinge f\u00fcgen und unser Leben sein Ordnung gewinnt, indem er, Gott selber, seinen Namen unter uns heilig sein l\u00e4\u00dft &#8211; was immer sich daraus ergibt.<\/p>\n<p>Nichts ist in den ersten zweimal vier W\u00f6rtern dieses Gebetes schwierig, erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig oder gar fraglich; allenfalls wir selber sind es. Indem wir uns ihnen \u00f6ffnen, in sie hineinschwingen, in ihren Klang und in ihre Bewegung gleichsam hineintauchen und uns von ihnen leiten lassen, lernen wir, sie zu sprechen, sie zu beten uns aus ihnen zu sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Klaus Schwarzw\u00e4ller, Universit\u00e4t G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe zum Vaterunser 1. Teil | 2. 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